Porträt: Modeschöpfer, Designer, Fotograf und Kostümbildner Karl Lagerfeld

Mittwoch, 23. Oktober 2019 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Design & Produkte, Hamburg, Paris, Porträt

© Georges Biard/cc-by-sa-3.0

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Karl Otto Lagerfeld war ein in Paris lebender deutscher Modeschöpfer, Designer, Fotograf und Kostümbildner. Er begann seine Laufbahn in der französischen Modewelt Mitte der 1950er Jahre in Paris, wo er bei Balmain, Patou, Chloé und anderen Modefirmen beschäftigt war. Seit 1965, anderen Quellen zufolge seit 1964, war er als Damenmode-Designer bei Fendi in Rom unter Vertrag. Mode unter seinem eigenen Namen kreierte Lagerfeld für Damen und Herren mit Unterbrechungen seit 1974. Seit 1983 fungierte er als Kreativdirektor und Chefdesigner bei dem französischen Modehaus Chanel, dessen Revival in den 1980er Jahren und anschließender Aufstieg zu einem internationalen Milliardenkonzern zu großen Teilen Lagerfeld zugeschrieben wird.

Darüber hinaus war er bekannt für zahlreiche Kooperationsprojekte in den Bereichen Mode, Werbung, Design, Fotografie und Kunst. Lagerfeld wurde aufgrund seines über 60 Jahre währenden Schaffens und seines stilbildenden Einflusses auf die internationale Modewelt von der Presse bisweilen als “Kaiser Karl” oder als “Modezar” bezeichnet. Zu seinen persönlichen Markenzeichen gehörten ein weiß gepuderter Zopf, ein hochstehender Vatermörder sowie dunkle Sonnenbrillen; bis Anfang der 2000er Jahre trat er auch mit einem Handfächer in die Öffentlichkeit.

In den 1980er Jahren gab es eine Fernsehserie über Modegeschichte. Lagerfeld erläuterte Mode im Wandel der Zeit anhand von Zeichnungen, die er vor laufender Kamera ausführte (zum Beispiel Unterschiede der Mode in Deutschland von 1610 zu 1620). Für Madonna entwarf Lagerfeld die Bühnenoutfits ihrer Re-Invention World Tour im Jahr 2004. 2005/2006 war Lagerfeld für Kylie Minogue tätig. 2008 kreierte Lagerfeld einen Steiff-Teddybären im typischen Lagerfeld-Outfit, der in den USA für 1500 $ verkauft wurde. Im Anfang 2008 vorgestellten Videospiel Grand Theft Auto IV ist Lagerfelds Stimme als Radiomoderator des fiktiven Senders K109 zu hören. Ab Mitte 2008 war Lagerfeld in das Design einer ganzen Insel namens Isla Moda samt Wohnungen, Hotels und Geschäften vor der Küste Dubais nahe The World involviert. Das Projekt war bis Ende 2010 nicht verwirklicht worden, und Lagerfeld zog sich als Designer zurück. Der italienisch-amerikanische Spielzeughersteller tokidoki produzierte Ende 2009 eine Lagerfeld nachempfundene, 25 cm große Spielzeugfigur in einer Stückzahl von 1000 Exemplaren, die für je € 129 verkauft wurde. Ende 2009 kollaborierte Lagerfeld mit dem französischen Helm-Hersteller Les Ateliers Ruby und entwarf einige Motorradhelm-Modelle und einen SeidenSchal. Für Coca-Cola entwarf Lagerfeld Anfang 2010 eine Flasche der Sorte Coca-Cola Light, die in limitierter Stückzahl für 3,50 Euro erhältlich war. Im Juni 2010 betätigte sich Karl Lagerfeld im Satiremagazin Eulenspiegel als Karikaturist. Mitte 2010 nahm Lagerfeld für einen Tag die Position des Chefredakteurs der französischen Tageszeitung Libération ein und gestaltete dafür einige Karikaturen. In Deutschland gestaltete Karl Lagerfeld die Ausgabe der Wochenzeitung Welt am Sonntag vom 1. Dezember 2013 mit eigenen Fotos, Texten und Farbillustrationen. Für die Herbst-/Winter-Saison 2010 präsentierte der Schmuckhersteller Swarovski von Karl Lagerfeld für Atelier Swarovski entworfene Armreife, Halsketten und Broschen sowie das Diadem für die Debütantinnen des Wiener Opernballs 2017. Der italienische Schuhhersteller Hogan, der zur Tod’s-Gruppe um Diego della Valle gehört, präsentierte im Oktober 2010 eine einmalige Design-Zusammenarbeit mit Karl Lagerfeld über sechs Entwürfe in den Bereichen Schuhe, Kleidung und Accessoires für Damen für die Saison Frühjahr 2011. 2011 wurde die Zusammenarbeit mit Lagerfeld für eine Herbst/Winter-Kollektion bei Hogan erneuert. Ab 31. August 2011 wurde in den USA im Rahmen einer Kooperation mit der amerikanischen Kaufhauskette Macy’s für deren IMPULSE-Designerkollektionen einmalig von Karl Lagerfeld als limitierte “capsule collection” entworfene Damenmode im niedrigen Preissegment angeboten. 2015 entwarf Lagerfeld unter dem Namen Karl Lagerfeld Sport City eine 18-teilige Damenkollektion für den deutschen Onlinehändler Zalando. Im Frühjahr 2017 arbeitete er mit dem französischen Textilhersteller Vilebrequin zusammen und präsentierte eine Bademodenkollektion. 2017 wurde bekannt, dass Lagerfeld mit dem australischen Kosmetikhersteller ModelCo 2018 eine limitierte Beauty-Serie herausbringen wollte. Im Herbst 2018 arbeitete er für Puma, einen der weltweit größten Sportartikelhersteller.

Karl Lagerfeld Store in Düsseldorf © 9EkieraM1/cc-by-sa-3.0 Karl Lagerfeld Store in Düsseldorf © 9EkieraM1/cc-by-sa-3.0 Karl Lagerfeld Store in Düsseldorf © 9EkieraM1/cc-by-sa-3.0 Karl Lagerfeld in 2014© flickr.com - Christopher William Adach/cc-by-sa-2.0 Karl Lagerfeld Store in Berlin © Adrio/cc-by-sa-4.0 © Georges Biard/cc-by-sa-3.0
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Karl Lagerfeld in 2014© flickr.com - Christopher William Adach/cc-by-sa-2.0
Lagerfeld gilt als der Entdecker des ehemaligen Top-Models Claudia Schiffer, seiner zeitweiligen Muse, die 1993 in einem von Lagerfeld mit Koranversen bestickten Mieder auf einer Modenschau einen Skandal provozierte. Davor war Inès de la Fressange seine Muse gewesen, doch die Zusammenarbeit endete 1989. Zu Lagerfelds zahlreichen anderen Musen gehören die männlichen Models Brad Kroenig und Baptiste Giabiconi sowie die weiblichen Models Toni Garrn, Freja Beha Erichsen, Lara Stone und Daria Werbowy, weiterhin die Sängerinnen Beth Ditto und Florence Welch.

1975 kreierte Lagerfeld zusammen mit Chloé das Parfüm Chloé for Woman, das für seinen blumigen Duft bekannt ist. In Zusammenarbeit mit Fabergé, ab 1989 Unilever und ab 2005 Coty, entwickelte er im Laufe der Zeit verschiedene weitere Düfte unter seinem Namen: 1978 brachte er den Herrenduft Lagerfeld auf den Markt, 1982 folgte KL (Damen) und 1986 KL Homme (eingestellt). 1990 kam der Herrenduft Lagerfeld Photo heraus, 1994 der Damenduft Sun Moon Stars. Es folgten 1997 Jako (Herren) sowie Lagerfeld Femme (2000) und Lagerfeld Man (2002). 2004 entwarf er speziell für H&M das Parfüm Liquid Karl. 2008 wurde die Kapsule-Unisex-Kollektion lanciert (Woody, Light und Floriental). 2014 stellte das Unternehmen Karl Lagerfeld B.V. zwei neue Düfte vor, die schlicht die Namen Karl Lagerfeld (Damen) und Karl Lagerfeld Pour Homme (Herren) tragen. Sie waren ein neuer Versuch, auf dem Markt der Parfüms wieder Fuß zu fassen, nachdem die letzten Produkte aufgrund geringer Verkaufszahlen nicht überzeugen konnten. 2015 brachte Lagerfeld in Zusammenarbeit mit Interparfums, Inc. zwei weitere Düfte jeweils für Damen und Herren auf den Markt: Paradise Bay und Private Klub. 2016 präsentierte er das Parfüm Ocean View, jeweils für Damen und Herren. 2017 folgten Fleur de Pécher für Damen und Bois de Vétiver für Herren. Im Frühjahr 2018 kamen der Damenduft Fleur de Mûrier und der Herrenduft Bois de Yuzu hinzu. Diese vier Parfüms fasst das Haus Lagerfeld in der Kollektion Les parfums matières zusammen.

Lagerfeld war wiederholt als Kostümbildner für Theater und Oper tätig, etwa 1978 in Genua (Der grüne Kakadu/Komtesse Mizzi von Arthur Schnitzler, Regie Luca Ronconi); 1980 am Wiener Burgtheater (Komödie der Verführung von Arthur Schnitzler, Regie Horst Zankl, Bühnenbild Hans Hollein) sowie beim Maggio Musicale in Florenz (Les Contes d’Hoffmann von Jacques Offenbach, Regie Ronconi); 1982 an der Mailänder Scala (Les Troyens von Hector Berlioz, Regie Ronconi, Bühnenbild Ezio Frigerio); 1991 bei den Salzburger Festspielen (Der Schwierige von Hugo von Hofmannsthal, Regie Jürgen Flimm, Bühnenbild Erich Wonder; diese Produktion wurde später vom Wiener Burgtheater übernommen).

Neben der Mode und der Kostümbildnerei entdeckte Lagerfeld 1987 die Fotografie als neues Betätigungsfeld. 1993 begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Verleger Gerhard Steidl. Lagerfeld betrachtete Steidl als “besten Drucker der Welt.” Bis zu seinem Tod veröffentlichte Lagerfeld zahlreiche Fotobücher im Steidl Verlag. 2012 zeichnete die Stiftung Buchkunst sein Buch The Little Black Jacket als eines der schönsten deutschen Bücher aus. Lagerfeld besaß eine der weltweit größten Fotobuchsammlungen. 1996 erhielt er für seine Arbeiten den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Vom 11. November 2006 bis 18. Februar 2007 wurden 350 Fotografien und Multimedia-Installationen Lagerfelds in der Berliner Galerie C/O Berlin ausgestellt. Unter dem Titel One Man Shown zeigten sie alle das US-amerikanische Fotomodell Brad Kroenig, das der Designer entdeckt und gefördert hatte. Die klassischen Schwarzweiß-Porträts, die in einem Zeitraum von dreieinhalb Jahren entstanden und sowohl Modeaufnahmen als auch Aktfotografien einschlossen, waren beim Publikum erfolgreich. Die Kritik reagierte verhalten und teilweise ablehnend auf die fotografischen Studien Lagerfelds. Während das Magazin Der Spiegel die Gleichförmigkeit der Bilder anprangerte und attestierte, dass der Modeschöpfer auch Langeweile perfekt verkaufen könne, kritisierte der US-amerikanische Star-Fotograf David LaChapelle Lagerfeld als “Dilettanten”, der der Geschichte der Fotografie nichts Neues hinzuzufügen hätte. Lagerfeld war u.a. für die Werbekampagne der Champagnermarke Dom Pérignon verantwortlich und arbeitete dabei wieder mit Claudia Schiffer zusammen. Für den Volkswagen-Konzern inszenierte er die Werbung für das Phaeton-Modell und ist ebenfalls im Werbefilm für eine Sonderedition des Golf zu sehen. Für die Märzausgabe 2011 des deutschen Playboy fotografierte er Natalia Wörner. In einer modernisierten Fotostory des antiken Mythos von Daphne und Chloe nach dem griechischen Dichter Longus inszenierte er die beiden Models Baptiste Giabiconi und Bianca Balti vor der Naturkulisse Südfrankreichs. Der Bildband Moderne Mythologie aus dem Jahr 2013 zeigt Lagerfelds Vorstellung des idyllischen Lebens in monumentalen Schwarzweiß-Fotografien, angelehnt an die klassische Textquelle.

Neben seinen Fotobüchern war Lagerfeld dem Steidl Verlag auch ab 2010 als Programmchef des Imprints L.S.D. (Lagerfeld. Steidl. Druckerei. Verlag) verbunden, in dem der “Vielleser” eine Auswahl deutschsprachiger Bücher, vor allem Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen zur Veröffentlichung vorgeschlagen hatte, die seine “vielseitigen Interessen” – Literatur, Biografie, Mode, Kunst, Ästhetik, Musik – spiegelten. Bei einigen dieser im Steidl Verlag gedruckten Titel war er auch als Illustrator oder/und als Herausgeber aufgetreten.

Lesen Sie mehr auf Karl Lagerfeld, Karl Lagerfeld USA, The 7L bookshop, located 7 rue de Lille in Paris, created by Karl Lagerfeld, Fotobücher von Karl Lagerfeld und Wikipedia Karl Lagerfeld (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes - Wetterbericht von wetter.com). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.










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