Themenwoche Indien – Neu-Delhi

Samstag, 27. April 2019 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, UNESCO-Welterbe

India Gate © Utkarsharma97/cc-by-sa-4.0

India Gate © Utkarsharma97/cc-by-sa-4.0

Neu-Delhi ist die Hauptstadt Indiens, Sitz der indischen Regierung, des Parlaments und der obersten Gerichte. Es ist Teil der indischen Metropole Delhi (mit 25,735 Millionen Einwohnern drittgrößte Metropolregion der Welt). Der Grundstein wurde während der britischen Kolonialzeit am 15. Dezember 1911 südlich der Altstadt von Delhi angelegt. Dadurch sollte die traditionelle Hauptstadt Kalkutta abgelöst werden. Den Namen Neu-Delhi erhielt der neue Stadtteil erst im Jahre 1927; sein Zentrum ist der Connaught Place.

Neu-Delhi ist ein Teil der Metropole Delhi, die als Delhi National Capital Territory (“Nationales Hauptstadtterritorium Delhi”) direkt der indischen Zentralregierung unterstellt ist. Im engeren Sinn bezeichnet Neu-Delhi nur das während der britischen Kolonialzeit planmäßig angelegte Regierungsviertel, das nur einen kleinen Teil des Hauptstadtterritoriums umfasst. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Neu-Delhi dagegen oft wesentlich weiter gefasst. Als Neu-Delhi gegründet wurde, bestand Delhi nur aus der ummauerten Altstadt, Alt-Delhi. Durch das rasante Bevölkerungswachstum wurden nach der indischen Unabhängigkeit nach und nach auch die umliegenden, einstmals ländlichen Gebiete urbanisiert. Diese “neuen” Teile Delhis wurden entsprechend auch zu Neu-Delhi gezählt. Heute wird Neu-Delhi oft komplementär zu Alt-Delhi für alle Gebiete Delhis außerhalb der Altstadt benutzt. Häufig sind die Namen “Delhi” und “Neu-Delhi” gänzlich austauschbar.

Neu-Delhi ist das Verwaltungszentrum für die Regierung von Indien. Connaught Place, eines der größten kommerziellen und finanziellen nördlichen Zentren Indiens, befindet sich im nördlichen Teil. Der Dienstleistungssektor prägt den wirtschaftlichen Standort, und aufgrund der vielen qualifizierten englischsprachigen Arbeitskräfte, die von vielen multinationalen Unternehmen angezogen wurden, liegt hier ein großes Kaufkraftpotential. Zu den Dienstleistungsbranchen zählen Informationstechnologie, Telekommunikation, Hotels, Banken, Medien und Tourismus. Große Unternehmen, die hier ihren Sitz haben, sind beispielsweise das staatliche Unternehmen Bharat Heavy Electricals, das rund 50.000 Mitarbeiter beschäftigt, der Mobilfunkanbieter Bharti Airtel oder die State Bank of India mit rund 300.000 Mitarbeitern.

In Neu-Delhi befinden sich eine große Anzahl hervorragender Museen für Geschichte, Kunst und Kunsthandwerk. Das National Museum ist Neu-Delhis größtes Museum und vermittelt den besten Überblick zur Kultur und Geschichte Indiens. Die zahlreichen Ausstellungsstücke decken einen Zeitraum von 5000 Jahren ab und sind auf mehrere Galerien verteilt, die um einen zentralen Innenhof liegen. Für den Besuch sollte man auf jeden Fall einige Stunden einplanen. Im Erdgeschoss befinden sich architektonische Exponate und eine exzellente Sammlung juwelenbesetzter Kleider, dunkler Holzkisten mit Intarsienarbeiten aus Perlmutt, Speere, Dolche, Schwerter, Wandteppiche aus Elfenbeinschmuck und Seide. Ebenso sind Gemälde aus verschiedenen indischen Schulen sowie Figuren und Masken aus Nagaland zu sehen. Das zweite Stockwerk zeigt ausgewählte Masken und religiöse Statuen aus Peru, Costa Rica und Marokko. Im obersten Stockwerk werden verschiedene schwere und kunstvoll geschnitzte Holztüren, Fensterläden und Türstürze aus Gujarat ausgestellt, die Beispiele einer hervorragenden Tischlerkunst sind. Eine benachbarte Abteilung zeigt 300 Musikinstrumente aus Indiens reicher musikalischer Tradition. Das Gandhi Smriti – zuvor als Birla Haus oder Birla Bhavan bekannt – war früher das Haus indischer Geschäftsmagnaten. Seit 1995 ist dort das Eternal Gandhi Multimedia Museum. Mahatma Gandhi war der politische und geistige Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. In diesem Haus (Tees January Road) verbrachte Mahatma Gandhi die letzten 144 Tage seines Lebens, bevor er am 30. Januar 1948 einem Mordanschlag zum Opfer fiel.

Laxhmi Narayan Mandir © Nilesh1711/cc-by-sa-3.0 Humayun's Tomb © Keerthi N. Thilakan/cc-by-sa-3.0 India Gate © Utkarsharma97/cc-by-sa-4.0 National Museum © Miya.m/cc-by-sa-3.0 Presidential Palace © Ronakshah1990/cc-by-sa-4.0 Sacred Heart Cathedral © Peter Potrowl/cc-by-sa-3.0
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Sacred Heart Cathedral © Peter Potrowl/cc-by-sa-3.0
In der Mitte der Stadt verläuft die königliche Promenade Rajpath vom palastartigen Rashtrapati Bhavan im Westen bis zum Kriegsdenkmal India Gate im Osten. Im Norden von Neu-Delhi liegt das belebte Geschäftszentrum Connaught Place, wo Neonwerbung für American Express, Wimpy, Fluggesellschaften und Hotels die Flachdächer zieren und dessen hohe weiße Gebäude mit ihren von Säulen gestützten Veranden einen fast perfekten Kreis um den Platz im Zentrum der Stadt bilden. Neu-Delhi besitzt auch Hotel- und Bürotürme jüngeren Datums, die in der Nähe von Bauwerken aus der britischen Kolonialzeit stehen, darunter das Open-Air-Observatorium Jantar Mantar.

Rashtrapati Bhavan, die offizielle Residenz des indischen Präsidenten, ist eines der größten und prächtigsten herrschaftlichen Bauwerke. Das H-förmige und lachsfarbene Gebäude, am sanft abfallenden Hang des Raisina Hill gelegen, wurde zwischen 1921 und 1929 von Edwin Lutyens und Herbert Baker für den Vizekönig entworfen. Er war ein Symbol imperialer Macht. Das Gebäude trägt trotz seiner klassischen Säulen, der indischen Filigranfarben sowie seiner Chhatris und Kuppeln im Mogul-Stil eine unverkennbare britische Handschrift. Das Parlamentsgebäude, heute bekannt als “Sansad Bhavan”, befindet sich nordöstlich vom Rashtrapati Bhavan. Das niedrige Rundgebäude, von Lutyens geplant und unter Aufsicht von Baker errichtet, bedeckt eine Grundfläche von mehr als 20.000 Quadratmetern. Das Sansad Bhavan präsentiert sich von außen als ein Kreis aus 144 Stützsäulen und einem darüber liegenden Stockwerk mit einer zentralen Kuppel. Im Inneren des Gebäudes befinden sich drei runde Plenarsäle. Hier tagte bis zur Unabhängigkeit Indiens die Chamber of Princes. Heute beherbergt es eine umfangreiche Bibliothek zur Geschichte der Politik ab den 1920er Jahren.

Der Connaught Place ist Dreh- und Angelpunkt von Neu-Delhi. Er steht in einem großen Kontrast zum überfüllten Zentrum von Alt-Delhi. Der Platz mit erhabenen Fassaden und klassischen Säulen wurde vom Chefarchitekten der indischen Regierung Robert Tor Russell (1886–1953) geplant und ist damit eines der wenigen Viertel der Stadt, die nicht von Lutyens und Baker erdacht wurden. Der Platz ist für ein klassisches Einkaufszentrum sehr großzügig angelegt worden. Ähnlich dem parlamentarischen Hauptquartier südlich sind die Geschäfte und Büros in prächtigen Gebäuden mit Arkadengängen untergebracht. Der Connaught Place beherbergt ein immenses touristisches Angebot, eine große Anzahl von Hotels und Restaurants. Der Agrasen Ki Baoli genannte Stufenbrunnen stammt aus dem 14./15. Jahrhundert und ist ein architektonisches Zeugnis der früheren Besiedlung in der Umgebung des Connaught Place. Die Sternwarte Jantar Mantar ist zwischen dem Connaught Place und dem Rashtrapati Bhavan zu finden. Das Freiluft-Observatorium ist das erste von fünf, das der Herrscher von Jaipur, Jai Singh II. (1686–1743) errichten ließ. Die Sternwarte wurde seit ihrer Errichtung 1725 fast nicht verändert. Schräg zwischen Palmen und gepflegten Blumenbeeten stehen riesige, tiefrote und weiße Steingebilde. Die Menschen bestimmten früher anhand des Schattenwurfs dieser gigantischen Sonnenuhren mit bewundernswerter Genauigkeit die Zeit, Sonnen- und Mondkalender sowie astrologische Bewegungen.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

Lesen Sie mehr auf New Delhi Municipal Council, Delhi Tourism, LonelyPlanet.com – Delhi, Mughlai cuisine, Wikitravel Neu-Delhi, Wikivoyage Neu-Delhi und Wikipedia Neu-Delhi. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




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