Themenwoche Vatikanstadt – Petersdom

Samstag, 29. Dezember 2018 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Architektur, Allgemein, UNESCO-Welterbe

Tiber, Ponte Sant'Angelo and St. Peter's Basilica © Rabax63/cc-by-sa-4.0

Tiber, Ponte Sant’Angelo and St. Peter’s Basilica © Rabax63/cc-by-sa-4.0

Die Basilika Sankt Peter im Vatikan in Rom, im deutschsprachigen Raum meist Petersdom genannt (auch Basilica Sancti Petri in Vaticano, Petersbasilika, vatikanische Basilika oder Templum Vaticanum), ist die Memorialkirche des Apostels Simon Petrus. Sie ist der religiöse Mittelpunkt des unabhängigen Staates der Vatikanstadt und eine der sieben Pilgerkirchen von Rom. Mit einer überbauten Fläche von 20.139 m² und einem Fassungsvermögen von 20.000 Menschen ist der Petersdom die größte der päpstlichen Basiliken und eine der größten und bedeutendsten Kirchen der Welt. Der Vorgängerbau des heutigen Petersdomes, Alt-St. Peter, wurde um das Jahr 324 von Konstantin dem Großen über dem vermuteten Grab des heiligen Petrus errichtet. Mit dem heutigen Bau wurde im Jahr 1506 begonnen, 1626 war er weitestgehend vollendet.

Seit Mitte des 5. Jahrhunderts war die Peterskirche auch die Patriarchalbasilika des Patriarchen von Konstantinopel. Nach der Auflösung des Patriarchats im Jahr 1964 wurde dieser Titel weitergeführt; 2006, als Papst Benedikt XVI. den Titel des Patriarchen des Abendlandes (oder des Westens) niederlegte, wurde er durch den einer Papstbasilika ersetzt. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts residieren die Päpste in direkter Nähe zum Petersdom. Er ist jedoch weder die Kathedrale des Bistums Rom noch der offiziell ranghöchste römisch-katholische Kirchenbau. Beides ist seit alters her die Lateranbasilika.

Der Petersdom gehört er zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Europa. Vor dem Eintritt in die Basilika müssen Besucher umfangreiche Sicherheitskontrollen passieren. Ebenso wird auf angemessene Kleidung geachtet; Schultern und Knie sollten beim Besuch des Petersdomes in jedem Falle bedeckt sein. Der Kopf darf jedoch nicht bedeckt sein, da der Petersdom ein heiliger Ort ist.

Der Petersdom gehört zu den größten Kirchen der Welt. Da die Kriterien für die Größe eines Gebäudes je nach Aufzählung und Betrachtungsweise variieren und entweder von der überbauten Fläche, der Höhe des Baues oder vom Volumen abhängen, wird er nicht zwingend an erster Stelle genannt. So besitzt der Petersdom mit einer Länge von 186,36 Metern das längste Kirchenschiff; die größte überbaute Fläche eines Kirchenbaues hat mit fast 22.400 m² die Mezquita-Catedral in Córdoba. Die größte Gesamthöhe einer Kirche hat mit 161,53 Metern das Ulmer Münster sprich dessen Hauptturm. Um die Länge des Petersdomes zu verdeutlichen und einen anschaulichen Vergleich mit anderen Kirchengebäuden zu ermöglichen, sind am Fußboden des Hauptschiffes sternförmige Markierungen angebracht. Diese geben, gemessen von der Apsis des westlichen Kreuzarmes, die inneren Längen von 31 großen, an verschiedenen Orten der Welt stehenden Kirchen wieder.

Um 1500 waren im nordalpinen Raum noch zahlreiche gotische Kirchen in Bau. Im italienischen Kirchenbau hingegen war bereits im frühen 15. Jahrhundert die Renaissance in Mode gekommen. Ein Grund, warum die Architektur der Renaissance im Verlauf des 16. Jahrhunderts auch nördlich der Alpen Einzug hielt und die Gotik verdrängte, waren neben vielen weiteren Faktoren auch die Entwürfe Donato Bramantes für die Peterskirche. Die späteren Abweichungen von Bramantes Plan, also die Kombination aus Kuppel-Zentralbau und basilikaler Längsorientierung sowie die üppige Ausgestaltung, setzten neben dem bedeutenden Bau von Il Gesù Maßstäbe für viele Kirchenbauten der Barockzeit. Einige Kirchenbauten der Neuzeit rezipieren die Architektur des Petersdomes direkt. So sollte beispielsweise die Kasaner Kathedrale in Sankt Petersburg im 19. Jahrhundert ein Nachbau der Petersbasilika werden; die Entwürfe wurden jedoch vom ausführenden Baumeister erheblich umgestaltet. Julius Raschdorff ließ sich in seinen Planungen für den 1905 vollendeten Berliner Dom ebenfalls vom Petersdom inspirieren. Dem Petersdom nachempfunden ist auch die Basilika Notre-Dame de la Paix in Yamoussoukro, Elfenbeinküste. Die Basilika St. Agatha und Barbara in Oudenbosch in den Niederlanden ist eine um das vierfache verkleinerte Kopie des Petersdomes; ihre Fassade ist allerdings jener der Lateranbasilika nachempfunden. Auch die 1894 vollendete Kathedrale Marie-Reine-du-Monde in Montreal ist eine verkleinerte Nachbildung.

Cupola of St. Peter's Basilica © Jose G. Molina/cc-by-sa-4.0 Dome of St. Peter's Basilica © isogood/cc-by-sa-4.0 Dome of St. Peter's Basilica © LivioAndronico/cc-by-sa-4.0 © Ranadeep Dhar/cc-by-sa-3.0 seen from Castel Sant'Angelo © Wolfgang Stuck Maderno's nave © Jean-Christophe BENOIST/cc-by-2.5 Statues of Saint Peter (left) and Saint Paul (right) flanking the entrance stairs © Jean-Pol GRANDMONT/cc-by-sa-3.0 The Chair of Saint Peter © Vitold Muratov/cc-by-sa-3.0 Tiber, Ponte Sant'Angelo and St. Peter's Basilica © Rabax63/cc-by-sa-4.0
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Statues of Saint Peter (left) and Saint Paul (right) flanking the entrance stairs © Jean-Pol GRANDMONT/cc-by-sa-3.0
Die Ostfassade des Petersdomes bildet mit ihren 115 Metern Breite und fast 46 Metern Höhe den westlichen Abschluss des Petersplatzes. Geplant wurde sie vom Architekten Carlo Maderno, auf den fast der gesamte Ostteil der Basilika zurückgeht. Seit einer Sanierung in Vorbereitung auf das Jubeljahr 2000 erscheint die Fassade wieder in ihrer ursprünglichen Farbgebung. Papst Paul V., der aus der Familie Borghese stammte und dessen Wappen im Tympanon des tempelartigen Dreiecksgiebels angebracht ist, wird von der lateinischen Inschrift auf dem Fries als Bauherr der Fassade genannt:

IN HONOREM PRINCIPIS APOST[OLORUM] PAVLVS V BVRGHESIVS ROMANVS PONT[IFEX] MAX[IMUS] AN[NO] MDCXII PONT[IFICATU] VII
(Zur Ehre des Ersten der Apostel, [stiftete diesen Bau] Paul V. Borghese, aus Rom, Pontifex Maximus, im Jahre 1612, dem siebten Jahr seines Pontifikats.)

Wie die Inschrift berichtet, war die Fassade Anfang des Jahres 1612 vollendet. Allerdings beauftragte der Papst Maderno noch im gleichen Jahr, seitlich der Fassade zwei Glockentürme zu errichten. Deren Bau wurde jedoch auf der Höhe der restlichen Fassade eingestellt, sodass sie mit dieser eine Einheit zu bilden scheinen. Heute werden die Glockentürme von Uhren bekrönt, die gegen 1790 von Giuseppe Valadier entworfen wurden. Die beiden mit Mosaiken verzierten Ziffernblätter haben jeweils einen Durchmesser von über acht Metern. Die Fassade ist als Staffelfassade angelegt, sodass die monumentalen korinthischen Pilaster und Säulen zur Mitte hin zunehmend an Räumlichkeit gewinnen. Im unteren Geschoss befinden sich fünf Eingänge, die mit bronzenen Gittertüren versehen sind und in den dahinterliegenden Portikus führen. Der mittlere und die beiden äußeren Eingänge werden von antiken ionischen Säulen gerahmt, die aus Alt-St. Peter stammen. Am zweiten Geschoss sind fünf Balkone angebracht. Vom mittleren, der sogenannten Benediktionsloggia, zeigt sich ein neu gewählter Papst erstmals der Öffentlichkeit und spricht, wie auch zu den Hochfesten Weihnachten und Ostern, den Segen Urbi et orbi. Direkt unterhalb der Loggia ist ein Relief angebracht, das 1614 von Ambrogio Buonvicino geschaffen wurde; es zeigt die Schlüsselübergabe von Jesus an Petrus. Über der Attika der Fassade sind 13 Figuren aufgestellt, die ungefähr sechs Meter hoch sind und Jesus (in der Mitte), Johannes den Täufer (links von Jesus) und alle Apostel bis auf Petrus darstellen. Eine Figur des Petrus, die von Giuseppe de Fabris geschaffen wurde, steht seit 1847 zusammen mit einer Statue des Paulus von Adamo Tadolini am sogenannten Sagrato, dem treppenartigen Vorplatz des Petersdomes.

Der Innenraum des Petersdomes hat eine Grundfläche von 20.139 m² und bietet etwa 20.000 Personen Platz. Die innere Länge der Basilika, die neben der Hauptkuppel zehn kleinere Nebenkuppeln besitzt, beträgt 186,30 Meter; das Querschiff ist 137,85 Meter breit. Im Innenraum befinden sich 778 Säulen und 395 Statuen sowie 44 Altäre. Als Material verwendete man vor allem römischem Travertin aus Tivoli, Carrara-Marmor, Stuck und Bronze. Im Petersdom wurden zudem über 20 Grab- und Denkmäler von Päpsten und weiteren für die katholische Kirche bedeutenden Persönlichkeiten aufgestellt. Viele der Grabmäler sind Kenotaphe und beherbergen somit keine sterblichen Überreste. Die meisten Altarbilder, aber auch die Verzierungen in den Kuppeln, sind in Mosaik ausgeführt. Den Anstoß dazu gab Papst Gregor XIII., der ein großer Verehrer dieser Kunstform war. Daher ließ er die nach ihm benannte gregorianische Kapelle im Petersdom mit Mosaiken ausschmücken und gründete im Zuge dessen auch eine Scuola del Mosaico (“Mosaikschule”). Deren Schüler sollten diese Kunstform erlernen, studieren und pflegen. Im Laufe der Zeit wurden deshalb, aber auch aus konservatorischen und optischen Gründen, fast alle Altargemälde in der Basilika durch Mosaikkopien oder durch Neukreationen in Mosaik ersetzt. Die ursprünglichen Altarbilder befinden sich heute zum Großteil in der vatikanischen Kunstsammlung. Zählt man alle mit Mosaiken ausgeschmückten Flächen im Petersdom zusammen, bilden sie mit etwa 10.000 m² das größte Mosaik der Welt (Liste von Kunstwerken im Petersdom).

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

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