Myra in Lykien

Montag, 05. Dezember 2016 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Union für das Mittelmeer

Tomb of Saint Nicholas © Sjoehest/cc-by-sa-3.0

Tomb of Saint Nicholas © Sjoehest/cc-by-sa-3.0

Myra ist eine antike Stadt in Lykien. Der Ort heißt heute Demre und liegt in der Provinz Antalya in der Türkei. Bekannt ist Myra als Wallfahrtsort (vor allem für die Orthodoxe Kirche) wegen des von dort stammenden Nikolaus von Myra. Myra war schon in der klassischen Epoche von einiger Bedeutung und ab der Zeit des Hellenismus eine der sechs größten Städte des Lykischen Bundes. Nach der Trennung Lykiens von Pamphylien unter Kaiser Theodosius II. (408–450 n. Chr.) wurde Myra Verwaltungshauptstadt und kirchliche Hauptstadt der Provinz. Die Göttin Artemis Eleuthera (Kybele) besaß in Myra ein Kultzentrum, das bei einem Erdbeben 141 n. Chr. zerstört wurde. Eine Inschrift des Opramoas von Rhodiapolis, der den Wiederaufbau des Theaters finanzierte, kennzeichnet ihren Tempel in Myra als den größten und prunkvollsten Lykiens. Dies berichtet auch eine im 6. Jahrhundert entstandene Legende vom eigenhändigen Abriss des Heiligtums durch Bischof Nikolaus. Myra war Bischofssitz, ab 300 amtierte Nikolaus von Myra als Bischof.

Am 6. Dezember 2007 gestattete der türkische Kulturminister Ertuğrul Gunay dem griechisch-orthodoxen ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäus I., einen Gottesdienst nach griechisch-orthodoxer Liturgie in der dem heiligen Nikolaus geweihten Kirche von Demre zu feiern. Der letzte Gottesdienst in der Basilika hatte 2002 stattgefunden. Das Patriarchat stellte zwar jedes Jahr einen Antrag, erhielt jedoch fünf Jahre lang keine Genehmigung. Zusätzlich stellte der Kulturminister rund 25 000 Euro als Spende zur Verfügung, damit die Basilika, die in schlechtem Zustand ist, fertig restauriert werden kann.

Tomb of Saint Nicholas © Sjoehest/cc-by-sa-3.0 Rock-cut tombs © Ingo Mehling/cc-by-sa-3.0 Ruins of Myra - Theatre © Ingo Mehling/cc-by-sa-3.0
<
>
Ruins of Myra - Theatre © Ingo Mehling/cc-by-sa-3.0
Die erste Basilika von Nikolaus wurde im 6. Jahrhundert erbaut. Die heutige dreischiffige Basilika stammt im Kern aus dem 8. Jahrhundert. Konstantin IX. Monomachos (1000–1055) und Kaiserin Zoe erneuerten die Kirche. Ein Kloster wurde in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts erbaut, den Mönchen wurde die Pflege der Pilgerstätte übertragen. Nikolaus’ Gebeine wurden 1087 von italienischen Kaufleuten nach Bari abtransportiert. Damit verlor die Kirche ihre Bedeutung nicht völlig, auch später noch suchten Pilger sie auf. Die Kirche, die jahrhundertelang im Schlamm des Demre-Flusses versunken war, wurde 1863 vom russischen Zaren Alexander II. erworben und teilweise wiederhergestellt. 1963 wurde die östliche und westliche Seite der Kirche ausgegraben. Seit den 1990er Jahren finden weitere, türkische Grabungen an der Kirche statt. In ihrem Inneren finden sich byzantinische Fresken und Bauplastik sowie römische Sarkophage, die als Spolien wiederverwendet wurden. Vor der Kirche steht ein modernes Nikolaus-Denkmal. Weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt sind das römische Theater und die lykischen Felsengräber.

Der alte Hafen von Myra, Andriake, 5 Kilometer südwestlich von Demre (heutiger Name: Bucht von Çayağzı) ist heute verlandet. Es handelt sich um eine frühhellenistische Gründung. Der Apostel Paulus wechselte hier im Jahr 59 n. Chr. auf seiner Reise nach Rom das Schiff. Die Hafeninfrastruktur wurde in der mittleren Kaiserzeit massiv ausgebaut. In spätantik-frühbyzantinischer Zeit erlebte der Hafen eine Blüte. Neben den sechs Kirchen wurden in dieser Zeit auch zwei Badeanlagen errichtet. In der frühbyzantinischen Zeit wurde beim Granarium Purpur gewonnen, wovon noch ein ausgedehnter Abfallhügel zeugt, der den einstigen Marktplatz teilweise überdeckt. Im frühen Mittelalter dürfte die Niederlassung aufgegeben worden sein, wobei die Gründe für diese Entwicklung nicht bekannt sind, sie mögen aber mit der zunehmenden Verlandung in Zusammenhang stehen. Sehenswert ist das alte Granarium, eine Kornkammer, in der bis zu 6000 Kubikmeter Getreide gelagert werden konnten. Ebenfalls sehenswert sind das nahegelegene Dorf Ücağız (Kekova) und das angrenzende Dorf Kaleköy (Simena). Lykische Felsgräber und Rankensarkophage sind dort – relativ gut erhalten – zu sehen. In der Küstenregion ist das Tauchen zwar verboten, aber für Schnorchler ist die Gegend rund um Kekova reizvoll.

Lesen Sie mehr auf Demre, Wikivoyage Demre und Myra (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

Die Navigator of the Seas

Die Navigator of the Seas

[caption id="attachment_165271" align="aligncenter" width="590"] © Leinad/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Navigator of the Seas ist ein Kreuzfahrtschiff im Eigentum der Royal Caribbean Cruises Ltd., von Royal Caribbean International betrieben. Mit einer Länge von 311 m gehört es zu den größten Kreuzfahrtschiffen der Welt. Das Schiff zählt zur Voyager-Klasse, hat vier Schwesterschiffe (Voyager of the Seas, Explorer of the Seas, Adventure of the Seas und Mariner of the Seas) und fährt unter der Flagge der Bahama...

Córdoba und Al-Andalus - Multikulti im Mittelalter

Córdoba und Al-Andalus - Multikulti im Mittelalter

[caption id="attachment_151077" align="aligncenter" width="590"] Gardens of the Alcázar de los Reyes Cristianos © Jebulon[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Córdoba ist die Hauptstadt der Provinz Córdoba und die drittgrößte Stadt Andalusiens. Córdoba liegt am Fluss Guadalquivir. Die Stadt gilt als eine der touristischen Sehenswürdigkeiten Spaniens. Seit 1984 gehört die Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vor allem im Frühling gibt es in Córdoba etliche Volksfeste, die Ferias. Das bekannteste ist die Feria de Mayo, die...

Die Hansestadt Salzwedel

Die Hansestadt Salzwedel

[caption id="attachment_160710" align="aligncenter" width="590"] Houses on the Jeetze © Schiwago[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Hansestadt Salzwedel ist Kreisstadt des Altmarkkreises Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Salzwedel liegt an der Deutschen Fachwerkstraße. Salzwedel liegt im nordwestlichen Teil der Altmark an der Einmündung der Salzwedeler Dumme in die Jeetze. Seit dem Jahr 800 ist eine Siedlung an der Stelle der heutigen Stadt bekannt, die sich in Nachbarschaft einer Burg, der Burg Salzwedel, befand. Der alte Nam...

Der Palacio Real in Madrid

Der Palacio Real in Madrid

[caption id="attachment_24978" align="aligncenter" width="590"] Palacio Real de Madrid © flickr.com - bepo2/cc-by-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Königliche Palast ist das Madrider Stadtschloss und die offizielle Residenz des spanischen Königshauses. Auf dem Gelände des heutigen Palastes stand bis ins 18. Jahrhundert ein Alcazar, ein maurisches Burgschloss. Diese von den spanischen Königen genutzte Residenz wurde durch ein Feuer am Heiligabend 1734 zerstört und schuf so die Notwendigkeit für einen Neubau. Durc...

Die Jetset Destination St. Moritz

Die Jetset Destination St. Moritz

[caption id="attachment_152218" align="aligncenter" width="590"] Cartier Polo World Cup on Snow 2008 © Frédéric de Goldschmidt - www.frederic.net[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]St. Moritz ist eine politische Gemeinde im Kreis Oberengadin, Bezirk Maloja des Schweizer Kantons Graubünden. Der Ort ist benannt nach dem Heiligen Mauritius, der auch im Wappen abgebildet ist. Die Gemeinde ist einer der berühmtesten Kurorte und Wintersportplätze der Alpen. Trotz nur etwa 5000 ständiger Einwohner hat St. Moritz den Charakter einer kosm...

Themenwoche Ibiza - Sant Antoni de Portmany

Themenwoche Ibiza - Sant Antoni de Portmany

[caption id="attachment_152184" align="aligncenter" width="590"] Sant Antoni Bay © JanManu/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Sant Antoni de Portmany (spanisch San Antonio Abad) ist die größte Stadt an der Westküste Ibizas. Die große Bucht Bahía de Sant Antoni wurde bereits von den Römern als natürlicher Hafen benutzt und Portus Magnus genannt. Die Bucht beherbergt heute den größten Hafen der Insel. Über 2000 Jahre war Sant Antoni nicht mehr als ein kleines Fischerdorf. Erst in den 1950er Jahren begann mit dem zu...

Return to Top ▲Return to Top ▲
Highrises across Deer Lake © Vranak/cc-by-sa-3.0
Burnaby in British Columbia

Burnaby ist eine Stadt im Südwesten der kanadischen Provinz British Columbia. Sie ist Verwaltungssitz des Bezirks Metro Vancouver. Das Stadtgebiet...

Celebrity Equinox in San Miguel de Cozumel © Ricraider/cc-by-sa-3.0
Die Celebrity Equinox

Die Celebrity Equinox ist ein maltesisches Kreuzfahrtschiff der Reederei Celebrity Cruises. Die Celebrity Equinox wurde im Auftrag der Reederei Celebrity...

© Steven Lek/cc-by-sa-4.0
Markthalle Rotterdam

Die Markthal ist eine in Rotterdam im Jahr 2014 fertiggestellte Markthalle. Sie steht im Zentrum der Stadt, nicht weit vom...

Schließen