Pfaueninsel in Berlin

08. Oktober 2014 | Destination: | Rubric: Berlin, Allgemein, Paläste, Schlösser, Villen, Parks, UNESCO-Welterbe |

Frigate Royal Louise in front of Peacock Island © Susanne Heldt/cc-by-sa-3.0

Frigate Royal Louise in front of Peacock Island © Susanne Heldt/cc-by-sa-3.0

Die Pfaueninsel ist ein Landschaftspark im Berliner Bereich der Havel. Sie gehört zur Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) und steht seit 1990 zusammen mit den Schlössern und Parks von Sanssouci in Potsdam und Glienicke in Berlin als Weltkulturerbe auf der Liste der UNESCO. Die SPSG gibt ihre Größe mit 67 Hektar an. Die Pfaueninsel ist eng verbunden mit wichtigen Ereignissen und Personen der brandenburgisch-preußischen Geschichte. Die Insel ist Teil des wald- und wasserreichen Ortsteils Wannsee im Südwesten Berlins. Die Entfernung zur Stadtmitte Berlins beträgt etwa 22 Kilometer (Luftlinie), die Entfernung zur Stadtmitte Potsdams rund fünf Kilometer. Seit 1924 ist die Pfaueninsel mit einer Fläche von 88 Hektar, davon 67 Hektar Landfläche, als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Naturschutzgebiet ist als Fauna-Flora-Habitat gemeldet und Teil des Europäischen Vogelschutzgebiets Westlicher Düppeler Forst. Eingebettet in eine komplexe, historisch vielschichtige Kulturlandschaft müssen die zum Teil unterschiedlichen Belange von Naturschutz und Denkmalpflege sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

Unter Friedrich Wilhelm II. wurden besonders zwei Bereiche gestaltet: am Ufer der Westspitze das Schloss und seine Umgebung, im feuchten Wiesenland im Osten der Insel die Meierei und deren Umland. Das kleine weiße Schloss wurde so platziert, dass man es schon aus der Ferne, vom Potsdamer Ufer her, als architektonischen Akzent in schöner Landschaft wahrnehmen konnte. Es sollte dabei privaten Charakter haben, einen Ruhe- und Rückzugsraum für den König und seine geliebte Wilhelmine bilden. Sie war an der Planung wesentlich beteiligt und sorgte vor allem für die Inneneinrichtung. Im Jahr 1833 errichtete Albert Dietrich Schadow am Ostufer der Pfaueninsel als Bogenbohlenkonstruktion den hölzernen Fregattenschuppen, ein Bootshaus für das Segelschiff Royal Louise. Diese auf knapp 18 Meter Deckslänge verkleinerte, hochseetüchtige Kopie einer Fregatte hatte ihren Namen im Gedenken an die bereits 1810 verstorbene Königin Luise erhalten. Die Lustyacht war 1831 nach dem gemeinsamen Sieg über Napoleon als Geschenk des englischen Königs Wilhelm IV. an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. in den Royal Dockyards in Woolwich gebaut und 1832 zur Pfaueninsel überführt worden.

 

Schon zur Zeit der Sommeraufenthalte mit Königin Luise waren einige fremdartige Tiere auf die Insel gebracht worden. Allmählich entwickelte Friedrich Wilhelm III. geradezu eine Leidenschaft für möglichst exotische Tiere. In Paris hatte er 1815 den Jardin des Plantes kennengelernt – trotz des Namens mehr zoologischer als botanischer Garten – und wünschte sich eine ähnliche Menagerie. 1821 begann eine grundlegende Umgestaltung der Pfaueninsel durch den Gartenbaumeister und späteren preußischen General-Gartendirektor Peter Joseph Lenné. Sein Konzept sah im Westen eine Partie mit Schloss, Rosengarten und Palmenhaus vor, mit Schwerpunkt also auf Gartenanlagen und Pflanzen, und im Osten einen vorwiegend ländlichen Bereich mit der Meierei, wobei die Ausdehnung der Ackerflächen zugunsten von Wiesen deutlich reduziert wurde. Weil die neue Gartenlandschaft eine geregelte Wasserversorgung brauchte, pumpte seit 1822 eine Dampfmaschine im Maschinenhaus am Südufer das Havelwasser auf den höchsten Punkt der Insel, von wo es durch Leitungen aus Tonrohren über die Insel verteilt wurde.

Die Menageriegebäude konzentrierte Lenné im mittleren Teil der Insel. Seit die Vorliebe des Königs bekannt geworden war, trafen immer neue lebende Geschenke ein, darunter 1836 als Präsent des Königs von Schweden eine Gruppe von Rentieren, die unter der Obhut zweier Lappländer nach Brandenburg gereist waren. In einer Bestandsaufnahme der Menagerie von 1842 werden die Tiere schon nicht mehr erwähnt. Die Fasanerie des Neuen Gartens wurde auf die Pfaueninsel verlegt, Käfige und Gebäude für Lamas, Affen, Löwen und Kängurus entstanden, ebenso Volieren für viele verschiedene Vogelarten, eine Büffel- und eine Biberbucht, ein Hirschgehege und – nachdem die auf der Insel gehaltenen Braunbären sich mehrmals losgerissen hatten – eine Bärengrube. 1832 wurde eine eigene Menagerieverwaltung eingerichtet, zu diesem Zeitpunkt zählte man bereits 847 Tiere. Schon 1821, mit Beginn der grundlegenden Umgestaltung der Pfaueninsel durch Lenné, war eine umfangreiche private Rosensammlung für 5000 Taler angekauft worden. Zwischen Schloss und Kastellanhaus wurde ein Rosengarten angelegt, die erste Einrichtung dieser Art in Preußen. Nach einigen Jahren intensiver Pflege enthielt er 2000 Stöcke und 140 verschiedene Sorten. Die seither weitgehend zerstörte Anlage wurde 1989 wiederhergestellt.

Eine Beschreibung der Umrundung der Insel im Uhrzeigersinn kann wie folgt aussehen. Vom südlich gelegenen Fähranleger aus führt der Weg vorbei an der Kastellanswohnung zu einem Garten, der sich zum Schloss Pfaueninsel öffnet. Von dort ergibt sich ein Blick auf Pfauen und die Havel. Danach öffnet sich der Rundweg zum ehemaligen Palmenhaus, dessen Grundriss nur noch durch vier Steinsäulen markiert wird. Innerhalb dieser Markierung werden immer noch verschiedene Blattpflanzen kultiviert. Es folgt die Parschenkesselbucht mit einem breiten Schilfgürtel und wilden Wasservögeln. Es geht zum Holländischen Haus aus dem Jahr 1802, das sich im nördlichen Teil der Insel befindet und als Stall für Rinder dient. Auf dem Rückweg des Rundwegs wird die Meierei in Form einer künstlichen Ruine einer mittelalterlichen Abtei passiert. Von hier ist eine direkte Sichtachse zum Luisentempel in Form eines griechischen Tempels frei gehalten. Zwischen Meierei und Luisentempel grasen die schwarzen zotteligen Rinder in einem Feuchtgebiet. Weiter passiert der Weg einen Hain mit metergroßen in Stein nachgebildeten Eicheln und das Terrain des Alchimisten Johannes Kunckel, der das rubinrote Glas erfand. Nach Passieren von zwei Brücken wird der direkt am Ufer gelegene „Beelitzer Jagdschirm“ erreicht, ein mit Kork verkleideter Unterstand in den Dimensionen einer großen Jagdhütte. Aus seinem Schutz heraus erlegten die königlichen Jagdrunden die Wasservögel. Im Sinne der “Naturverbundenheit” war dies bereits eine klare Abkehr von der Treibjagd. Der ebenfalls am Ufer gelegene Fregattenhafen ist ein Gebäude zum Schutz der in kleinem Maßstab nachgebauten Fregatte mit dem Namen Royal Louise. Etwas ansteigend tangiert der Weg die Volieren, Gärtnerei und Rosengarten und führt zurück zum Fähranleger. Die Volieren werden hauptsächlich zum Schutz der Jungpfaue genutzt, damit sie nicht Füchsen zum Opfer fallen.

Lesen Sie mehr auf VisitBerlin.de – Pfaueninsel, spsg.de – Pfaueninsel und Wikipedia Pfaueninsel. Fotos von Wikimedia Commons.



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