Themenwoche Kuba – Varadero

Samstag, 30. April 2016 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

La Casa de Al, Al Capone's warhouse during prohibition, today a restaurant © Laslovarga/cc-by-sa-4.0

La Casa de Al, Al Capone’s warhouse during prohibition, today a restaurant © Laslovarga/cc-by-sa-4.0

Varadero ist ein Sondergebiet (Territorio especial) an der Nordküste Kubas auf der Halbinsel Hicacos, gut 120 Kilometer östlich von Havanna. Es gehört verwaltungsrechtlich zum Municipio Cárdenas in der Provinz Matanzas. Hier befindet sich auch der zu den USA nächstgelegene Punkt der Hauptinsel. Die ursprünglich von Indianern besiedelte und bewaldete Halbinsel wurde von den Spaniern für den Schiffbau abgeholzt, ihre Höhlen dienten als Unterschlupf für Piraten. Kapitäne ließen ihre Schiffe zur Ausbesserung an diesen Ufern vor Anker gehen, daher der Name Varadero (Reparaturdock). Seit 1587 versorgte die Saline von Varadero (geschlossen 1961) große Teile der spanischen Lateinamerikaflotte mit dem notwendigen Salz für die Überfahrt nach Europa.

Im 19. Jahrhundert begannen kubanische Haziendabesitzer am Strand von Varadero Sommervillen zu errichten. Die ersten Parzellen für Ferienwohnungen wurden 1887 im Bereich der heutigen Straßen 42 bis 48 genehmigt. An dieser Stelle nahm ebenfalls der Tourismus in Varadero seinen Anfang. Für die seit 1910 jährlich stattfindende Ruderregatta wurde hier fünf Jahre später das erste Hotel mit Namen “Varadero” (später “Club Nautico”) für die Angehörigen der kubanischen Gesellschaft errichtet. In den 1920er Jahren folgten ihnen reiche US-Amerikaner, zuerst T. Coleman du Pont, Urenkel von Éleuthère Irenée Du Pont de Nemours, dem Begründer der Pulverfabrik und des späteren Konzerns DuPont, der östlich der Ortschaft Varadero eine Villa errichtete und einen Golfplatz anlegte. Auch Al Capone besaß in der Nähe des Hafens am westlichen Ortsrand eine Villa in Varadero (die er allerdings nicht selbst bewohnte, sondern als Depot für Schmuggelware nutzte), ebenso der kubanische Präsident und spätere Diktator Fulgencio Batista.

© flickr.com - Emmanuel Huybrechts/cc-by-2.0 Varadero Golf Course © Gardenparty/cc-by-sa-3.0 Convention Center Plaza America © Gardenparty/cc-by-sa-3.0 © flickr.com - Emmanuel Huybrechts/cc-by-2.0 © flickr.com - Emmanuel Huybrechts/cc-by-2.0 Varadero Beach © Philip Gabrielsen/cc-by-2.5 La Casa de Al, Al Capone's warhouse during prohibition, today a restaurant © Laslovarga/cc-by-sa-4.0 Xanadu Mansion, hotel and restaurant © Laslovarga/cc-by-sa-4.0
<
>
La Casa de Al, Al Capone's warhouse during prohibition, today a restaurant © Laslovarga/cc-by-sa-4.0
Ab 1950 setzte ein erster Boom des Massentourismus ein, eine Reihe von Hotels wurden gebaut. Nach der Revolution von 1959 wurden die Grundstücke enteignet sowie der etwa 20 Kilometer lange weiße, feinsandige Strand Varaderos zur öffentlichen Nutzung freigegeben. Symbol dieses neuen integrierten Tourismus für Einheimische aller Schichten und ausländische Besucher wurde der 1960 erbaute Park der “8.000 Taquillas” (Taquilla = Umkleideschrank), wo die Tagestouristen neben der Aufbewahrungsmöglichkeit für Ihre Wertsachen auch sanitäre Einrichtungen, Verleih von Badeartikeln und gastronomische Einrichtungen vorfanden. In dem Park fanden erstmals auch die bislang marginalisierten Teile der Bevölkerung inklusive der Frauen Varaderos eine bezahlte Arbeit. Rund um den Park entwickelte sich das Zentrum des Ortes. In den 1960er bis 1980er Jahren entwickelte sich Varadero außerdem zu einem Zentrum der kubanischen Musik und Kulturszene. Der zentrale Park (8000 Taquillas) wurde zum Veranstaltungsort für zahllose Konzerte und Festivals. Seit Kubas Öffnung für den internationalen Tourismus hat sich Varadero zum beliebtesten Reiseziel in Kuba entwickelt. Besonders 4- und 5-Sterne-Hotels wurden seit 1990 gebaut. So wurde zum Beispiel 1991 durch den damaligen Staatschef Fidel Castro persönlich das Hotel Melia Varadero eingeweiht. Der ursprünglich zur DuPont-Villa gehörende Golfplatz wurde von neun auf achtzehn Löcher erweitert. Einher mit der Aufwertung Varaderos als Tourismusziel ging jedoch eine Verdrängung der lokalen Bevölkerung aus den Schlüsselpositionen von Staat und Tourismuswirtschaft, welche zunehmend mit Kadern aus anderen Landesteilen besetzt wurden. In der Folge dieses Prozesses hat Varadero viel von seinem kulturellen und sozialen Leben sowie seinen Traditionen eingebüßt. Einrichtungen wie der zentrale Park, das Kino und angestammte Kulturtreffpunkte wurden zugunsten eines auf die Hoteleinrichtungen beschränkten All-Inclusive-Tourismus vernachlässigt und schließlich geschlossen. Ortstypische Veranstaltungen wie der internationale Karneval im Januar/Februar, in dem seit den 1980er Jahren ausländische Besucher und Einheimische gemeinsame Initiativen entwickelt hatten, wurden ebenfalls abgewickelt.

Varadero hat heute etwa 7.000 Einwohner auf der Halbinsel Hicacos sowie weitere 13.000 in den eingemeindeten Ortschaften Santa Marta und Boca de Camarioca und wird von rund 500.000 Touristen jährlich besucht. Die übermäßige Ausbeutung und fehlende Pflege der natürlichen Ressourcen (Strand, Baumbewuchs) sowie der Verlust des Lokalkolorits lassen indes die Besucherzahlen stagnieren. In der Nähe der Stadt befindet sich der neben Havanna wichtigste internationale Flughafen Kubas, der Flughafen Varadero “Juan Gualberto Gómez”. Dieser wurde Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre etwa 20 km nach Westen verlegt, da der alte Flughafen an die Kapazitätsgrenzen stieß, außerdem ergab sich durch die räumliche Nähe zur Halbinsel ein deutliches akustisches Störungspotential. Teile der alten Flughafengebäude, sowie die Landebahn sind noch vorhanden und werden als Flughafen Kawama zumeist für Touristenrundflüge mit älteren Maschinen aus russischer Produktion genutzt.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

Lesen Sie mehr auf Wikivoyage Varadero und Wikipedia Varadero. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen: (Vor Nutzung der Button Datenschutzregelungen beachten)

Themenwoche Argentinien - San Salvador de Jujuy

Themenwoche Argentinien - San Salvador de Jujuy

[caption id="attachment_163451" align="aligncenter" width="590"] Belgrano Square and the Government Palace © Gustso/cc-by-sa-4.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]San Salvador de Jujuy ist die Hauptstadt der nördlichsten Provinz Jujuy und mit über 400.000 Einwohnern im Großraum eine der größeren Städte Argentiniens. Jujuy liegt am Zusammenfluss des Río Xibi Xibi und des Río Grande de Jujuy in einem Talkessel auf 1238 m am Ostrand der Anden. Das Terrain der Umgebung ist hügelig und von Wald bedeckt, das Klima subtropisch, im S...

[ read more ]

Asmara in Eritrea

Asmara in Eritrea

[caption id="attachment_163596" align="aligncenter" width="590"] St. Joseph's Cathedral © flickr.com - David Stanley/cc-by-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen lassen"]Asmara (Tigré für "in Frieden leben") ist die Hauptstadt von Eritrea. Die Stadt liegt auf einer Höhe von 2300 Metern am Rand des Hochplateaus, das von hier steil zu der geologischen Senke abfällt, die sich durch die Spreizungszone zwischen Afrikanischer und Arabischer Platte gebildet hat und in deren tiefster Zone sich das Rote Meer befindet. Asmara ist mit etwa 804...

[ read more ]

Die Münchner Residenz

Die Münchner Residenz

[caption id="attachment_6587" align="alignleft" width="590"] Munich Residenz © Gryffindor[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Residenz in der Münchner Innenstadt war das Münchner Stadtschloss und die Residenz der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige. Der weitläufige Palast ist das größte Innenstadtschloss Deutschlands und heute eines der bedeutendsten Raumkunstmuseen Europas. Der Gebäudekomplex umfasst zehn Höfe und gliedert sich in die drei Hauptkomplexe Königsbau (zum Max-Joseph-Platz hin), Maximilianische...

[ read more ]

Themenwoche Warschau - College of Europe

Themenwoche Warschau - College of Europe

[caption id="attachment_162811" align="aligncenter" width="590"] College of Europe © Diderotresurrected/cc-by-sa-4.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das College of Europe (engl.) oder Collège d'Europe (franz.), inoffiziell auch niederl. Europacollege, poln. Kolegium Europejskie oder dt. Europakolleg, ist ein unabhängiges postgraduates Hochschulinstitut für europäische Studien, mit Standorten in Brügge (Belgien) und Natolin (Stadtteil von Warschau, Polen). Es wurde 1949 gegründet. Das Europakolleg gilt als "Kaderschmiede der Eu...

[ read more ]

Themenwoche Normandie - Saint-Clair-sur-Epte

Themenwoche Normandie - Saint-Clair-sur-Epte

[caption id="attachment_152720" align="aligncenter" width="590"] © P.poschadel/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Saint-Clair-sur-Epte ist eine Gemeinde mit 1.000 Einwohnern im Département Val-d’Oise in der Region Île-de-France. Die Bewohner nennen sich "Saint-Clairois" bzw. "Saint-Clairoises". Das Gemeindegebiet gehört zum Regionalen Naturpark Vexin français. Das Kerngebiet dieses Naturparks umfasst eine Kalk-Hochebene in der Landschaft Vexin, die im Westen durch den Fluss Epte von der ähnlich bezeichneten ...

[ read more ]

Die Conch Republic feiert am 23. April Unabhängigkeitstag

Die Conch Republic feiert am 23. April Unabhängigkeitstag

[caption id="attachment_7014" align="aligncenter" width="590"] Flag of the Conch Republic © Jmckean/cc-by-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Conch Republic ist eine Mikronation, die am 23. April 1982 durch Loslösung von Key West (Florida) und einigen benachbarten Inseln von den USA proklamiert wurde. Als konstruktiver Protest gegen Willkür der Obrigkeit ist zudem das Staatsmotto "We seceded where others failed" (Wir haben uns abgespalten, wo andere versagt haben) zu verstehen, welches auf der Flagge steht. Die Republik war al...

[ read more ]

Themenwoche Ibiza - Sant Antoni de Portmany

Themenwoche Ibiza - Sant Antoni de Portmany

[caption id="attachment_152184" align="aligncenter" width="590"] Sant Antoni Bay © JanManu/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Sant Antoni de Portmany (spanisch San Antonio Abad) ist die größte Stadt an der Westküste Ibizas. Die große Bucht Bahía de Sant Antoni wurde bereits von den Römern als natürlicher Hafen benutzt und Portus Magnus genannt. Die Bucht beherbergt heute den größten Hafen der Insel. Über 2000 Jahre war Sant Antoni nicht mehr als ein kleines Fischerdorf. Erst in den 1950er Jahren begann mit dem zu...

[ read more ]

La Dolce Vita in Venedig

La Dolce Vita in Venedig

[caption id="attachment_146341" align="aligncenter" width="590"] © venedig.com[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Was wie eine etwas skurrile Modenshow aussieht, ist tatsächlich der Carnevale di Venezia, mit seiner über 900 Jahre alten Geschichte. Heutzutage findet er allerdings fast ausschließlich nur noch zur Unterhaltung der zahllosen Touristen aus aller Welt im historischen Stadtkern statt. [caption id="attachment_146342" align="aligncenter" width="590"] Porta Magna Arsenale © Svartkell[/caption]Venedig hat aber auch de...

[ read more ]

Return to Top ▲Return to Top ▲
Catedral Nuestra Señora de la Asunción © Aquarius-BRE
Themenwoche Kuba – Santiago de Cuba

Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt Kubas und die Hauptstadt der Provinz Santiago de Cuba. Die Stadt hat 506.000...

Jakob Fugger (1459–1525) by Albrecht Dürer
Porträt: Die Fugger

Die Fugger sind ein schwäbisches Kaufmannsgeschlecht, das seit der Einwanderung Hans Fuggers aus Graben im Jahr 1367 in der Freien...

Marti Park and City Hall © Wilder Mendez
Themenwoche Kuba – Cienfuegos

Cienfuegos ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Zentral-Kuba. Mit 172.000 Einwohnern ist sie die sechstgrößte Stadt Kubas. Sie liegt...

Schließen