Themenwoche Indien – Chennai

Dienstag, 23. April 2019 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Chennai Film City © Mainaksinghabarma/cc-by-sa-4.0

Chennai Film City © Mainaksinghabarma/cc-by-sa-4.0

Chennai, bis 1996 Madras, ist die Hauptstadt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Sie liegt an der Ostküste Südindiens am Golf von Bengalen. Nach der Volkszählung 2011 ist Chennai mit 4,6 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt Indiens. Durch eine Stadterweiterung im Jahr 2011 ist die Einwohnerzahl mittlerweile auf geschätzte 6,5 Millionen angestiegen. In der Agglomeration leben 8,7 Millionen Menschen. Damit ist Chennai Zentrum des viertgrößten Ballungsraums in Indien. Chennai entstand während der britischen Kolonialzeit um das 1640 gegründete Fort St. George herum. Unter dem Namen Madras war die Stadt ein wichtiges Zentrum des britischen Empires in Indien. Der offizielle Name wurde 1996 in Chennai geändert.

Chennai liegt im Südosten Indiens an der Koromandelküste am Golf von Bengalen. Innerhalb des Bundesstaates Tamil Nadu befindet sich die Hauptstadt Chennai weit im Nordosten. Zur Grenze des nördlichen Nachbarbundesstaates Andhra Pradesh sind es nur rund 40 Kilometer, während das Kap Komorin, der südlichste Punkt Tamil Nadus und ganz Indiens, 625 Kilometer entfernt ist. Die Stadt Chennai hat seit dem Jahr 2011 eine Fläche von 426 Quadratkilometern. Vor der Erweiterung umfasste das administrative Stadtgebiet Chennais nur 174 Quadratkilometer, während die Agglomeration weit über deren Grenzen hinausgewachsen war. Parallel zur Stadt Chennai existiert der Distrikt Chennai, einer von 32 Distrikten Tamil Nadus. Zur Metropolregion Chennai (Chennai Metropolitan Area) gehört neben der eigentlichen Stadt das weitere Einzugsgebiet Chennais in den Nachbardistrikten Tiruvallur und Kanchipuram. Sie hat eine Fläche von 1189 Quadratkilometern. Chennai liegt in der flachen Küstenebene mit einer durchschnittlichen Höhe von nur sechs Metern über dem Meeresspiegel. Auf der Seeseite Chennais liegt der 13 Kilometer lange Sandstrand Marina Beach. Durch die Stadt fließen die Flüsse Cooum und Adyar. Der Cooum mündet im nördlichen Teil, der Adyar im südlichen Teil Chennais ins Meer. Fünf Kilometer landeinwärts verläuft parallel zur Küste der Buckingham-Kanal und verbindet die beiden Flüsse miteinander. Im Südwesten Chennais erheben sich einige isolierte Hügel aus der ansonsten flachen Umgebung. Deren bekanntester ist der St. Thomas Mount. Nordwestlich der Stadt befinden sich mehrere Seen unterschiedlicher Größe.

Als eines der Zentren des britischen Empires in Indien ist Chennai Standort von zahlreichen Profanbauten aus der Kolonialzeit. Das älteste britische Bauwerk in Chennai ist das 1640 gegründete Fort St. George. Ein Teil des Komplexes wird immer noch von der indischen Armee genutzt, daneben befinden sich im Inneren der Festung das Fort Museum und die St. Mary’s Church. Ferner beherbergt das Fort St. George das Parlament des Bundesstaates Tamil Nadu. Im 19. Jahrhundert entstand in der britischen Kolonialarchitektur der sogenannte indo-sarazenische Stil, der europäische, indische und islamische Einflüsse in sich vereinte. Das bedeutendste Beispiel für diesen Mischstil in Chennai ist das 1892 erbaute Gebäude des Madras High Court. Der beeindruckende rote Bau mit seinen weithin sichtbaren Kuppeln gilt als Wahrzeichen Chennais. Andere Beispiele für den indo-sarazenischen Stil der Kolonialzeit sind das Senatsgebäude der University of Madras (1873) an der Strandpromenade, die Gebäude des Government Museum, die Bahnhöfe Chennai Central (1873) und Chennai Egmore (1908) sowie das Ripon Building (1913), das heute die Stadtverwaltung beherbergt. In der Architektur aus der Zeit nach der indischen Unabhängigkeit zeichnen sich zwei gegenläufige Tendenzen ab: Zum einen der Rückgriff auf traditionelle tamilische Bauformen, zum anderen der internationale Stil. Ersteres wird durch das Valluvar Kottam repräsentiert, ein 1976 fertiggestelltes Denkmal für den Dichterheiligen Tiruvalluvar (dem Autor des Tirukkural), das einen traditionellen Tempelwagen nachbildet. Für die internationale Ausrichtung stehen die modernen Bürobauten und Einkaufszentren entlang der Anna Salai (Mount Road) oder auch der 2010 eingeweihte Neubau des Parlamentsgebäudes.

Ripon building © L.vivian.richar Senate House of the Madras University © Jonas Buchholz/cc-by-sa-3.0 Chennai Central Station © Augustus Binu/cc-by-sa-3.0 Chennai Film City © Mainaksinghabarma/cc-by-sa-4.0 Chennai Port Container Terminal seen from Marina Beach © VtTN/cc-by-3.0 Chennai Skyline seen from St Thomas Mount © VtTN/cc-by-3.0 Madras High Court © Yoga Balaji/cc-by-3.0
<
>
Chennai Port Container Terminal seen from Marina Beach © VtTN/cc-by-3.0
Der Stadtstrand Chennais ist der Marina Beach. Mit 13 Kilometern Länge ist der Sandstrand einer häufig kolportierten (wenn auch zweifelhaften) Aussage zufolge der zweitlängste Strand der Welt. An seiner breitesten Stelle ist der Marina Beach über 400 Meter breit. Vor allem abends und am Wochenende suchen große Zahlen an Einwohnern Chennais den Strand zum Flanieren auf. Der große Besucheransturm führt zunehmend zur Vermüllung des Strandes. Den Marina Beach säumt eine Reihe von Statuen von Persönlichkeiten aus der gesamtindischen Geschichte und der Geschichte Tamil Nadus. Am Nordende des Strandes befinden sich die monumentalen Grabdenkmäler der Politiker C. N. Annadurai und M. G. Ramachandran. Weiter südlich im Stadtteil Besant Nagar befindet sich ein zweiter Sandstrand, der Elliot’s Beach. An dem Strand steht ein Denkmal für den niederländischen Seemann Karl Schmidt. Am Küstenabschnitt südlich von Chennai befinden sich in 40 bzw. 55 Kilometern Entfernung die Strandorte Covelong (Kovalam) und Mamallapuram (Mahabalipuram), beides beliebte Ausflugsziele unter den Einwohnern Chennais. Chennai ist im Allgemeinen recht arm an Grünanlagen. Ein größerer Park befindet sich aber auf dem Gelände des Hauptquartiers der Theosophischen Gesellschaft in Adyar. Außerdem beherbergt Chennai sogar einen Nationalpark innerhalb seiner Stadtgrenzen. Der 2,8 Quadratkilometer große Guindy-Nationalpark in Guindy im Süden Chennais ist ein Überrest der immergrünen Trockenwälder, die ursprünglich das Hinterland der Koromandelküste bedeckten. Der Nationalpark bietet Lebensraum unter anderem für Hirschziegenantilopen, Axishirsche und Schakale. Ein zoologischer Garten, der Arignar Anna Zoological Park, befindet sich im Vorort Vandalur 30 Kilometer südlich von Chennai.

Auf dem Gelände in der Pantheon Road in Egmore sind heute zahlreiche Kunstgalerien und Museen angesiedelt. Das 1857 gegründete Government Museum verfügt über Abteilungen für Anthropologie, Archäologie, Botanik, Geologie, Numismatik, Plastiken und Zoologie. Es zeigt Stücke aus der südindischen Vorgeschichte, von der Indus-Kultur, aus dem buddhistischen Zentrum in Amaravati aus dem zweiten Jahrhundert, Schnitzereien hinduistischer, buddhistischer und jainistischer Götter, südindische Musikinstrumente, Schmuck und bronzene Götterbildnisse aus der Pallava– und Chola-Periode zwischen dem neunten und 12. Jahrhundert. Die National Art Gallery residiert in einem prächtigen rosa Sandsteingebäude im Jaipuri-Jaina-Stil und präsentiert indische Malerei einschließlich der Rajputen- und Mogulschulen. Des Weiteren finden sich im Pantheonkomplex die Contemporary Art Gallery, die 1896 erbaute Connemara Library, das runde rote Museum Theater und das Children’s Museum. Im Fort Museum innerhalb des Fort St. George werden interessante Stücke aus der Geschichte Chennais gezeigt. Das Gebäude, in dem sich das Museum befindet, wurde 1795 erbaut und beherbergte ursprünglich die Madras Bank. Ausgestellt sind Waffen, Münzen, Medaillen, Uniformen und andere Gegenstände aus der Kolonialzeit.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

Lesen Sie mehr auf Chennai, TourMyIndia.com – Chennai, TamilNaduTourism.org – Chennai, Port of Chennai, Wikitravel Chennai, Wikivoyage Chennai und Wikipedia Chennai. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen: (Vor Nutzung der Button Datenschutzregelungen beachten)

Das Petworth House in der Grafschaft West Sussex

Das Petworth House in der Grafschaft West Sussex

[caption id="attachment_154267" align="aligncenter" width="590"] © Josep Renalias[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Petworth House ist ein als Kulturdenkmal der Kategorie Grade I klassifiziertes Herrenhaus in der Grafschaft West Sussex. Das Herrenhaus liegt in der Kleinstadt Petworth und ist berühmt wegen seines Landschaftsparks und wegen seiner Innenausstattung. Die Ursprünge von Petworth House reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, als es als Besitz der Familie Percy genannt wurde. 1682 kam der Besitz durch Heirat an Cha...

[ read more ]

Montreal in Québec

Montreal in Québec

[caption id="attachment_168765" align="aligncenter" width="590"] Old port of Montreal by night © flickr.com - Mickael Pollard/cc-by-sa-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Montreal ist eine Millionenstadt in Kanada. Sie liegt im Südwesten der Provinz Québec auf der Île de Montréal, der größten Insel im Hochelaga-Archipel, die vom Sankt-Lorenz-Strom und von Mündungsarmen des Ottawa umflossen wird. Die Nachbarprovinz Ontario liegt knapp 60 Kilometer westlich, die Grenze zu den USA etwas mehr als 50 Kilometer südlich. Das Stadtb...

[ read more ]

Sölden in Tirol

Sölden in Tirol

[caption id="attachment_160583" align="aligncenter" width="590"] © Ötztal Tourismus - Ernst Lorenzi[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Sölden ist die flächengrößte Gemeinde Österreichs, mit 4100 Einwohnern im südlichen Teil des Ötztals im Bezirk Imst, Tirol, Österreich. Sölden liegt auf einer Höhe von 1.368 m. Mit über zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr und 15.000 Gästebetten ist Sölden nach Wien und Salzburg die drittstärkste Tourismusgemeinde Österreichs und ein wichtiges Tourismusgebiet, hauptsächlich für den ...

[ read more ]

Themenwoche Lothringen - Thionville

Themenwoche Lothringen - Thionville

[caption id="attachment_154001" align="aligncenter" width="590"] © Johnny Chicago/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Thionville ist eine an der Mosel gelegene französische Stadt mit 42.000 Einwohnern im Département Moselle in der Region Lothringen. Im moselfränkischen Dialekt, der noch von den Älteren gesprochen wird und dem Luxemburgischen sehr ähnlich ist, wird die Stadt Diddenuewen genannt. Die Einwohner nennen sich Thionvillois. In Thionville, das wie ganz Frankreich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten ein...

[ read more ]

Nikosia, Hauptstadt von Zypern

Nikosia, Hauptstadt von Zypern

[caption id="attachment_153534" align="aligncenter" width="590"] Cypriot Archeological Museum © ChristosV[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Nikosia ist eine Stadt im Zentrum der Mittelmeerinsel Zypern und Hauptort des gleichnamigen Bezirkes. Nikosia ist die Hauptstadt der Republik Zypern. Nikosia hat 221.000 Einwohner. Der Titel des Visconte von Nikosia war in venezianischer Zeit auch griechischen Adeligen zugänglich, meist gegen eine Zahlung an die Signoria. Die Stadt gehört völkerrechtlich in ihrer Gesamtheit zur Republik Zypern,...

[ read more ]

Themenwoche Abruzzen - Lanciano

Themenwoche Abruzzen - Lanciano

[caption id="attachment_153296" align="aligncenter" width="590"] Piazza Plebiscito © Olivier Jules/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Lanciano ist eine Gemeinde der Provinz Chieti in Italien mit 36.000 Einwohnern. Die Gemeinde liegt rund 50 km vom Hauptort der Provinz, der Stadt Chieti und 13 km von der Adriaküste entfernt. In der Umgebung der Gemeinde werden Reben der Sorte Montepulciano für den DOC-Wein Montepulciano d’Abruzzo angebaut. Lanciano wurde in vorchristlicher Zeit gegründet und hieß ursprünglich...

[ read more ]

Mobile in Alabama

Mobile in Alabama

[caption id="attachment_151344" align="aligncenter" width="590"] Downtown Mobile © Altairisfar[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Mobile ist der Verwaltungssitz vom Mobile County im US-Bundesstaat Alabama. Es liegt an der Mündung des Mobile River in die Mobile Bay und ist die größte Hafenstadt Alabamas. Sowohl der Name des Countys, des Flusses, der Bucht als auch der Stadt leiten sich von Fort Louis de la Mobile ab, einer französischen Festung, gegründet im Jahre 1702 (nahe dem heutigen Axis (Alabama)). Es wird angenommen, dass da...

[ read more ]

Themenwoche Amsterdam - Grachten von Amsterdam

Themenwoche Amsterdam - Grachten von Amsterdam

[caption id="attachment_23830" align="alignleft" width="590"] © Dohduhdah[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Kanäle in Amsterdam prägen den historischen Anblick der Stadt. Die bekanntesten Grachten sind Prinsengracht, Herengracht, Keizersgracht und Singel. Zusammen haben diese vier Kanäle eine Länge von rund zehn Kilometern, eine durchschnittliche Tiefe von 2,40 Metern und eine Breite von 27 Metern. Die Gesamtlänge der befahrbaren Kanäle beträgt mehr als 80 Kilometer. Die Kanäle werden von rund 1.400 nummerierten Br...

[ read more ]

Return to Top ▲Return to Top ▲
Jal Mahal of Jaipur © Labhanshi Mittal/cc-by-sa-4.0
Themenwoche Indien

Indien ist ein Staat in Südasien, der den größten Teil des indischen Subkontinents umfasst. Indien ist eine Bundesrepublik, die von...

© flickr.com - Wilgengebroed/cc-by-2.0
Smart City

Smart City ist ein Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu...

Gellért Baths in Budapest © Joe Mabel/cc-by-sa-3.0
Europäische Route historischer Thermalstädte

Die Europäische Route historischer Thermalstädte ist ein Kulturweg des Europarats. Träger der Route ist die 2011 gegründete "European Historic Thermal...

Schließen