Westjerusalem

Sonntag, 14. Juni 2015 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination: | Category/Kategorie: Allgemein, Union für das Mittelmeer

Mea Shearim district - Shabbat Square © Djampa/cc-by-sa-4.0

Mea Shearim district – Shabbat Square © Djampa/cc-by-sa-4.0

Als Westjerusalem oder Neu-Jerusalem wird der hauptsächlich jüdisch bewohnte, seit 1948 von Israel als Haupstadt betrachtete Westteil (von der Internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt, aber geduldet) von Jerusalem bezeichnet. Der Anspruch auf Westjerusalem ergab sich aus den Folgen des Palästinakrieg von 1948. Der Staat Israel beansprucht die Stadt im sogenannten Jerusalemgesetz insgesamt als Hauptstadt, während der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in mehreren Resolutionen die israelische Annexion Ostjerusalems als Folge des Sechstagekriegs verurteilt oder für nichtig erklärt hat (Resolution 478 des UN-Sicherheitsrates und Positionen der Internationalen Gemeinschaft). Heute wird Israels Anspruch auf Westjerusalem international weitgehend akzeptiert, der Anspruch auf Ostjerusalem aber weiterhin deutlich mehrheitlich abgelehnt, wobei Tel Aviv de jure weiterhin als Israels Hauptstadt gilt, zumal die internationale Gemeinschaft Westjerusalem lediglich als Israels Hauptstadt duldet, aber nicht anerkennt.

Heute befinden sich im Regierungsviertel wichtige staatliche Einrichtungen, wie die Knesset (das israelische Parlament), die Amtssitze des Präsidenten und Ministerpräsidenten, etliche Ministerien und das Oberste Gericht. Das Israel-Museum und das Holocaust-Museum Yad Vashem liegen ebenfalls in diesem Teil der Stadt. Auf dem Herzlberg wurde im Jahre 1949 der Begründer des Zionismus Theodor Herzl, der 1903 gestorben war, zu letzten Ruhe gebettet. Der Ort dient auch als Nationalfriedhof, hier finden sich u.a. die Gräber der ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin und Golda Meir.

Mea Shearim district - Shabbat Square © Djampa/cc-by-sa-4.0 Supreme Court of Israel © flickr.com - heatkernel/cc-by-2.0 Yad Vashem Holocaust Museum © Andrew Shiva/cc-by-sa-4.0 Yad Vashem Holocaust Museum © Andrew Shiva/cc-by-sa-4.0 Knesset © Beny Shlevich/cc-by-sa-3.0
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Mea Shearim district - Shabbat Square © Djampa/cc-by-sa-4.0
Das Quartier Mea Shearim, welches als zweite jüdische Siedlung ausserhalb der Stadtmauern Jerusalems um 1874 gegründet wurde, wird vorwiegend von ultraorthodoxen Juden bewohnt. Diese haben ihre ursprüngliche Lebensweise beibehalten, sodass man sich mit den eher baufälligen einfachen Gebäuden und kleinen Läden an ein osteuropäisches Schtetl aus dem vergangenen Jahrhundert erinnert fühlt. Noch lange wurden nachts die Zugangstore der ummauerten Siedlung geschlossen. Viele Chassidim tragen die traditionelle Bekleidung und am Shabbat den traditionell aus Osteuropa stammenden Schtreimel, die Pelzkappe aus Samt und Zobelfellen. In Hinweisschildern werden Besucher darum gebeten, das Leben in der gottesfürchtigen Gemeinschaft zu respektieren und sich entsprechend zu kleiden (vor allem für Frauen die Schultern bedeckende langärmlige nicht körperbetonte Bekleidung, ausreichend langer Rock bis deutlich unter die Knie, auch für Männer sind Shorts und “Muscle Shirts” nicht angebracht), vor allem am Shabbat werden die Shabbatregeln strikt eingehalten, es dürfen keine Autos verkehren, kein Licht gemacht, kein Mobiltelephon benutzt oder photographiert werden (dies entspricht der Auslegung des Gebots, dass man am Shabbat kein Feuer entzünden soll). Ebenfalls sollte darauf verzichtet werden, Menschen ungefragt und frontal zu photographieren, auch wenn sich ein malerisches Sujet ergeben sollte! Als solche erkennbare Touristengruppen sind zum “Site seeing” in Mea She’arim nicht zugelassen! Im Quartier finden sich zahlreiche Wandanschläge (Pashkevil) als Informationsquellen für die Bewohner (auf bildliche Darstellung vor allem von Personen wird verzichtet), im Alltag wird als Umgangssprache noch das mit ans Deutsche erinnernden Vokabeln angereicherte Jiddisch gesprochen, dem Hebräischen (als Sprache Gottes) wird der Einsatz zum Gebet und zu Lesungen von Tora – und anderen religiösen Texten vorbehalten.

In Westjerusalem gibt es vor allem zwei wichtige Einkaufsstraßen. Die Ben Yehuda Street und einige ihrer Nebensstraßen sind als Fußgängerzone ausgewiesen, hier gibt es viele kleine Geschäfte, Eisdielen und Imbisse. Von Ostjerusalem (Jaffator) herkommend ereicht man sie, wenn man der Jaffastraße am Rathaus vorbei folgt und beim Zion Square links abbiegt, innerhalb von 15 Minuten. Fündig wird man vor allem auf der Suche nach Andenken, Judaica (von der Menora bis zum Schofarhorn), es gibt eigene Kippa-Shops und Kunstantiquariate. Daneben wird man hier auch auf der Suche nach Mobiltelefon- und Computerzubehör (Speicherkarten) fündig. In der Jaffa Road liegen Bekleidungs-, Hut- und Stoffgeschäfte sowie auch Schuhläden. Der Jaffa Road weiter folgend gelangt man zum zentralen Markt Mahane Yehuda. Im teils überdachten Markt kauft die jüdische Bevölkerung alles für den Alltag ein, unübersehbar ist das Angebot von frischen Früchten und Gemüse, auch Fleisch, Fisch, Backwaren und Haushaltsartikel sind im Angebot. Im Westen gibt es kleinere Supermärkte, dazwischen einzelne (Steh-)Kneipen und Geschäfte für Judaica und Andenken. Zeitweise wird, wie in anderen grossen Malls, Busbahnhöfen, etc., eine Eingangskontrolle durch Sicherheitspersonal durchgeführt. Verschiedene Geschäfte, Cafés und Restaurants befinden sich auch in der Central Bus Station. In verschiedenen grossen Malls finden sich Läden und Boutiquen, oftmals muss man eine Eingangskontrolle durch den Sicherheitsdienst passieren. Die relativ neue Mamilla Mall mit einem Fussgängerbereich und zwei Stockwerken liegt in der Nähe des Jaffators. Zwischen der Mall und den Mauern der Altstadt liegt die City Line, die Grenze zwischen West- und Ostjerusalem und Teil der Grünen Linie. Die Malha Mall mit 260 Ladengeschäften liegt im Süden der Stadt in der Nähe der Malha Railway Station. Die Ramot Mall als weitere grosse Mall liegt im Norden im Bereich des Golda meir Boulevard und erstreckt sich ebenfalls über mehrere Stockwerke. Das Clal Center, ein erstes Projekt eines Geschäfts- und Bürozentrums in der Nähe des Mahane Yehuda Markts mit einer Tiefgarage wurde beim Bau heftig kritisiert und wird als kommerzieller Flop betrachtet, nachdem etliche Ladengeschäfte und öffentliche Stellen aus dem bald schon Baumängel zeigenden Gebäude ausgezogen sind. Als neuer Anziehungspunkt wurde ein Konzertsaal eingebaut.

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