Porträt: Baron Georges-Eugène Haussmann und die Modernisierung von Paris

24. Februar 2016 | Destination: | Rubric: Porträt |

Baron Haussmann monument on the cross road of Boulevard Haussmann and Rue de Laborde © Ralf.treinen/cc-by-sa-3.0

Baron Haussmann monument on the cross road of Boulevard Haussmann and Rue de Laborde © Ralf.treinen/cc-by-sa-3.0

Georges-Eugène Baron Haussmann (* 27. März 1809 in Paris; † 11. Januar 1891 ebenda) war Präfekt des französischen Départements Seine und Stadtplaner von Paris. Er gab Paris Mitte des 19. Jahrhunderts ein modernes Stadtbild, das bis heute erhalten ist. Haussmann entstammte mütterlicherseits einer angesehenen pfälzischen evangelisch-lutherischen Pfarrersfamilie. Er wurde als zweitältestes Kind von vier Geschwistern als Sohn des Nicolaus Valentin Haussmann und seiner Ehefrau Eva Maria Henrietta Carolina, Tochter des deutschen Pfarrers, Jakobiners und Offiziers in napoleonischen Diensten, Georg Friedrich Dentzel, in Paris geboren. Haussmanns Vater, im höheren Militärdienst, starb 1876 hochbetagt als Offizier der Ehrenlegion.

Nach Abschluss eines Jurastudiums in Paris im Jahr 1831 diente Haussmann zunächst als Unterpräfekt in einer Reihe von Provinzstädten, wo er sein Organisationstalent und sein Durchsetzungsvermögen unter Beweis stellen konnte. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehörten unter anderem der Ausbau des Wegenetzes, die Schulverwaltung und die Wasserversorgung der Gemeinden. Napoléon III. wurde auf Haussmann vor allem durch dessen Arbeit in Yonne und Bordeaux aufmerksam.

 

Napoléon III. erkannte in Haussmann den geeigneten Mann, um seine hochgesteckten Ziele in Hinblick auf eine grundlegende städtebaulichen Umgestaltung seiner Hauptstadt zu verwirklichen. Er ernannte ihn 1853 zum Präfekten von Paris, damals Département de la Seine, und stattete ihn mit außergewöhnlichen Befugnissen aus. Haussmann war in dieser Funktion bis 1870 zur weitgehenden Zufriedenheit des Monarchen tätig. Der französische Kaiser wollte Paris zu einer modernen Metropole des Industriezeitalters gestalten, um sich mit den Hauptstädten der anderen europäischen Großmächte wie London und St. Petersburg messen zu können. Die Metropole sollte durch die Anlage monumentaler Sichtachsen übersichtlich gegliedert und den Anforderungen des modernen Straßen- und Schienenverkehrs angepasst werden. Neben den Verkehrsanlagen entstanden auch weitläufige Grünanlagen nach englischem Vorbild, zum Teil als Erweiterung und Neugestaltung vorhandener Anlagen (z. B. Jardin du Luxembourg, Bois de Boulogne). Beim Umbau der Stadt spielten auch militärische Aspekte eine Rolle, so begünstigte die „Haussmannisierung“ von Paris ohne Zweifel die Kampfführung regulärer Truppen gegenüber aufständischen Bürgern.

Die Arbeiten konzentrierten sich im Wesentlichen auf die Areale des Louvre, des Tuilerien-Palastes, die Zufahrtswege zum Hôtel de Ville, die Rue de Rivoli, die Umgebung der Oper, die Île de la Cité, die Grands Boulevards, die noch aus der Zeit Louis XIV. stammten, und die Avenuen, die auf den Place de l’Étoile (heute Place Charles de Gaulle) zulaufen. Insgesamt wurden Straßen von rund 150 Kilometer Länge neu gebaut. Neben den großen Markthallen, Les Halles (diese Hallen wurde 1969 abgerissen und durch das Forum des Halles ersetzt), entstanden die großen Bahnhöfe und andere kommunale Einrichtungen, darunter mehrere Theater und auch eine neue Kanalisation. Das Erscheinungsbild der neuen Stadtviertel wurde durch den damals europaweit verbreiteten Baustil des Klassizismus geprägt, an dessen Ausprägung die Académie des Beaux-Arts maßgeblich beteiligt war. Haussmann trieb zudem die Eingemeindung der Vororte außerhalb des bereits 1840 geschleiften alten Befestigungsgürtels voran. Unter den Mitarbeitern, die Haussmann als Ingenieure und Städtebauer dienten, sind vor allem Jean-Charles Alphand (Bois de Boulogne, 1854), Jakob Ignaz Hittorff, Victor Baltard, Charles Garnier, Antoine Bailly und Louis Duc zu nennen. Eine solche radikale Umgestaltung rief natürlich auch Kritiker auf den Plan. Man beklagte zunächst den unwiederbringlichen Verlust von Kulturgut, wobei die aufkommende Kunst der Fotografie zumindest einige Erinnerungen an das alte Paris festhalten konnte (siehe Charles Marville). Weiters sorgten die zwangsweise Umsiedlung zahlreicher Bürger und die Grundstückspekulationen immer wieder für Unmut. Gedämpft wurde die Kritik allerdings durch die gute Beschäftigungslage.





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