Yorkville in Manhattan

Mittwoch, 10. Oktober 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, New York City

90th Street and Second Avenue © flickr.com - mike/cc-by-sa-2.0

90th Street and Second Avenue © flickr.com – mike/cc-by-sa-2.0

Yorkville ist ein Stadtteil in New York City auf der Upper East Side von Manhattan. Die Grenzen von Yorkville bilden der East River im Osten, die Third Avenue im Westen und die 96th Street im Norden. Die südliche Grenze liegt für die meisten auf der 79th Street, für manche auf der 72nd Street und für einzelne befindet sie sich in der 59th Street. Die Entwicklung der Gegend von einem abseits gelegenen Vorort zu einem zentralen Quartier Manhattans begann in den 1860er Jahren. Die 1878 gebaute Hochbahn auf der Third Avenue erschloss das Gebiet und wirkte zugleich als Grenze zwischen dem kleinbürgerlich-mittelständischen Yorkville und den westlich angrenzenden, vornehmeren Teilen der Upper East Side bis zum Central Park.

Ab 1880 wurde Yorkville zur bevorzugten Wohngegend für deutschstämmige Einwanderer (Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten). Das Viertel übernahm die Rolle des “Kleindeutschland” von der auf der Lower East Side gelegenen Gegend um den Tompkins Square. Der Trend zur Abwanderung aus den dortigen, schlechteren Wohnverhältnissen nach Yorkville war um 1900 in vollem Gange. Den letzten Anstoß für die Etablierung von Yorkville als Zentrum deutscher Bewohner in Manhattan gab 1904 der Untergang des Dampfers General Slocum auf dem East River. Unter den mehr als 1.000 Toten befanden sich viele Mitglieder der deutsch-lutherischen St. Mark’s Church, dem gesellschaftlichen Rückgrat des alten “Kleindeutschland”. Viele Überlebende verließen nach dem Unglück das alte Viertel.

Yorkville, seen from 87th Street © Leif Knutsen/cc-by-sa-3.0 PS General Slocum © The National Archives General Slocum Disaster St. Mark's Evangelical Lutheran Church, since 1940 the Community Synagogue © Beyond My Ken/cc-by-sa-4.0 The Rhinelander Children's Center of the Children's Aid Society © Beyond My Ken/cc-by-sa-4.0 Freie Bibliothek and Deutsches Dispensary (Free Library and Reading Hall), today_the NYPL Ottendorfer Library © Beyond My Ken/cc-by-sa-4.0 Former German-American Shooting Society Clubhouse © Schreibkraft/cc-by-sa-3.0 East 88th Street © Beyond My Ken/cc-by-sa-4.0 Scheffel Hall © Beyond My Ken/cc-by-sa-4.0 90th Street and Second Avenue © flickr.com - mike/cc-by-sa-2.0
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Freie Bibliothek and Deutsches Dispensary (Free Library and Reading Hall), today_the NYPL Ottendorfer Library © Beyond My Ken/cc-by-sa-4.0
Zum Zentrum von Yorkville entwickelte sich die 86th Street, eine der großen zweispurigen Ost-West Straßen in Manhattan, die den Beinamen “German Broadway” erhielt. Deutsche Kirchen, Theater, Vereine und Restaurants vermittelten den Bewohnern ein Stück alte Heimat. In den Blocks südlich der 86th Street wohnten im Jahre 1890 ca. 80.000 in Deutschland geborene Neu-New Yorker. Allerdings war Yorkville zu keiner Zeit so deutsch geprägt, wie es zuvor die Gegend um den Tompkins Square gewesen war. Zum einen zählte auch eine große Zahl anderer Nationen zur Wohnbevölkerung von Yorkville, namentlich Einwanderer aus Ungarn und Böhmen, aber auch aus Irland. Zum anderen ging die Einwanderung aus Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts stark zurück, es fehlte daher der stete Zustrom, der es etwa den italienischen Vierteln New Yorks lange Zeit ermöglichte, eine eigene Identität zu wahren. Schließlich bewirkte der Erste Weltkrieg mit dem Kriegseintritt der USA 1917, dass “Deutsch” mit dem Land und der Sprache des Feindes verbunden war, was für die deutschstämmigen Einwanderer einen verstärkten Assimilationsdruck bedeutete. Zudem reduzierte der allgemeine Trend zum Umzug in die Vororte die Bevölkerung in Manhattan; schon 1930 lebten die meisten deutschen Familien im Stadtteil Queens. Die Emigration deutscher Flüchtlinge in der Zeit des Nationalsozialismus brachte Yorkville nur vorübergehend etwas von seinem alten Charakter zurück. Der Abbau der Hochbahn auf der Third Avenue Mitte der 1950er Jahre beseitigte die “natürliche” Grenze des Viertels, vielgeschoßige Apartmenthäuser zerstörten die geschlossene Optik der alten Blockbebauung.

An ein deutsches Viertel erinnert heute in Yorkville nur noch wenig. Am East River auf Höhe der 86th Street befindet sich der Carl Schurz Park, benannt nach einem der erfolgreichsten deutschen Einwanderer, dem rheinischen “1848”-Revolutionär und späteren US-Senator Carl Schurz. Vereinzelt finden sich noch Geschäfte und Lokale, die mit deutschen Produkten werben und von denen das Feinkostgeschäft Schaller & Weber an der Second Avenue das bekannteste ist. In der German Ev. Lutheran Zion St. Mark’s Church in der 84th Street werden noch deutschsprachige Gottesdienste abgehalten, ebenso wie in der katholischen St. Joseph’s, Yorkville, in der 87th Street (dort hielt Papst Benedikt XVI bei seinem USA-Besuch im April 2008 eine ökumenische Gebetszeit). Die Steubenparade, seit 1957 als festlicher Umzug deutschstämmiger Amerikaner abgehalten, führt von der Fifth Avenue hinauf bis zur 86th Street und auch das deutsche Goethe-Institut hat auf Höhe der 83rd Street sein New Yorker Büro. In der 88th Street befindet sich das Kolpinghaus der Catholic Kolping Society New York.

Lesen Sie mehr auf nytimes.com – Living in Yorkville, Yorkville-KleindeutschlandHistoricalSociety.com, GermanTracesNYC.org und Wikipedia Yorkville (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.








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