Themenwoche Ostjerusalem

Sonntag, 14. Juni 2015 - 12:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Themenwochen, UNESCO-Welterbe, Union für das Mittelmeer

Orient House, the unofficial seat of East Jerusalem's mayor © Abutoum

Orient House, das inoffizielle Rathaus von Ostjerusalem © Abutoum

Als Ostjerusalem wird der Teil von Jerusalem bezeichnet, der seit dem Palästinakrieg 1948 von Jordanien besetzt war, bis er im Sechstagekrieg 1967 von Israel erobert wurde. Aus israelischer Sicht ist Ostjerusalem heute Teil des vereinigten Jerusalem einschließlich der Teile des Westjordanlandes, die von Israel zum Jerusalemer Stadtgebiet erklärt wurden. Die 1980 durch das erfolgte Annexion des im Sechstagekriegs 1967 eroberten Gebiets wurde von der internationalen Staatengemeinschaft ebenso wenig anerkannt wie die vorangegangene Annexion Ostjerusalems durch Jordanien im Jahr 1950. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete mehrere Resolutionen, die die Annexion oder die Vorbereitung auf selbige verurteilten und für nichtig erklärt (Positionen der Internationalen Gemeinschaft und City Line, die aufgrund des von der UN mehrfach für nichtig erklärten Jerusalem-Gesetzes bis heute Bestand hat und Teil der Grünen Linie ist). Aus palästinensischer Sicht ist Ostjerusalem, das unter dem arabischen Namen al-Quds (“die heilige [Stadt]” oder “die ehrenwerte [Stadt]”) bekannt ist, die Hauptstadt des Palästinenserstaates.

Ostjerusalem umfasst die Altstadt (UNESO-Welterbestätte) und die anschließenden Bezirke einschließlich des durch die Bibel zu Berühmtheit gekommenen Ölbergs. In der weiteren Auslegung umschließt Ostjerusalem Westjerusalem. Die Altstadt enthält zwar einige Gebäude aus früheren Zeiten, wird aber in ihrer heutigen Lage von der Stadtmauer Süleyman des Prächtigen aus dem 16. Jahrhundert umschlossen. Bis 1860 stellte die Altstadt das gesamte Stadtgebiet Jerusalems dar. In Ostjerusalem liegen einige der heiligsten Stätten von Christentum, Islam und Judentum, darunter die Klagemauer (die westliche Stützmauer des Plateaus auf dem der Jerusalemer Tempel gestanden hat), der Tempelberg/Haram esh-Sharif mit dem Felsendom/Qubbat As-Sakhrah und der Al-Aqsa-Moschee, und die Grabeskirche. Die Altstadt besteht aus dem Armenischen, Christlichen, Jüdischen, Marokkanischen und dem Muslimischen Viertel. Gerade die Vielzahl der religiösen Bauwerke auf engstem Raum (die Altstadt umfasst gerade einmal 1 km² Fläche), machen die Altstadt zu einem der umstrittensten Fleckchen Erde der Welt. Obwohl der Berg Zion mit der Dormitio-Abtei sich außerhalb der Stadtmauern befindet, wird auch er gelegentlich zur Altstadt gerechnet. Neben der Altstadt gehören auch die Bezirke Abu Tor, Atarot, Beit Hanina, French Hill, Gilo, Har Choma, Nof Zion, Pisgat Ze’ev, Ramat Eshkol, Shuafat, Scheich Dscharrah, Silwan, Talpiot Ost und Umm Tuba zu Ostjerusalem.

Dome of the Rock © Berthold Werner Wadi al Joz, seen from Mount Scopus © flickr.com - StateofIsrael/cc-by-sa-2.0 Schmidt's Girls College and Paulus House © Deror avi/cc-by-sa-3.0 Orient House, the unofficial seat of East Jerusalem's mayor © Abutoum Old City © Shmuel Spiegelman/cc-by-sa-1.0 Mount of Olives © Andrew Shiva/cc-by-sa-4.0 East Jerusalem, with Israeli West Bank barrier in the background © Anthony Baratier/cc-by-sa-3.0
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East Jerusalem, with Israeli West Bank barrier in the background © Anthony Baratier/cc-by-sa-3.0
Das Orient House war Hauptquartier der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und diente auch als inoffizielles Rathaus Ostjerusalems. Es wurde immer wieder aus zweifelhaften Gründen durch die israelische Regierung geschlossen. Die Internationale Gemeinschaft pocht immer wieder auf die Öffnung des Gebäudes.

Anders als bei den von der Internationalen Gemeinschaft als illegal eingestuften israelischen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet, bildet das Gebiet um den 1918 von der jüdisch-zionistischen Bewegung käuflich erworbenen Skopusberg mit den Gebäuden der 1925 eröffneten Hebräischen Universität, der Nationalbibliothek und dem 1939 eröffneten Hadassah-Hospital, eine legitime israelische Exklave in Ostjerusalem.

In Ostjerusalem befinden sich nicht nur auch für die außerhalb der Stadt lebenden Palästinenser heilige Stätten (Al-Aqsa-Moschee, Grabeskirche), sondern auch historisch gewachsene zentrale Einrichtungen, die noch immer für die Bewohner des Westjordanlandes wichtige Anlaufstellen sind. Dazu gehören die sechs arabischen Hospitäler. Einige dieser Spitäler haben Spezialisierungen, die in den Autonomiegebieten nicht verfügbar sind. Spezialbehandlungen sind oft nur im israelischen Hadassah am Skupusberg oder Ein Kerem möglich. Einige dieser Spitäler behandeln Personen mit Flüchtlingsstatus gratis, während sie in anderen Einrichtungen außerhalb der Stadt bezahlen müssen. Dringende Einlieferungen in diese Spitäler werden durch Kontrollen und Bewilligungen an der Grenze verzögert. Für ambulante Behandlungen ist jedes Mal ein Passierschein zu beantragen. Ärztliches Personal und Medizinstudenten von außerhalb benötigen Arbeitserlaubnis und Passierscheine. Seit 2008 ist es den Spitälern untersagt wesentlich günstigere palästinensische Medikamente einzukaufen. Zudem wurden Genehmigungen für Umbauarbeiten und Zubauten nicht erteilt.

Auf dem Ölberg gibt es mehrere Restaurants, ebenso ein weiteres am Aufstieg gleich hinter dem Garten Gethsemane. Ein Nachtleben findet praktisch nicht statt. Wenn man die Möglichkeit dazu hat, besucht man hierfür die Downtown Triangle in Westjerusalem. Wer ein ausschweifendes Nachtleben erwartet, ist generell in Tel Aviv sehr viel besser aufgehoben. Auf dem Ölberg liegt das bekannte Hotel Seven Arches, das 1964 vom jordanischen Königshaus als Hotel Jerusalem Intercontinental erbaut worden war. Das American Colony Hotel ist ein kleines Luxushotel in Ostjerusalem. Es gehört seit einigen Jahren zu den Leading Hotels of the World (Shepherd-Hotel).

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

Lesen Sie mehr auf Süddeutsche Zeitung vom 24.04.2019: Israel: “Jerusalem ist nicht Disneyland”, Jewish News vom 12.03.2019: Jerusalem’s cable car: Moving in the wrong direction, DW vom 22.07.2019: Israel lässt Palästinenser-Häuser abreißen, Süddeutsche Zeitung vom 22.07.2019: Abriss in Jerusalem, Deutschlandfunk vom 22.07.2019: EU verlangt von Israel sofortigen Abriss-Stopp, Die Zeit vom 23.07.2019: Ostjerusalem: EU fordert Abriss palästinensischer Häuser sofort zu stoppen, Wikivoyage Ostjerusalem und Wikipedia Ostjerusalem (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.

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