Victoria in British Columbia

Freitag, 15. Juni 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination: | Category/Kategorie: Allgemein

The Empress © Miladlaferrari/cc-by-sa-3.0

The Empress © Miladlaferrari/cc-by-sa-3.0

Victoria ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia. Sie liegt am Südzipfel von Vancouver Island und hat ihren Ursprung in einem 1843 errichteten Handelsposten der Hudson’s Bay Company. Der Name geht auf die britische Königin Victoria zurück. Unter dem Namen Fort Victoria wurde die Stadt zum Zentrum des Pelzhandels in den westlichen Gebieten Kanadas. Sie entstand in einem Gebiet, das von Küsten-Salish bewohnt war, einer großen Gruppe indianischer Ethnien, die im Nordwesten der USA und in British Columbia lebt. Die Stadt steht, abgesehen vom Parlamentsgebäude, dessen Grund 2006 von der Stadt gekauft wurde, bis heute auf Indianergebiet. Der Ballungsraum Capital Regional District umfasst neben der eigentlichen Stadt Victoria (86.000 Einwohner im Jahr 2016) noch zwölf weitere Gemeinden, die zusammen 368.000 Einwohner zählen.

Aus dem zentralen Handelsposten entwickelte sich die Hauptstadt der britischen Kronkolonie Vancouver Island, dann der Vereinigten Kolonien von Vancouver Island und British Columbia und schließlich der gleichnamigen kanadischen Provinz. Ihre wirtschaftliche Basis war anfangs der Handel, zu dem sich Verwaltung, Militär und Polizei, dann die Marine gesellten. Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, vor allem von Holz, Kohle und der fischreichen Gewässer, besonders aber die Goldfunde auf dem Festland machten die Ansiedlung zu einer vergleichsweise großen Stadt. Sie wurde jedoch von Vancouver überflügelt. Starke Zuwanderung aus Großbritannien und politische Dominanz gaben ihr einen ausgesprochen “englischen” Charakter.

Victoria gilt zum einen als britischste Stadt Nordamerikas; Bau- und Lebensstil sind sehr von England geprägt, schon auf den ersten Blick erkennbar an den roten Doppeldeckerbussen. Weit über tausend Gebäude sind in einem Inventar des historischen Erbes erfasst. Ähnlich wie die Gärten, Landhäuser und Parks sind sie überwiegend vom britischen Baustil inspiriert. Das zeigt sich vor allem in Downtown. Zum anderen ziehen Musik und Theater zahlreiche Besucher in die Stadt, wobei dies überwiegend Kanadier und US-Amerikaner sind.

Skyline at Twilight © flickr.com - Brandon Godfrey/cc-by-sa-2.0 Royal British Columbia Museum © Ryan Bushby Johnson Street © panoramio.com - sergfokin/cc-by-sa-3.0 Johnson Street © panoramio.com - sergfokin/cc-by-sa-3.0 Hatley Castle houses the Royal Roads University © flickr.com - Brandon Godfrey/cc-by-sa-2.0 The Empress Hotel at night © flickr.com - Brandon Godfrey/cc-by-sa-2.0 Craigdarroch Castle © Krlbab/cc-by-sa-3.0 Butchart Gardens © w4nn3s/cc-by-sa-3.0 Bay Centre © Creativity-II/cc-by-3.0 The Empress © Miladlaferrari/cc-by-sa-3.0
<
>
Hatley Castle houses the Royal Roads University © flickr.com - Brandon Godfrey/cc-by-sa-2.0
Neben dem Parlamentsgebäude ist das direkt am Hafen gelegene Fairmont Empress Hotel eines der bekanntesten Gebäude in Victoria. Das Parlamentsgebäude und seine Umgebung gehören mit ihren 4 Hektar zu den wertvollsten Grundstücken in der gesamten Provinz. 2006 schätzte man seinen Wert auf 40 Millionen Dollar. Doch es stellte rechtlich betrachtet bis 2006 Indianergebiet dar. Die Regierung einigte sich am 25. November 2006 mit den Besitzern, den Songhees und Esquimalt auf eine Kompensation in Höhe von 31,5 Millionen Dollar. Dabei sollen jeweils pro Mitglied der Songhees nie mehr als 2.000 Dollar aus einem Fonds ausgezahlt werden dürfen. Bei zusammen 700 Stammesmitgliedern der beiden Stämme ergibt dies 1,4 Millionen. Weitere 8,5 Millionen Dollar sollen zum Kauf von Ersatzgrundstücken aus dem staatlichen Besitz eingesetzt werden. Sie müssen in Victoria oder in Esquimalt, Langford, Colwood oder View Royal liegen und maximal die gleiche Fläche umfassen, wie das alte Grundstück. Schließlich sollen 3 Millionen zur Deckung der Anwaltskosten aufgebracht werden sowie in die Umsetzung der vertraglichen Vereinbarungen. Ähnliche Regelungen wurden für die Esquimalt vereinbart. Unweit des Parlamentsgebäudes befindet sich das wichtigste Museum in Westkanada, neben dem Museum of Anthropology in Vancouver. Mit seinen Ausstellungsschwerpunkten Naturgeschichte, Stadtgeschichte und Geschichte der First Nations zieht das Royal British Columbia Museum jedes Jahr Hunderttausende an. Im Gebäude befindet sich das Hauptarchiv der Provinz, die British Columbia Archives. Zum Komplex gehört auch das älteste Gebäude der Stadt, das nach John Sebastian Helmcken benannte Helmcken House. Diesem gegenüber steht die älteste Schule der Stadt, das St Ann’s Schoolhouse von 1858. Die Art Gallery of Greater Victoria in 1040 Moss Street ist eine Mischung aus Kunstgalerie und -museum. Zahlreiche Werke von Emily Carr sind hier zu finden, die im konservativen Victoria lange um Anerkennung ringen musste. Das Swans Suite Hotel bietet als Teil der Williams Collection, einer der größten Sammlungen Westkanadas, Möbel, Gemälde und Skulpturen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Darüber hinaus liegt ein Schwerpunkt auf der Kunst der First Nations. Die Kernstadt selbst, mit ihrem europäischen Erscheinungsbild, ihren farbenfrohen Häusern und ihrer Kleinräumigkeit, ist besonders leicht für Fußgänger zu erschließen. Der alte Stadtkern von Victoria zieht sich rechts und links der Government Street vom Inner Harbour nach Norden. Dazu kommt, dass jedes Quartier eine ganz eigene Atmosphäre bietet. Das gilt vor allem für die Chinatown, die das älteste und besterhaltene Chinesenquartier Kanadas ist (in Amerika ist nur die in San Francisco älter). Sie reicht bis 1858 zurück. Dort befindet sich auch der älteste buddhistische Tempel Kanadas, der der Seegöttin Tam Kung gewidmet ist, ein Bau, der 1905 begonnen wurde (1713 Government Street). Außerdem findet sich hier die Fan Tan Alley, eine der schmalsten Straßen der Welt. An ihrer engsten Stelle ist diese Straße nur 90 Zentimeter breit und war schon wiederholt Drehort für Filme.

Das von 1887 bis 1890 im Auftrag des Industriellen Robert Dunsmuir errichtete viktorianische Landhaus Craigdarroch Castle (gälisch für ‚felsiger Eichenplatz‘) liegt auf einem Hügel im Osten der Stadt. Das von seinem Auftraggeber nie bezogene Objekt (Dunsmuir starb 1889), beherbergte nach dem Ersten Weltkrieg ein Militärkrankenhaus, von 1921 bis 1946 das Victoria College und anschließend eine Musikhochschule. 1979 wurde das Landhaus mit seinen 39 Zimmern in ein Museum umgewandelt. Es wird jährlich von etwa 150.000 Besuchern frequentiert. Ähnliches gilt für Hatley Park National Historic Site, einen Park mit alten Baumbeständen und einem ebenfalls von Dunsmuir beauftragten schlossartigen Gebäude, das Hatley Castle von 1908. Sieben der elf dicksten Douglasien Kanadas sollen dort stehen. Außerdem residieren hier seit 1995 die Royal Roads University und ein Museum. Ausgeführt wurde das Anwesen von dem für die Baugeschichte Victorias überaus wichtigen Architekten Samuel Maclure, der 1892 in die Stadt kam. Auf der Saanich-Halbinsel im Norden, bei Brentwood Bay, finden sich zwei ausgedehnte, parkähnliche Anlagen. Zum einen die Butchart Gardens (22 ha), deren Anlage 1904 von Jennie Butchart begonnen wurde, zum anderen die Victoria Butterfly Gardens, die an der West Saanich und Benvenuto Road liegen und fast 50 Schmetterlingsarten (dazu 250 tropischen Pflanzen) einen Lebensraum bieten. Die Butchart Gardens bestehen, wie der Plural andeutet, aus mehreren Gärten, unter ihnen ein japanischer (seit 1908), ein italienischer, dazu ein Rosengarten (seit 1929) mit 250 Rosenarten. Die Gärten beschäftigen mehr als 50 Gärtner. Zwei indianische Künstler haben 2004 je einen Totempfahl aufgestellt. Ursprünglich hatte der erfolgreiche Baustoffhändler Robert Pim Butchart hier eine Kalkgrube ausgebeutet, die seine Frau in einen riesigen Garten verwandelte, in dem sich bis heute die kanadische Gartenbaukunst mit über 700 Pflanzenarten widerspiegelt. Ähnliches gilt für die Abkhazi Gardens, die von Prinz und Prinzessin Abkhazi ab 1946 über vier Jahrzehnte geschaffen wurden. Marjorie (Peggy) Pemberton-Carter, die 1945 aus Shanghai nach Kanada geflohen war, heiratete den georgischen Exil-Prinzen Nicholas Abkhazi aus Tiflis, der seinerseits 1919 nach Kanada geflohen war. Nach ihrem Tod 1987 bzw. 1994 kaufte die Land Conservancy of British Columbia im Jahr 2000 das Land, um seine Bebauung durch eine Siedlung zu verhindern.

Lesen Sie mehr auf Stadt Victoria, TourismVictoria.com, hellobc.de – Victoria, Wikivoyage Victoria und Wikipedia Victoria (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons.



Das könnte Sie auch interessieren:

Themenwoche Neukaledonien - Païta

Themenwoche Neukaledonien - Païta

[caption id="attachment_150841" align="aligncenter" width="590"] High Street © Torbenbrinker/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Païta ist eine Gemeinde in der Südprovinz in Neukaledonien. Die Gemeinde liegt größtenteils auf der Hauptinsel Grande Terre, aber auch weitere kleine Inseln vor der Küste gehören dazu. Païta liegt in der Nachbarschaft zu Nouméa und gehört somit in Teilen zum Großraum Nouméa. Die höchste Erhebung ist der Mont Humboldt mit 1618 m. Auf dem Gebiet der Gemeinde Païta befindet sich ...

La Jolla am Pazifik

La Jolla am Pazifik

[caption id="attachment_150853" align="aligncenter" width="590"] La Jolla Shores © Dirk Hansen/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]La Jolla (spanisch für Juwel) ist ein Stadtteil San Diegos an der Küste im San Diego County in Kalifornien. Er liegt 22 Kilometer nördlich des Zentrums von San Diego. Im Süden grenzt La Jolla an Pacific Beach, im Norden an die Torrey Pines State Reserve und Del Mar. Zu La Jolla gehören die Wohnviertel Bird Rock, Wind 'n' Sea, La Jolla Farms und Torrey Pines. Die zerklüftete Küsten...

Das Institut der Arabischen Welt in Paris

Das Institut der Arabischen Welt in Paris

[caption id="attachment_27363" align="aligncenter" width="590"] Pont de Sully (front) with the Institut du Monde Arabe in the background to the right, to the left the northern buildings of the Jussieu Campus © David Monniaux/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Institut du monde arabe (IMA) (deutsch: Institut der Arabischen Welt) befindet sich im 5. Arrondissement von Paris und wurde eingerichtet, um das Verständnis zwischen Frankreich und der arabischen Welt zu fördern. Das IMA verfolgt drei erklärte Ziele: E...

Themenwoche Chile

Themenwoche Chile

[caption id="attachment_164044" align="aligncenter" width="590"] Santiago de Chile at night © Javmoraga/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen lassen"]Chile ist ein Staat im Südwesten Südamerikas und bildet den westlichen Rand des so genannten Südkegels (Cono Sur). Das Land grenzt im Westen und Süden an den Pazifischen Ozean, im Norden an Peru (auf einer Länge von 160 Kilometern), im Nordosten an Bolivien (861 km) und im Osten an Argentinien (5308 km). Die Gesamtlänge der Landesgrenzen beträgt 6329 Kilometer. Daneben zä...

Limerick am Shannon in Irland

Limerick am Shannon in Irland

[caption id="attachment_148929" align="aligncenter" width="590"] Shannon and St. John's Castle © fitm[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Limerick ist die Hauptstadt der Grafschaft Limerick in der Provinz Munster (Irland) im Südwesten der Republik Irland und hat 53.000 Einwohner. Sie ist historisches Zentrum der Region und in einigen Bereichen Zentrum für den Westen Irlands, insbesondere was den Tourismus an der Küste betrifft. Limerick ist ein guter Start- und Endpunkt für die Erkundung des in weiten Teilen ausgewiesenen Nationalpa...

Themenwoche Irland - Waterford

Themenwoche Irland - Waterford

[caption id="attachment_171155" align="aligncenter" width="590"] Waterford by night © geograph.org.uk - Typhoon/cc-by-sa-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Waterford (irisch Port Láirge) war ursprünglich die Hauptstadt des County Waterford in der Provinz Munster. Heute ist sie separat verwaltet und das County Waterford hat seinen administrativen Sitz in Dungarvan. Die Stadt im Südosten von Irland hat eine Fläche von 42 km². 2016 lebten rund 54.000 Menschen in der Stadt. Die Stadt wurde im 9. Jahrhundert von den Wikingern gegr...

Return to Top ▲Return to Top ▲
© Don Ramey Logan/cc-by-sa-3.0
Balboa Island in Newport Beach

Balboa Island ist eine künstliche Insel und zugleich ein Stadtteil von Newport Beach in Kalifornien. Sie liegt in der Newport...

© flickr.com - Bob Jagendorf/cc-by-2.0
Atlantic City in New Jersey

Atlantic City ist eine Stadt im Bundesstaat New Jersey, rund 200 Kilometer südlich von New York mit 39.000 Einwohnern. Zusammen...

Carnegie Museum of Natural History © Piotrus/cc-by-sa-3.0
Carnegie Museums of Pittsburgh

Carnegie Museums of Pittsburgh sind vier Museen, die vom Carnegie Institute mit Sitz im Carnegie Institute Komplex im Stadtteil Oakland...

Schließen