Porträt: Sébastien Le Prestre de Vauban, Festungsbaumeister und Marschall von Frankreich

Samstag, 2. Mai 2015 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Porträt, UNESCO-Welterbe

Sébastien Le Prestre de Vauban by Hyacinthe Rigaud © Georgius LXXXIX/cc-by-sa-3.0

Sébastien Le Prestre de Vauban by Hyacinthe Rigaud © Georgius LXXXIX/cc-by-sa-3.0

Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban war ein französischer General, Festungsbaumeister Ludwigs XIV. und Marschall von Frankreich. Schon als Schüler im Kolleg der Karmeliter in Semur-en-Auxois zeigte Vauban eine große Begabung für Mathematik. Im Alter von knapp 18 Jahren trat er dann als Kadett in das Regiment des Prinzen Condé ein, der ein Vetter von Ludwig XIV. war und einer der führenden Köpfe der Fronde genannten Opposition des französischen Adels gegen die Krone. Hier machte Vauban erste Erfahrungen im Festungsbau. 1653 geriet er in Gefangenschaft, und Kardinal Mazarin selbst überzeugte den talentierten und vielversprechenden jungen Ingenieur-Soldaten zum Übertritt in die königliche Armee, in der er bis in die höchsten Positionen aufstieg.

In seinen 56 Dienstjahren hat Vauban, schon zu Lebzeiten mit dem Ehrentitel Ingénieur de France belegt, 37 neue Festungen geplant, für 160 Plätze über 400 Projekte geliefert und unzählige bestehende Festungsanlagen modernisiert. Er ist der eigentliche Schöpfer der enceinte de fer, des eisernen Gürtels, mit dem Frankreich unter Ludwig XIV. seine Außengrenzen sicherte. Als sein Hauptwerk gilt die Festungsstadt Neuf-Brisach/Neu-Breisach (Haut-Rhin). Vauban gilt zu Recht als der bedeutendste Militärarchitekt der Barockzeit. Dem gegenüber wird oft vernachlässigt, dass er einen noch größeren Beitrag zur Belagerungskunst geleistet hat. Als Soldat und Feldherr nahm er an über 50 Belagerungen und 140 Gefechten teil und wurde mehrfach verwundet, so 1667 bei der Belagerung von Douai, was eine auf Porträts sichtbare Narbe im Gesicht hinterliess. Demgegenüber war er nur ein einziges Mal selbst belagert – für eine Woche im Jahr 1677 in Oudenaarde. Vor Maastricht führte er 1673 das Angriffssystem der Parallelen ein, bei dem man sich systematisch durch Parallelgräben an die Festungsmauern vorarbeitete, was die eigenen Verluste gering hielt. Er erfand den Rikoschettschuss, bei dem man die Kanonenkugel abprallen liess, so dass mehrere Ziele getroffen wurden, und den er 1688 vor Phillipsburg erstmals einsetzte.

Neuf-Brisach © Norbert Blau/cc-by-sa-3.0 Model of typical Vauban's star-shaped citadel © Bios/cc-by-sa-3.0 Map of the Vauban's major places © Sémhur/cc-by-sa-3.0 Sébastien Le Prestre de Vauban by Hyacinthe Rigaud © Georgius LXXXIX/cc-by-sa-3.0
<
>
Sébastien Le Prestre de Vauban by Hyacinthe Rigaud © Georgius LXXXIX/cc-by-sa-3.0
Im Sinne des mechanistischen Weltbildes seiner Zeit erfasste er die Befestigungs- und Belagerungskunst als mathematische Wissenschaft, in dem jeder einzelne “Akt” einer Belagerung im Detail zu berechnen war. Das französische Pionierkorps organisierte er neu. Er wurde damit zu einem der geistigen Väter des europäischen Pionierwesens im 18. Jahrhundert und trug wesentlich dazu bei, das seit dem 16. Jahrhundert andauernde Übergewicht der Verteidigung im Festungskrieg zu relativieren. Er legte auch viel Wert darauf, möglichst geringe Verluste bei den eigenen Soldaten zu haben und war gegen wahllose Beschiessung der Städte, um sie zur Aufgabe zu zwingen.

Neben dem eigentlichen Festungsbau befasste sich Vauban mit Fragen der Stadtplanung, der Landwirtschaft, des Ackerbaus und der Viehzucht, des Wasser- und Verkehrswegebaus mit Schleusen, Kanälen und Aquädukten, darüber hinaus auch mit Statistik, Ökonomie, Steuerwesen und Finanzpolitik, Religion und Philosophie. Sein besonderes Interesse galt der Verbesserung der Lebensbedingungen für die ärmeren Schichten des Volkes. Ausdrücklich warnte er vor den ökonomischen Folgen der Verfolgung und Vertreibung der Hugenotten nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes und veröffentlichte dazu 1689 eine Schrift, in dem er die Rücknahme der Aufhebung befürwortete, obwohl er damit ein hohes Risiko einging. Neben der umfangreichen Korrespondenz mit den ihm vorgesetzten Ministern Louvois und Colbert Vauban pflegte eine ausgedehnte Korrespondenz mit zahlreichen führenden Geistesgrößen seiner Epoche, darunter Literaten wie Racine, Fénelon und anderen. Seit 1699 war Vauban Ehrenmitglied der französischen Akademie der Wissenschaften.

Im Jahr 2007 fanden unter dem Motto Vauban-Jahr 2007 in vielen Städten Frankreichs und Deutschlands Feierlichkeiten und Ausstellungen anlässlich des 300. Todestages Vaubans statt. Zwölf mit Vauban verbundene Plätze in Frankreich, dazu die deutsche Stadt Breisach am Rhein haben bei der UNESCO den gemeinsamen Antrag auf Aufnahme ins Weltkulturerbe gestellt. Am 7. Juli 2008 gab das Weltkulturerbekommitée dem Antrag statt.

Lesen Sie mehr auf Sites-Vauban.org und Wikipedia Sébastien Le Prestre de Vauban (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen: (Vor Nutzung der Button Datenschutzregelungen beachten)

Der London Stone

Der London Stone

[caption id="attachment_7092" align="aligncenter" width="590"] London Stone © englishhistoryauthors.blogspot.com[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der London Stone ist ein Stein im Zentrum von London, der Teil mehrerer Legenden ist. Eine davon besagt, dass London untergehen wird, sollte der Stein jemals zerstört oder aus der Stadt entfernt werden. Der Stein, ein Kalksteinfragment, wird in einem unscheinbaren Glaskasten hinter einem Ziergitter aufbewahrt. Dieser befindet sich am Haus 111 Cannon Street in der City of London, gegenüber...

[ read more/mehr lesen ]

Themenwoche Umbrien - Narni

Themenwoche Umbrien - Narni

[caption id="attachment_153569" align="aligncenter" width="590"] © ImagoAnimae/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Narni hat 19.900 Einwohner. Der Ort befindet sich in 240 m über dem Tal des Flusses Nera in der Provinz Terni. Die Gemeinde erstreckt sich über ca. 197 km². Sie liegt ca. 67 km südlich von Perugia und ca. 10 km südwestlich von Terni. Narni blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück, in der die Stadt mehrfach zerstört worden ist. Im 14. Jahrhundert sorgte Kardinal Albornoz dafür, dass Narni d...

[ read more/mehr lesen ]

Französisch-Polynesien im Pazifik

Französisch-Polynesien im Pazifik

[caption id="attachment_150610" align="aligncenter" width="590"] Tahiti - Papeete - Marina Taina © Remi Jouan/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Französisch-Polynesien, ursprünglich Französisch-Ozeanien, ist ein französisches Überseegebiet in Polynesien. Es besteht aus einer Ansammlung kleinerer Inseln, Atolle und Archipele im südlichen Pazifik. Die bekannteste und bevölkerungsreichste Insel ist Tahiti; das Atoll Mururoa, auf dem französische Atomtests stattfanden, gehört ebenfalls zu Französisch-Polynesien. Fran...

[ read more/mehr lesen ]

Themenwoche Bangladesch - Brahmanbaria

Themenwoche Bangladesch - Brahmanbaria

[caption id="attachment_201082" align="aligncenter" width="590"] Jamia Islamia Yunusia © Zulfiquar Aungshu/cc-by-sa-4.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Brahmanbaria ist die Distrikthauptstadt des gleichnamigen Distrikts im südöstlichen Bangladesch. Die Stadt zählt eine Bevölkerung von mindestens 132.000 Einwohnern. Brahmanbaria besteht aus 12 Wards (Stadtbezirken). Nördlich befindet sich die historische Alte Brücke von Bariura. Brahmanbaria hat aufgrund der zunehmenden Einwohnerzahl und Größe seit 1869 eine selbstständige S...

[ read more/mehr lesen ]

Die Porzellan- und Weinstadt Meißen

Die Porzellan- und Weinstadt Meißen

[caption id="attachment_161128" align="aligncenter" width="590"] Meissen seen from 'Juchhöh' in the nearby mountains 'Spaargebirge' © Olaf1541/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Meißen ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Freistaat Sachsen mit knapp 28.000 Einwohner. Die Stadt Meißen ist international berühmt für die Herstellung des Meissener Porzellans, des ersten Porzellans Europas seit 1708. Der Name der Stadt mit Doppel-s ("Meissen") ist ein eingetragenes Markenzeichen der Staatlichen Porzellanmanuf...

[ read more/mehr lesen ]

Kongsberg in Norwegen

Kongsberg in Norwegen

[caption id="attachment_151529" align="aligncenter" width="590"] Mint and silver works © Bjoertvedt/cc-by-sa-3.0-no[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Kongsberg (norw. Königsberg) ist eine Stadt und Kommune in Buskerud. In ihr leben auf 27.000 Menschen. Die Stadt liegt an den Ufern des Numedalslågen. Seit 1964 findet im Juli alljährlich das internationale Kongsberg Jazzfestival statt. Die Stadt beherbergt weiterhin die Münzprägeanstalt Norwegens und eine Fachhochschule (Optik, Informatik, Ingenieur- und Politikwissenschaften) mit ...

[ read more/mehr lesen ]

Die Untergrundstadt von Montreal

Die Untergrundstadt von Montreal

[caption id="attachment_7174" align="aligncenter" width="590"] Complexe Les Ailes © Oleksandr[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Untergrundstadt Montreal ist ein weit verzweigtes Netzwerk von Fußgängertunneln und unterirdischen Ladenpassagen in der Innenstadt von Montreal in Kanada. Der Name RÉSO ist vom phonetisch ähnlichen französischen Wort réseau (Netzwerk) abgeleitet. Das über 32 Kilometer lange Tunnelsystem gilt als größte Untergrundstadt der Welt und erstreckt sich über eine Fläche von zwölf Quadratkilometern im ...

[ read more/mehr lesen ]

Themenwoche Korsika - Ajaccio

Themenwoche Korsika - Ajaccio

[caption id="attachment_192286" align="aligncenter" width="590"] © Koudkeu/cc-by-sa-4.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Ajaccio ist eine französische Gemeinde mit 68.500 Einwohnern und die Hauptstadt der Mittelmeerinsel Korsika. Innerhalb der Gliederung Frankreichs ist Ajaccio Hauptstadt der Region Corse (Korsika) sowie Sitz der Präfektur des Départements Corse-du-Sud (Südkorsika). Napoleon Bonaparte wurde 1769 in Ajaccio geboren. Ajaccio ist Gründungsmitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte. Die Innenstadt...

[ read more/mehr lesen ]

Return to Top ▲Return to Top ▲
Chirakhov House © A.Savin/cc-by-sa-3.0
Themenwoche Krim – Simferopol

Simferopol ist die Hauptstadt der Autonomen Republik Krim. Die Stadt hat 337.000 Einwohner und ist das Zentrum des gleichnamigen Rajons...

North Cape © W. Rebel
Europas Ende: Das Nordkap

Das Nordkap (Nordkapplatået) ist ein steil aus dem Eismeer emporragendes Schieferplateau (Kap) auf der norwegischen Insel Magerøya und befindet sich...

Freedom of the Seas on the maiden voyage © Andres Manuel Rodriguez
Die Freedom of the Seas

Die Freedom of the Seas ist eines der größten Passagierschiffe der Welt. Das Kreuzfahrtschiff war das erste einer neuen Baureihe...

Schließen