Themenwoche Moldawien – Soroca

Mittwoch, 28. Oktober 2020 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Soroca Fort © Photobank MD

Soroca Fort © Photobank MD

Soroca ist eine Stadt im Nordosten der Republik Moldau am rechten Ufer des Dnister. Die mit etwa 37.600 Einwohnern achtgrößte Stadt des Landes ist die Hauptstadt des gleichnamigen Rajons. Von der strategischen Bedeutung zur Grenzsicherung Bessarabiens im 15. und 16. Jahrhundert zeugt eine am Flussufer erhaltene Festung. Ein Stadtviertel wird durch imposante Villen der Roma-Minderheit geprägt, was im Volksmund zum Beinamen “Romahauptstadt Moldaus” führte.

Soroca liegt 160 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Chișinău auf einer Höhe von 45 Metern am rechten (westlichen) Ufer des Dnister, der hier in mehreren Flussschlingen durch die flachwellige Ebene mäandert. Das gegenüberliegende östliche Ufer gehört zur Ukraine und ist nahezu flach. Dagegen verläuft parallel zum Westufer ein niedriger Höhenzug, der südlich der Stadt bis fast ans Flussufer reicht und nur noch Platz für die nach Süden führende Ausfallstraße lässt. Wo die umgebenden Ebenen nicht mit Weizen, Mais und Sonnenblumen bepflanzt sind, herrscht eine Steppengrasvegetation auf Braunerdeböden vor. Die natürliche Bewaldung der Hügel besteht aus Eichen, Buchen und Eschen, eine Rarität ist eine Aufforstung mit Kiefern auf der Hügelkuppe am südlichen Stadtrand. Mit Chișinău ist Soroca über die gut ausgebaute Schnellstraße M2 verbunden, die von der Landeshauptstadt an Orhei und Florești vorbeiführt. Zehn Kilometer nördlich von Soroca erreicht die M2 im Dorf Cosăuți einen offiziellen Grenzübergang zur Ukraine. Dort führt eine Autofähre über den Fluss zur ukrainischen Grenzstadt Jampil. Die Entfernung auf der Straße (R9) am Dnister entlang zur nordöstlichsten Grenzstadt Otaci beträgt 56 Kilometer, nach Südwesten über Florești zur größten Stadt Nordmoldaus, Bălți, sind es etwas über 80 Kilometer. Von der R9 zweigt nach zwölf Kilometern die R7 nach Südwesten ab und erreicht über Zgurița und Drochia Rîșcani, das an der Hauptstrecke (E583) zwischen Bălți und Edineț im Norden liegt.

Soroca ist einer von 65 Orten, die den Status einer Stadt besitzen und die achtgrößte Stadt in Moldau. Die Stadt gliedert sich in mehrere unterschiedlich bebaute Wohnviertel am Flussufer und auf der Höhe des sich westlich anschließenden Hügels. Das Geschäftsviertel wird von der nord-südlich verlaufenden Hauptachse (Strada Independenței), einer parallelen Uferstraße und einer weiteren Parallelstraße landeinwärts gebildet, die zusammen mit Querstraßen ein Schachbrettmuster bilden. Entlang der schattenspendenden Alleen reihen sich überwiegend eingeschossige, aneinander gebaute Wohnhäuser und dazwischen Villen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Hinzu kommen einige moderne Banken, die Post und andere Verwaltungsgebäude. Das Zentrum bildet der Stadtpark (Parcul Central), der im Westen vom Rathaus, einem Block aus der sozialistischen Zeit, begrenzt wird und vor dem ein steinernes Standbild Ștefan cel Mares steht. Der nur vormittags aktive Markt für in der Region angebautes Obst und Gemüse sowie Kleidung und Schuhe befindet sich am Südende dieses Viertels in der Nähe des Busbahnhofs. Es gibt mehrere weiterführende Bildungseinrichtungen, ein ethnographisches Museum (Strada Independenței, 68) und zwei Hotels, unweit des Stadtparks und am Busbahnhof. Etwas nördlich des Stadtparks steht die Festung am Flussufer inmitten eines weiteren Parks.

Soroca and Dnister river from Thanksgiving Candle © Visem/cc-by-sa-4.0 Soroca and Dnister river © Oxana spinoza/cc-by-sa-4.0 © flickr.com - akk_rus/cc-by-2.0 Roma mansion © Bertramz/cc-by-sa-3.0 Soroca Ethnografic Museum © Photobank MD Soroca Fort © Photobank MD Strada Independentei, the main street © Bertramz/cc-by-sa-3.0 Thanksgiving Candle © flickr.com - Ion Bargan/cc-by-sa-2.0
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Soroca and Dnister river from Thanksgiving Candle © Visem/cc-by-sa-4.0
Die am meisten verehrte Kirchen in der Stadtmitte ist die Himmelfahrtskathedrale (Catedrala Adormirea Maicii Domnului, Mariä Aufnahme in den Himmel), die 1840 bis 1842 nach einer Planung des Architekten Antuan Vaisman von 1832 im neoklassizistischen Stil fertiggestellt wurde. Gestiftet wurde sie vom moldauischen Adligen Costache Cerchez. Das Kirchenschiff wird von einer Kuppel über einem außen achteckigen und innen kreisrunden Tambour überragt. Ein dreigeschossiger quadratischer Glockenturm wurde 1878 vor dem Eingang angebaut, um einen Vorraum zu schaffen.

Eine Sehenswürdigkeit im Süden der Stadt, zwei Kilometer vom Busbahnhof entfernt entlang der Uferstraße, ist die “Kerze der Dankbarkeit” (Lumânarea Recunoștinței). Das knapp 30 Meter hohe turmartige Denkmal wurde am Südende des Hügels errichtet und ist zu Fuß von der Straße über eine Treppe mit 600 Stufen zu erreichen. Alternativ führt ein Fahrweg von Norden entlang des Hügelrückens bis zu einem Parkplatz oberhalb. Das 2004 fertiggestellte Denkmal soll all jenen Personen gedenken, die sich um die Kultur Moldaus verdient gemacht haben, besonders dem namentlich nicht bekannten Verfasser des Nationalgedichts Miorița. Schöpfer des Denkmals ist der Schriftsteller Ion Druță (* 1928) aus Soroca, der 1987 zum Ehrenpräsidenten der moldauischen Schriftstellerunion gewählt wurde und die Stadt seiner Jugendzeit in mehreren Werken erwähnt. Im Innern befindet sich unten eine Kapelle, das Bauwerk ist nicht zu besteigen. Der Vorplatz bietet jedoch eine gute Aussicht über den Dnister.

Der Grundriss der Festung ist kreisrund mit vier vorgelagerten, ebenfalls runden Ecktürmen und einem rechteckigen Eingangsturm an der Flussseite, die in gleichen Abständen zueinander angeordnet sind. Der äußere Durchmesser beträgt 37 Meter. Die erhaltenen, lediglich im oberen Bereich restaurierten Umfassungsmauern sind 3,5 Meter stark und an der Außenseite bis zu 25 Meter hoch. Im Innern ist die Höhe etwas geringer, weil der Boden des Innenhofs wegen Überschwemmungsgefahr und zur Stabilisierung um rund zwei Meter aufgefüllt wurde. Die Ecktürme sind dreigeschossig. Bis zu 200 Soldaten verteidigten die Festung. Sie konnten sich aus einem Ziehbrunnen im Hof mit Wasser versorgen. Die Zinnen sind mit einem umlaufenden hölzernen Wehrgang verbunden. Die kegelförmigen, überragenden Dächer über den Türmen entsprechen nicht der ursprünglichen Dachdeckung. Die Festung ist auf der Rückseite des aktuellen 20-Lei-Scheins abgebildet. Eine alte Legende über einen weißen Storch und die Festung Soroca besagt, dass während einer langen Belagerung die hungrigen Verteidiger ihr Überleben einem weißen Storch zu verdanken hatten, der ihnen Trauben brachte.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

Lesen Sie mehr auf Soroca, TraveloMoldova.com – Tour To Attractions Of Soroca, LonelyPlanet.com – Soroca, Wikitravel Soroca, Wikivoyage Soroca und Wikipedia Soroca. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes - Wetterbericht von wetter.com). Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.






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