Siziliens grüne Diamanten – die Pistazienstadt Bronte

Freitag, 31. August 2012 - 13:21 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

© SR/Julia Leiendecker

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Ende September in Bronte – einer kleinen Stadt zu Füßen des Ätna: Wo es sonst eher verschlafen zugeht, sind beim Pistazienfest, der “Sagra del Pistacchio”, alle auf den Beinen. Alles dreht sich in diesen Tagen um Siziliens grüne Diamanten, und die knapp 20.000 Bronteser feiern vier Tage lang die angeblich besten Pistazien der Welt.

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Etwa 80 Prozent des Gebiets um Bronte ist mit Pistazienbäumen bepflanzt – eine gut 3000 Hektar große Fläche. Im Vergleich zu den riesigen Pistazienplantagen in Amerika oder im Iran ist dieses Anbaugebiet zwar verschwindend klein, dennoch ist Pistazienanbau in Bronte der bedeutendste Wirtschaftszweig. Mehr als die Hälfte der Dorfbewohner lebt bereits seit Generationen vom Pistazienanbau.

Pistazienbäume gehören zur Familie der Anarcadien-Gewächse. Die Laubbäume werden bis zu zwölf Meter hoch und können 300 Jahre alte werden. 10 bis 15 Kilogramm Pistazien produziert ein ausgewachsener Baum – das allerdings nur alle zwei Jahre, denn die Fruchtfolge ist alternierend. Die ausgedehnten Pistazienfelder in der Region gehen zurück auf die Araber, die vor rund 1000 Jahren als erste versuchten, die Pflanze auf den Vulkanfeldern des Ätna zu kultivieren. Ihren Ursprung hat die Steinfrucht jedoch in Zentral- und Vorderasien, und ein gezielter Anbau fand bereits in der Antike statt.

Keine klassischen Snackpistazien


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Pistazie ist nicht gleich Pistazie, weltweit gibt es ganz unterschiedliche Sorten. In Sizilien wächst vorwiegend die “Bianca” – die entgegen ihres Namens nicht weiß, sondern grün ist. Man merkt schnell, dass die Steinfrüchte Siziliens keine klassischen Snackpistazien sind. Die harte Schale öffnet sich so gut wie nicht, das ist schon die erste Besonderheit dieser Sorte. Geschmacklich ist sie aromatischer als die anderen Arten, außerdem ist sie deutlich weniger anfällig für den Befall von Schimmelpilzen.

Auf dem karstigen Lavaboden um Bronte ist der Einsatz von Maschinen unmöglich – so ist die Ernte noch immer reine Handarbeit. Nach der Ente wird die Fruchthülle entfernt und die Früchte werden in der Sonne getrocknet. Das ist schonender als das sonst übliche Rösten. Heute lässt es sich von Pistazien-Anbau recht gut leben, sind die Preise in den letzten Jahren doch deutlich gestiegen. Zwischen fünf und sieben Euro erhält ein Bauer zur Zeit für ein Kilogramm der getrockneten Frucht.

Pistazien-Vielfalt beim jährlichen Fest


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In Bronte haben sich zahlreiche Betriebe auf die Verarbeitung der grünen Diamanten spezialisiert. Als aromatisches Naturprodukt verfeinern die Bronteser Pistazien Süßes und Salziges – und das ohne vorheriges Salzen oder Rösten. Sie kommen zum Beispiel in Kuchen, Käse, Salami oder Likör zum Einsatz. Beim Streifzug über das jährlich in Bronte stattfindende Pistazienfest, die “Sagra del Pistacchio”, bekommt man einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Produkte.

Die klimatischen Bedingungen auf Sizilien sind ideal für den Pistazienanbau. Bronte profitiert überdies von der Lage am Ätna, denn der vulkanische Boden enthält reichlich Nährstoffe. Die Nähe zum Vulkan birgt aber auch Risiken, bereits dreimal wurde die Stadt bei Eruptionen von den herabströmenden Lavamassen zerstört. Doch die Einwohner lassen sich davon nicht abschrecken und leben in respektvoller Eintracht mit dem Vulkan.

Gefunden auf 3sat.de. Lesen Sie mehr auf Stadt Bronte (italienisch) und Wikipedia Bronte.




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