Themenwoche Guyana

Montag, 24. September 2018 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Themenwochen

Kaieteur Falls © Bill Cameron/cc-by-sa-3.0

Kaieteur Falls © Bill Cameron/cc-by-sa-3.0

Guyana ist ein Staat an der Atlantikküste Südamerikas. Er grenzt im Süden an Brasilien, im Westen an Venezuela und im Osten an Suriname. Im Land leben etwa 740.000 Einwohner. Die Hauptstadt, größte und wichtigste Stadt ist Georgetown. Der tiefste Punkt befindet sich an der Atlantik-Küste, höchster Punkt ist der Berg Roraima-Tepui mit 2.810 m. An der Grenze zu Venezuela und Brasilien erhebt sich das Guayana-Gebirge, nach dem der Staat benannt wurde. Der Hauptfluss ist der Essequibo, der im Süden des Landes entspringt und im Norden in den Atlantik mündet. Der Nationalpark Potaro besticht durch seine Wasserfälle, u. a. die 225 m hohen Kaieteur-Fälle.

85 % des Landes sind dünn besiedelter tropischer Regenwald. Der Westen und Süden sind von Gebirgsketten durchzogen, in denen die wichtigsten Flüsse des Landes entspringen. An der Küste findet man einen sumpfigen Küstenstreifen. Dahinter befindet sich eine 20 bis 70 km breite Schwemmlandzone, die teilweise auf Meeresspiegelniveau liegt und im 18. Jahrhundert von holländischen Siedlern eingedeicht sowie durch zahllose Entwässerungskanäle trockengelegt wurde. Hier befindet sich der Agrargürtel des Landes mit Anbau von Reis, Zuckerrohr, Kokosnüssen und Zitrusfrüchten.

Nach Ansicht von Klimaexperten der Weltbank gehört Guyana zu den Staaten im südamerikanisch-karibischen Raum, die von einem Anstieg des Meeresspiegels im Zuge des Klimawandels besonders stark betroffen sein werden. Ein Meeresspiegelanstieg von einem Meter würde in Guyana ein Gebiet überschwemmen, in dem 70 % der Bevölkerung leben und 40 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes liegen. Die Regierung stellte 2004 im Südwesten von Guyana ein Gebiet von circa 4.000 km² unter Schutz, in dem das indigene Volk der Waiwai lebt. Nach dem im Januar 2018 veröffentlichen Environmental Performance Index, Zustand und Dynamik des Umweltsystems, belegt Guyana den 128. Platz von 180 Ländern.

Tractor in field of rice by Khirsah © Tracey Dos Santos Charity Pomeroon © panoramio.com - Marco Farouk Basir/cc-by-sa-3.0 Coconut Grove in Wakenaam © panoramio.com - Marco Farouk Basir/cc-by-sa-3.0 Essequibo River © panoramio.com - Marco Farouk Basir/cc-by-sa-3.0 Georgetown - Stabroek Market © Roundtheworld/cc-by-sa-3.0 Kaieteur Falls © Bill Cameron/cc-by-sa-3.0 Lake Mainstay at Sunset © panoramio.com - Marco Farouk Basir/cc-by-sa-3.0
<
>
Coconut Grove in Wakenaam © panoramio.com - Marco Farouk Basir/cc-by-sa-3.0
Der britische Geologe und Topograph Charles B. Brown bereiste von 1868 bis 1871 im Auftrag der Kolonialverwaltung das meist unerforschte Hinterland der Region zwischen Suriname und Venezuela. Brown war mit der exakten Vermessung der Flussläufe und geologischen Untersuchungen beauftragt. Dank seiner 40-monatigen Forschungsreisen im tropischen Urwald wurden zahlreiche Einheimischensiedlungen, Lagerstätten von Bodenschätzen und topographische Besonderheiten im Landesinnern dokumentiert. Nach den Forschungsergebnissen von Schomburgk von 1841 bis 1844 war auch die Arbeit von Brown für die exakte Bestimmung der Grenzverläufe mit den Nachbarstaaten Suriname, Brasilien und Venezuela von Bedeutung.

Guyana erreichte die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich am 26. Mai 1966 und wurde am 23. Februar 1970 unter Premier Forbes Burnham vom People’s National Congress (PNC) zur Kooperativen Republik erklärt. Seit den 1960er Jahren spielen ethnische Konflikte zwischen den Afro-Guyanern und den Indisch-Guyanern in Gesellschaft und Politik immer wieder eine Rolle. 1978 kam Guyana durch das Jonestown-Massaker in die Weltnachrichten. Sektenführer Jim Jones vom Peoples Temple gab nach der Ermordung eines US-amerikanischen Politikers seinen Anhängern den Auftrag zum kollektiven Selbstmord. Über 900 Menschen kamen ums Leben. Im Jahre 1980 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Hierbei wurden die Macht des Premierministers eingeschränkt und das ausführende Präsidentschaftsamt eingeführt.

1989 begann die Regierung Guyanas ein Wirtschaftsprogramm, das eine drastische Wende weg von staatlich kontrollierter Planwirtschaft hin zu einer freien Marktwirtschaft mit offenen Märkten beabsichtigte. Nach den Präsidentschaftswahlen von 1992, die durch Cheddi Jagan von der PPP gewonnen wurden, kam es durch militante Anhänger der unterlegenen PNC zu heftigen Ausschreitungen in der Hauptstadt Georgetown. Nachdem Jagan 1997 gestorben war, wurde im Dezember 1997 seine Witwe Janet Jagan zur neuen Präsidentin gewählt. Im August 1999 trat sie aus gesundheitlichen Gründen ab und Bharrat Jagdeo wurde neuer Staatspräsident von Guyana. Am 2. September 2006 wurde Bharrat Jagdeo in seinem Amt als Präsident bestätigt. Nach dem erneuten Wahlerfolg der PPP im Jahre 2011 wurde ihr Kandidat Donald Ramotar am 3. Dezember 2011 neuer Präsident und Nachfolger des bisherigen Amtsinhabers Bharrat Jagdeo, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte. Die Wahlen zur Nationalversammlung am 11. Mai 2015 gewann das Oppositionsbündnis A Partnership for National Unity (APNU) und Alliance for Change (AFC) unter Führung des ehemaligen Brigadegenerals David Granger. Damit verlor die PPP nach 23 Jahren die Macht. Granger wurde am 16. Mai 2015 als Präsident vereidigt.

Guyana lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft und vom Bergbau. Das Land besitzt eines der weltgrößten Vorkommen an Bauxit, seinem wichtigsten Exportprodukt. Exportiert werden weiterhin Gold (siehe Tagebau Omai), Manganerze, Diamanten, Zucker, Reis, Garnelen, Rum und Holz. Für die Gewinnung von Bodenschätzen wurden große Teile des Waldes abgeholzt, zugleich aber wäre das Land „von einem Anstieg des Meeresspiegels im Zuge des Klimawandels besonders stark betroffen“. Guyana ist ein Gründerstaat und Mitglied der CARICOM, die seit 1973 besteht. Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index) von Transparency International lag Guyana 2016 von 176 Ländern zusammen mit Algerien, der Elfenbeinküste, Ägypten und Äthiopien auf dem 108. Platz, mit 34 von maximal 100 Punkten.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

Lesen Sie mehr auf auswaertiges-amt.de – Guyana, Explore Guyana, LonelyPlanet.com – Guyana, cuisimonde.com – Die Küche Guyanas, Wikitravel Guyana, Wikivoyage Guyana und Wikipedia Guyana. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

Messner Mountain Museum

Messner Mountain Museum

[caption id="attachment_161149" align="aligncenter" width="511"] © messner-mountain-museum.it[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Messner Mountain Museum (kurz MMM) ist ein Museumsprojekt von Reinhold Messner in den italienischen Provinzen Südtirol und Belluno. Fünf verschiedene Standorte bilden dabei ein Bergmuseum. Messner Mountain Museum Firmian [caption id="attachment_161150" align="aligncenter" width="590"] Sigmundskron Castle - MMM Firmian © Hubert Berberich[/caption]In der spätmittelalterlichen Anlage des Schloss...

Der Nationalpark Brijuni in Kroatien

Der Nationalpark Brijuni in Kroatien

[caption id="attachment_23897" align="alignleft" width="590"] Hotel Carmen © Zumbulka[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Nationalpark Brijuni-Inseln ist eine kleine Inselgruppe in der kroatischen Adria. Sie liegt vor der Küste der historischen Region Istrien nur wenige Kilometer von der Küstenstadt Pula entfernt. Zur Inselgruppe gehören 14 einzelne Inseln. Die Gesamtfläche des Parks beträgt inklusive der umgebenden Wasserflächen 33,9 km². Nur die größte Insel, Veli Brijun, besitzt Hotelanlagen und kann frei besucht werden....

Der Kölner Dom

Der Kölner Dom

[caption id="attachment_25067" align="aligncenter" width="590"] © ger1axg/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Kölner Dom (offizieller Name Hohe: Domkirche St. Petrus) ist eine römisch-katholische Kirche in Köln unter dem Patrozinium des Apostels Petrus. Die Kathedrale des Erzbistums Köln war bis Ende 2009 auch Pfarrkirche der Domgemeinde; seit 2010 ist sie von der Pfarrseelsorge exemt. Seit 1996 zählt der Kölner Dom zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Kölner Dom ist mit 157,38 Metern Höhe nach dem Ulmer Müns...

Der Kurort Bad Bentheim

Der Kurort Bad Bentheim

[caption id="attachment_150717" align="aligncenter" width="590"] Bentheim Castle - Rose 'De la Grifferaie' from 1845 with an yet unidentified wasp © Kleuske[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Bad Bentheim ist eine Stadt und Kurort im Landkreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen. Sie liegt an den Grenzen zu Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden und hat ein staatlich anerkanntes Thermalsole- und Schwefelheilbad. Das wohl markanteste Wahrzeichen der Stadt, die Burg Bentheim, steht unübersehbar im Zentrum. Die alte Residenz k...

Themenwoche Neuengland - Rhode Island

Themenwoche Neuengland - Rhode Island

[caption id="attachment_165800" align="aligncenter" width="590"] Newport © MVASCO - Michael Kagdis/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Rhode Island ist der kleinste Bundesstaat der Vereinigten Staaten und Teil der Region Neuengland. Der amtliche Name von Rhode Island ist State of Rhode Island and Providence Plantations. Adriaen Block, ein holländischer Forscher, nannte das Land wegen seiner roten Erde "Rhode Eylandt", woraus im Laufe der Jahre das englische Rhode Island wurde. Die Beinamen Rhode Islands lauten The Ocean St...

Die Europäische Union: Fluch oder Segen? Vergangenheit oder Zukunft?

Die Europäische Union: Fluch oder Segen? Vergangenheit oder Zukunft?

[responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen lassen"]Seit dem Brexit-Referendum in Großbritannien ist wieder einmal helle Aufregung in Europa zu verspüren. Dieser Beitrag geht nicht in diese Richtung und das schon deshalb nicht, weil ein bisschen Ruhe und Versachlichung gut tut oder wie Königin Elisabeth so richtig sagte "Stay calm and collected" - bleiben wir ruhig und konzentriert, um den Herausforderungen zu begegnen. Auch soll er nicht polarisieren, selbst wenn es die Headline vermuten lassen könnte. Tatsächlich vereint die EU Fluch, Segen, Vergan...

Return to Top ▲Return to Top ▲
© François Trazzi/cc-by-sa-3.0
Die Sorbonne in Paris

Die Sorbonne ist ein Gebäude im Pariser Quartier Latin. Es war im Mittelalter Sitz des Kollegs der Sorbonne – eines...

Clare College and King's Chapel on River Cam © Christian Richardt/cc-by-sa-3.0
University of Cambridge

Die University of Cambridge im Vereinigten Königreich wurde im Jahr 1209 gegründet. Die Universität ist gesetzlich verfasst als Körperschaft, besteht...

Gilman Hall © Daderot
Johns Hopkins University in Baltimore

Die Johns Hopkins University (JHU) ist eine private Universität in Baltimore. Sie wurde am 22. Februar 1876 gegründet als die...

Schließen