Themenwoche Palästina – Nablus

Samstag, 30. Dezember 2017 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Union für das Mittelmeer

An-Najah University © Guillaume Paumier/cc-by-3.0

An-Najah University © Guillaume Paumier/cc-by-3.0

Nablus ist eine Stadt mit 147.000 Einwohnern. Sie liegt zwischen zwei Bergen. Das biblische Sichem und die römische Gründung Flavia Neapolis waren Vorgängersiedlungen an dieser Stelle. Nablus ist Sitz der an-Najah-Nationaluniversität. Am Stadtrand von Nablus wird Josephs Grab von Christen, Juden und Muslimen verehrt. Im Distrikt Nablus einschließlich der Flüchtlingslager (Askar und Balata) und umliegenden Ortschaften leben 205.392 Einwohner. Heute leben dort unter der muslimischen und christlichen Bevölkerung etwa 400 Angehörige des Volkes der Samaritaner. Im Distrikt Nablus befinden sich 14 israelische Siedlungen.

Bei einem Erdbeben mit einer Stärke von womöglich 7,5 auf der Richterskala im Jahre 1202 wurde die Stadt zerstört, aber rasch wieder aufgebaut. 1260 übernahmen die Mamluken die Kontrolle über Nablus und stoppten den Vormarsch der Mongolen. 1517 gelangte Palästina als Teil der Provinz von Damaskus unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches. Nablus war einer von sechs Distrikten Palästinas mit fünf Unterdistrikten. Die Grenzen entsprachen traditionellen Einzugsgebieten von jeweiligen Familien. Der Einfluss der fremden Staatsmacht in der Ferne blieb gering und die wirtschaftliche Bedeutung von Nablus blieb ungebrochen. 1908 begannen Planungen für einen Anschluss von Nablus an die Hedschasbahn. Beim Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg waren die Schienen schon bis kurz vor die Stadt verlegt. Der Sieg der Engländer am 19. September 1918 in der Schlacht bei Nablus war ein wichtiger Baustein bei der Niederlage der Osmanen. Im Vertrag von Sèvres mit dem Osmanischen Reich vom 10. August 1920 wurde das britische Mandatsgebiet von „Palästina und Trans-Jordanien“ geschaffen, in dem nun auch Nablus lag. Von den zunehmenden Spannungen zwischen Arabern und Juden in den 1930er Jahren in der Folge einer massiven Einwanderung von Juden blieb Nablus nicht verschont. Beim Überfall auf einen Militärkonvoi im Oktober 1938 kamen bei Nablus 19 Menschen ums Leben. 1937 entging der Bürgermeister von Nablus knapp einem Attentat. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg die britischen Truppen im Mai 1948 aus Palästina zurückzogen und David Ben Gurion die Unabhängigkeit Israels erklärte, erhielt Nablus seinen heutigen Status. In der Stadt wurden die Flüchtlingslager Askar und Balata geschaffen, in denen nach Angaben der UN noch heute fast 40 000 Menschen leben.

Downtown Nablus © flickr.com - Marcel Masferrer Pascual/cc-by-2.0 © Anna Frodesiak/cc-by-sa-1.0 Old City © Mohammad Hijjawi/cc-by-sa-4.0 Nablus © Ba231q/cc-by-sa-3.0 An-Najah University © Guillaume Paumier/cc-by-3.0
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Downtown Nablus © flickr.com - Marcel Masferrer Pascual/cc-by-2.0
Die Wirtschaft in Nablus ist heute durch die politischen Rahmenbedingungen für die palästinensischen Autonomiegebiete und die praktische Abhängigkeit von israelischen Behörden stark eingeschränkt. Eine Spezialität ist die Herstellung von Speiseöl. Schon um 1300 berichtete der arabische Geograph Al-Dimashqi: „Die Stadt steht wie ein Palast in ihren Gärten und hat eine große Anzahl von Bäumen. Das Öl ihrer Oliven wird in alle Länder Ägyptens, Syrien, den Hedschas und die arabische Wüste gebracht“. Das Öl wird auch für die Seifenherstellung verwendet. Die Fertigung lässt sich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen und trug wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung bei. Ein starkes Standbein ist außerdem die Textilindustrie, insbesondere die Jeans-Fertigung. Über die Grenzen von Nablus hinaus ist die Süßspeise Kunafah begehrt. Schließlich beherbergt Nablus seit 1995 die Börse Palästinas (PEX).

Die Altstadt von Nablus mit vielen Relikten historischer Bausubstanz und den Einkaufsmöglichkeiten in seinem Suq ist alleine schon eine touristische Attraktion. Ziel von Pilgern ist der sogenannte Jakobsbrunnen, der im Johannesevangelium erwähnt wird. An ihm soll einst Jesus eine Frau aus der Volksgruppe der Samaritaner getroffen haben, die ihm zu trinken anbot. Darüber steht heute eine griechisch-orthodoxe Kirche. Zu nennen ist die Ausgrabungsstätte Balata mit den Spuren von Sichem. Aus römischer Zeit sind die Überreste eines Amphitheaters erhalten geblieben. Auch ein Besuch der verbliebenen Samaritaner-Gemeinde auf dem Berg Garizim ist möglich.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

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