Themenwoche Schlösser an der Loire – Schloss Amboise

22. Juni 2011 | Destination: | Rubric: Architektur, Allgemein, Paläste, Schlösser, Villen, Parks, UNESCO-Welterbe |

Aerial view © Lieven Smits

Aerial view © Lieven Smits

Das Schloss Amboise liegt in der französischen Kleinstadt Amboise im Département Indre-et-Loire in der Region Centre. Die hoch über Stadt und Fluss auf einem Felsplateau errichtete Anlage zählt kulturhistorisch zu den wichtigsten der Loireschlösser und war im 15. und 16. Jahrhundert häufig Residenz. Von der Bausubstanz der ehemals gewaltigen Anlage ist nur ein kleiner Teil erhalten geblieben.

Schon in fränkischer Zeit gab es in Amboise eine Burg. Nach deren Zerstörung durch die Normannen gehörte Amboise im 10. Jahrhundert drei Herren, darunter den Grafen von Anjou. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts hatten schließlich angevinische Vasallen, die sich nach Amboise nannten, die alleinige Herrschaft übernommen. In der Folge wurde eine Brücke über die Loire geschlagen und ein neues Schloss errichtet, von dem jedoch kaum Spuren vorhanden sind.

Das Haus Amboise, die Familie der Herren (Sires) von Amboise, entwickelte sich zu einer machtvollen Dynastie, von der sich im 14. Jahrhundert die Linie Chaumont d’Amboise abzweigte. Die Stadt erfuhr in dieser Zeit einen ungeahnten Aufschwung, nicht zuletzt durch das Privileg, Schutzbriefe auszustellen. Aus dem nüchternen “Chastel d’Amboise” wurde über die Jahrhunderte eine noble Residenz. 1422 fiel das Lehen dem Vizegrafen Louis de Thouars als Erbe zu. Er wurde während des Hundertjährigen Krieges der Verschwörung gegen Karl VII. bezichtigt, das Schloss sowie die Ländereien wurden konfisziert. Nach zwei Jahren schließlich begnadigt, erhielt er seine Güter zurück, außer dem Schloss, das im Besitz der Krone blieb.

Die Hauptgebäude der Anlage entstanden zuerst, das “Haus der Sieben Tugenden”, benannt nach den in Nischen aufgestellten Statuen der Haupt- und Kardinaltugenden. Dieser Bau hatte Verbindung zum “Hurtaultturm” und zur “Hubertus-Kapelle”, die beide heute noch vorhanden sind. Die nördlichen Gebäude wurden nach dem Italien-Feldzug errichtet: das sogenannte “Logis du Roi”, der zur Loire hin überhängende “Minimenturm” sowie ein rechtwinklig dazu ausgerichteter Flügel, das die Verbindung zwischen dem “Haus der Sieben Tugenden” und dem der Kinder des Königs schuf. Von diesem Flügel sind nur noch Fundamentspuren im Untergrund vorhanden.

Amboise and its castle © Peter Dutton The banks of the Loire and the Maréchal Leclerc Bridge © Tango7174 Gardens at Chateau d'Amboise © BenAveling © Manfred Heyde Château d'Amboise, view from the courtyard © Manfred Heyde © Manfred Heyde Amboise from Chateau © Matilda The Château overlooking the town of Amboise © Tango7174 Aerial view © Lieven Smits
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The banks of the Loire and the Maréchal Leclerc Bridge © Tango7174
Die äußere Fassade des „Logis du Roi“ strebt auf ihrem Sockel aus Fels und Stützmauer steil in den Himmel. Der Minimenturm begrenzt sie an ihrer linken Seite, an ihrer rechten ein erhaltener Teil des alten Donjons, nämlich ein viereckiges, etwas tiefer liegendes Wohngebäude. Ein achteckiges Treppentürmchen drängt sich in den zurückspringenden Winkel des Turmes.

Am Fuße des Gebäudes wurde im 19. Jahrhundert ein gedeckter Wehrgang rekonstruiert. Darüber liegt ein Geschoss mit Rundbogenarkaden, halb verdeckt von einer durchbrochenen Balustrade. Im Stockwerk darüber liegt der Ständesaal, deshalb die hohen Fenster. Das abschließende Dach lugt zwischen spitzen, üppig verzierten Lukarnen hervor.

Die innere Fassade präsentiert sich weniger reich. Das Erdgeschoss bilden zwei gewölbte Galerien, von denen die zum Loiretal hin durch Arkaden geöffnet ist. Die Front im Stockwerk darüber wird auch hier von Fenstern des im 19. Jahrhundert erneuerten, zweischiffige Ständesaales eingenommen. Fünf leichte Mittelsäulen mit den Lilien Frankreichs und den Hermelintupfen der Bretagne tragen sein Rippengewölbe.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

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