Party-Parkhaus – Herzog & de Meurons “Lincoln 1111” in Miami

25. Juni 2011 | Destination: | Rubric: Allgemein |

© Iwan Baan Photography

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In Miami steigen die angesagten Parties derzeit an einem Ort, wo man gewöhnlich eher düstere Filmszenen erwarten würde: im Parkhaus. Gebaut von den Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron, ist das Gebäude der neueste Veranstaltungs-Tempel.

Für den Modedesigner Lei Marco ist es kein Zufall, dass er seine neueste Kollektion im siebten Stock eines Parkhauses feiert. “Ich erfinde mich gerne selbst immer wieder neu”, sagt er, “und mache Dinge, die andere noch nicht gemacht haben. Als ich diese Location zum ersten Mal sah, habe ich mich sofort in sie verliebt. Ich wollte sie auch meinen Kollegen zeigen – und das mache ich heute. Die Location könnte nicht besser sein.”

“Kein Ein-Funktionen-Gebäude”
Zu dem 65-Millionen-Dollar-Bau gehören auch Nachbargebäude. Doch die Architekten reizte vor allem die Chance, mit herkömmlichen Parkhaus-Vorstellungen zu brechen: Nichts von eintönigen Bunker-Linien, dafür eigenwillige Strukturen, die bei aller Masse des Gebäudes leicht und locker wirken. Die Vision des Auftraggebers, des Immobilienhändlers Robert Wennett, war von Beginn an eine Art Entwicklung für ein Parkhaus der Zukunft. “Das Gebäude ist ein Teil der Gemeinde, in der wir leben, also von Miami Beach”, so Wennett. “Es ist kein Ein-Funktionen-Gebäude, was ein Parkhaus ja wäre. Die Öffentlichkeit nutzt es auf unterschiedlichste Weise. So wie Bürger in die Oper oder ins Konzert gehen, kommen sie hier in das Parkhaus, um alle möglichen Formen der Kultur zu erleben.”

“Lincoln 1111”, so der offizielle Name des Projekts, versteckt die Autos keineswegs – es stellt sie aus. Daher gibt es keine Außenwände. Vor einem möglichen Absturz schützen feine, hypersolide Stahlkabel, die aus der Entfernung kaum zu sehen sind. Allein das Penthaus von Wennett im achten Stock ist privat. Sein nächster Nachbar ist ein nobles Design-Geschäft im fünften Stock des Parkhauses – ein Laden, so exklusiv, dass er keine Laufkundschaft braucht. Dafür liegt er ideal für Fahr-Kundschaft. Auch im Erdgeschoss, an einer Fußgängerzone gelegen, gab es keine Probleme, interessierte Ladeninhaber zu finden, darunter etwa eine sehr auf Stil bedachte Verlags-und Buchkette. “Die Lage bringt uns zusätzliche Kunden”, ist Ladenchefin Sandra Trapero überzeugt. “Die unterschiedlichsten Leute kommen nach Berichten aus aller Welt, um das Gebäude zu besichtigen – und dann sehen sie auch uns.”

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Miami Beach schaffte in den 1920er und 30er Jahren mit seinen berühmten Art-Deco-Gebäuden den Sprung in die architektonische Moderne. Seither imitierten viele Neubauten diese Vergangenheit. An der Design-Universität der Stadt freut man sich, dass Herzog & de Meuron mit dieser Tradition brechen und wieder etwas Modernes wagen. “Das Gebäude ist passend, ein wahres Meisterwerk”, so Cathy Leff, Direktorin der Wolfsonian Universität, “besonders, da es sich eigentlich um einen normalen Funktions-Bau handelt, der bislang bekanntlich niemanden dazu brachte, auf neue Weise darüber nachzudenken. Der Bauherr und die Architekten haben etwas Gewöhnliches zu etwas Außergewöhnlichem gemacht.”

Eine der schönsten Aussichten der Stadt
Ein offenes Gebäude, das auch nachts keine Angst einflösst, eine der schönsten Aussichten der Stadt bietet – dazu indirekte Beleuchtung innen – wann hat man das schon je mit einem Parkhaus verbunden? Nach all dem Lob fühlt sich der Bauherr schon selbst fast wie ein Künstler: “Es ist wirklich etwas wie bei einem Maler oder Bildhauer”, so Robert Wennett. “Man hat am Anfang eine Idee, doch wenn man dann auf einmal fertig ist, wusste man zwar in etwa, was es werden sollte, doch vor der Reaktion von anderen Leuten darauf war es etwas völlig anderes. Ich hatte immer schon eine ungefähre Vorstellung von dem, wie das Projekt werden sollte. Doch dass es nun fertig ist, und die Leute Vision erleben können, das war für mich wirklich das Wichtigste an diesem Projekt.”

Schickeria-, Firmen-und Hochzeitsparties – sie alle buchen Lincoln 1111. Herzog & de Meuron haben das fast Unmögliche vollbracht: ein sexy Parkhaus, das Veranstaltern 18.000 Dollar Miete wert ist – kein Pappenstiel. Doch an guten Abenden ist der Mond inbegriffen.

Gefunden auf 3sat. Lesen Sie mehr auf MiamiAndBeaches.de – 1111 Lincoln Road und Wikipedia 1111 Lincoln Road.



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