Themenwoche Saudi-Arabien – Medina

Samstag, 29. April 2017 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
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Al-Masjid al-Nabawi - Mosque of the Prophet © Aymanzaid2/cc-by-sa-4.0

Al-Masjid al-Nabawi – Mosque of the Prophet © Aymanzaid2/cc-by-sa-4.0

Medina (al-Madīna al-munawwara = “die erleuchtete Stadt”; ursprünglicher Name Yathrib, dann Madīnat an-Nabī = “Stadt des Propheten”) ist eine Stadt mit 1.747.129 Einwohnern im westlichen Saudi-Arabien. Nach Mekka ist Medina die zweitwichtigste heilige Stadt des Islam. Die Stadt ist nach islamischem Recht wie Mekka prinzipiell für Nichtmuslime gesperrt. Madīna ist auch das allgemeine arabische Wort für “Stadt”. Heutzutage wird der Begriff ebenfalls als besondere Bezeichnung für die Altstadt nordafrikanischer Städte verwendet (z. B. die “Medina von Marrakesch“). Die Medinas sind eng mit dem Islam verknüpft, wie aus folgendem Zitat deutlich wird:

“Ohne Bezug zum Islam, der den altarabischen Stadtgründungen seine festen Formen und Strukturen vorgegeben hat, bleibt die Medina […] ein chaotisch anmutendes Gassengewirr, in dem man zwangsläufig die Orientierung verliert. In Wirklichkeit ist jede Medina, von der Freitagsmoschee aus, nach unumstößlichen Prinzipien organisiert. Obwohl die Freitagsmoschee in jedem Fall den religiösen Mittelpunkt einer jeden Altstadt markiert, muß das größte Gebetshaus nicht unbedingt im Zentrum der Altstadt liegen. Die verschiedenen Stadtviertel, durch bisweilen gewundene Hauptstraßen miteinander verbunden, schließen sich rund um die dominierende Freitagsmoschee an. Die Viertel selbst sind in mehrere Gebäudegruppen eingeteilt, häufig endet der Zugang zu den Wohnungseingängen in einer Sackgasse, die genaugenommen nur die Bewohner betreten dürfen. Jedes Wohnquartier, dessen Haushalte jeweils eine Infrastruktur aus Backofen, Hammām (Bad), Koranschule und Lebensmittelgeschäft gemeinsam benutzen, ist getreu dem Heiligen Buch der Muslime einer bestimmtem Gruppe der Gesellschaft vorbehalten. […] Die vornehmeren Stadtbewohner lebten einst nahe der Freitagsmoschee, wobei die ranghöchste Familie in der Regel das Gebäude am Ende der Sackgasse bewohnte.”
– Thomas Veser

Im Jahre 622 verrichteten 73 Männer und zwei Frauen aus Yathrib, die zum Islam konvertiert waren, die Wallfahrt nach Mekka und gaben Mohammed und seinen Anhängern das Versprechen, sie so zu schützen wie ihre eigenen Stammesangehörigen. Dieser Eid ist auch als “Huldigung des Krieges” (baiʿat al-ḥarb) bekannt. Auf der Grundlage dieser Vereinbarung vollzogen in der nachfolgenden Zeit etwa 70 mekkanische Muslime mit ihren Angehörigen die Hidschra, d. h., sie wanderten nach Medina aus. Zuletzt unternahmen Mohammed und Abū Bakr diesen Schritt. Sie erreichten den Ort Qubā’ im Süden der Oase von Medina am 12. Rabīʿ al-awwal (= 24. September 622). Mohammed bewirkte in der Zeit nach seiner Ankunft eine Einigung in der Stadt, indem alle Beteiligten einem von ihm konzipierten Pakt, der so genannten Gemeindeordnung von Medina, in der die künftigen Beziehungen der Stämme Yathribs zueinander geregelt wurden, zustimmten. Seine damalige Moschee und sein Wohnhaus stellen heute einen Teil der “Moschee des Gesandten” (Prophetenmoschee) dar. Er lud die gesamte Stadt ein, der neuen Religion, dem Islam, zu folgen, konnte die meisten Juden allerdings nicht überzeugen. Unter den arabischen Neumuslimen opponierten die nur scheinbar zum Islam konvertierten so genannten “Heuchler” um Ibn Ubayy und paktierten mit den Mohammed größtenteils feindlich gesinnten Juden Medinas. Zwei der drei größten jüdischen Stämme der Oase wurden nach Zwischenfällen und einer Belagerung ihrer jeweiligen Gebiete aus der Stadt vertrieben: Die Banu Qainuqa (624) und die Banu Nadir (625). Nach der so genannten Grabenschlacht im Jahre 627 wurden aufgrund vorgeworfenen Verrats des Stammes an den Muslimen alle Männer der Banu Quraiza gemäß einem auf dem Alten Testament (Deuteronomium) beruhenden Richterspruch getötet, ihre Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft. Nach der Exekution der Quraiza verblieb bis zu ihrer Vertreibung aus der Arabischen Halbinsel unter Umar ibn al-Chattab, dem zweiten der vier so genannten rechtgeleiteten Kalifen, nur noch eine kleine jüdische Minderheit in Medina, die den Muslimen gegenüber keine offene Feindschaft hegte. Seit der Hidschra bildete Medina das Zentrum des islamischen Gemeinwesens. Auch nach der Eroberung von Mekka im Jahre 630 verlagerte Mohammed seinen Wohnsitz nicht zurück nach Mekka. Bis zum Kalifat von ʿUthmān ibn ʿAffān blieb Medina die wichtigste Stadt des Islam und de facto die Hauptstadt des Kalifats. Unter den ersten vier Kalifen erweiterte sich das islamische Reich schnell und umfasste bald Jerusalem, Ktesiphon und Damaskus.

Medina - Al-Masjid al-Nabawi - The Mosque of the Prophet © flickr.com - Omar Chatriwala/cc-by-2.0 Shaza Al Madina Hotel © Shazaalmadina/cc-by-sa-3.0 Modern Medina © Adiput Al-Masjid al-Nabawi - Mosque of the Prophet © Aymanzaid2/cc-by-sa-4.0 Al-Masjid al-Nabawi - Mosque of the Prophet © Aymanzaid2/cc-by-sa-4.0 Al-Masjid al-Nabawi - Mosque of the Prophet © flickr.com - Omar Chatriwala/cc-by-2.0 Al-Masjid al-Nabawi - Mosque of the Prophet © Mardetanha/cc-by-sa-3.0 Mount Uhud © Adiput Quba Mosque © Adiput
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Medina - Al-Masjid al-Nabawi - The Mosque of the Prophet © flickr.com - Omar Chatriwala/cc-by-2.0
Nach dem Tod von ʿUthmān ibn ʿAffān verlagerte sich das Zentrum des islamischen Staates von Medina weg. Der vierte Kalif ʿAlī ibn Abī Tālib herrschte von Kufa aus, die Umayyaden hatten ihre Hauptstadt in Damaskus. Während der späteren Umayyadenzeit entwickelte sich Medina zu einer Hochburg der Qadarīya-Bewegung. Die qadaritische Lehre wurde hier wahrscheinlich von Maʿbad al-Dschuhanī selbst eingeführt, der als Begründer und Haupt dieser Bewegung gilt. Ibn Hadschar al-ʿAsqalānī zitiert in seinem Werk Tahḏīb at-Tahḏīb einen Bericht, wonach Maʿbad von seinem ursprünglichen Wohnort Basra nach Medina kam und dort einige Menschen “verdarb” (qadima l-Madīnata wa-afsada bi-hā nāsan). Der 765 verstorbene Traditionarier Ibn Hurmuz wird mit dem Ausspruch zitiert, dass es in seiner Jugendzeit nur einen einzigen Mann in Medina gegeben habe, der der Qadar-Lehre verdächtigt wurde, nämlich Maʿbad al-Dschuhanī. Hieraus lässt sich schließen, dass es in späterer Zeit erheblich mehr waren. Insgesamt sind elf bedeutende Vertreter der qadaritischen Lehre im Medina des 8. Jahrhunderts namhaft zu machen. Zu ihnen gehörte auch der Prophetenbiograph Ibn Ishāq. In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts wurde Medina das Zentrum einer bedeutenden Rechtsschule, die von Mālik ibn Anas angeführt wurde. 762 war es Schauplatz des alidischen Aufstandes von Muhammad an-Nafs az-Zakīya. 974 umgab der buyidische Herrscher Adud ad-Daula den inneren Bereich der Stadt mit einer Mauer. Sie wurde 1145 durch den zengidischen Wesir al-Dschawād al-Isfahānī erneuert. 1517 kam Medina unter osmanische Herrschaft.

Seit 1908 war Medina der südliche Endpunkt der Hedschasbahn. Deren Betrieb dauerte – mit Unterbrechungen im Ersten Weltkrieg – bis 1924, als Medina, das über Jahrhunderte hinweg nominell zum osmanischen Reich gehört hatte, von Ibn Saud, dem Begründer des heutigen Saudi-Arabien, gegen den Widerstand Ömer Fahrettin Paschas eingenommen wurde. In den Anlagen des ehemaligen Bahnhofs soll ein Eisenbahnmuseum eingerichtet werden. 1908 wurde neben dem Bahnhof vom türkischen Sultan Abdülhamid II. auch die Ambariya-Moschee errichtet. Zu den höheren Bildungseinrichtungen zählen die 1961 gegründete Islamische Universität Medina und die Taibah-Universität, die 2003–2004 gegründet wurde.

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