Porträt: Mustafa Kemal Atatürk, der Begründer und erster Präsident der Republik Türkei

Mittwoch, 26. Juni 2019 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Porträt, UNESCO-Welterbe

Mustafa Kemal Atatürk during a coffee and smoking break (1936) © Ministry of Culture and Tourism of the Republic of Turkey

Mustafa Kemal Atatürk during a coffee and smoking break (1936)
© Ministry of Culture and Tourism of the Republic of Turkey

Mustafa Kemal Pascha war der Begründer der Republik Türkei und von 1923 bis 1938 erster Präsident der nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen modernen Republik.

Seine Verdienste als Offizier bei der Verteidigung der Halbinsel Gallipoli 1915 gegen alliierte Truppen, welche die Dardanellen unter ihre Kontrolle bringen wollten, und ab 1921 der Abwehrkampf gegen die nach Anatolien vorgedrungenen Griechen haben ihn zur Symbolfigur türkischen Selbstbehauptungswillens und Nationalbewusstseins werden lassen. Als Machtpolitiker, der die Modernisierung seines Landes nach westlichem Vorbild beharrlich vorantrieb, hat er mit der Abschaffung von Sultanat und Kalifat sowie mit weitreichenden gesellschaftlichen Reformen einen in dieser Form einmaligen Staatstypus geschaffen. Darauf beruhen – trotz teilweiser Kontroversen über sein Wirken – die personenkultartige Verehrung, die ihm in der Türkei bis heute entgegengebracht wird, und die Unangefochtenheit des ihm 1934 vom türkischen Parlament verliehenen Nachnamens Atatürk (Vater der Türken).

Mustafa Kemal Atatürk starb am 10. November 1938 in Istanbul. Er hinterließ ein Land, das einerseits von seinem autoritären Führungsstil und von seiner mitunter demonstrativen Härte bei der Ausschaltung politischer Gegner geprägt war, das sich andererseits aber westlicher Lebensart und aufklärerischem politischen Denken weit geöffnet hatte (Kemalismus). Nicht nur in der Türkei, wo noch heute jede herabsetzende Äußerung über den Staatsgründer unter Strafe steht, wurde und wird Mustafa Kemal Atatürk für seine Lebensleistung Respekt gezollt und ein ehrendes Andenken bewahrt. Die Spanne seiner Bewunderer reicht u.a. vom britischen Premierminister Winston Churchill, dem Gegner im Ersten Weltkrieg, über den “NS-Führer” und Diktator Adolf Hitler, der auch ein Bündnis mit der Türkei anstrebte, bis zu den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy, der Kemal Atatürk 1963 anlässlich dessen 25. Todestags in einer Ansprache würdigte. 1981 wurde von den Vereinten Nationen und der UNESCO weltweit zum 100. Geburtstag das Atatürk-Jahr ausgerufen. Zu einem Vorbild, das zur Nachahmung anspornte, wurde Atatürk vor allem in Staaten der so genannten Dritten Welt verehrt, die in ihm den Vorkämpfer der Unabhängigkeit von den Kolonialmächten sahen, wie z.B. Mustafa Kemals iranischer Zeitgenosse Reza Schah Pahlavi, Indiens nachmaliger Ministerpräsident Jawaharlal Nehru oder der ägyptische Staatspräsident Anwar as-Sadat. So schrieben der pakistanische Muhammad Iqbal und bengalische Nationaldichter Kazi Nazrul Islam Gedichte zu seinen Ehren.

Anıtkabir, the Atatürk Mausoleum in Ankara © Yasinramazan551/cc-by-sa-3.0 Mustafa Kemal Atatürk (1937) © Ministry of Culture and Tourism of the Republic of Turkey Mustafa Kemal Atatürk during a coffee and smoking break (1936) © Ministry of Culture and Tourism of the Republic of Turkey Republic Monument by Pietro Canonica on Taksim Square in Istanbul © Scisa/cc-by-sa-3.0 Victory Monument by Heinrich Krippel on Ulus Square in Ankara © Metan59/cc-by-sa-4.0
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Mustafa Kemal Atatürk during a coffee and smoking break (1936) © Ministry of Culture and Tourism of the Republic of Turkey
Als führender Kopf der Nationalbewegung 1919–1923 wurde er von den Alliierten und dem landesweit bekannten Istanbuler Journalisten Ali Kemal als “Räuberhäuptling” bezeichnet, Lord Balfour nannte ihn in diesem Zusammenhang den “schrecklichsten aller schrecklichen Türken” (most terrible of all the terrible Turks). Nach dem Unabhängigkeitskrieg trennten sich im entbrannten Machtkampf um die Zukunft des Landes die Wege ehemaliger Mitstreiter, die wie der General Kâzım Karabekir und die Intellektuelle Halide Edib Adıvar zu aus der Macht gedrängten Oppositionellen seines radikalen Reformprogrammes und autoritären Führungsanspruchs wurden. Teile der Geistlichkeit, besonders die der entmachteten Tekkes, unter anderem Said Nursî, verglichen ihn mit dem Deccal. Es gab zahlreiche Attentatsversuche. Das Heer, aus dessen Reihen Mustafa Kemal aufgestiegen war und das er seit den Befreiungskriegen auf sich verpflichtet hatte, blieb, insbesondere gegenüber islamistischen Tendenzen, nicht nur in den Wechselfällen der politischen Entwicklung nach dem Tode Atatürks, sondern während des gesamten 20. Jahrhunderts die autoritäre Garantiemacht des Kemalismus. Diese noch immer bestehende Sonderstellung der Armee in der Republik Türkei gehört zu dem von Atatürk hinterlassenen politischen Erbe, auch wenn unterdessen längst ein pluralistisches Parteiensystem existiert und Regierungswechsel nach Wahlen häufig stattgefunden haben. Im Dolmabahçe-Palast in Istanbul, wo Mustafa Kemal am 10. November 1938 um 9:05 Uhr starb, wurden alle Uhren angehalten und auf seine Todeszeit eingestellt. Dies wurde jahrzehntelang beibehalten, die Uhr in seinem Sterbezimmer zeigt diese Zeit noch heute. Sein Leichnam wurde nach Ankara gebracht, zunächst im dortigen Ethnographischen Museum aufgebahrt und 1953 in dem eigens dafür geschaffenen Mausoleum Anıtkabir zur letzten Ruhe gebettet. Noch heute erweisen ihm junge Brautpaare dort ihre Reverenz. Zum Todestag Mustafa Kemals wird in der Türkei um 9:05 Uhr eine Trauerminute eingelegt, zu der landesweit Sirenen erklingen. Sein Bild findet sich auf sämtlichen Münzen und Geldscheinen der türkischen Währung. In vielen türkischen Städten stehen mehrere Atatürk-Statuen auf öffentlichen Plätzen und Parks. Daneben befinden sich in fast allen öffentlichen Gebäuden Büsten von Atatürk, und viele Straßen und Einrichtungen, wie beispielsweise der Atatürk-Staudamm, der Atatürk-Flughafen und das Atatürk-Olympiastadion tragen seinen Namen. Wichtige Gedenkstätten und Denkmäler:

  • Das Geburtshaus Atatürks in Thessaloniki ist heute ein Museum. In der Türkei wurden zwei originalgetreue Nachbauten des Hauses als Denkmäler errichtet: in Istanbul (Ortsteil Avcılar/Ambarlı) sowie in Ankara im Atatürk Orman Çiftliği. Andere Wohnorte Atatürks wie sein Apartment in Istanbul, Yalova-Haus, die Villa Kostaki oder die Florya-Seevilla sind ebenfalls Museen. Im Dolmabahçe-Palast in Istanbul sind Atatürks Arbeits- und Sterbezimmer Teil des Museums.
  • Das erste Denkmal Atatürks vom österreichischen Bildhauer Heinrich Krippel in Sarayburnu in Istanbul wurde am 6. November 1926 eingeweiht. Ein weiteres Porträt Krippels wurde am 29. November 1926 in Konya enthüllt. Es folgte das Siegesdenkmal (1927) auf dem Ulus-Platz in Ankara in berittener Pose neben dem damaligen Parlament.
  • Der Taksim-Platz wurde als neues Zentrum der modernen Stadt Istanbul um das Republik-Denkmal des italienischen Bildhauers Pietro Canonica aus dem Jahre 1928 konzipiert. Canonica erschuf ebenfalls ein Jahr zuvor die Statue Atatürks in Uniform auf dem Sieges-Platz in Ankara.
  • Im Güvenpark in Ankara steht das Denkmal des Vertrauens. Es wurde 1935 nach den Entwürfen der österreichischen Bildhauer Clemens Holzmeister, Anton Hanak und Josef Thorak errichtet und trägt als Inschrift ein Zitat von Atatürk: “Türke, rühme dich, arbeite und vertraue.” (Türk, öğün, çalış, güven.). Es ist dem Geheimdienst und der Militärpolizei gewidmet.
  • Im Ausland gibt es zahlreiche Gedenkstätten, so das Denkmal auf der ANZAC Parade in der australischen Hauptstadt Canberra (1985) und die Atatürk-Gedenkstätte in Wellington, Neuseeland, nach ihm benannte Straßen in Indien (Neu-Delhi), Bangladesch (Dhaka) und Pakistan (Islamabad, Larkana), Dominikanische Republik (Santo Domingo).

1922 wurden einige Städte nach Atatürk benannt:

Lesen Sie mehr auf Wikipedia Mustafa Kemal Atatürk (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




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