Themenwoche Libyen – Bengasi

Mittwoch, 22. November 2017 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Benghazi Waterfront © Jaw101ie

Benghazi Waterfront © Jaw101ie

Bengasi ist eine libysche Hafenstadt im Nordosten des Landes und liegt an der Großen Syrte. 2011 war Bengasi mit 632.000 Einwohnern nach Tripolis die zweitgrößte Stadt Libyens und das politische und wirtschaftliche Zentrum der Kyrenaika. Im Zuge des Bürgerkrieges in Libyen hat die Einwohnerzahl deutlich abgenommen. Die Stadt wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. von Griechen als Kolonie mit dem Namen Euhesperides gegründet. Dieser Name bezieht sich auf die Gärten der Hesperiden. Dem Mythos nach war es eine der Aufgaben des Herakles, aus diesen Gärten die goldenen Äpfel zu holen. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt unter dem Namen Berenike erneut gegründet. Im 2. Jahrhundert n. Chr. kam es aufgrund sozialer Missstände zu Unruhen. Nach der arabischen Eroberung ab 643 n. Chr. und nach dem Ende des Widerstandes der Berber in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts versank Bengasi in Bedeutungslosigkeit. Die Türken besetzten Bengasi im Jahr 1578. Von 1711 bis 1835 wurde die Stadt von der Familie der Qaramanli von Tripolis aus regiert. Danach kam sie bis 1911 unter osmanische Herrschaft.

Die Hafenstadt ist Ostlibyens wichtigstes Wirtschaftszentrum. Industrie und Handel sind vor allem auf das Verarbeiten von landwirtschaftlichen Produkten aus dem Umland und den Fischfang ausgerichtet sowie auf Textilien und Zement. Bengasi ist ein Zentrum des Erdölgeschäfts im Nordosten Libyens; wichtige Arbeitgeber sind die Brega Oil Marketing Company und die Arabian Gulf Oil Company. Die Universität von Bengasi (Garyounis University) wurde 1955 gegründet. Die International Medical University ist die erste akkreditierte private medizinische Universität und wurde 2007 gegründet.

© giannip46/cc-by-sa-3.0 Green old town © Dennixo/cc-by-sa-3.0 Garyounis Tourist Village © Dennixo/cc-by-sa-3.0 Al Daawa al Islamiyah building © Maher A. A. Abdussalam Benghazi Waterfront © Jaw101ie Downtown Benghazi © Dennixo/cc-by-sa-3.0
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Al Daawa al Islamiyah building © Maher A. A. Abdussalam
Im Februar 2011 wurde die Stadt ein Zentrum des Aufstands in Libyen gegen das Gaddafi-Regime. Zwischen dem 17. und dem 20. Februar wurden heftige Kämpfe in und um Bengasi ausgetragen, in deren Zuge die dort stationierte Garnison unter General Fattah Junis sich dem Aufstand anschloss. Am 19. März wurde die Belagerung der Stadt und der Beschuss mit schwerer Artillerie durch Gaddafi-Tuppen im Rahmen des Internationalen Militäreinsatz in Libyen gestoppt und die Stadt von den Aufständischen am 20. März als befreit erklärt. Am 19. Mai 2012 fanden die Wahlen zum Stadtrat von Bengasi statt. In den ersten Wahlen seit 1964 wurde die 41 Mitglieder des Rates gewählt. Die Wahlsieger aus jedem der Wahlbezirke vertreten zudem seither die Stadt im nationalen Übergangsrat.

Am Abend des 11. September 2012 griffen mehr als 100 schwerbewaffnete Ansar al-Scharia-Anhänger das US-Generalkonsulat an; dabei starben der US-Botschafter J. Christopher Stevens, der nach Bengasi gekommen war, um Pläne für ein neues Kulturzentrum und zur Modernisierung eines Krankenhauses zu prüfen, und ein Mitarbeiter des Konsulats. Am nächsten Morgen folgte ein weiterer Angriff auf ein von der CIA genutztes Gebäude in der Nähe, dabei kamen zwei Sicherheitsbeamte der CIA ums Leben. Die Aufbereitung des Anschlags führte in den USA zu innenpolitisch motivierten Vorwürfen. Nach dem Sturz Gaddafis nistete sich die islamistische Miliz Ansar al-Scharia in Bengasi ein und machte sich zur maßgeblichen Kraft im Schura-Rat der Revolutionäre von Bengasi, der die Stadt beherrschte. Im zweiten libyschen Bürgerkrieg seit 2014 griffen konkurrierende Milizen unter dem Kommando von Chalifa Haftar in einem Vorstoß, den er als “Operation Würde” bezeichnete, Benghasi an. Im Juli 2017 gab er bekannt, Bengasi erobert zu haben.

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