Vorderasiatisches Museum in Berlin

Montag, 10. September 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Berlin, Museen, Ausstellungen, UNESCO-Welterbe

Ishtar Gate © Hnapel/cc-by-sa-4.0

Ishtar Gate © Hnapel/cc-by-sa-4.0

Das Vorderasiatische Museum ist ein Teil der Staatlichen Museen zu Berlin. Es ist im Haupt- und im Untergeschoss des Südflügels des Pergamonmuseums untergebracht und umfasst eine der größten Sammlungen Vorderasiatischer Kunst der Welt. Prunkstücke der Sammlung sind das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße von Babylon, Teile des Eanna-Tempels und des Inanna-Tempels des Kara-indaš aus Uruk. Daneben beherbergt das Museum eine bedeutende Anzahl von vorderasiatischen Stempel- und Rollsiegeln sowie Keilschrifttexten.

Auf 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, verteilt auf 14 Säle, werden Exponate aus sechs Jahrtausenden vorderasiatischer Kultur ausgestellt. Die Ausstellungsstücke können auf eine Zeit vom 6. Jahrtausend vor Christus bis in die Zeit der islamischen Expansion datiert werden. Sie stammen vor allem aus den heutigen Staaten Irak, Syrien und Türkei, Einzelfunde auch aus anderen Gebieten. Angefangen bei neolithischen Funden liegt der Schwerpunkt der Sammlung auf Funden aus Sumer, Babylonien, Assyrien sowie dem nordsyrisch-ostanatolischen Raum. Bei Ausgrabungen in historisch bedeutenden Städten wie Uruk, Schuruppak, Assur, Hattuscha, Amarna, Tell Halaf (Guzana), Sam’al, Toprakkale oder Babylon wurde der Grundstock der Museumssammlung gelegt, weitere Erwerbungen stammen aus Nimrud, Ninive, Susa oder Persepolis. Die Funde dokumentieren unter anderem die Hochkulturen der Sumerer, Akkader, Babylonier, Assyrer, Hethiter und Aramäer.

Ashurnasirpal II relief © Mike Peel - www.mikepeel.net/cc-by-sa-4.0 Ishtar Gate © Hnapel/cc-by-sa-4.0 Ishtar Gate © Rosapicci/cc-by-sa-4.0 Persian warriors © Jakub Hałun/cc-by-sa-4.0 Sphinx from Sam'al © José Luiz Bernardes Ribeiro/cc-by-sa-4.0 Wall panels from the temple-palace at Tell Halaf © Miguel Hermoso Cuesta/cc-by-sa-4.0
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Wall panels from the temple-palace at Tell Halaf © Miguel Hermoso Cuesta/cc-by-sa-4.0
Die ersten Funde kamen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts nach Berlin, als Preußen in London Reliefs aus den Grabungen in Ninive erwarb. Später war vor allem die enge Verbindung des Museums zur Deutschen Orientgesellschaft sowie zu dem Mäzen James Simon fruchtbar. 1899 wurde eine eigenständige Vorderasiatische Abteilung an den Königlichen Museen gegründet. Zunächst wurden die Funde im Neuen Museum, dann provisorisch im Sockelgeschoss des Kaiser-Friedrich-Museum untergebracht. Seit 1907 entstand nach Plänen von Alfred Messel und Ludwig Hoffmann das heutige Pergamonmuseum, dessen Südflügel von vornherein für die Vorderasiatische Abteilung gedacht war. Ins Obergeschoss zog seit 1929 die Islamische Kunst-Abteilung, das heutige Museum für Islamische Kunst ein, mit dem zusammen die Vorderasiatische Abteilung das Vorderasiatische Museum bildete. 1927 begann die Einrichtungsplanung der Räume im Hauptgeschoss durch den damaligen Direktor Walter Andrae, 1929 der Einzug in die neuen Räume. 1930 wurden zunächst der Saal mit dem Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße aus Babylon für die Allgemeinheit eröffnet, bis 1937 kamen nach und nach die anderen Ausstellungsräume hinzu. Zuletzt wurde der Yazılıkaya-Saal mit Wandbildern der Ausgrabungsstätte in Boğazkale (früher Boğazköy), dem antiken Hattuscha, von Elisabeth Andrae, sowie mit Gipsabgüssen von Reliefs aus dem Felsenheiligtum von Yazılıkaya in der Nähe der Hauptstadt der Hethiter eingerichtet. Die Inszenierung Andraes mit ihren monumentalen Rekonstruktionen von Toranlagen aus Babylon, Assur und Uruk, den starken Wandfarben, Gemälden, die die Ausgrabungsstätten in ihrem aktuellen Zustand zeigen, der Mischung von Originalen und Gipsabgüssen sowie der intensiv durchgearbeiteten Didaktik der Aufstellung galt als Sensation. Da sie in wesentlichen Teilen nach dem Krieg wieder eingerichtet wurde, ist die Andraesche Konzeption bis heute im Grundsatz noch zu erleben. Durch den Zweiten Weltkrieg gab es kaum kriegsbedingte Verluste der Sammlungen, die beweglichen Ausstellungsstücke, die als Beutekunst 1945 in die Sowjetunion verbracht wurden, wurden 1958 an die DDR zurückgegeben. Bereits 1953 wurde die Sammlung als Vorderasiatisches Museum wieder eröffnet.

Derzeit in Planung befindet sich ein Zentraldepot für die Sammlungen in Berlin-Friedrichshagen. In dieses sollen vor allem die großformatigen Teile der Sammlung ausgelagert werden. Der Bau dieses Zentraldepots ist umstritten. Der Südflügel, in dessen Obergeschoss seit 1933 die Sammlungen des Museums für Islamische Kunst präsentiert werden, die aber künftig in den Nordflügel des Pergamonmuseums umziehen sollen, soll auf Grundlage eines Wettbewerbsentwurfs von Oswald Mathias Ungers umgebaut werden. Die tiefen Einschnitte in die denkmalgeschützte, seit 1999 auf der Liste des UNESCO-Welterbes verzeichneten historischen Inszenierungen von Walter Andrae sind sehr umstritten. So sollen die meisten Tor-Rekonstruktionen von Andrae wie die abgebildete aus Uruk verschoben werden, auch ist eine Demontage des Yazılıkaya-Saals geplant. Dafür sollen vor allem Teile der trotz schwerer Kriegsbeschädigung wieder gewonnenen Sammlung Max von Oppenheim, das einstige Tell-Halaf-Museum in die Sammlung integriert werden. Die Toranlage des Palastes aus Tell Halaf soll zum neuen Haupteingang des Museums werden. Der Verein der Freunde der Antike auf der Museumsinsel Berlin e. V. unterstützt die Antikensammlung und das Vorderasiatische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin.

Lesen Sie mehr auf smb.museum – Vorderasiatisches Museum, museumsinsel-berlin.de – Vorderasiatisches Museum, museumsportal-berlin.de – Vorderasiatisches Museum und Wikipedia Vorderasiatisches Museum (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



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