Neuengamme in den Vierlanden

Dienstag, 13. Mai 2014 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Hamburg

© Pincerno/cc-by-sa-3.0-de

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Neuengamme ist ein Hamburger Stadtteil im Elbmarsch-Gebiet der Vierlande im Bezirk Bergedorf. Es handelt sich um ein Straßendorf entlang des Südufers der Dove Elbe, einem nördlichen Nebenarm der Elbe. Die Hauptstraße führt auf der Krone des Flussdeichs durch den Ort. Da der Deich durch vorgelagerte Eindeichungen und Flutsperrtore seine ursprüngliche Funktion verloren hat, stellt dies kein Problem dar: der Deich ist keine Verteidigungslinie.

Ab etwa 1100 wurden die späteren Vierlande, einige fruchtbare Elbinseln zwischen Flussarmen der Elbe, die sich hier vielfältig aufteilte, eingedeicht. Dabei wurden von Anfang an vier Kirchenplätze eingeteilt: Curslack, Altengamme, Neuengamme und Kirchwerder. Da die eingedeichten Gebiete nur mühsam trockengehalten werden konnten – im Herbst und Winter fast gar nicht – war die Verbindung zwischen den Ortschaften nicht immer sichergestellt. Das wurde häufig zum Problem, als die Bevölkerungszahlen stiegen und die gemeinsame Deichverteidigung wichtiger wurde. Zu diesem Zweck wurden zusätzliche Dämme gebaut, die nicht der Verteidigung gegen Fluten sondern dem Straßenbau dienten: 1482 wurde ein Verbindungsdeich nach Altengamme aufgeschüttet, 1492 entstand ein solcher Verbindungsdeich nach Kirchwerder. Curslack, das auf der anderen Seite der Dove Elbe direkt gegenüber Neuengammes liegt, konnte nicht auf diese Weise angeschlossen werden; bis zum ersten Brückenschlag wurde der Kontakt mit Fähren aufrechterhalten.

Model of Dachau Concentration Camp © Andrew Bossi/cc-by-sa-2.5 Little river port on the Dove Elbe © flamenc/cc-by-sa-3.0 Neuengamme Memorial © Hao Liu © Ajepbah/cc-by-sa-3.0 © flamenc/cc-by-sa-3.0 © Pincerno/cc-by-sa-3.0-de
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Model of Dachau Concentration Camp © Andrew Bossi/cc-by-sa-2.5
Die reichen, fruchtbaren Gebiete der Vierlande, wie die vier Kirchspiele inzwischen genannt werden, hatten gegen einen Hauptgegner zu kämpfen: den nassen Untergrund. Die Schöpfwerke konnten nicht alles Wasser, das sich an den tiefsten Stellen sammelte, zurück in die Elbe transportieren. Erst als ab 1595 die ersten Schöpfwindmühlen die Vierlande erreichten, konnte das Land dauerhaft Ernten einfahren; das nahe, aufstrebende Hamburg war der beste Abnehmer für die Vierländer Produkte. Der Bau der ersten festen Brücke nach Curslack, die Blaue Brücke, machte aus Neuengamme und Curslack einen Doppelort, der nur durch die schmale Dove Elbe getrennt wird. Weitere Brückenschläge (1873 in Neuengamme-Niederwärts und 1899 die Kirchenbrücke) stärkten diese Verbindung weiter; heute ist es schwierig, die Orte beim Durchqueren auseinanderzuhalten. Als in der Hamburger Gegend die aus den Niederlanden stammende Mode übernommen wurde, teure Blumen zu züchten und zu zeigen, merkten die geschäftstüchtigen Vierländer, dass mit Blumen mehr Geld zu verdienen ist als mit Blumenkohl. So entstand neben dem Gemüseanbau ab 1675 auch intensive Blumenzucht, die sich bis heute fortsetzt. Erst als um 1880 die Tomatenzucht in den Vierlanden eingeführt wurde, kam der ursprüngliche Gemüseanbau wieder zu Ehren.

Menschen aus ganz Europa wurden im KZ Neuengamme (von Dezember 1938 bis April 1940 Außenlager des KZ Sachsenhausen, danach eigenständiges Hauptlager mit zuletzt über 85 Außenlagern) unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten. In den Jahren 1940 und 1942 mussten die KZ Häftlinge einen Kanal zur Dove Elbe graben und diese schiffbar machen, um Ziegel aus dem Stammlager des KZ Neuengamme nach Hamburg transportieren zu können. Dabei wurden etwa 1.600 Häftlinge gezwungen, mit Händen und Schubkarren 213.000 Kubikmeter Erde zu bewegen. Die im Stammlager gefertigten Ziegel sollten im Zuge der Umgestaltung Hamburgs zu einer der Führerstädte bei mehreren repräsentativen Parteibauten, einem 250 Meter hohem Gauhochhaus sowie einer Elbbrücke in der Nähe des heutigen Elbtunnels verbaut werden. Bei Kriegsende versuchte die SS die Spuren der Konzentrationslager zu verwischen. Tausende Häftlinge fanden bei Todesmärschen und bei der irrtümlichen Bombardierung der KZ-Schiffe Cap Arcona und Thielbek durch die britische Luftwaffe den Tod. Die Briten hatten angenommen, dass es sich um einen Transport von SS-Personal nach Norwegen gehandelt hat. Nach dem Ende des Krieges wurde auf dem ehemaligen KZ-Gelände ein britisches Internierungslager für NS-Funktionäre und ab 1948 ein Gefängnis eingerichtet, das 1970 um den Neubau einer Jugendhaftanstalt erweitert wurde. Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers eine Gedenkstätte.

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