Themenwoche Ecuador – Santo Domingo de los Colorados

Dienstag, 24. April 2018 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Catedral de Santo Domingo © Berposen/cc-by-sa-4.0

Catedral de Santo Domingo © Berposen/cc-by-sa-4.0

Santo Domingo de los Colorados ist eine Stadt in Ecuador. Sie hat offiziell (1. Januar 2005) 238.325 Einwohner und ist damit die viertgrößte Stadt des Landes. Sie ist seit 1967 Hauptstadt des Kantons Santo Domingo, seit 1997 Sitz des katholischen Bistums Diocesis Coloratensis und seit 2007 Hauptstadt der neuen Provinz Santo Domingo de los Tsáchilas. Santo Domingo de los Colorados liegt auf 600 m Höhe am Fuß der Westanden. In seiner Umgebung finden sich tropischer Regenwald und zahlreiche Plantagen tropischer Erzeugnisse. Das Klima ist bei Tagesdurchschnittstemperaturen von ca. 25 °C von hoher Luftfeuchtigkeit und Niederschlagsmenge geprägt, die Santo Domingo den Beinamen “Stadt des ewigen Nebels” eingebracht haben. In den Regenwäldern und Naturschutzgebieten der Umgebung leben Hunderte von tropischen Vogel- und Schmetterlingsarten.

Santo Domingo liegt 79 km westlich von Quito in der an die Provinzen Pichincha, Cotopaxi (Südosten), Los Ríos (Südwesten), Manabí und Esmeraldas grenzenden Provinz Santo Domingo de los Tsáchilas, die 2007 aus dem Kanton Santo Domingo im Westen der Provinz Pichincha gegründet wurde. Seit der Fertigstellung der 130 km langen Straße nach Quito (1947), die einen Höhenunterschied von mehr als 2.200 Metern überwindet, ist Santo Domingo ein Verkehrsknotenpunkt, über den man von der nördlichen Sierra Ecuadors die Küstenprovinzen Esmeraldas, Manabí und Guayas erreichen kann. Diese Straße ist auch verantwortlich für das enorme Wachstum Santo Domingos seit den 1940er Jahren, da sie einen Zustrom von Siedlern und das Entstehen offizieller, aber auch unkontrollierter und mangelhaft erschlossener Ansiedlungen (invasiones) mit sich brachte und noch immer bringt, worunter mitunter die Natur und die Ureinwohner des Gebietes, die Colorados/Tsáchilas, sehr gelitten haben. Wahrscheinlich mehr als 80 % der Einwohner der Stadt stammen nicht aus der Provinz Pichicha, sondern aus anderen Landesteilen (Provinzen Manabí, Loja, Bolívar, Tungurahua, Chimborazo) und dem Süden Kolumbiens.

Santo Domingo de los Colorados ist ein “Schmelztiegel”, der erst seit den 1930er und 1940er Jahren durch den Bau und den Verkehr von Straßen, die von Quito an die Küste führen und sich in Santo Domingo verzweigen und große Migrantenströme anzogen, zur Stadt geworden ist. In der Kolonialzeit gehörte die wenige besiedelte Gegend um das heutige Santo Domingo zur Provincia de Yumbos, später zur Governación de las Esmeraldas der Real Audiencia de Quito. Die Bezeichnung Santo Domingo für das Gebiet entstand vermutlich um 1660 im Zuge von Missionsbemühungen der Dominikaner. Auf der 1750 gedruckten Karte von Pedro Vicente Maldonado findet sich die Regions- bzw. Stammesbezeichnung Colorados de S. Domingo. 1861 wurde als Verwaltungseinheit das ländliche Kirchspiel (parroquia rural) Santo Domingo eingerichtet. Unter der Regierung des Diktators Gabriel García Moreno begann 1871 die Anlage eines Transportweges nach Manabí, der über Santo Domingo führte und die erste Einwanderungswelle mit sich brachte, die vor allem aus Tagelöhnern, Gummizapfern und Arbeitern für Straßenbau und Haciendas bestand. Als Gründungsdatum Santo Domingos wird manchmal der 29. Mai 1883 genannt, an dem das Kirchspiel vom Kanton Quito in die Oberherrschaft des neu eingerichteten Kantons Mejía überwechselte. 1899 wurde das Pueblo de Santo Domingo de los Colorados gegründet und damit die erste offizielle Siedlerkolonie. Während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hatte diese jedoch nicht mehr als 500 Einwohner. In den 1930er und 1940er Jahren kam ein seit 1919 betriebenes weiteres Straßenbauprojekt zum Abschluss: 1947 wurde die Straße von Quito über Aloag nach Santo Domingo fertiggestellt, die 1949 in Esmeraldas die Küste erreichte. Seit den 1950er Jahren wuchs die Stadt darüber hinaus, da die Regierung nach einer Dürreperiode in der südlichen Andenregion die Ansiedlung von dort ihrer Lebensgrundlage beraubten Bauern in der Umgebung von Santo Domingo betrieb. So konnte auch eine umfassendere Landreform in der Sierra umgangen werden. Santo Domingo entwickelte sich schnell zu einem Zentrum der lokalen Land- und Plantagenwirtschaft, die vor allem von der in den 1960er Jahren weltweit steigenden Nachfrage nach Bananen und Palmöl profitierte. Am 3. Juni 1967 wurde der Kanton Santo Domingo auf einer Fläche von 3.857 km² als Verwaltungseinheit der Provinz Pichincha eingerichtet.

© Carlos Echanique/cc-by-sa-4.0 Monumento al colono © Berposen/cc-by-sa-3.0 © Roberto torres alejos/cc-by-sa-4.0 Catedral de Santo Domingo © Berposen/cc-by-sa-4.0
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Catedral de Santo Domingo © Berposen/cc-by-sa-4.0
Santo Domingo de los Colorados ist vor allem Umschlagplatz der örtlichen Plantagenwirtschaft, bevor deren Produkte in die Großstädte des Landes und ins Ausland transportiert werden. Hauptkulturen derselben sind Bananen, Ölpalme, Zuckerrohr, Kaffee, aber auch Früchte wie Ananas, Papaya, Maracuja und tropische Blumen. Aus Palmen wie Bananen wird Palm- und auch Bananenöl gewonnen. Auch die Vieh- und Milchwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten einen deutlichen Aufschwung erfahren und nimmt heute mehr als 50 % der Fläche des Kantons Santo Domingo in Anspruch. Santo Domingo ist noch immer die am schnellsten wachsende Stadt Ecuadors und zeigt die Ansichten der raschen Urbanisierung von Städten in Entwicklungsländern: die Siedlung erfolgt oft unkontrolliert und illegal, ist mit Naturzerstörung verbunden und führt zu Vierteln ohne oder mit nur sehr grundlegender Infrastruktur. Die Arbeitslosigkeit bzw. Unterbeschäftigung ist hoch, so dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung sich dem Straßen- und Kleinhandel widmet.

Santo Domingo selbst bietet eher den Anblick einer unordentlichen, unattraktiven, schnell wachsenden frontier city und ist damit touristisch von geringem Interesse. Der Tourismus ist vor allem ökologischer Art: Auf dafür eingerichteten Haciendas und in Naturreservaten in der Umgebung sind besonders Vogel- und Schmetterlingsbeobachtung sowie Fischen beliebte Aktivitäten.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

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