Porträt: Steinway & Sons

29. Juli 2016 | Destination: | Porträt | No Comments »

© Steinway & Sons

© Steinway & Sons

Steinway & Sons ist ein Hersteller von Flügeln und Klavieren. Das Unternehmen wurde von Heinrich Engelhard Steinweg (Henry E. Steinway) und seinen Söhnen 1853 in New York gegründet. Seitdem hat Steinway & Sons mehr als 125 Patente erfolgreich angemeldet. Steinway & Sons’ Flügel und Klaviere werden in Hamburg und New York gefertigt. Das frühere Mutterunternehmen, die Aktiengesellschaft Steinway Musical Instruments, unter deren Dach neben Steinway & Sons auch Selmer Company, United Musical Instruments und weitere Musikinstrumentenhersteller versammelt waren, wurde im August 2013 von John Paulsons Paulson & Co. gekauft und von der Börse genommen. Das internationale Unternehmen beschäftigt ca. 1.700 Mitarbeiter in 11 Produktionsstätten in den USA und Europa. Steinway & Sons fertigt außerdem in Japan Flügel und Klaviere mit der Markenbezeichnung Boston und in China Flügel und Klaviere mit der Markenbezeichnung Essex. Zum Vertriebsnetz für die Flügel und Klaviere gehören die Steinway-Häuser (englisch: Steinway Halls).

Der gebürtige Deutsche Heinrich Engelhard Steinweg war gelernter Möbeltischler, später wurde er Orgelbauer und Kirchenorganist. Aus musikalischem Interesse beschäftigte er sich mit dem Bau von Musikinstrumenten und später auch mit dem Klavierbau. In der Küche seiner Wohnung in Seesen verfertigte Steinweg 1836 seinen ersten Flügel, welcher heute Küchenflügel genannt wird und noch immer erhalten ist. Aus wirtschaftlichen Gründen wanderte er mit seiner Frau Juliane (Johanna Juliane Henriette Thiemer), drei Töchtern und vier seiner Söhne 1850 in die USA aus, der zweitälteste Karl war schon ein Jahr zuvor, 1849, kundschaftend in die USA gegangen. In New York nahm die Familie den anglisierten Nachnamen Steinway an, auch die Vornamen erhielten eine anglisierte Form. Anfangs arbeiteten Henry E. Steinway und seine Söhne in verschiedenen Klavierfabriken, bis sie sich 1853 als Familienunternehmen selbständig machten. Schnell stellte sich für Henry E. Steinway mit seinem amerikanischen Familienunternehmen Steinway & Sons der Erfolg ein. Ein weiterer Sohn, C. F. Theodor, war in Deutschland verblieben und führte das väterliche Geschäft fort. Wenig später siedelte er den Betrieb nach Wolfenbüttel um. Mit der Aufnahme von Friedrich Grotrian als Geschäftspartner wurde der Betrieb ein weiteres Mal ins benachbarte Braunschweig verlegt. Trotz der räumlichen Distanz entwickelte die Familie einen regen, bis heute dokumentierten Schriftverkehr, um sich über den Fortschritt in der Klavierbautechnik auszutauschen. Die Steinway-Söhne Heinrich (Henry Jr.) und Karl (Charles) starben im März 1865. Auf dringlichen Wunsch der Familie siedelte nun auch C. F. Theodor in die USA über, um in der Nachfolge seiner verstorbenen Brüder in die Geschäftsführung von Steinway in New York einzutreten. Er verkaufte noch im gleichen Jahr die Familienanteile am Braunschweiger Unternehmen für 20.000 Taler an Wilhelm Grotrian, Sohn und Erbe seines verstorbenen kurzzeitigen Partners Friedrich Grotrian, und an die Mitarbeiter Adolf Helfferich und H. O. W. Schulz. C. F. Theodore ging nach Jahren in New York im Alter wieder nach Deutschland zurück; er starb am 26. März 1889 in Braunschweig.

 

Im Jahre 2003 feierte Steinway & Sons in der New Yorker Carnegie Hall das 150-jährige Bestehen mit drei großen Konzerten der Musiksparten Klassik, Jazz und Pop. 2005 feierte dann auch die Fabrikation in Hamburg ihr 125-jähriges Bestehen in der Laeiszhalle in Hamburg. Zu den Gratulanten gehörten zahlreiche Steinway-Händler aus der ganzen Welt, der Steinway Artist Lang Lang und der Erste Bürgermeister der Stadt Hamburg Ole von Beust.

Jährlich produziert Steinway etwa 3.000 Flügel und 600 Klaviere – bis Anfang 2016 wurden weltweit insgesamt rund 600.000 Instrumente hergestellt. Der Bau eines Steinway-Flügels dauert ohne die Trocknungszeiten des Holzes mehr als ein Jahr. Aus rund 12.000 Einzelteilen wird ein Flügel in Handarbeit zusammengesetzt. So liefert beispielsweise der renommierte Mechanik-Hersteller Louis Renner die komplette Mechanik, aber in Einzelteilen. Die Hammerköpfe stellt Steinway selbst her. Zwar werden die stets gleichen Konstruktionspläne und Materialien verwendet, trotzdem gleicht kein Instrument dem anderen. Sie zeichnen sich durch einen individuellen Klangcharakter aus. Viele Steinway-Käufer, gleich ob Privatkunde oder Institution, besuchen daher die Auswahlsäle der Fabriken in Hamburg oder New York, um sich unter mehreren Instrumenten eines Modells den Flügel mit den gewünschten Klangeigenschaften auszusuchen. Anhand der weltweit einmaligen Fabrikationsnummer kann jedes Steinway-Instrument einem Produktionszeitraum zugeordnet werden.

Der Steinway-Klang wird von vielen als brillant, von einigen als hart bezeichnet. Die wesentlichen Eigenschaften eines Instrumentes sollten ein voller Bass, eine ausgeglichene Mittellage und ein teiltonreicher Diskant sein. Im Klavierbau ist die Mittellage klanglich am einfachsten zu gestalten. Die Herausforderungen sind die Bass- und Diskantpartie. Die Steinway-Techniker haben für diese Bereiche spezielle Lösungen erarbeitet, um sie gut erklingen zu lassen. Zum Beispiel wird in ein Steinway-Instrument ausschließlich bis zu zwei Jahre getrocknetes Holz verbaut. Hammerköpfe und Resonanzboden sind in jedem Instrument einzigartig und verleihen ihm seinen eigenen speziellen Charakter. Eine weitere herausragende Eigenschaft der Steinway-Instrumente ist die Stimmstabilität, welche durch den patentierten Hexagrip-Stimmstock erzielt wird. Die Regulierfestigkeit der Klaviatur und Mechanik wird durch das so genannte Tubengestell der Mechanik erreicht. Das Standgerüst der Mechanikteile wird aus verlöteten Messingstreben gefertigt, in welches Bubinga-Holzstreben eingepresst werden. Durch die Verwendung von Bubinga-Holz können alle Schrauben in Holz geschraubt und es kann dennoch die Verwindungssteifigkeit des Metalles genutzt werden.

In beiden Fabriken entstehen nahezu die gleichen Flügel. Unterschiede bestehen in der Klangkultur, der Gehäuseoptik und Lackierung. Der Hamburger Steinway hat ein hochglanzpoliertes Gehäuse und eine abgerundete Tastenklappe, der New Yorker Steinway ein seidenglanzschwarz lackiertes Gehäuse und eine rechtwinklige Tastenklappe. Die New Yorker Fertigung in Queens, Long Island, baut Mechanikteile und Hämmer selbst, die Klaviaturen kommen aus Deutschland vom Tochterunternehmen Kluge (Remscheid); die Hamburger Fertigung baut ebenfalls Klaviaturen von Kluge ein, allerdings werden Hämmer und Mechanikteile von Louis Renner (Gärtringen) nach Vorgaben zugeliefert. Bei Hamburger Flügeln wird der Hammerfilz der Mittellagen nicht „getränkt“, nur der im Bass- und Diskantbereich. Große Pianisten der Welt hatten und haben unterschiedliche Vorlieben und bevorzugten Instrumente aus der einen oder der anderen Fabrik. Vladimir Horowitz spielte einen Steinway D aus New York, der ihn auf seinen Konzertreisen begleitete. Artur Rubinstein nannte einen Hamburger Steinway D-274 sein eigen, den er zeit seines Lebens spielte. Es gibt eine formelle geografische Aufteilung der Märkte, Steinway New York beliefert Nord- und Südamerika, Hamburg beliefert den Rest der Welt. Es ist jedoch auch möglich, ein Instrument aus der jeweils anderen Fabrikation zu ordern. Liebhaber von Steinway-Flügeln sagen den Instrumenten nach, die Hamburger Flügel klängen „europäischer“, heller, brillanter, derweilen die New Yorker Instrumente „glockiger“, runder, weicher seien. Jedoch überdecken sich die Bandbreiten.

Lesen Sie mehr auf Steinway & Sons und Wikipedia Steinway & Sons. Fotos von Wikimedia Commons.





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