Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Samstag, 27. Januar 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Karte des Holocaust in Europa © Percy86/cc-by-3.0

Karte des Holocaust in Europa © Percy86/cc-by-3.0

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Er ist als Jahrestag bezogen auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz (heute Oświęcim in Polen) durch die Rote Armee im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs. Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen (The Holocaust and the United Nations Outreach Programme) im Jahr 2005 erklärt. Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus: “Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.”

Der Gedenktag wurde am 3. Januar 1996 durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar festgelegt. Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes. In seiner Proklamation führte Herzog aus:

“Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.”

In der Bundesrepublik wird an diesem Tag an öffentlichen Gebäuden Trauerbeflaggung gesetzt. In vielen Veranstaltungen wie Lesungen, Theateraufführungen oder Gottesdiensten wird bundesweit die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachgehalten. Im Bundestag findet eine Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Während in weiten Teilen der Welt ein Trauertag angesetzt ist, hat sich die rechtsnationale, polnische Regierung dazu entschlossen die Nennung der Beteiligung von Teilen der polnischen Bevölkerung am Holocaust (u.a. das Massaker von Jedwabne, Haaretz vom 28.01.2018: Death Camps Weren’t ‘Polish’ – but Poles Were Bad Enough to Jews Without Them, Holocaust Historian Says, Der Spiegel vom 02.02.2018: Israelischer Historiker: “Polen hat eine lange Antisemitismus-Tradition”, Die Zeit vom 18.02.2018: Polnischer Regierungschef relativiert Äußerungen zu “jüdischen Tätern” und Haaretz, 5 July 2018: Yad Vashem Historians Against Israeli-Polish Statement on ‘Holocaust Law’) gesetzlich zu verbieten und unter Strafe zu stellen. Der Versuch der so betriebenen Geschichtsklitterung (Holocaustleugnung und Gesetze gegen Holocaustleugnung) wird insbesondere in Israel (Die Zeit, 27.01.2018), den USA und der EU (Die Zeit, 01.02.2018) scharf kritisiert. Die deutsche Bundesregierung hält sich bei der Frage offenbar auch aus politischem Kalkül zurück, um die ohnehin bereits deutlich angespannten Beziehungen zu Polen nicht noch weiter zu verschlechtern: Merkel steht zur deutschen Verantwortung für den Holocaust (Handelsblatt, 10.02.2018). Zudem setzt sich die Bundeskanzlerin dafür ein der anwachsenden Judenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit deutlich und aktiv entgegen zu treten, indem die Einhaltung der Bürgerrechte und des Grundgesetzes in alle Richtungen gefördert, gefordert und durch den Staat selbst, aber insbesondere auch durch die Mehrheitsgesellschaft, selbstverständlich umfassend vorgelebt und durchgesetzt werden sollen. Der neuen Bundesregierung soll deshalb in einem ersten Schritt ein “Beauftragter für jüdisches Leben in Deutschland” (Felix Klein) angehören. In Polen sieht man die Situation dagegen vollständig anders: Polens Umgang mit dem Holocaust (Deutschlandfunk, 01.03.2018) und Polnische Nationalisten zeigen Israels Staatschef an (Die Zeit vom 18.04.2018).

expertenbericht-antisemitismus-in-deutschland


Der letzte bekannte Pogrom auf polnischem Boden gegen Juden fand am 04. Juli 1946 in Kielce, mehr als ein Jahr nach Ende des zweiten Weltkriegs, statt (Geschichte der Juden in Polen). Verwundern kann die Vorgehensweise allerdings nicht, zumal die aktuelle polnische Regierung die Unabhängigkeit von Richtern zugunsten von Rechtsunsicherheit abgeschafft hat, Gerichtsurteile nur noch im Sinne der Regierung fallen und unabhängige Richter gegen regierungstreue Marionetten ersetzt wurden und werden. Das polnische Rechtssystem entspricht damit wieder dem Stand zu Zeiten der Sowjetunion. Deshalb hat die EU ein Rechtsstaatsverfahren gegen Polen eingeleitet. Auch bei den anstehenden Verhandlungen über den künftigen EU-Haushalt werden die rechtsstaatlichen Verfehlungen von Polen und Ungarn Thema werden. Polen ist das größte Nehmerländer/Nettoempfänger von Zuwendungen aus Brüssel. Die großen Geberländer sind sich weitgehend einig darin, dass die Vergabe von Fördergeldern künftig auch an die Einhaltung gemeinsamer Werte, Rechtsstaatlichkeit und Solidarität geknüpft werden soll.

Ziel der Kaczyński-Regierung ist es, wie bei allen nationalistischen Regimen, die polnische Geschichte von sämtlichen Sündenfällen rein zu waschen. In diesem Fall ist sie zudem von dem Versuch getrieben imaginäre Reparationsforderungen an Deutschland zu stellen, obgleich diese längst abgegolten und dies im Rahmen mehrerer, aufeinander aufbauender, bilateraler Verträge geregelt worden ist. Die Kaczyński-Regierung müsste alle diese Verträge aufkündigen und damit faktisch die Selbstauflösung Polens beschließen, um neu verhandeln zu können. In der europäischen Geschichte wäre es der erste Fall, dass sich ein rechtsnationales Regime selbst und das Land auflösen und zudem dafür sorgen würde, dass Russland und Deutschland ohne eigenes Zutun um bemerkenswerte Landesteile anwachsen würden. Vielleicht ist das aber genau das Ziel der Kaczyński-Regierung.

Am israelischen Holocaust-Gedenktag Yom Hashoa (Ende April/Anfang Mai – im Hebräischen wird der Holocaust als “Schoah” = “Katastrophe” bezeichnet) findet auch der Marsch der Lebenden vom Konzentrationslager Auschwitz zum Vernichtungslager Birkenau statt. Der “Marsch der Lebenden” wird von Holocaust-Überlebenden angeführt.

Lesen Sie mehr auf Yad Vashem, Jüdisches Museum Berlin, Museum der Geschichte der polnischen Juden, bpb.de – 27. Januar: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, Wikipedia Geschichte der Juden in Deutschland, Wikipedia Geschichte der Juden, Wikipedia Jüdische Kultur, Wikipedia Judenfrage, Wikipedia Konzentrationslager, Wikipedia Liste der Konzentrationslager, Wikipedia Vernichtungslager, Wikipedia Ghettos, Wikipedia International Holocaust Remembrance Alliance, auswaertiges-amt.de – Bundesregierung unterstützt internationale Arbeitsdefinition von Antisemitismus, HolocaustRemembrance.com – Arbeitsdefinition von Antisemitismus und Wikipedia Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Foto von Wikimedia Commons.



Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen:

Bibliothek Sainte-Geneviève in Paris

Bibliothek Sainte-Geneviève in Paris

[caption id="attachment_26125" align="aligncenter" width="590"] Sainte-Geneviève Library © Priscille Leroy/cc-by-sa-3.0-fr[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Bibliothek Sainte-Geneviève liegt am Place du Panthéon im 5. Arrondissement von Paris und ist als frühes Beispiel des Gusseisenbaus ein bedeutendes Werk von Henri Labrouste, der die Bibliothek von 1843 bis 1851 nach seinen Plänen erbauen ließ. Zum ersten Male wurde in Frankreich eine Bibliothek nicht als Anbau eines Klosters oder eines Schlosses konzipiert, sondern als e...

Expo Tel Aviv

Expo Tel Aviv

[caption id="attachment_202125" align="aligncenter" width="590"] © Dr. Avishai Teicher/cc-by-2.5[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Expo Tel Aviv (früher das Messe- und Kongresszentrum Israel und später das Kongresszentrum Tel Aviv, auch Messegärten oder Messegelände Tel Aviv genannt) befindet sich am Rokach Boulevard im Norden von Tel Aviv. Es dient als Veranstaltungsort für eine Vielzahl von Veranstaltungen, darunter Konzerte, Ausstellungen, Messen und Konferenzen. Das 1932 als "Yarid HaMizrach" am Standort der Levan...

Bad Pyrmont in Niedersachsen

Bad Pyrmont in Niedersachsen

[caption id="attachment_161206" align="aligncenter" width="590"] Bad Pyrmont Castle © picasaweb.google.com / Hein[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Bad Pyrmont ist eine Kurstadt im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Die Stadt Bad Pyrmont liegt im Weserbergland zwischen Hameln (etwa 20 km entfernt) und Paderborn (etwa 60 km Entfernung) sowie an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route. Die Emmer fließt durch das Stadtgebiet. 1681 fand die Große Fürstenversammlung in Pyrmont statt, der sogenannte "Fü...

Haus Doorn in Utrechtse Heuvelrug

Haus Doorn in Utrechtse Heuvelrug

[caption id="attachment_7069" align="aligncenter" width="590"] The bust of Wilhelm II, sculpted by Max Bezner © Hanseichbaum[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Haus Doorn, niederländisch Huis Doorn ist ein kleines Schloss in Doorn, einem Ortsteil der Gemeinde Utrechtse Heuvelrug, Provinz Utrecht, in den Niederlanden. Es war seit 1920 der Wohnsitz des exilierten deutschen Kaisers Wilhelm II.. Wilhelm starb am 4. Juni 1941 in Doorn und wurde in einem Mausoleum im Park beigesetzt. Heute ist Haus Doorn ein Museum. Haus Doorn wurde...

Die Pride of America

Die Pride of America

[caption id="attachment_171000" align="aligncenter" width="590"] © Teh tennisman[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Pride of America (dt. Stolz von Amerika, eine Hommage an den Pioniergeist der Vereinigten Staaten von Amerika, vom patriotischen Kunstwerk am Rumpf bis hin zu den öffentlichen Räumen, die mit Bezug zu den USA ausgestattet und eingerichtet worden sind) ist ein Kreuzfahrtschiff der Reederei Norwegian Cruise Line. Sie ist das erste Kreuzfahrtschiff seit über 50 Jahren, das unter US-amerikanischer Flagge fährt. Ihr He...

Themenwoche Jordanien - Wadi Rum

Themenwoche Jordanien - Wadi Rum

[caption id="attachment_165883" align="aligncenter" width="590"] Wadi Rum Visitor Center © Jean Housen/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Wadi Rum ist das größte Wadi in Jordanien. Seine Felswände bestehen aus Sandstein und Granit. Als Schutzgebiet mit einer Fläche von 74.000 Hektar wurde es 2011 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Wadi Rum liegt östlich der Stadt Akaba, südlich der Stadt Maʿan und parallel zur im Westen liegenden Aravasenke. Das Wadi ist ein Gebiet mit einer Länge von etwa 100 Kilomet...

Return to Top ▲Return to Top ▲
Catedral Santiago de Veraguas © Apollo18
Themenwoche Panama – Santiago de Veraguas

Santiago de Veraguas ist die Hauptstadt der Provinz Veraguas und hat rund 90.000 Einwohner. Santiago wurde im 17. Jahrhundert von...

© kallerna/cc-by-sa-3.0
Alanya an der Türkischen Riviera

Alanya ist ein Badeort der Türkischen Riviera und liegt 135 km östlich von Antalya. Alanya ist Hauptstadt des gleichnamigen Landkreises...

Saint John the Baptist Church © flickr.com - Anelly Celis/cc-by-2.0
Themenwoche Panama – Penonomé

Penonomé ist die Hauptstadt der Provinz Coclé mit 22.000 Einwohnern. Die Stadt liegt am Pan American Highway und die Umgebung...

Schließen