Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Montag, 29. Januar 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist eine internationale Organisation mit 35 Mitgliedstaaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen. Die meisten OECD-Mitglieder gehören zu den Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen und gelten als entwickelte Länder. Sitz der Organisation und ihrer Vorgängerorganisation, der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (englisch Organisation for European Economic Co-operation, OEEC) ist seit 1949 Schloss La Muette in Paris. Die OECD ist keine supranationale (überstaatliche) Organisation, sondern hat eher den Charakter einer permanent tagenden Konferenz. Die Organisation ist strikt intergouvernemental (zwischenstaatlich) verfasst, ihre Beschlüsse sind völkerrechtlich bindend, in den Mitgliedstaaten aber nicht unmittelbar anwendbar.

Die OECD wurde 1961 als Nachfolgeorganisation der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (englisch Organisation for European Economic Co-operation OEEC) und des Marshallplans zum Wiederaufbau Europas gegründet, die ab dem 16. April 1948 agierten. Das Ziel der OEEC war, ein gemeinsames Konzept zum wirtschaftlichen Wiederaufbau und zur Zusammenarbeit in Europa zu erarbeiten und umzusetzen. Insbesondere sollten die europäischen Länder in den Entscheidungsprozess über die Verwendung der Gelder aus dem Marshallplan eingebunden werden. Nach Abwicklung der Marshallplanhilfe wurde weiterer Bedarf für einen Austausch über wirtschaftspolitische Fragen gesehen und die OEEC im September 1961 in die OECD überführt. In den ersten Jahren ihres Bestehens zählte die OEEC 20 Mitglieder (18 europäische Staaten sowie die USA und Kanada). In den 1960er Jahren traten in die nun OECD genannte und auch für nicht-europäische Länder geöffnet Organisation Italien (1962), Japan (1964) und Finnland (1969) bei, es folgten Australien (1971) und Neuseeland (1973), in den 1990er Jahren kamen Mexiko (1994), Tschechien (1995), Ungarn (1996), Südkorea (1996), Polen (1996) und die Slowakei (2000) hinzu und 2010 traten Chile, Slowenien, Israel sowie Estland bei, 2016 folgte Lettland.

Paris - Château de la Muette - OECD headquarters © Velvet/cc-by-sa-3.0

Paris – Château de la Muette – OECD headquarters © Velvet/cc-by-sa-3.0

Heute versteht sich die OECD als Forum, in dem Regierungen ihre Erfahrungen austauschen, best practice identifizieren und Lösungen für gemeinsame Probleme erarbeiten. In der Regel ist Gruppenzwang der wichtigste Anreiz für die Umsetzung der erarbeiteten Empfehlungen. Häufig werden im Rahmen der OECD auch Standards und Richtlinien erarbeitet, gelegentlich auch rechtlich verbindliche Verträge. Laut OECD-Konvention sind die Ziele der Organisation

  • zu einer optimalen Wirtschaftsentwicklung, hoher Beschäftigung und einem steigenden Lebensstandard in ihren Mitgliedstaaten beizutragen,
  • in ihren Mitgliedstaaten und den Entwicklungsländern das Wirtschaftswachstum zu fördern,
  • zu einer Ausweitung des Welthandels auf multilateraler Basis beizutragen.

Die Analysen und Empfehlungen der OECD zur Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten orientieren sich an einer liberalen, marktwirtschaftlichen und effizienten Wirtschaftsordnung. Für die Arbeits- wie für die Produktmärkte spricht sich die Organisation für den Abbau von Schranken und für mehr Wettbewerb aus. In den vergangenen Jahren haben Bildungspolitik und Sozialpolitik an Gewicht gewonnen. So hat sich die OECD mit den PISA-Studien zu einem Fürsprecher von Chancengleichheit im Bildungssystem gemacht. Ende 2008 hat die Organisation in einer Studie auf eine Zunahme von Armut und Ungleichheit (Einkommensschere) in ihren Mitgliedstaaten hingewiesen.

In den internationalen Wirtschaftsbeziehungen sind der freie Waren- und Kapitalverkehr Kernziele der Organisation. Gleichzeitig wurden und werden im Rahmen der OECD Standards erarbeitet, um negativen Seiten der Globalisierung entgegenzutreten. Dazu gehören die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen als Standards für Direktinvestition und die Zusammenarbeit mit Zulieferern, die OECD-Konvention gegen Bestechung ausländischer Amtsträger sowie Standards zur Verhinderung von Geldwäsche und Steuerflucht.

Lesen Sie mehr auf OECD und Wikipedia OECD (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

Themenwoche Dubai - Die Dubai Marina

Themenwoche Dubai - Die Dubai Marina

[caption id="attachment_25162" align="aligncenter" width="590"] View from the Torch - 64th floor © Matteoserena/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der seit 2003 entstehende Stadtteil soll im Endausbau (je nach Abgrenzung) zwischen 75.000 bis zu 150.000 Menschen beherbergen und etwa 200 Wolkenkratzer und Hochhäuser beinhalten. Der rund 4 Quadratkilometer – einschließlich der Wasserflächen – große Komplex ist seit dem Frühjahr 2010 mit zwei Stationen an die Dubai Metro angeschlossen. Dubai Marina liegt rund ...

Themenwoche Istanbul - Topkapı-Palast

Themenwoche Istanbul - Topkapı-Palast

[caption id="attachment_163212" align="aligncenter" width="590"] © Carlos Delgado/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Topkapı-Palast ("Kanonentor-Palast") in Istanbul war jahrhundertelang der Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches. Mit dem Bau wurde bald nach der Eroberung Konstantinopels (1453) durch Sultan Mehmed II. begonnen. Zunächst ließ er einen Palast auf dem heutigen Beyazıtplatz (Beyazıt Meydanı) errichten. Wenig später entschied er sich dann aber für e...

Themenwoche Krim - Sewastopol

Themenwoche Krim - Sewastopol

[caption id="attachment_153373" align="aligncenter" width="590"] Best Western Sevastopol Hotel/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Sewastopol ist die größte Stadt auf der ukrainischen Halbinsel Krim. Sie wurde unter russischer Besetzung 1783 gegründet und liegt am südwestlichen Rand der Krim auf den Ausläufern des Krimgebirges direkt am Schwarzen Meer. Sie ist Heimathafen und Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte sowie der ukrainischen Marine. Die Einwohnerzahl der Agglomeration beträgt rund 379.000. Sewast...

Vinci in der Toskana

Vinci in der Toskana

[caption id="attachment_160596" align="aligncenter" width="590"] View from the Leonardo da Vinci Museum © Iamthestig[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Vinci ist eine Gemeinde mit 14.500 Einwohnern in der Nähe der italienischen Stadt Empoli in der Provinz Florenz, Region Toskana. Der Ort befindet sich ca. 97 m über dem Meeresspiegel. Die Gemeindefläche beträgt 54 km², die Bevölkerungsdichte 265 Einwohner pro km². Bis zum 12. August 1254 war der Ort im Besitz der Guidi, danach wurde er von der Republik Florenz eingenommen und zur...

Die Großregion Luxemburg, Lothringen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Wallonien

Die Großregion Luxemburg, Lothringen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Wallonien

[caption id="attachment_153857" align="aligncenter" width="590"] Großregion map © Staatskanzlei des Saarlandes[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die „Großregion“ ist eine der europäischen Großregionen und ist politisch aus dem Kernraum Saar-Lor-Lux entstanden. Sie ist eine Erweiterung der 1998 vertraglich beschriebenen kulturellen Zusammenarbeit der Regionen Saarland, Lothringen, Luxemburg, Trier und Westpfalz. Sie ist nicht identisch mit der sich im gleichen Territorium befindlichen Euregio. Die Geschichte der Großre...

Themenwoche Mazedonien - Bitola

Themenwoche Mazedonien - Bitola

[caption id="attachment_151170" align="aligncenter" width="590"] Clock tower © Zdravevski/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Bitola (albanisch Manastir/Manastiri) ist mit fast 75.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Mazedoniens. Sie bildet ein administratives, wirtschaftliches, kulturelles und politisches Zentrum im südlichen Teil des Landes. Dazu ist Bitola der Verwaltungssitz der gleichnamigen Opština, die über 86.000 Einwohner hat. Bitola liegt am Dragor, der die Stadt in eine Nord- und in eine Südhälfte teilt. 1...

Return to Top ▲Return to Top ▲
Cruise ship terminal Colon 2000 and Colon Free Trade Zone © flickr.com - Roger Wollstadt/cc-by-sa-2.0
Themenwoche Panama – Colón

Colón ist eine Hafenstadt an der Karibischen Küste. Sie ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Colón mit 242.000 Einwohnern. Colón...

Map of the Holocaust in Europe © Dennis Nilsson/cc-by-3.0
Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich...

Catedral Santiago de Veraguas © Apollo18
Themenwoche Panama – Santiago de Veraguas

Santiago de Veraguas ist die Hauptstadt der Provinz Veraguas und hat rund 90.000 Einwohner. Santiago wurde im 17. Jahrhundert von...

Schließen