Route 66: Das längste Dorf Amerikas

Mittwoch, 08. Mai 2013 - 13:08 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Museen, Ausstellungen

U.S. Route 66 © SPUI

U.S. Route 66 © SPUI

Die Route 66 galt ab 1926, abgesehen vom Lincoln Highway (der ersten durchgehenden Straße, die die Ost- mit der Westküste verband und vom Times Square in New York zum Lincoln Park in San Francisco führt), als eine der ersten durchgehenden Straßenverbindungen zur US-amerikanischen Westküste. Heute sind die verbliebenen Teilstücke der einst 2.448 Meilen (3.939,67 Kilometer) langen Strecke von Chicago (Illinois) nach Santa Monica (Kalifornien), auch Mother Road oder America’s Mainstreet genannt, ein Anziehungspunkt für Touristen und Nostalgiker. Sie wird jedoch nicht mehr einheitlich als Route 66 bezeichnet und ist nicht mehr durchgehend befahrbar.

Im Jahre 1914 machte in den USA ein Motorradfahrer namens Erwin G. Baker Schlagzeilen, der das Land von Küste zu Küste in elf Tagen durchquerte und danach über “Wege wie frisch gepflügte Äcker” berichtete. Im Zuge des aufkommenden Autoverkehrs nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Straßen gebaut – der Ruf wurde laut nach einer durchgehenden Straßenverbindung an die Westküste, die noch immer durch die Gebirgskette der Rocky Mountains und durch Wüsten vom Rest des Landes weitgehend getrennt war. Die wichtige und symbolträchtige Ost-West-Verbindung wurde ab dem Jahr 1926 sukzessive als “US Highway 66” ausgebaut, auch indem man schon bestehende Straßen einfach miteinander verband. Als Planer gilt Cyrus Stevens Avory, dessen Planungen sich am 26. November 1926 mit der offiziellen Bezeichnung als “US Highway 66” für die einheitliche Streckenführung realisiert hatten. Ihre Bezeichnung geht auf einen Brief des Leiters für öffentliches Straßenwesen vom 23. Juli 1926 zurück, wonach die Nummer 66 eine der wenigen Zahlen war, die in den betroffenen Bundesstaaten noch nicht für eine Straße vergeben worden waren. In ihrem Gründungsjahr waren lediglich 800 Meilen asphaltiert, erst im Jahre 1938 wurde die Asphaltierung der Straße vollendet. Im Jahre 1933 fuhr Erwin G. Baker, aufgrund von über 100 Werbe- und Rekordfahrten inzwischen als Cannonball bekannt, teilweise auf der neuen Strecke: von New York nach Los Angeles in der Rekordzeit von 53 Stunden. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug fast 100 km/h, obwohl die Route 66 damals noch durch Ortschaften führte und teilweise nicht asphaltiert war.

U.S. Route 66 © SPUI Historic U.S. Route 66 sign © SPUI Route 66 start point in Chicago © Laurent Reich/cc-by-2.5 Route 66 sign © Sukuru/cc-by-sa-3.0 Route 66 Museum in Clinton/Oklahoma © Calan Santa Monica Pier - End point of Route 66 © Jelson25
<
>
Route 66 start point in Chicago © Laurent Reich/cc-by-2.5
An einem frühen Teilstück der Route 66 eröffnete 1905 die erste Tankstelle, doch wurde Benzin bis in die 1920er Jahre noch überwiegend in Grocery Stores verkauft. Im Jahr 1921 entstand das erste Drive-in-Restaurant, im Februar 1934 wurde in Normal (Illinois) mit dem ersten Steak ’n Shake-Schnellrestaurant mit standardisierten Menues und knappen Portionierungen der Vorläufer des Fastfood-Konzeptes eröffnet. Nachdem das erste Motel am 12. Dezember 1925 im kalifornischen San Louis Obispo unter dem Namen Motel Inn entstand, verbreitete sich diese vereinfachte Übernachtungsform für Autofahrer schnell an der Route 66. Sie war Namensgeber der Benzinmarke Philips 66, die 1927 entstand. Das erste McDonald’s öffnete am 15. Mai 1940 in San Bernardino an der Route 66.

Im Jahre 1946 fuhr Bobby Troup nach Los Angeles, in der Hoffnung auf eine Karriere als Musiker. Seine eigene Aufbruchstimmung fasste er unterwegs in Worte und schrieb den Song Get Your Kicks on Route Sixty Six, der umgehend mit Nat King Cole veröffentlicht und später von Chuck Berry, den Rolling Stones, Depeche Mode und vielen anderen Musikern interpretiert wurde.

Als die Route 66 sukzessive durch Interstate Highways ersetzt wurde, war das teilweise mit einem wirtschaftlichen Niedergang vieler an der Mother Route gelegenen Orte verbunden. Dank der Route 66 hatten viele kleinere Orte nahe der Route die Möglichkeit, Handel zu treiben und dadurch eine eigene Wirtschaft aufzubauen. Die Straße verband die ansonsten abgelegenen Orte, in denen sich immer mehr Pendler niederließen. Die größeren Orte bekamen eine eigene Anbindung an die Route, so zum Beispiel Springfield, San Bernardino und Oklahoma City. Entlang der Route entstanden mit der Zeit viele Motels, Tankstellen und Geschäfte, deren Angebot sich auf Grund des starken Konkurrenzkampfes stetig – gelegentlich auch in auffällig-bizarren Architekturen – weiter entwickelte. Heute leben die Geschäfte und Museen von einem intensiven Route-66-Tourismus.

Heutzutage gilt die “Route 66” als Symbol für Freiheit, Ungebundenheit, Abenteuer und Aufbruchstimmung, sie steht nostalgisch-sentimental für die “gute alte Zeit”. In vielen Orten längs ihrem früheren Streckenverlauf gibt es Souvenirläden, Museen oder Diner-Cafés, die mit den 1950er Jahren assoziiert werden. Ebenso stehen noch ehemalige Restaurants, Tankstellen und sonstige Gebäude aus der Blütezeit der Straße. Eine Vielzahl von Büchern, Internetseiten und Reiseberichten sowie ein Bluessong widmen sich der Route 66 und halten ihre Legende aufrecht. Seit September 2005 sind Teilstücke der Route 66 in Illinois, New Mexico und Arizona unter der Bezeichnung Historic Route 66 als National Scenic Byway ausgewiesen. Insgesamt sind 85 % der Route 66 noch befahrbar, in Texas sogar 91 %.

Lesen Sie mehr auf National66.org, Historic66.com und Wikipedia Route 66 (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen:

Der Olympiapark in London

Der Olympiapark in London

[caption id="attachment_153130" align="aligncenter" width="590"] Olympic Park London - April 2012 © flickr.com - EG Focus / Anthony Charlton[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Olympiapark ist ein parkartiges Gelände in London mit mehreren bedeutenden Sportanlagen. Er ist der Hauptveranstaltungsort der Olympischen Spiele 2012 und der Sommer-Paralympics 2012. Der 250 Hektar große Olympiapark liegt am Fluss Lea im Osten der Stadt. Er entstand durch die vollständige Umgestaltung einer Industriebrache, zu der auch ein stillgelegtes B...

Der Eurotunnel

Der Eurotunnel

[caption id="attachment_25930" align="aligncenter" width="590"] Eurotunnel schema © Arz - Commander Keane[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Eurotunnel, auch Kanaltunnel genannt, ist ein 50 km langer Eisenbahntunnel unter der hier 38 km breiten Straße von Dover zwischen Folkestone in Kent und Coquelles nahe Calais. In den Landessprachen stehen Tunnel sous la Manche bzw. Channel Tunnel für das Bauwerk. Die technische Infrastruktur (Tunnelbetrieb, -überwachung und -instandhaltung) sowie Pendelzüge für Kraftfahrzeuge werden von d...

Kanada: Guten Appetit!

Kanada: Guten Appetit!

[caption id="attachment_171212" align="aligncenter" width="590"] © George F.G. Stanley[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]In Kanada gibt es sehr viele Spezialitäten wie den Ahornsirup, der nicht nur zum Süßen von Speisen dient, sondern auch in Form von vielen Spezialitäten angeboten wird und in der Küche oft Verwendung findet. Eine Spezialität wäre auch das "dirty pigg", auf Deutsch "schmutziges Schwein". Das Wort leitet sich nicht etwa von schmutzig "dirty" sondern von "ditry" ab. Nach einer Sage hatte es ein Ausländer falsch ...

Tunis am Mittelmeer

Tunis am Mittelmeer

[caption id="attachment_163037" align="aligncenter" width="590"] Place de la Victoire © BishkekRocks[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Tunis ist die Hauptstadt Tunesiens und Provinzhauptstadt des gleichnamigen Gouvernements. Sie ist die größte Stadt Tunesiens und hat 1 Million Einwohner. In der Agglomeration wohnen etwa 2,7 Millionen Einwohner. Tunis liegt im Norden des Landes unweit des Mittelmeers. Zwischen der Stadt und dem Golf von Tunis liegt der See von Tunis, eine flache Lagune. Die Innenstadt von Tunis mit der historischen A...

Göreme in Kappadokien

Göreme in Kappadokien

[caption id="attachment_163625" align="aligncenter" width="590"] © MusikAnimal/cc-by-sa-4.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen lassen"]Göreme ist eine Gemeinde in Kappadokien im zentralen Landkreis der türkischen Provinz Nevşehir. Der Ort hieß in byzantinischer Zeit Matiana und wurde 1928 umbenannt in Göreme, eine turkisierte Form des alten Namens Korama. Der Ort ist Zentrum des Nationalparks Göreme, der zusammen mit anderen Felsendenkmalen von Kappadokien seit 1985 zum UNESCO-Welterbe gehört. Geprägt wird die Landschaft um Gör...

Katowice in Schlesien

Katowice in Schlesien

[caption id="attachment_154208" align="aligncenter" width="590"] © Umkatowice/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Katowice ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Die mit rund 310.000 Einwohnern größte Stadt der Woiwodschaft liegt rund 70 km nordwestlich von Krakau im Oberschlesischen Steinkohlebecken und bildet das Zentrum einer Metropolregion, in der fast 3,5 Millionen Menschen leben. Im Oberschlesischen Industriegebiet (GOP) um Katowice gibt es reichhaltige Kohle- und Erzlagerstätten. Die Stadt ist ein...

Return to Top ▲Return to Top ▲
Downtown Caen and the Abbey of St. Étienne © DennisPeeters
Caen im Département Calvados

Caen ist die Hauptstadt der französischen Region Basse-Normandie und mit 108.954 Einwohnern die größte Stadt im Département Calvados. Außerdem ist...

L'arsenale © William Domenichini/cc-by-sa-3.0
La Spezia in Ligurien

La Spezia ist eine Stadt in der norditalienischen Region Ligurien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Mit 95.000 Einwohnern ist La...

Painting 'Alexander Palace in Tsarskoye Selo'. Series 'Views of St Petersburg and Moscow' by Alexey Maksimovich Gornostaev, produced as a gift to Queen Victoria on the occasion of the 10th anniversary of her reign.
Der Alexanderpalast in Puschkin

Der Alexanderpalast (russisch Александровский дворец) war die bevorzugte Residenz des letzten russischen Zars Nikolaus II. Er liegt in Puschkin unweit...

Schließen