Porträt: Reeder und Eisenbahnunternehmer Cornelius Vanderbilt

Mittwoch, 24. Januar 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Porträt

Cornelius Vanderbilt, the railroad tycoon, by J. C. Buttre

Cornelius Vanderbilt, the railroad tycoon, by J. C. Buttre

Cornelius Vanderbilt war einer der erfolgreichsten und reichsten Unternehmer der Vereinigten Staaten und der Begründer der Vanderbilt-Familie. Der Name Vanderbilt steht zusammen mit den Namen Andrew Carnegie, John D. Rockefeller und J. P. Morgan für den Beginn einer wirtschaftlichen Blütezeit in den USA, des Gilded Age. Vanderbilt war zunächst als Reeder erfolgreich und später als Eisenbahnunternehmer, der unter anderem die New York Central Railroad aufbaute. Man nannte ihn den “Eisenbahnkönig” (englisch Railroad King oder Railroad Tycoon). Außerdem gab man ihm den ehrenvollen Beinamen Commodore. Andererseits hatte Vanderbilt den Ruf eines rücksichtslosen Geschäftsmanns und wurde zum Inbegriff des “Räuberbarons” (englisch robber baron).

Vanderbilt kam als viertes Kind und zweiter Sohn von Cornelius und Phebe Vanderbilt (geb. Hand) zur Welt. Seine Vorfahren väterlicherseits stammten aus der Gemeinde De Bilt in der Provinz Utrecht, Niederlande. Die ursprüngliche Form des Familiennamens lautete van der Bilt, das heißt “aus De Bilt”. Diese Vorfahren wanderten 1650 aus. Vanderbilts Vater war ein armer Bauer und verdiente zusätzlich Geld mit Boottransportgeschäften im und um den New Yorker Hafen. Vanderbilt verließ die Schule bereits mit elf Jahren. Im Alter von 16 Jahren kaufte er mit elterlichem Zuschuss ein Segelschiff, mit dem er einen Fährdienst zwischen Staten Island und New York eröffnete. Bald konnte er eine kleine Flotte von Booten aufbauen. Im Krieg von 1812 versorgte er einige Forts der United States Army nahe dem New Yorker Hafen mit Lebensmitteln. Mit 20 Jahren heiratete er seine Cousine Sophia Johnson. Das Paar siedelte nach New York über, wo Vanderbilt mit seinem Schwager De Forrest einen größeren Schoner baute, die Charlotte. 1818 verkaufte Vanderbilt seine Boote. Bald lernte er den vermögenden Thomas Gibbons kennen und wurde von diesem als Dampfschiffkapitän angeheuert mit einem Jahresgehalt von 1.000 Dollar. Gibbons betrieb eine regelmäßige Schiffahrtslinie von New York nach Philadelphia und nach New Brunswick. Vanderbilt machte sich bald unentbehrlich als Konstrukteur und Organisator. 12 Jahre fuhr Vanderbilt für Gibbons. Dann hatte er genügend Ersparnisse, um eine eigene Schiffahrtslinie eröffnen zu können. Auch das Angebot von Gibbons, sein Gehalt um 5.000 Dollar zu erhöhen, konnte ihn nicht halten. Er war jetzt 35 Jahre alt und strebte nach Unabhängigkeit.

New York City - Grand Central Terminal on 42nd Street © Eric Baetscher/cc-by-sa-3.0 Cornelius Vanderbilt signature Cornelius Vanderbilt, the railroad tycoon, by J. C. Buttre
<
>
New York City - Grand Central Terminal on 42nd Street © Eric Baetscher/cc-by-sa-3.0
Der Reeder
1829 gründete Cornelius Vanderbilt seine eigene Dampfschiffgesellschaft. In den 1850er Jahren gebot er über eine Flotte von hundert Schiffen. 1848 sicherte er sich für zwölf Jahre mit der American atlantic and pacific ship canal company die exklusiven Transitrechte auf dem Seeweg von San Juan del Norte an der Karibikküste, das damals noch Greytown genannt wurde, durch den Río San Juan über den Nicaraguasee über Land nach San Juan del Sur am Pazifik. Diese Route war ca. eine Woche kürzer als via Panama und einige Monate kürzer als um Kap Horn. Wie gewöhnlich, unterbot Vanderbilt erst einmal die Fahrpreise seiner Konkurrenten. Passagiere und Fracht wurden per Schiff von New York zur nicaraguanischen Atlantikküste und weiter über den Río San Juan bis zum Nicaraguasee transportiert. Nach einem kurzen Landweg per Kutsche bis zur Pazifikküste erfolgte der Weitertransport per Schiff bis zur amerikanischen Westküste. Später firmierte das Unternehmen unter Accessory Transit Company. 1855 gelang es William Walker, einem Söldner, die Kontrolle über Nicaragua zu übernehmen. Vanderbilt hatte Walker ursprünglich unterstützt, in der Hoffnung auf eine Stabilisierung Nicaraguas. Walker nutzte angebliche Verstöße der Accessory Transit Company, um die Konzession zurückzuziehen und sie Vanderbilts Konkurrenten Cornelius K. Garrison und Charles Morgan zu erteilen, die Walkers weitere militärischen Pläne finanziell unterstützten. Vanderbilt übte erfolgreich Druck auf die US-Regierung aus, die Anerkennung von Walkers Regime zurückzunehmen. Darüber hinaus unterstützte er einen Versuch der mittelamerikanischen Staaten unter Führung Costa Ricas, Walkers Nachschubwege abzuschneiden. Morgan & Garrison, eine Geschäftspartnerschaft von Charles Morgan und Cornelius Kingsland Garrison, waren die Empfänger des kurzen, aber berühmten Briefes:

“Gentlemen: You have undertaken to cheat me. I won’t sue you, for the law is too slow. I’ll ruin you.
Yours truly, Cornelius Vanderbilt”

“Meine Herren! Sie haben es gewagt, mich zu betrügen. Ich werde Sie nicht verklagen, denn die Justiz ist zu langsam. Ich werde Sie ruinieren.
Hochachtungsvoll, Cornelius Vanderbilt”

Die neue Regierung von Nicaragua weigerte sich, die Transitroute wieder zu eröffnen, so begann er eine neue Linie über Panama. Schließlich zwang er die Pacific Mail, den Markt mit ihm zu teilen und 1860 ein gemeinsames Monopol mit ihm auszuüben. Während dieser Periode war Vanderbilt auch mit anderen Unternehmen beschäftigt. So gründete er am 21. Mai 1855 eine transatlantische Dampfschiffahrts-Linie, die keine staatlichen Subventionen für die Beförderung von Post erhielt, im Gegensatz zu der Linie von Edward K. Collins. Collins hatte mit der staatlichen Unterstützung 1847 die United States Mail Steamship Company gegründet als Wettbewerber zur britischen Cunard Line im Transatlantik-Verkehr. Als zwei von den fünf Collins-Schiffen gesunken waren, stellte die Regierung 1856 ihre Subventionen ein. Wie gewohnt, bot Vanderbilts Linie erheblich niedrigere Fahrpreise an, und Collins’ Firma ging schließlich bankrott. 1856/1857 wurde die Vanderbilt von Jeremiah Simonson in Greenpoint, Long Island gebaut. Sie war in Vanderbilts North Atlantic Mail Steamship Line als Post- und Passagierdampfer eingesetzt. Im September 1859 war Vanderbilts Tochter, Mrs. D. B. Allen Vanderbilt, mit ihrem Sohn auf der Rückreise von Europa an Bord. Diese Schiffe transportierten auch Auswanderer von Europa nach Amerika. Bei Ausbruch des Bürgerkrieges bot Vanderbilt sein Flaggschiff der amerikanischen Marine an, und sie wurde am 24. März 1862 übernommen. Sie wurde mit 15 Geschützen ausgerüstet. Von November 1862 bis Januar 1864 fuhr die USS Vanderbilt von Hampton Roads, Va., mit dem Auftrag, die Alabama der Konföderierten abzufangen, die unter der Handelsflotte der Union schwere Verluste verursachte. Für diese und andere Unterstützung während des Krieges wurde Vanderbilt vom Kongress mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Die Medaille ist die höchste Auszeichnung, die ein Zivilist erhalten kann. Fortan wurde er Commodore genannt.

Der Eisenbahnkönig
Nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg investierte Vanderbilt in den Ausbau des Eisenbahn-Streckennetzes und verfügte bald über die wichtigsten Eisenbahnlinien der USA. 1873 eröffnete er die erste Eisenbahnverbindung von New York nach Chicago. Mit dem Eisenbahnbau ging eine zunehmende Ausweitung der Industrie einher, die Geschäfte in immer größerem Stil ermöglichte. Cornelius Vanderbilt starb im Januar 1877 im Alter von 82 Jahren. Er wurde im Familien-Mausoleum auf dem Moravian Cemetery in New Dorp auf Staten Island beigesetzt.

Vanderbilts Unternehmen und erfolgreiche Börsenspekulationen machten ihn zu einem der reichsten Unternehmer seiner Zeit. Am Ende seines Lebens besaß er etwa 100 Millionen Dollar. Umgerechnet in heutige (2008) Kaufkraft, betrug sein Vermögen ca. 143 Milliarden Dollar (Übersicht der Vanderbilt-Immobilien). Nur einen geringen Anteil seines enormen Vermögens gab er an Wohltätigkeitsorganisationen. Jedoch stiftete er 1873 eine Million Dollar für die Gründung der Vanderbilt University in Nashville in Tennessee – nie zuvor hatte es eine so hohe Spende für karitative Zwecke gegeben. Der Church of the Strangers in New York hinterließ er 50.000 Dollar. Der jüngste Sohn George Washington starb bereits elf Jahre vor seinem Vater. Der Sohn Cornelius Jeremiah – ein Epileptiker, den Cornelius Vanderbilt für nicht geschäftstüchtig hielt – sollte laut Testament laufende Erträge aus einem Treuhandfonds erhalten, der mit 200.000 Dollar ausgestattet war. Dem Sohn William hingegen, der ein ebenso rücksichtsloser Geschäftsmann war wie er selbst, vermachte er 95 Millionen Dollar. Die neun Töchter wurden mit Beträgen zwischen 250.000 und 500.000 Dollar bedacht. Seiner Frau vererbte Cornelius Vanderbilt 500.000 Dollar Bargeld, dazu das vergleichsweise bescheidene Haus in New York sowie 2000 Aktien der New York Central Railroad. Drei Töchter sowie der Sohn Cornelius Jeremiah fochten das Testament an mit der Behauptung, dass ihr Vater an Wahnvorstellungen gelitten habe und geisteskrank gewesen sei. Der Kampf vor Gericht dauerte länger als ein Jahr und war nicht erfolgreich. Cornelius Jeremiah beging 1882 Suizid.

Lesen Sie mehr auf wikisource.org – Cornelius Vanderbilt, der amerikanische Dampfkönig und Wikipedia Cornelius Vanderbilt (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.





Das könnte Sie auch interessieren:

Die Gasförderplattform Sea Troll in der Nordsee

Die Gasförderplattform Sea Troll in der Nordsee

[caption id="attachment_153540" align="aligncenter" width="590"] Troll A Platform from South-East © Swinsto101/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Sea Troll ist die größte Gasförderplattform der Nordsee und gleichzeitig die größte Bohrinsel der Welt. Sie dient der Förderung von Erdgas aus dem Troll-Gasfeld in der norwegischen Ausschließlichen Wirtschaftszone der Nordsee. Das Troll-Gasfeld liegt rund 100 km vor der norwegischen Küste, westlich von Bergen. 1979 wurde dort erstmals Erdgas entdeckt. Das Gasfeld gilt...

Newcastle upon Tyne

Newcastle upon Tyne

[caption id="attachment_161176" align="aligncenter" width="590"] Grey's Monument © Hans Peter Schaefer - www.reserv-a-rt.de[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Newcastle upon Tyne ist eine Stadt und Metropolitan Borough im Nordosten von England am Fluss Tyne in der Grafschaft Tyne and Wear. Die Nachbargemeinde auf der anderen Flussseite ist Gateshead. An Sehenswürdigkeiten kann man die Überreste der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert und die Kathedrale Saint Nicholas besichtigen, die weitgehend aus dem 14. Jahrhundert stammt. ...

Israel-Museum in Westjerusalem

Israel-Museum in Westjerusalem

[caption id="attachment_192267" align="aligncenter" width="590"] Hadrian bronze bust from Tel Shalem © Oren Rozen/cc-by-sa-4.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Israel-Museum ist das Nationalmuseum Israels. Es befindet sich in Westjerusalems, unweit der Knesset, im Givat Ram-Quartier, und wurde 1965 unter dem damaligen Bürgermeister Teddy Kollek errichtet. In der Nähe befindet sich außerdem der Sitz der Israel Antiquities Authority und das Bible Lands Museum. Das Museum erstreckt sich auf einer Fläche von etwa 50.000 m...

Zürich, Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität und den höchsten Lebenshaltungskosten

Zürich, Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität und den höchsten Lebenshaltungskosten

[caption id="attachment_160424" align="aligncenter" width="590"] Fraumuenster and St. Peter's Church © Ikiwaner[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Zürich ist die grösste Stadt der Schweiz und Hauptort des Kantons Zürich. Die Kernstadt – eine politische Gemeinde, die seit 1989 auch mit dem Bezirk Zürich deckungsgleich ist – zählt rund 385.000 Einwohner; in der Agglomeration leben 1,112 Mio. Menschen. Die Metropolitanregion, die grosse Teile des östlichen und zentralen Schweizer Mittellandes umfasst, hat 1,94 Mio. Einwohner. ...

Die Kurstadt Aachen

Die Kurstadt Aachen

[caption id="attachment_159824" align="aligncenter" width="590"] Aachen Theatre © Martin Möller[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Aachen oder auch Bad Aachen (von altgermanisch Ahha: "Wasser", Öcher Platt: Oche) ist eine kreisfreie Stadt und Kurstadt im nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Köln, Mitglied des Landschaftsverbandes Rheinland und gehört nach dem Aachen-Gesetz mit Wirkung vom 21. Oktober 2009 als kreisfreie Stadt zur Städteregion Aachen. 1890 überschritt Aachen erstmals die Einwohnerzahl von 100.000 und ist seit...

Das Miami Biltmore Hotel in Coral Gables

Das Miami Biltmore Hotel in Coral Gables

[caption id="attachment_168970" align="aligncenter" width="590"] © Alex Feldstein/cc-by-2.5[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Biltmore Hotel ist ein Luxushotel in Coral Gables in Florida in den USA. Entworfen wurde es von den Architekten Schultze und Weaver im Auftrag von John McEntee Bowman und George Merrick als Teil der Bowman-Biltmore Hotels-Kette. Eröffnet wurde es im Jahr 1926. Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg diente das Hotel als Krankenhaus des Kriegsveteranenministeriums der Vereinigten Staaten (VA-Kran...

Return to Top ▲Return to Top ▲
Pan-American Highway © Seaweege
Themenwoche Panama – Yaviza

Yaviza ist eine Kleinstadt im Distrikt Pinogana der Provinz Darién mit 5.000 Einwohnern. Yaviza befindet sich im Osten Panamas am...

Panama City © Mario Roberto Duran Ortiz/cc-by-sa-3.0
Themenwoche Panama

Panama ist ein Staat in Mittelamerika, der an Costa Rica im Westen und Kolumbien im Osten grenzt. Der das Land...

© Benj05/cc-by-sa-3.0
Briançon in den Cottischen Alpen

Briançon ist eine französische Gemeinde mit 12.000 Einwohnern im Département Hautes-Alpes der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Briançon liegt in einer Höhe...

Schließen