Shenyang in China

Freitag, 16. März 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, UNESCO-Welterbe

West Pagoda Street © Ecabal/cc-by-sa-4.0

West Pagoda Street © Ecabal/cc-by-sa-4.0

Shenyang liegt im Nordosten der Volksrepublik China und ist die Hauptstadt der Provinz Liaoning. Es ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Nordostchinas mit 6,3 Millionen Einwohnern in der Stadt und 8,1 Millionen Einwohnern in der Metropolregion. Im europäischen Schrifttum ist die Stadt auch unter dem Namen Mukden als Hauptstadt der Mandschurei bekannt. Frühere Namen der Stadt waren Shengjing und Fengtian. Shenyang liegt im Nordosten der Volksrepublik China, im Süden der fruchtbaren mandschurischen Ebene am Fluss Hun He, einem Nebenfluss des Liao He, der in etwa 170 km Entfernung vom Stadtgebiet in den Golf von Liaodong des Gelben Meeres mündet. Die ältere Stadt lag lange Zeit nur am rechten Nordufer des Flusses, seit einigen Jahren und dem Bau weiterer Brücken besetzt die schnell wachsende Kommune jedoch auch die linke Flussseite im Süden. Hier steht auf großen heute noch landwirtschaftlich genutzten Flächen der Raum zur Verfügung, den die expansive Stadt benötigt.

Die Stadtgründung liegt ca. 2300 Jahre zurück, überregionale Bedeutung bekam der Ort aber erst, als sich mit den Mandschu-Herrschern die politische Macht im Nordosten Chinas niederließ. Von 1625 bis 1644 war Shenyang unter dem Namen Mukden die Hauptstadt des Mandschurischen Staates. Mit der weiteren Ausbreitung der Macht über weite Teile des chinesischen Kernlandes verlegte man 1644 den Regierungssitz nach Peking. Deshalb steht in Shenyang der einzige kaiserliche Palast Chinas außerhalb der Verbotenen Stadt in Peking. Er wurde von Nurhachi begonnen und von seinem Sohn Huang Taiji (1592–1643) vollendet. Von hier aus eroberte die mandschurische Qing-Dynastie China und regierte es bis zum Ende des Kaiserreiches 1911. Die ersten Kaiser der Qing-Dynastie sind in bedeutenden Gräbern um Shenyang bestattet. Im Russisch-Japanischen Krieg endete eine der größten Schlachten des Krieges am 10. März 1905 mit der Einnahme der Stadt durch die Japaner. 1931 kam es hier zum Mukden-Zwischenfall, der der Auslöser für die Mandschurei-Krise war und als dessen Folge die Mandschurei von Japan besetzt und der Vasallenstaat Mandschukuo gegründet wurde. Er war bei den Chinesen verhasst und ging mit der Kapitulation Japans 1945 unter.

Shenyang ist der südliche Einstieg in die jahrzehntelang gefürchtete “rostige Zone” Nordostchinas, die durch umweltzerstörenden Bergbau, umweltverschmutzende Eisen- und Stahlerzeugung sowie veraltete Kohlekraftwerke wenig Lebensqualität bot. Diese Zone, welche sich bis Harbin erstreckt, ist seit einigen Jahren ins Blickfeld der Zentralregierung gerückt. Erste Erfolge sind zu beobachten: die ehemals unsäglich kohlestaubverschmutzen Land- und Ortsstraßen wurden durch das neue Autobahnnetz entlastet und langsam ziehen moderne Filtertechniken ein, um die besonders schwefelhaltigen Steinkohleabgase zu entgiften.

West Pagoda Street © Ecabal/cc-by-sa-4.0 The arch entrance of Middle Street, a 3.5 km-long pedestrian shopping strip © Ecabal/cc-by-sa-4.0 © orca Mukden Palace © kallgan/cc-by-sa-3.0 Sacred Heart Cathedral of Shenyang © Roscoe x/cc-by-sa-3.0 Youths Avenue/Qingnian Street © ecabal/cc-by-sa-3.0 Dazheng Hall at Shenyang Imperial Palace © Wilson44691
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The arch entrance of Middle Street, a 3.5 km-long pedestrian shopping strip © Ecabal/cc-by-sa-4.0
Shenyang besitzt diverse touristische Attraktionen. Die meist besuchteste ist sicherlich der oben erwähnte Kaiserpalast, welcher eine kleinerer Vorläufer der bekannteren Pekinger Verbotenen Stadt und ein Palast der Mandschurenherrscher war. Die Anlage wurde 2004 von der UNESCO als Teil der kaiserlichen Paläste der Ming- und Qing-Dynastien in die Liste des Welterbes aufgenommen. Daneben gibt es mehrere Kaisergräber, von denen zwei im Stadtgebiet liegen. Dongling, das Grab Nurhachis, liegt im Osten der Stadt, Beiling, das Grab Huang Taijis, liegt im Norden – beide inmitten großer Parks; der Beiling-Park ist mit über 350 Hektar Fläche ungefähr so groß wie der Central Park in New York City. Sehenswert sind auch die vier Pagoden, die in gleichem Abstand von der Verbotenen Stadt aus in den vier Himmelsrichtungen verteilt liegen. Die einzige dieser Pagoden, die die Zerstörungswut der Großen Kulturrevolution überlebt hat, ist die nördliche Pagode. Die übrigen wurden nach dem Ende der Kulturrevolution originalgetreu rekonstruiert. Seit Mai 2006 sind östlich Shenyangs der Vogelinsel-Park mit einem Seeaquarium und die Internationale Gartenausstellung (IGA) zu besichtigen. Die IGA hat u. a. eine interessante Ansammlung von Gärten zu bieten, die in reicher Vielfalt die unterschiedlichsten Gartenbautraditionen der chinesischen Provinzen vorstellen. In den letzten Jahren hat die Stadtverwaltung die vorrangige Anlage von Straßenbegleitgrün an den Autobahnringen sowie neuen Park- und Grünflächen in den Fluss- und Kanaluferbereichen verstärkt, um dem hohen Verschmutzungsgrad durch Industrie- und Verkehrsemissionen entgegenzuwirken. Shenyang ist zur “Nationalen Modellstadt für Umweltschutz” ernannt worden und kann somit auf Unterstützung aus Peking zurückgreifen.

Im lange anhaltenden Winter ist Wintersport in den ebenfalls ca. 30 km östlich von Shenyang gelegenen Qipanshan-Bergen möglich. Die breiten, mäßig steilen Skipisten sind gut für Anfänger geeignet. In den Qipanshan-Bergen gibt es auch einen Safaripark, wo es möglich ist, mit dem eigenen Wagen durch Freigehege mit Tigern, Löwen, Bären und anderen Großtieren zu fahren. Außerdem fährt ein Bus Touristen durch die Freigehege. Neuerdings findet auch in Shenyang allwinterlich ein Eisskulpturenfest ähnlich dem berühmten Eisskulpturenfest in Harbin statt. In Shenyang lebt insbesondere in den Stadtvierteln um die westliche Pagode eine starke koreanische Minderheit, Shenyang entwickelt sich aufgrund der wirtschaftlichen Prosperität immer mehr zu einem regionalen kulturellen Zentrum mit wachsender multikultureller Szene. Abends ziehen vor allem riesige Karaoke-Bars, aber auch einige Discos und Bars in westlichem Stil ein großes Publikum an.

Bekannte Einkaufszentren im Stadtgebiet sind die Fußgängerzone Zhongjie nördlich nahe der Verbotenen Stadt sowie die Fußgängerzone Taiyuanjie unweit des Bahnhofs. Weitere Megamalls sind in Planung. Für eine innerstädtische Mall wurde sogar ein erst 18 Jahre altes Stadion abgerissen, weil die Grundstückspreise in der City hochgeschossen sind.

Shenyang nennt sich in einer Eigenwerbung „Eine Stadt voller Vitalität“. Begründet ist das vor allem mit der für chinesische Verhältnisse ungewöhnlich vielfältigen Wirtschaft. Es gibt die drei großen Felder Chemische Industrie, Maschinen- und Fahrzeugbau und Hightech. Die chemische Industrie basiert auf den in der Provinz reichlich vorhandenen Kohle- und Erzvorkommen, es werden vor allem chemische Vorprodukte erzeugt und über die Eisenbahn ins ganze Land versendet. Der Maschinenbau umfasst Traktoren, Lokomotiven, Werkzeugmaschinen, Turbinen und Stahlkonstruktionen wie Brücken, Kräne und Hafenanlagen. Eine nicht unbedeutende Produktion ist auch die Herstellung von Militärflugzeugen (z. B. das aus der MIG weiterentwickelte Jagdflugzeug Shenyang J-8), sowie Raketen und Ausrüstung für die chinesischen Weltraumprojekte. Der Automobilbau mit Zulieferindustrie ist hier ebenso vertreten wie der Waggonbau. Von der Leichtindustrie hat sich die Nahrungsmittelproduktion erhalten. Eine besondere staatliche Förderung erfährt z. Z. die Hightech-Industrie. Im Süden Shenyangs ist ein großes Areal eigens als Hightechzone ausgewiesen, in der die Softwareproduktion einen Schwerpunkt bildet. Hier bekommen z. B. aus den westlichen Ländern zurückkehrende chinesische Wissenschaftler und Ingenieure finanzielle Anreize und hervorragende Arbeitsbedingungen. Abgerundet werden die wirtschaftlichen Aktivitäten durch eine intensivierte Ausstellungspolitik, Shenyang hat zwei mittelgroße Messezentren, eines zur Darstellung der Provinzwirtschaft und eines für wechselnde thematische Messen, z. B. China und Südkorea. In jedem Fall steht stets die zukunftsorientierte Umgestaltung Shenyangs von einer grauen Industriestadt in eine moderne Wirtschaftsmetropole im Mittelpunkt. Im April 2010 hat der chinesische Staatsrat eine Regionalentwicklungstrategie für Shenyang verabschiedet, nach der aus Shenyang eine Metropolregion mit den umgebenden sieben weiteren Großstädten gebildet werden soll. Durch den Ausbau des Verkehrsnetzes soll jede der Städte innerhalb einer Stunde von Shenyang aus erreichbar sein.

Lesen Sie mehr auf TravelChinaGuide.com – Shenyang, Wikitravel Shenyang, Wikivoyage Shenyang und Wikipedia Shenyang (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes - Wetterbericht von wetter.com). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




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