Die Sorbonne in Paris

Montag, 24. September 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Architektur, Allgemein, Paris, Universitäten, Hochschulen, Akademien

© François Trazzi/cc-by-sa-3.0

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Die Sorbonne ist ein Gebäude im Pariser Quartier Latin. Es war im Mittelalter Sitz des Kollegs der Sorbonne – eines Teiles der alten Pariser Universität – und wurde so im allgemeinen Sprachgebrauch zu einem Synonym für die alte (bis 1793) und später auch für die neue Pariser Universität (1896–1971). Gegenwärtig teilen sich den Namen und den zentralen Gebäudekomplex im 5. Arrondissement drei der insgesamt dreizehn aus der Universitätsreform von 1970/71 hervorgegangenen Pariser Universitäten: Paris I Panthéon-Sorbonne, Paris III Sorbonne Nouvelle und Paris IV Paris-Sorbonne. Das Gebäude der Sorbonne beherbergt außerdem Teile der Universität Paris Descartes und der École pratique des hautes études, die École nationale des chartes und das gemeinsame Rektorat (Chancellerie). Die Sorbonne liegt auf der Rive Gauche, dem linken Seineufer, an den Hängen des Hügels Montagne Sainte-Geneviève. Sie bildet den Mittelpunkt des Studentenviertels Quartier Latin. Der Haupteingang liegt in der Rue Victor Cousin, Nebeneingänge sind in der Rue Cujas und der Rue Saint-Jacques. Der Eingang zum Rektorat befindet sich in der Rue des Écoles.

Im Mittelalter galten die Studenten in der Pariser Bevölkerung als turbulente Subjekte, die die Tavernen und Bordelle bevölkerten. Im Jahr 1229 sorgte ein studentisches Trinkgelage für den ersten Universitätsstreik der europäischen Geschichte – mit weitreichenden Folgen. Während der Karnevalszeit brachen einige Studenten in einem Wirtshaus eine Schlägerei vom Zaun. Die Soldaten des Stadtvogts, die schon lange darauf gewartet hatten, den Studenten ihre Arroganz auszuprügeln, stürmten das Quartier Latin und eröffneten die Jagd. Hierbei wurden auch zwei anerkannte Magister Opfer ihres Wütens. Die Lehrenden der Sorbonne sahen darin einen Angriff auf die Universität insgesamt und riefen einen Vorlesungsstreik aus. Da die Stadt sich weigerte, den Opfern eine angemessene Entschädigung zu zahlen, blieb die Universität geschlossen. Viele Dozenten wanderten ab in andere französische Städte oder nach England, wo sie sich an der Universität Oxford niederließen. Der Vorlesungsstreik dauerte drei Jahre; bis Papst Gregor IX., selbst ein ehemaliger Pariser Student, am 13. April 1231 die Bulle Parens scientiarum herausgab, in der er die Universität als Mutter der Wissenschaften mit verschiedenen Privilegien ausstattete, um einer Gängelung der Studenten vorzubeugen. Die Sorbonne nahm erst 1232 ihre Arbeit wieder auf, als der junge König Ludwig IX. ihr weitreichende Privilegien und Unabhängigkeit garantierte.

Sorbonne Library © Gouts/cc-by-sa-4.0 Auditorium Richelieu © Gouts/cc-by-sa-4.0 © Carcharoth/cc-by-sa-3.0 © Gouts/cc-by-sa-4.0 © François Trazzi/cc-by-sa-3.0 Place de la Sorbonne with Chapel of Sainte Ursule © Mbzt/cc-by-sa-4.0 Salle Louis Liard © Gouts/cc-by-sa-4.0
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Place de la Sorbonne with Chapel of Sainte Ursule © Mbzt/cc-by-sa-4.0
Zu Beginn der Französischen Revolution wurden ihre ausgedehnten, prächtigen Gebäude (die von 1635 bis 1653 unter Kardinal Richelieu und Kardinal Mazarin neu errichtet worden waren) als Nationalgut eingezogen. 1808 wurden sie der zentralistisch neustrukturierten napoleonischen Bildungskörperschaft übereignet, der “université impériale” (einer alle Bildungsanstalten Frankreichs steuernden staatlichen Organisation, die nichts mit Universitäten im heutigen Sinne gemein hat). Erst während der Dritten Republik unter Félix Faure wurde 1896 die nouvelle Université de Paris wieder eingerichtet; in diesen Jahren entstanden auch die heutigen Universitätsgebäude.

Im Mai 1968 stand die zeitweise besetzte Universität im Mittelpunkt der Studentenbewegung. Die damalige Studentenrevolution sorgte dafür, dass sich die Sorbonne in einem höheren Maße änderte als jemals zuvor. Sie wurde aufgeteilt in 12 unterschiedliche und eigenständige Universitäten. Die Sorbonne existiert also nicht mehr in der vorher beschriebenen Form, lediglich ihr Gebäude aus dem 19. Jahrhundert beherbergt jetzt drei hauptstädtische Universitäten: Paris I, Paris III und Paris IV. Im Frühjahr 2006 wurde die Sorbonne wieder von Studenten aus Protest gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes für Personen unter 26 Jahren (Contrat première embauche) besetzt. Die Besetzung wurde auf Wunsch des Rektors in der Nacht auf den 11. März 2006 von der Polizei beendet. In der Nacht zum 15. März kam es nach einem Marsch auf die Sorbonne zu erneuten gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen mindestens neun Demonstranten festgenommen und mindestens neun Beamte verletzt wurden. In der Nacht zum 17. März weiteten sich die Proteste noch aus. 40 Polizisten wurden verletzt, über 180 Protestierende festgenommen.

Lesen Sie mehr auf Sorbonne University, ParisInfo.com – Sorbonne und Wikipedia Sorbonne (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




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