Themenwoche Provence – Aix-en-Provence

Samstag, 25. Oktober 2014 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

© Wolf Meusel

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Aix-en-Provence ist eine Universitätsstadt im französischen Departement Bouches-du-Rhône und historische Hauptstadt der Provence. Die Stadt umfasst eine Fläche von 18.608 Hektar. Rund 40.000 der 143.000 Einwohner, die man Aixois nennt, sind Studenten. Als Unterpräfektur des Départements ist Aix, wie die Stadt kurz genannt wird, Hauptstadt des gleichnamigen Arrondissements. Aix zählt für die Franzosen zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität. Insbesondere der Schwerpunkt für Kunst und Kultur sowie das studentische Angebot an Bars und Diskotheken machen den Reiz der Stadt aus. Berühmt sind auch die Calissons. Aix liegt 15 Kilometer westlich des Bergs Sainte-Victoire in einer Senke, welche durch die Flüsse Arc und Torse geformt wurde. Die Entfernung nach Marseille und zu den nächsten Stränden des Mittelmeers beträgt ca. 30 Autominuten. Regionalzüge verkehren auf der Strecke Aix-Marseille im Halbstundentakt. Die nächsten Ski-Pisten sind in 2h 30 zu erreichen. Der Flughafen Marseille ist 20 Minuten entfernt. Marseille war gemeinsam mit Košice Kulturhauptstadt Europas 2013. In Aix wurden dabei mehrere große kulturelle Veranstaltungen durchgeführt und außerdem dazu wichtige neue kulturelle Infrastruktur eröffnet.

Die Prachtmeile Cours Mirabeau ist nach dem Schriftsteller und Politiker Graf Gabriel-Honoré de Mirabeau benannt, der 1789 von den Bürgern der Stadt zum Abgeordneten des Dritten Standes in den Generalständen gewählt wurde. Die Platanenallee war 1649 anstelle der alten Stadtmauer als Flanierboulevard für Karossen angelegt worden und stellt die Verbindung zwischen dem “Mazarin-Viertel” im Süden und der Altstadt im Norden dar. Das Mazarin-Viertel wurde im 17. Jahrhundert von Bischof Michel Mazarin als schachbrettartig angelegtes Wohnviertel für den Aixer Adel entworfen. Sehenswert sind unter anderem das Hôtel de Caumont, welches das Darius-Milhaud-Konservatorium beherbergt, der Place des Quatre Dauphins mit dem 1667 entstandenen Delfin-Brunnen und das Musée Paul Arbaud mit seiner Sammlung provençalischer Fayencen. Als Hauptachse der Stadt wird der Cours Mirabeau durch die beiden Brunnen Fontaine du Roi René im Osten und der Fontaine de La Rotonde im Westen begrenzt. Der Rotonde-Brunnen wurde 1860 errichtet und wird von drei Statuen gekrönt, die die Justiz (entlang des Cours Mirabreau blickend), die Landwirtschaft (nach Marseille blickend) und die Schönen Künste (nach Avignon gerichtet) darstellen. Die Südseite des Cours Mirabeau wird von eleganten Adelshäusern und alten Hotels aus dem 17. und 18. Jahrhundert mit reich dekorierten Eingangsportalen und schmiedeeisernen Balkonen gesäumt. Auf der gegenüberliegenden Seite reihen sich vornehme Geschäfte, Buchläden und Cafés aneinander. Das berühmteste Café ist das der Deux Garçons, das als Treffpunkt vieler berühmter Literaten und Künstler wie etwa Émile Zola, Paul Cézanne, Jean Giraudoux, Blaise Cendrars oder Jean Cocteau galt.

Die Altstadt nördlich des Cours Mirabeau gliedert sich in einen römischen und einen mittelalterlichen Stadtkern. Zentrale Anlaufstellen sind die Cathédrale St-Sauveur und der Place de l’Hôtel de Ville. Über die Rue Espariat gelangt man zunächst zum 1675 entstandenen Hôtel Boyer d’Éguilles, in dem das Musée d’Histoire Naturelle mit seinen versteinerten Dinosauriereiern untergebracht ist. Schräg gegenüber dem Eingang befindet sich der Place d’Albertas, der als einer der schönsten Plätze von Aix gilt und der 1745 von einer Parlamentarierfamilie als private Terrasse erbaut wurde. Die Fassaden dienen im Sommer als Hintergrundkulisse für Konzerte (Aix en Musique). Über die Rue Aude und Rue Maréchal Foch gelangt man zum Place Richelme, wo jeden Morgen ein Gemüsemarkt stattfindet. Auf dem Place de l’Hôtel de Ville weiter nördlich findet man hingegen einen Blumenmarkt. Der Giebel der ehemaligen Kornhalle aus dem 18. Jahrhundert wird von personifizierten Darstellungen der männlichen Rhône und der weiblichen Durance geschmückt. Die Kornhalle wird heute von der Post und der Bibliothek genutzt. An der Westseite des Rathausplatzes befindet sich das zwischen 1655 und 1671 erbaute Hôtel de Ville mit Barockfassade. Den gepflasterten Innenhof erreicht man durch ein schönes kunstgeschmiedetes Tor. Der angrenzende Tour de l’Horloge diente als Stadttor und wurde auf römischen Fundamenten errichtet. In dem Uhrturm aus dem Jahr 1510 schlägt eine astronomische Uhr. Der Rathausplatz und der daneben befindliche Place des Cardeurs mit seinem ansehnlichen Keramikbrunnen wird von vielen Cafés gesäumt, die als beliebte Studententreffpunkte dienen.

Pavillon de Vendôme © Guillaume Piolle/cc-by-3.0 Fontaine de la Rotonde © Georges Seguin/cc-by-sa-3.0 Eglise de la Madeleine © Georges Seguin/cc-by-sa-3.0 Bibliothèque Méjanes © flickr.com - marlèned/cc-by-2.0 Town Hall © Marianne Casamance/cc-by-sa-3.0 © Wolf Meusel
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Bibliothèque Méjanes © flickr.com - marlèned/cc-by-2.0
Über die Rue Gaston de Saporta gelangt man zum römischen Stadtteil, wo im Hôtel d’Estiennes de St-Jean das Heimatmuseum untergebracht ist. Etwas weiter nördlich steht der ehemalige Erzbischofspalast aus dem 17. Jahrhundert. Sein Innenhof dient alljährlich im Sommer als Schauplatz des internationalen Festival d’Aix-en-Provence. An den Palast schließen sich die Kathedrale Saint-Sauveur mit Kreuzgang und frühchristlichem Baptisterium, sowie die ehemalige juristische Fakultät an. Am westlichen Ende der Altstadt befinden sich in einem 1990 komplett umgestalteten Badekomplex die schon bei den Römern bekannten Thermalquellen Les Thermes Sextius. Im östlichen Teil der Altstadt liegt der imposante Palais de Justice, der Ende des 18. Jahrhunderts das Schloss der Provencegrafen ersetzte. Unweit des nach Plänen von Claude-Nicolas Ledoux entworfenen Justizpalastes befindet sich die Église de la Madeleine. Die Kirche ist ein barocker Bau und enthält das berühmte Triptychon der Verkündung. Bei dem unbekannten Meister des Werkes handelt es sich wahrscheinlich um den flämischen Maler Barthélemy d’Eyck.

Das 1765 errichtete Musée Granet gehört zu einem der reichsten und ältesten Museen Frankreichs und ist neben der Kirche Saint Jean-de-Malte in der alten Priorei des Malteserordens untergebracht. Die archäologische Sammlung zeigt Funde aus römischer Zeit und keltoligurische Überreste aus Entremont. In der Gemäldesammlung aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind Werke von Rubens, Jean Dominique Ingres, Henri Matisse, Fernand Léger, Paul Cézanne und François Marius Granet zu sehen. 1910 wurde im ersten Stock des ehemaligen Erzbischofpalastes das Musée des Tapisseries eingerichtet. In dem Museum wird eine umfangreiche Gobelin-Sammlung ausgestellt. Zu sehen sind Wandteppiche, gewebte Theaterkulissen, sowie zeitgenössische Textilkunst und Möbel aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Pavillon de Vendôme außerhalb des Boulevardrings ist ein barocker Adelspalast und wurde 1665 vom Architekten Antoine Matisse im Auftrag des Herzogs von Vendôme konzipiert. Die reich verzierte Fassade zeigt alle drei klassischen Säulenordnungen (dorisch, ionisch und korinthisch). Im Inneren sind Möbel aus der Zeit Ludwig XIII. und Ludwig XIV., sowie Werke des Malers Jean-Baptiste van Loo zu sehen. Etwas nördlich der Altstadt auf einem Hügel liegt das Atelier Cézanne. Im Obergeschoss des lichtdurchfluteten Hauses befindet sich ein einzelner Raum, in dem versucht wurde, die Arbeitsatmosphäre des Malers nachzuempfinden.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

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