Porträt: Andrew Carnegie, Stahlmagnat und Philanthrop

Mittwoch, 21. Februar 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Porträt

Andrew Carnegie © Library of Congress - Theodore C. Marceau

Andrew Carnegie © Library of Congress – Theodore C. Marceau

Andrew Carnegie war ein US-amerikanischer Tycoon in der Stahlbranche. Geboren als Sohn eines Webers, wurde Carnegie zu einem der reichsten Menschen seiner Zeit. Er war berühmt als Philanthrop und spendete insgesamt mehr als 350 Millionen US-Dollar, was heute etwa 4,9 Milliarden US-Dollar entspricht. Andrew Carnegie wurde 1835 in der schottischen Stadt Dunfermline als Sohn des Webers William Carnegie und Margaret Morrisons, der Tochter des Schuhmachers und Gerbers Thomas Morrison, geboren. Er wurde erst mit acht Jahren eingeschult. Seine Eltern hatten ihn selbst entscheiden lassen, wann er mit dem Schulunterricht beginnen wolle. Die Erwerbssituation für Carnegies Vater wurde schlechter, da die einsetzende Maschinisierung das Weben von Hand zunehmend unrentabel machte. 1848 wanderte die Familie in die USA aus und ließ sich in der Stadt Allegheny nieder, einem heutigen Stadtteil von Pittsburgh in Pennsylvania.

Schon im Alter von 13 Jahren arbeitete Carnegie als Spuler in einer Baumwollspinnerei. Dort verdiente er 1,20 US-Dollar pro Woche. Neben seinem Zwölf-Stunden-Arbeitstag lernte er an einer Abendschule. Mit 14 Jahren wechselte Carnegie zu einem Telegraphenamt in Pittsburgh und lernte dort das Telegraphieren. Dort wurde auch der Leiter der Western Division der Pennsylvania Railroad Thomas A. Scott auf die Fähigkeiten Carnegies aufmerksam und machte ihn zu seinem Sekretär. Carnegie stieg im Unternehmen auf und erreichte die Position des Leiters des Eisenbahnbereichs Pittsburgh. Als Scott im Amerikanischen Bürgerkrieg stellvertretender Kriegsminister wurde, ging Carnegie mit ihm nach Washington, D.C. und arbeitete als seine rechte Hand. Ein Teil von Carnegies Aufgabe bestand darin, das militärische Telegraphensystem zu organisieren. Nach Kriegsende erbte Andrew Carnegie von Thomas A. Scott die Leitung der Western Division der Pennsylvania Railroad. 1865 verließ Andrew Carnegie die Eisenbahngesellschaft, um sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Geschickt investierte Carnegie in mehrere Unternehmen, darunter mehrere Eisenhütten und Eisenwerke. Die wichtigste Investition davon war ein 20%iger Anteil an Keystone Bridge. Bei regelmäßigen Besuchen in Großbritannien bemerkte er die schnelle Entwicklung in der Eisenindustrie. Henry Bessemers Umwandler von Roheisen in Stahl beeindruckte ihn, und ihm wurde klar, dass Stahl Gusseisen in der Produktion schwerer Güter ersetzen würde. 1870 errichtete er seinen ersten Hochofen, der die von Bessemer entwickelten Ideen nutzte. 1873 errichtete Carnegie ein Stahlwerk, das er nach dem Präsidenten seines ehemaligen Arbeitgebers Pennsylvania Railroad, J. Edgar Thompson, benannte. Dies war eine geschickte Idee, denn schon kurz nach dem Bau erhielt Carnegie einen Großauftrag von ebendiesem Unternehmen. Als Carnegie sich 1901 zur Ruhe setzte, konnte er sein Unternehmen für 480 Millionen US-Dollar an den Bankier J. P. Morgan verkaufen. Dieser und Elbert H. Gary gründeten 1901 die Firma US Steel durch die Fusion der Stahlproduktionsstätten Carnegies mit ihren eigenen, die in der Federal Steel Company lagen. Nach heutiger Kaufkraft besaß er ein Vermögen von 75 Milliarden US-Dollar und lag damit nach John D. Rockefeller und Cornelius Vanderbilt an dritter Stelle der reichsten US-Bürger. Andrew Carnegie starb 1919 in Lenox. Er wurde auf dem Sleepy Hollow Cemetery in Tarrytown beerdigt.

Carnegie Hall in New York City © Simeon87/cc-by-sa-3.0 Carnegie Mellon University in Pittsburgh as seen from the 'Cathedral of Learning' © Dllu/cc-by-sa-4.0 Peace Palace in The Hague © Kasteelbeer/cc-by-sa-3.0-nl Birthplace of Andrew Carnegie in Dunfermline, Scotland © kilnburn Carnegie Music Hall at the Carnegie Museums of Pittsburgh © HoboJones/cc-by-sa-3.0 Andrew Carnegie © Library of Congress - Theodore C. Marceau
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Carnegie Mellon University in Pittsburgh as seen from the 'Cathedral of Learning' © Dllu/cc-by-sa-4.0
Stiftungen
In seinem 1889 erschienenen Essay Das Evangelium des Reichtums schrieb Carnegie: “Der Mann, der reich stirbt, stirbt in Schande.” Getreu diesem Motto gründete Carnegie in den USA und in Europa zahlreiche Stiftungen, die in unterschiedlichsten Bereichen tätig waren oder teilweise immer noch sind. In einem Artikel für die Zeitschrift The North American Review beschrieb er 1889, an welchen Stellen sich seiner Ansicht nach Philanthropie lohnt. Carnegie wollte den Fleißigen und Ehrgeizigen helfen, sich selber zu helfen. Sein Hang zur Philanthropie unterschied ihn von vielen anderen Multimillionären seiner Zeit. Joseph Frazier Wall und Harold C. Livesay erklären sich sein Engagement damit, dass er als Junge in Schottland durch seinen Vater und einen Onkel die Ideen des Chartismus kennenlernte. Der US-amerikanische Historiker Matthew Josephson führte Carnegie in seinem 1934 erschienenen Buch “The Robber Barons: The Great American Capitalists, 1861–1901” allerdings auch als ein Negativbeispiel für unmoralisches Handeln in der Wirtschaft auf, der den zu erheblichem Wohlstand gelangten Menschen des Gilded Age (Vergoldetes Zeitalter) grundsätzlich anhaftet.

Carnegie Hero Trust Funds
Beeindruckt durch das mutige Handeln zweier Männer, die 1904 unter Lebensgefahr bei einem Minenunglück viele Verschüttete retteten, aber zusammen mit 179 anderen Männern starben, gründete er in elf Ländern Carnegie Hero Trust Funds, die besonders selbstlos handelnde Menschen auszeichnen sollten. Die Stiftungen leisten verletzten Rettern oder den Hinterbliebenen verstorbener Retter auch finanzielle Hilfe. Als ersten Hero Trust Fund gründete Carnegie 1904 in Amerika die Carnegie Hero Fund Commission.

Stiftung für internationalen Frieden
Im Jahr 1910 stellte Carnegie zehn Millionen US-Dollar für eine Stiftung unter dem Namen Carnegie Endowment for International Peace zur Verfügung, maßgeblich dazu überzeugt von dem Philosophen und Friedensaktivisten Nicholas Murray Butler. Am 25. November 1910, seinem 75. Geburtstag, kündigte Carnegie die Errichtung der Stiftung an. Als ersten Präsidenten der Stiftung wählte Carnegie den ehemaligen Innen- und Verteidigungsminister Elihu Root aus, dem 1912 der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Die Carnegie Endowment for International Peace stellte in den Folgejahren einen der wichtigsten finanziellen Stützpfeiler der internationalen Friedensarbeit dar. Carnegie war zuvor 1898 bereits (als einziger Unternehmer) Mitbegründer der American Anti-Imperialist League, die sich gegen den Spanisch-Amerikanischen Krieg und den Philippinisch-Amerikanischen Krieg einsetzte.

Öffentliche Bibliotheken
Es war Carnegies Anliegen, jedem den Zugang zu einer freien öffentlichen Bibliothek zu ermöglichen, damit jeder die Möglichkeit zur Bildung bekommt. In den USA unterstützte Carnegie – beziehungsweise die Carnegie Corporation – zwischen 1889 und 1923 die Errichtung von insgesamt 1.681 öffentlichen Bibliotheken. Damit leistete Carnegie einen großen Beitrag zum Wachstum des öffentlichen Bibliothekswesens. Insgesamt spendete er über 56 Millionen US-Dollar, um 2.509 Bibliotheken zu errichten.

Wissenschaft
Das Carnegie Institute of Technology (heutiger Name Carnegie Mellon University, nach der Fusion mit dem Mellon Institute) wurde 1900 mit einer Zehn-Millionen-Dollar-Spende von Andrew Carnegie gegründet. Carnegie wollte für die Kinder der Pittsburgher Stahlarbeiter eine erstklassige technische Schule errichten. Am 28. Januar 1902 stiftete er weitere zehn Millionen US-Dollar für wissenschaftliche Zwecke. Diese Spende ließ die Carnegie Institution of Washington (heute Carnegie Institution for Science) entstehen, die unter anderem für die Beschreibung der embryologischen Carnegie-Stadien bekannt ist.

Lehrerfonds
Teachers Insurance and Annuity Association – College Retirement Equities Fund. Der Fonds unterstützt 3,9 Millionen aktive oder sich im Ruhestand befindende angestellte Lehrer und verwaltet 834 Milliarden US-Dollar.

Carnegie Hall
Im Frühling 1887 traf der Leiter der New York Symphony Society und der Oratorio Society of New York, der damals 25-jährige Walter Damrosch, Andrew Carnegie auf einer Schiffsfahrt von New York nach London. Carnegie befand sich gerade mit seiner Frau Louise Whitfield auf der Hochzeitsreise nach Schottland. Die Carnegies und Damroschs freundeten sich an, und gemeinsam entwickelten sie die Idee der Carnegie Hall, deren Bau 1890 begann. Andrew Carnegie finanzierte den Bau des Konzerthauses und kam auch über viele Jahre hinweg für die Verluste auf, die der Betrieb des Hauses verursachte. Die Carnegie Hall hat sich heute als eines der weltweit bedeutendsten Konzerthäuser etabliert.

Pittencrieff Park
Seiner Heimatstadt Dunfermline stiftete Carnegie den Pittencrieff Park im Stadtzentrum in unmittelbarer Nähe zu Schloss und Kathedrale. Die gepflegte, weitläufige Parkanlage umfasst auch einen kleinen botanischen Garten und steht den Bürgern ganzjährig zur Erholung offen.

Carnegie International
Carnegie gründete die älteste nordamerikanische Ausstellung für internationale zeitgenössische Kunst, die Carnegie International.

Lesen Sie mehr auf carnegie.org – Meet the Father of Modern Philanthropy und Wikipedia Andrew Carnegie (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



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