Potsdamer Platz in Berlin

07. September 2016 | Destination: | Rubric: Berlin, Allgemein |

© Ansgar Koreng/cc-by-sa-3.0-de

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Der Potsdamer Platz ist ein Verkehrsknoten in den Berliner Ortsteilen Mitte und Tiergarten im Bezirk Mitte zwischen der alten Innenstadt im Osten und dem neuen Berliner Westen. Als Doppelplatzanlage schließt er sich westlich an den Leipziger Platz an. Im Zuge des Baus der Berliner Zoll- und Akzisemauer wurde 1734 das Potsdamer Tor errichtet. Dort begann seit dem späten 18. Jahrhundert die Berlin-Potsdamer Chaussee (später Potsdamer Straße), die ein wichtiges Glied im Netz der Preußischen Staatschausseen war. Die westlich des Tores liegende Grünanlage, der Platz vor dem Potsdamer Thor, erhielt 1831 seinen heutigen Namen. Mit dem Potsdamer Fernbahnhof, dem U-Bahnhof sowie den zahlreichen Straßenbahn- und Omnibuslinien war der Potsdamer Platz bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs einer der verkehrsreichsten Plätze Europas und erhielt daher bereits 1924 eine der ersten Verkehrsampel-Anlagen auf dem Kontinent. In den ersten vierzig Jahren des 20. Jahrhunderts waren der Platz und die von ihm ausgehenden Straßen ein beliebter Treffpunkt der politischen, sozialen und kulturellen Szene Berlins.

Nach Kriegsende bildete der Potsdamer Platz ein “Dreiländereck” zwischen dem sowjetischen, dem britischen sowie dem amerikanischen Sektor im geteilten Berlin. Ab August 1961 verlief die Berliner Mauer über den Platz, der die folgenden fast drei Jahrzehnte ein randständiges Dasein als innerstädtische Brache fristete. Nach der Maueröffnung am 9. November 1989 stellte sich eine völlig neue Situation ein: Schon wenige Tage später wurde am Potsdamer Platz ein Stück der Mauer abgebrochen und ein provisorischer Grenzübergang geschaffen. Das an der größtenteils erhaltenen Straßenführung nach 1990 neu bebaute Terrain zählt zu den markantesten Orten der Stadt und ist ein touristischer Anziehungspunkt.

Im Jahr 1990, kurz nach der Öffnung der Mauer, führte Roger Waters das Konzert The Wall auf dem Niemandsland zwischen Potsdamer Platz und Pariser Platz auf. Es wurde das bislang größte Konzert in der Geschichte der Rockmusik. In Hinblick auf die Stadtentwicklung stellte sich spätestens seit der deutschen Wiedervereinigung die Frage, wie die traditionelle Klammer zwischen dem östlichen und dem westlichen Zentrum Berlins in Zukunft aussehen sollte. Die Veräußerung der Grundstücke an den Automobilkonzern Daimler-Benz seitens des Berliner Senats erfolgte sehr rasch. Senatsbaudirektor Hans Stimmann versuchte, eine an den traditionellen Traufhöhen und Blockstrukturen Berlins orientierte städtebauliche Anlage durchzusetzen, die im Stil der Postmodernen Architektur gehalten sein sollte. Sie sollte der von Stimmann so bezeichneten “Europäischen Stadt” und dem Begriff einer “kritischen Rekonstruktion” entsprechen. Dem entsprach das Projekt der Architekten Hilmer und Sattler mit seiner weitgehend einheitlichen Traufhöhe von 35 Metern. Die unzufriedenen Investoren lancierten allerdings ein Alternativprojekt des internationalen Stararchitekten Richard Rogers, und setzten sich mit ihrem stark verdichteten Konzept einer “(Hochhaus-)City für das 21. Jahrhundert” durch. Die realisierte Lösung fand nicht nur Zustimmung, sondern zog auch Kritik auf sich.

© Tanweer Morshed/cc-by-sa-4.0 © Michael J. Zirbes © Ansgar Koreng/cc-by-sa-3.0-de © janine pohl/cc-by-sa-3.0 Line on the ground marking where the Wall used to stand © Aridd/cc-by-sa-4.0 © Mihael Grmek/cc-by-sa-3.0 Replica of Germany's first traffic lights, with the Beisheim Center in the background © AlterVista/cc-by-sa-3.0 Residential buildings by Richard Rogers © flickr.com - Jean-Pierre Dalbéra/cc-by-2.0 Sony Center © Pedelecs/cc-by-sa-3.0 Das Daimler-Quartier am Potsdamer Platz © Sebam
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Replica of Germany's first traffic lights, with the Beisheim Center in the background © AlterVista/cc-by-sa-3.0
Während der 1990er Jahre wurde der Potsdamer Platz zur größten innerstädtischen Baustelle Europas. Von einem als Infobox bezeichneten Aussichts-Container auf dem gegenüberliegenden Leipziger Platz konnten Berliner und Touristen den Fortschritt der Bauarbeiten beobachten und Modelle der zukünftigen Bauten betrachten. Grob eingeteilt entstanden auf der an den ehemaligen Potsdamer Platz angrenzenden Brache vier unterschiedliche Komplexe. Das nordwestliche, zwischen der neu angelegten Entlastungsstraße und dem (neuen) Potsdamer Platz liegende, 27.000 m² umfassende Sony Center wurde vom US-Amerikaner Helmut Jahn gestaltet. Untergebracht sind in dem dreieckigen Areal Cafés, das Filmmuseum Berlin mit der Deutschen Kinemathek, Appartements, Büros sowie die europäische Zentrale von Sony. Richtung (neuer) Potsdamer Platz endet das Sony-Areal mit dem Sitz der Holding der Deutschen Bahn in Berlin, dem Bahntower. Im Oktober 1996 wurde mit einem Kranballett das Richtfest für das 85 Meter hohe Gebäude der Daimler Benz Tochtergesellschaft debis gefeiert. Unter der Leitung von Daniel Barenboim “tanzten” sieben Minuten lang 19 Krane synchron zu den Klängen des 4. Satzes der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven (Ode “An die Freude”). Südlich an das Daimler-Benz-Areal schließt sich das Quartier Potsdamer Platz, mit rund 70.000 m² der beherrschende Gebäudekomplex, an. Unter anderem steht hier das von dem italienischen Stararchitekten Renzo Piano entworfene debis-Haus (heute: Atrium Tower) – erkennbar an dem markanten grünen Würfel auf seiner Spitze. Direkt gegenüber dem Bahntower befindet sich ein weiteres markantes Hochhaus: der von Hans Kollhoff im New Yorker Backsteinstil entworfene, 103 Meter hohe Kollhoff-Tower. Laut Eigenaussage enthält er den schnellsten Aufzug Europas und ermöglicht von der oben liegenden Dachterrasse einen guten Überblick über den Potsdamer Platz und seine Umgebung. Auch die restliche Architektur weist teilweise mediterrane Stilzitate auf. Mittelpunkt des Quartiers Potsdamer Platz ist der südwestlich gelegene Marlene-Dietrich-Platz. Um ihn herum angesiedelt sind das Theater am Potsdamer Platz (ehemals: Musical-Theater Berlin), das Bluemax (Theater der Blue Man Group), ein Spielcasino, das Luxushotel Grand Hyatt Berlin sowie Varietébühnen und Restaurants. Durch die Lage zwischen zwei Gebäudereihen im südlichen Block und der Überdachung bilden die Potsdamer Platz Arkaden eine wettergeschützte Einkaufsstraße. Den südlichen Abschluss der Hochhaus-Triade am Platz bildet ein nach Plänen von Renzo Piano errichtetes Gebäude, in dem PricewaterhouseCoopers seine Berlin-Niederlassung hat. Es hat, wie der benachbarte Kollhoff-Tower, einen dreieckigen Grundriss und ist im hinteren Bereich treppenartig gestaltet, sodass es zur nachfolgenden Bebauung überleitet. Der obere senkrechte Teil hat aber im Gegensatz zum Kollhoff-Tower eine verglaste Fassade. Zwei kleinere Baueinheiten komplettieren die Neubebauung der ehemaligen Brache: im Norden das zwischen Sony Center und Tiergarten gelegene, unter anderem von Otto Beisheim errichtete Beisheim Center mit mehreren Hotels wie dem Marriott und dem Ritz-Carlton, und weiter im Süden die Park Kolonnaden – fünf vorwiegend mit Büroraum verplante Gebäude. Am östlichen Ende des Potsdamer Platzes steht das von Hans Kollhoff entworfene Delbrück-Hochhaus, auch bekannt als P5 (Hausnummer des Platzes). Ebenso wie im Kollhoff-Tower finden sich im Delbrück-Hochhaus renommierte Rechtsanwalts-, Steuerberater-, Wirtschaftsprüfer- und Unternehmensberaterbüros. Unterirdische Tunnel ermöglichen eine Verbindung zwischen den Appartementhochhäusern und dem Bahntower.

Mit dem Tilla-Durieux-Park und dem Henriette-Herz-Park wurden auch zwei Parkanlagen realisiert. Der Tilla-Durieux-Park grenzt über eine schräge, sich der Länge nach um die eigene Achse drehende Wiesenfläche das Quartier Potsdamer Platz von den Park-Kolonnaden ab. Er befindet sich an der Stelle des ehemaligen Potsdamer Bahnhofs. Zwischen Sony Center und Beisheim-Center liegt der vom gleichen Architektenteam entworfene Henriette-Herz-Park. Besonderes Merkmal dieser zweiten, in Richtung des Tiergartens gelegenen Parkfläche ist die in Schollen gegliederte Höhenmodellierung sowie die aus finnischem Granit bestehende Einfassung der Rasenflächen. Sowohl der Tilla-Durieux-Park als auch der kleinere Henriette-Herz-Park ergänzen die Geschäftigkeit des restlichen Areals durch Räume für Ruhe und Entspannung. Beide Parkanlagen erfreuen sich breiter Akzeptanz und werden – vor allem im Sommer – gerne auch als Liegewiesen zur Erholung genutzt. Obwohl Firmenhochhäuser, Geschäfts- und Bürobauten das Bild am neuen Potsdamer Platz bestimmen, ist langfristig ein Wohnflächenanteil von 20 % vorgesehen. Hochgerechnet heißt dies, dass hier einmal 20.000 Menschen wohnen sollen.

Lesen Sie mehr auf PotsdamerPlatz.de, Potsdamer-Platz.net/, berlin.de – Potsdamer Platz, VisitBerlin.de – Potsdamer Platz, Wikivoyage Potsdamer Platz und Wikipedia Potsdamer Platz. Fotos von Wikimedia Commons.



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