Porträt: Albert Ballin, Erfinder der modernen Kreuzfahrten

22. Februar 2017 | Destination: | Rubric: Porträt |

Albert Ballin

Albert Ballin

Albert Ballin war ein Hamburger Reeder und eine der bedeutendsten jüdischen Persönlichkeiten in der Zeit des deutschen Kaiserreiches. Er machte als Generaldirektor die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG) zur größten Schifffahrtslinie der Welt. Albert Ballin wurde als jüngstes von 13 Geschwistern 1857 in Hamburg geboren. Die Eltern jüdischen Glaubens waren aus Dänemark eingewandert, und sein Vater Samuel Joseph Ballin (1804–1874), der durch den Hamburger Brand im Jahr 1842 mittellos geworden war, hatte 1852 die Auswandereragentur Morris & Co in Hamburg gegründet. 1874, nach dem Tod des Vaters, musste Albert mit 17 Jahren ins Geschäft einsteigen. 1875 erhielt er Prokura und wurde 1879 Teilhaber bei Morris & Co. Die Firma vermittelte Auswanderungswilligen Schiffspassagen nach England und weiter nach Nordamerika. 1881 übernahmen Morris & Co die Passagevertretung der Hamburger Carr-Linie, die 1886 mit der Rob. M. Sloman-Reederei die Union-Linie bildete. 17 Prozent aller Auswanderungen in die USA wurden 1882 von Morris & Co vermittelt, was Ballin gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse und einen gewissen Wohlstand bescherte. Er erwarb im gleichen Jahr (1882) das Hamburgische Bürgerrecht, das nur wohlhabenden, regelmäßig Steuern zahlenden Männern offenstand, welche die Gebühr für den Bürgerbrief zahlen konnten. 1883 heiratete Albert Ballin Marianne Rauert, Tochter eines mittelständischen Hamburger Tuchhändlers. Die Trauung wurde nach protestantischem Ritus vollzogen, wenngleich Ballin nicht konvertierte. Die Ehe der Ballins blieb kinderlos. 1893 adoptierte das Ehepaar ein Waisenkind der Hamburger Choleraepidemie von 1892, Irmgard, aus der weiteren Verwandtschaft Marianne Ballins. Am 31. Mai 1886 wurde Ballin Leiter des Passagedienstes der HAPAG. 1888 wurde er in den Vorstand der HAPAG berufen und trat aus der Fa. Morris & Co aus; letztere wurde 1907 im Handelsregister gelöscht. Ab 1899 war er Generaldirektor der HAPAG und machte aus dem Unternehmen die größte Schifffahrtslinie der Welt.

Von dem Hamburger Architekten Fritz Höger ließ sich Albert Ballin 1906 in Hamfelde bei Trittau ein Landhaus errichten, in dem er mit seiner Familie vor allem die Sommermonate verbrachte. Das in seinem Auftrag 1908 von den Architekten Lundt & Kallmorgen erbaute Wohnhaus, genannt Villa Ballin, in der Feldbrunnenstraße 58 steht seit 1982 unter Denkmalschutz und beherbergt heute das UNESCO Institute for Lifelong Learning. Albert Ballin war ein leidenschaftlicher Patriot und war während des Ersten Weltkriegs Leiter der Zentral-Einkaufsgesellschaft. Bekannt war er unter anderem für seine Kontakte mit Kaiser Wilhelm II., die ihm die Bezeichnung “der Reeder des Kaisers” einbrachten. Er musste am Ende des Krieges die Zerstörung seines Lebenswerkes miterleben und beging am 9. November 1918, am Tag der Bekanntgabe des Thronverzichts Wilhelms II. und der Ausrufung der Republik, Suizid. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf.

Albert Ballin BallinStadt © Xaver Dolores/cc-by-sa-3.0 BallinStadt © Holger.Ellgaard/cc-by-sa-4.0 © ballinstadt.de BallinStadt © GeorgHH Former Villa Ballin © Wmeinhart/cc-by-sa-3.0
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Former Villa Ballin © Wmeinhart/cc-by-sa-3.0
Auf Albert Ballins Anregung entstanden die so genannten Zwischendecks auf den Überseepassagierschiffen, um die Auswanderer billiger und besser transportieren zu können. Die wirtschaftliche Attraktivität des Massengeschäfts beschrieb er mit den Worten: Ohne Zwischendeckspassagiere wäre ich innerhalb weniger Wochen bankrott. 1886 war die Konkurrenz zwischen der Union-Linie und der Hamburg-Amerika-Linie HAPAG im Auswanderergeschäft groß, und die Konkurrenten teilten den Markt unter sich auf. Nach diesen Absprachen wechselte 1886 Guido Wolff vom Vorstand der Union-Linie in den Vorstand der HAPAG (dort bis 1907). Im selben Jahr wurde Albert Ballin nach der Übernahme der Carr-Linie durch HAPAG dort Leiter der Passageabteilung. 1887 führte Ballin den Schnelldienst Hamburg–New York ein und wurde 1888 in den Vorstand der HAPAG berufen, der damit auf drei Personen erweitert wurde. Zur verbesserten Auslastung der Schiffe im Winter fing er 1891 an, Kreuzfahrten zu veranstalten, zunächst in den Mittelmeerraum, später auch zu anderen Zielen. Ballin gilt damit als “Erfinder” der modernen Kreuzfahrt. Mit seiner Berufung zum Generaldirektor der HAPAG im Jahr 1899 war er im Wettbewerb um den schiffsbasierten Transatlantikverkehr für den Bau der damals größten und schnellsten Schiffe der Welt verantwortlich. So gewann 1900 die Deutschland das Blaue Band. 1906 wurde die Kaiserin Auguste Viktoria als größtes Schiff der Welt in Dienst gestellt. 1912 folgte der Imperator.

Für die Emigranten, die mit den Schiffen der damaligen HAPAG befördert wurden, schuf Albert Ballin auf gut 55.000 m² auf der Veddel außerhalb Hamburgs die “Auswandererhallen”. In rund 30 Einzelgebäuden ließ er Schlaf- und Wohnpavillons, Speisehallen, Bäder, einen Musikpavillon, eine Kirche und eine Synagoge sowie insbesondere Räume für ärztliche Untersuchungen errichten. Zweck dieser kleinen Stadt war es, den Emigranten, die auf ihre Überfahrt warteten, einen sicheren Ort zur Verfügung zu stellen. Durch die strengen medizinischen Kontrollen konnten Rückweisungen der Einwanderungsbehörden weitgehend vermieden werden. Die Quote betrug etwa drei Prozent. Der Aufenthalt, die Unterkunft und Verpflegung waren im Preis der Passagiertickets enthalten. Einige der 1963 abgerissenen “Auswandererhallen” in Hamburg wurden an gleicher Stelle wieder aufgebaut und als Museumsstadt BallinStadt am 5. Juli 2007 eröffnet.

Lesen Sie mehr auf Hapag-Lloyd AG, BallinStadt und Wikipedia Albert Ballin. Fotos von Wikimedia Commons.





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