Reichstagsgebäude – das Energiekonzept

Mittwoch, 13. April 2011 - 08:01 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Berlin, Grüne Gebäude, Grüne Technologien

Reichstag © Michael J. Zirbes

Reichstag © Michael J. Zirbes

Das Reichstagsgebäude (kurz: Reichstag; offiziell: Plenarbereich Reichstagsgebäude) in Berlin ist seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestages. Auch die Bundesversammlung tritt hier seit 1994 in der Regel alle fünf Jahre zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten zusammen.

Der Bau wurde von dem Architekten Paul Wallot 1884 bis 1894 im Stil der Neorenaissance im Ortsteil Tiergarten (heute zum Bezirk Mitte gehörend) errichtet. Er beherbergte bis 1918 den Reichstag des Deutschen Kaiserreiches und anschließend das Parlament der Weimarer Republik. Durch den Reichstagsbrand von 1933 und durch Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt, wurde das Gebäude in den 1960er Jahren in modernisierter Form wiederhergestellt und von 1991 bis 1999 noch einmal grundlegend umgestaltet.

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Strom, Wärme, Kälte: das Energiekonzept des Deutschen Bundestages

Kalt- und Warmwasserspeicher unter dem Reichstagsgebäude © Geothermie Neubrandenburg GmbH

Kalt- und Warmwasserspeicher unter dem Reichstagsgebäude © Geothermie Neubrandenburg GmbH

Das Energieerzeugungs- und -versorgungskonzept für die Liegenschaften des Deutschen Bundestages gibt ein Beispiel für ökologisch und ökonomisch kombinierbare Maschinen, Anlagen und Übertragungssysteme der Energieerzeugung und Energieverwendung.

Einsatz regenerativer Energien und ökologischer Gebäudebetrieb
Dem ökologischen Anspruch entsprechend nimmt der Einsatz regenerativer Primärenergien einen hohen Stellenwert ein.

  • Biodiesel
    Alle Motoren und der Kessel im Reichstagsgebäude werden mit Biodiesel (korrekte Bezeichnung ist RME nach DIN EN 14214) betrieben. Es entspricht der ökologischen Zielsetzung des Deutschen Bundestages, dass das Vegetationsgebiet und die Verarbeitung in geringer Entfernung von Berlin liegen bzw. stattfinden. Als Grundstoff wird Raps verwendet, aus dessen Körnern das Rapsöl gepresst werden kann. In einer Biodieselfabrik wird durch Hinzusetzung von Methanol der Biodiesel hergestellt. Das dabei gleichzeitig entstehende Glyzerin findet in den anfallenden Mengen in der chemischen Industrie vollständige Abnahme. Abgesehen von Spuren der unvermeidlichen Schadstoffe wird hier ein Großteil der Kohlenstoffdioxidbildung aus dem Verbrennungsvorgang von nachwachsenden Rohstoffen, z. B. Raps, regional wieder aufgenommen. Ferner ist durch die Verwendung von landwirtschaftlichen Produkten indirekt auch ein Beitrag zur Arbeitsplatzerhaltung in ländlichen Gebieten gegeben.
  • Photovoltaik
    Auf den Dächern des Reichstagsgebäudes, des Paul-Löbe-Hauses und des Jakob-Kaiser-Hauses sind insgesamt ca. 3.600 m² Photovoltaikelemente unterschiedlicher Kollektorbauarten, teilweise dem Sonnenstand nachführbar, aufgebaut. Die Errichtung erfolgte in einem Demonstrationsprogramm des Bundesbauministeriums. Der mit Hilfe der Photovoltaikanlagen gewonnene Strom wird in vollem Umfang in das hauseigene Netz eingespeist.
  • Wärmeerzeugung und -speicherung
    Überschüssige Wärme, die im Motorheizkraftwerkbetrieb aufgrund der gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung anfällt und für die weder in den Gebäuden zur Beheizung noch witterungsbedingt für den Antrieb einer Absorptionskältemaschine Verwendung besteht, wird über zwei Bohrungen ca. 300 m tief in eine wasserführende Gesteinsschicht vor dem Reichstagsgebäude eingeleitet. Dazu wird aus einer Bohrung das dort in porösem Gestein eingelagerte Wasser von ca. 20 °C natürlicher Temperatur hochgepumpt, über Wärmetauscher im Keller der Bundestagsgebäude mit der Überschusswärme aufgeheizt und durch die zweite ca. 280 m entfernt liegende Bohrung in die gleiche Tiefe hinabgebracht. Es wird Wasser mit maximal 60 °C und mit einer Pumpenleistung von maximal 100 m³/h in das Gestein verpresst und in der nächsten Heizperiode mit einer Temperatur beginnend bei ca. 55 °C heraufgepumpt. Mit fortschreitender Entnahme sinkt die Fördertemperatur, bis bei ca. 30 °C eine wirtschaftlich nutzbare Wärmeentnahme beendet ist.
  • Kälteerzeugung und -speicherung
    Die erste Priorität der Kälteerzeugung besteht in der Speicherung von Umweltkälte im Winter, die über Wärmetauscher an das Grundwasser abgegeben wird. Am Ende der winterlichen Kälteperiode wird dieser Vorgang abgeschlossen und zu Beginn der Frühsommerzeit durch Umdrehung der Fließrichtung das kalte Wasser entnommen, welches zunächst mit ca. 6 °C aus dem jeweiligen kalten Brunnen gefördert werden kann. Im Laufe des Sommers steigt diese Temperatur je nach Nutzungsintensität bis auf die natürliche Temperatur von 11 °C an. Wenn ein größerer gleichzeitiger Kältebedarf in den Bundestagsgebäuden besteht als aus den Kältespeicherbrunnen entnommen werden kann, wird diese Kälte zunächst in konventionellen Kältemaschinen erzeugt. Steigt der Bedarf noch weiter an und ist aufgrund der sommerlichen Temperaturen ein längerer Bedarf zu erwarten, so werden die drei Absorptionskältemaschinen über die Abwärme der Motorheizkraftwerke angetrieben.

Betriebserfahrungen
Der Energieerzeugungsbetrieb wurde in den ersten Betriebsjahren permanent optimiert. Der Kältespeicher arbeitet sehr zufrieden stellend. Die im Wärmespeicher eingelagerte Überschusswärme aus dem Motorheizkraftwerkbetrieb kann zu ca. 60 % wieder entnommen werden. Der Betrieb der Kälte- und Wärmespeicher wird durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet.

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