Themenwoche Libyen – Tripolis

25. November 2017 | Destination: | Rubric: Allgemein |

Istiqlal Street © Abdul-Jawad Elhusuni

Istiqlal Street © Abdul-Jawad Elhusuni

Tripolis (“Drei Städte”) ist die Hauptstadt Libyens und hatte 2014 etwa 1,1 Millionen Einwohner. Tripolis ist der politische, wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes. Zur Unterscheidung von der im Arabischen gleichlautenden libanesischen Stadt Tripoli wird Tripolis im Arabischen oft auch “Westliches Tarabulus” genannt. Die Stadt liegt im Nordwesten des Landes am Mittelmeer. Das Stadtgebiet von rund 250 Quadratkilometern erstreckt sich etwa 40 km längs der Küste bei einer Bebauungstiefe von drei bis zehn Kilometer. Baumaterial, Nahrungsmittel, Textilien, Kleidung und Tabakprodukte werden in der Stadt hergestellt. Im Nutzfahrzeugsektor ist die Trucks and Bus Company mit einem Zweitwerk in Tripolis ansässig. Durch die Position als Marktführer im Inland ist das Unternehmen zudem einer der wichtigen Arbeitgeber in der Region. Die größte Stadt in Libyen verfügt gleichzeitig über dessen wichtigsten Hafen und ist Zentrum des Handels und der Produktion des Landes. Der internationale Flughafen Tripolis liegt 34 km südlich des Zentrums.

Die Stadt Tripolis wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern unter dem Namen Oea gegründet. Unter den sizilischen Griechen wurde die Region der drei Städte Oea, Sabratha und Leptis Magna Tripole genannt. Später ging der Name der Region auf die größte dieser drei Städte über. Tripolis bildete im Altertum ein mittelbares Gebiet Karthagos, die sogenannte Regio Syrtica. Nach dem zweiten Punischen Krieg wurde es von den Römern Numidien überlassen und nach dessen Unterwerfung der römischen Provinz Africa zugeschlagen. Unter Septimius Severus wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. die Provincia Tripolitana mit Oea als Hauptstadt gebildet, auf die sodann der Name Tripolis überging. Die wirtschaftliche Blütezeit endete mit dem Niedergang des Römischen Reichs. Nach Einfällen nomadischer Völker und der Vandalen sank die Bevölkerung von etwa 30.000 auf 7.000 Personen. Nach der Invasion der Araber im 7. Jahrhundert teilte Tripolis die Geschicke der Berberei. Es gehörte längere Zeit zu Tunis und wurde Ende des 15. Jahrhunderts unabhängig. 1510 wurde Tripolis von Spaniern unter Graf Pietro von Navarra erobert und ein spanischer Statthalter eingesetzt. Kaiser Karl V. überließ sie 1530 den Johannitern als Lehen, aber schon 1551 wurde sie von Türken unter Turgut Reis (Dragut) erobert, der daraufhin vom Sultan zum Bey von Tripolis ernannt wurde.

 

1711 machte sich der türkische Pascha Ahmad Qaramanli (der Große) fast unabhängig von der Pforte, indem er nur noch Tribut zahlte, und begründete die Dynastie derQaramanli (1711–1835). Der 1728 unternommene Kriegszug der Franzosen gegen Tripolis endete mit der fast gänzlichen Zerstörung der Stadt. 1801 kam es wegen des Seeräuberunwesens zum Amerikanisch-Tripolitanischen Krieg. Erst die französische Eroberung Algiers (1830) machte der auch von Tripolis ausgehenden Seeräuberei ein Ende. 1835 sah sich die Pforte durch die in Tripolis herrschende innere Zerrüttung zum Einschreiten veranlasst und machte der Herrschaft der Familie Karamanli ein Ende, worauf Tripolis als Eyâlet (1866 Vilâyet) dem Osmanischen Reich einverleibt wurde. Im Italienisch-Türkischen Krieg wurde Tripolis 1911 von Italien besetzt und 1912 völkerrechtlich an Italien abgetreten. Unter dem italienischen Kolonialregime kam es zu massiven Versuchen der Italianisierung durch forcierte Zuwanderung; zeitweilig zählte die Stadt etwa ein Drittel italienischer Bevölkerung. Im Zweiten Weltkrieg besetzten britische Truppen am 23. Januar 1943 die Stadt. Im Jahr 1945 kam es zum antisemitisch motivierten Pogrom von Tripolis gegen die jüdische Minderheit der Stadt, wobei etwa 140 Juden starben. Ein weiterer blutiger Pogrom fand 1948 statt. Nach der Unabhängigkeit Libyens (1951) unter König Idris und der Bildung eines Einheitsstaates wurde Tripolis 1963 Hauptstadt des Landes. Die wirtschaftlich dominierende Rolle der italienischen Minderheit blieb von diesen politischen Veränderungen zunächst weitgehend unberührt. Erst nach der Machtübernahme durch das libysche Revolutionsregime im Sommer 1969 begann 1970 ein Exodus der italienischen Bevölkerung. Symbolhafte bauliche Veränderungen, wie zum Beispiel der Umbau der Kathedrale von Tripolis zu einer Moschee, spiegelten diese politischen Veränderungen wider. 1986 war die Stadt Ziel US-amerikanischer Luftangriffe, die von der US-Regierung als Vergeltung für die vermeintliche Unterstützung terroristischer Aktivitäten durch Libyen befohlen wurden (Operation El Dorado Canyon).

Während des libyschen Bürgerkriegs war die Stadt bis zu ihrer Eroberung durch libysche Rebellen im August 2011 fest im Griff der Gaddafi-Regierung, die dort auch ihren Hauptsitz hatte. Demonstrationen wie im östlichen Landesteil wurden schnell aufgelöst. Im Laufe des internationalen Militäreinsatzes war Tripolis daher mehrfach Bombenangriffen der NATO ausgesetzt. Nach Ausbruch des neuen Bürgerkrieges in Libyen wurde die Stadt im September von den Milizen der Gegenregierung eingenommen. Seitdem fungiert sie als Sitz der Gegenregierung und des von ihr wieder eingesetzten alten Parlamentes. Im Sommer und Herbst 2014 wurde die Stadt Ziel von Luftangriffen durch die Streitkräfte General Haftars, Ägyptens und den Streitkräften der Vereinigten Arabischen Emirate. Im Zuge des Friedensprozesses unter Leitung der UN wurden die Luftangriffe auf Tripolis vonseiten der international anerkannten Regierung zunächst ausgesetzt.

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