Maskat im Oman

Mittwoch, 22. Juli 2015 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein

Al-Khuwair neighborhood © Joe Castleman/cc-by-sa-3.0

Al-Khuwair neighborhood © Joe Castleman/cc-by-sa-3.0

Maskat ist die Hauptstadt Omans und liegt im gleichnamigen Gouvernement Maskat. Der Name bedeutet Ort des Fallens, was von der Nutzung als Ankerplatz oder von den steil abfallenden Bergen abgeleitet werden kann. Die eigentliche Stadt hat nur ca. 30.000 Einwohner, zusammen mit ihren Vororten Matrah, Ruwi, Qurum und Sib bildet sie die Gemeinde Maskat. Die Stadt liegt an der Küste im Nordosten des Landes am Golf von Oman, an einer von Felswänden eingeschlossenen Bucht. Hier reicht das Hadschar-Gebirge bis ans Meer heran und erlaubt nur kleine Siedlungen, die durch Gebirgspässe miteinander verbunden sind.

Etwa vier Kilometer vom Strand der Stadt entfernt befindet sich die unbewohnt Insel Al Fahal. Aus praktischen Gründen hat sich die Hauptstadt in den letzten Jahrzehnten vor allem in den südlichen Bereich der Küstenebene al-Batina ausgebreitet. Auf diese Weise entstand die sogenannte Metropolitan Area, eine ausgedehnte urbane Zone bestehend aus verschiedenen kleineren und größeren Ortschaften, die zusammengewachsen sind. Die Metropolitan Area ist die Aorta des Landes, in der sich Wirtschafts- und Finanzkraft wie auch die Bevölkerung konzentrieren. Ungefähr die Hälfte der Einwohner sind allerdings Arbeitsmigranten v. a. aus dem Iran, Pakistan, Indien und von den Philippinen. Ihre billige Arbeitskraft ermöglicht hier (wie in anderen Teilen des Landes) eine ausgeprägte Bautätigkeit. In kurzer Zeit entstanden so Shoppingmalls und Hotels nach westlichem Standard. Außerdem entwickelte sich das Gebiet durch am Reißbrett geplante Wohngebiete und neue Industrieanlagen schnell. Die entsprechenden Verkehrswege werden meist ausgreifend und – trotz des chronischen Wassermangels – begrünt angelegt. Das alte Zentrum der Hauptstadt, Alt-Maskat, das am südlichen Ende der Metropolitan Area liegt, tritt in der Bedeutung immer mehr hinter die geschäftigen Vororte zurück. Hier befinden sich auch der überwiegend zu Repräsentationszwecken genutzte Qasr al-Alam von Sultan Qabus ibn Said und weitere Regierungsgebäude. Da die hohen Berge eine Ausdehnung der Bebauung verhinderten, hat ab den 1970er Jahren das Finanz- und Geschäftsviertel Ruwi, die Geschäftszentrale Matrah oder auch das Infrastrukturzentrum Sib der eigentlichen Hauptstadt bereits den Rang abgelaufen. Der ursprüngliche Charakter des alten Kerns hat sich dagegen, gelegen an einer kleinen Bucht mit einem natürlichen Hafen (den heute zum Teil das Sultanspalastareal für sich beansprucht), flankiert von den beiden Forts Dschalali und Mirani aus der Zeit der portugiesischen Herrschaft (1507–1650), weitgehend erhalten.

Die Region um Maskat ist das ökonomische Herz des Landes. Erhebliche Bedeutung kommt hier dem Hafen Mina Sultan Qaboos im Stadtteil Matrah für den Export des Erdöls zu, das seit 1967 aus dem gesamten Hinterland in Pipelines hierher befördert und anschließend verschifft wird, da sich hier die einzige Raffinerie und Erdölverladestation des Sultanats befindet. Das “schwarze Gold” ist die tragende Säule der omanischen Wirtschaft und macht mehr als 50 % der gesamten Staatseinnahmen aus. Obwohl der gewaltige Überschuss an Petrodollars relativ gleichmäßig im ganzen Land verteilt wird, ist ihr Einfluss in der Hauptstadtregion am deutlichsten sicht- und spürbar. Außerdem konzentrieren sich in der Hauptstadtregion die großen Industriebetriebe des Landes, die auf Aluminiumverarbeitung sowie Petrochemie- und Düngemittelherstellung spezialisiert sind. In der Nähe gibt es mehrere bedeutende landwirtschaftliche Betriebe und auch Kraftwerke sowie Meerwasserentsalzungsanlagen. Der private Konsum, der enorm gesteigert werden konnte und sich im großen Souq von Matrah, aber vermehrt natürlich in den modernen Shoppingmalls abspielt, verstärkt die Entwicklung ebenfalls. Maskat ist auch Sitz der wichtigsten Bank in Oman, der BankMuscat.

Al-Alam Palace of Sultan Qabus ibn Said © Imbâbah22/cc-by-sa-3.0 Muscat Royal Opera House © Paasikivi/cc-by-sa-3.0 Costa Victoria in Port Sultan Qaboos © DXR/cc-by-sa-3.0 Old Muscat © Imbâbah22/cc-by-sa-3.0 Sunrise © Imbâbah22/cc-by-sa-3.0 Al-Khuwair neighborhood © Joe Castleman/cc-by-sa-3.0
<
>
Al-Alam Palace of Sultan Qabus ibn Said © Imbâbah22/cc-by-sa-3.0
Entscheidend für die Wirtschaft der Region ist der Flughafen Maskat, der etwa 30 km von Alt Maskat entfernt in Sib liegt und derzeit aufwändig erweitert wird. Durch die Erweiterung soll die Zahl der ankommenden und (v.a. auf dem Weg nach Asien und Afrika) umsteigenden Fluggäste von ca. 4 Millionen (2008) auf 12 Millionen (2011) und in fernerer Zukunft auf 48 Millionen gesteigert und eine Konkurrenz zu beispielsweise Dubai und Doha aufgebaut werden. In direktem Zusammenhang mit dem Flughafen steht der Tourismus, der sich auf den Norden des Sultanats konzentriert und von Maskat ausgeht. Die Tourismusbranche soll sanft ausgebaut werden, wobei Individualtourismus, Exklusivität und Komfort eindeutig der Vorrang vor Massentourismus eingeräumt wird. Offensichtlich rüstet sich die Stadt durch die Förderung neuer Wirtschaftszweige (und mit ihr das ganze Land) für die Zeit nach dem Erdöl. Ohne deutliche Erhöhung der Fördermenge sollten die auf fünf Milliarden Barrel geschätzten Ölvorräte noch bis zum Jahr 2020 reichen. Bis dahin hofft man vom Öl unabhängig geworden zu sein und 80 % des Bruttoinlandsproduktes u.a. über die Bereiche Infrastruktur, Finanzen, Investment und Tourismus zu erwirtschaften. Aber auch in Zukunft wird ein Rohstoff großes Gewicht haben, nämlich die ausgedehnten Erdgas-Vorkommen (mehr als 620 km³, unerschlossene Lagerstätten nicht berücksichtigt), deren Export sich wohl nur über Maskat abwickeln lassen wird.

Maskat hat eine Reihe Strände vorzuweisen: der Strand von Qurum, Bandar al-Dschissa und Yati. Beliebte öffentliche Grünflächen sind der Qurum-Naturpark, Riyam und Kalbuh. Südöstlich von Maskat reicht das Gebirge bis an den Golf von Oman. In kleinen Buchten befinden sich einige Marinas, von denen Ausflüge zu Delfinbeobachtungstouren angeboten werden. In dieser Region sowie an der vorgelagerten Insel Fahal befinden sich viele Tauchplätze. Das 2003 versenkte Landungsboot Al Munassir ist ein weiterer bekannter Tauchspot in der Region. Von der ehemaligen Stadtbefestigung ist ein Festungsgraben (arabisch al-Husn) erhalten. Daneben sind die vier Stadttore erhalten: al-Bab al-Kabir (das “Große Tor”), Bab al-Matha’ib, al-Bab as-Saghir (das “Kleine Tor”) und Bab al-Waldschat. Darüber hinaus bemüht man sich sehr, alte Kaufmannshäuser zu restaurieren, und es wird viel Geld in die Entwicklung von Museen nach neuesten Gesichtspunkten investiert, die das kulturelle Erbe Omans hüten. Sehenswürdigkeiten sind auch die Große Sultan-Qabus-Moschee, das Royal Opera House Muscat, der Suq von Matrah, die Burgen von al-Dschalali und al-Mirani, die den Al-Alam-Sultanspalast flankieren. Weiterhin sind das Burdsch as-Sahwa und der Clock Tower Square zu nennen. Jedes Jahr zieht das Kulturfest Muscat Festival zahlreiche Besucher an.

Lesen Sie mehr auf Maskat, Oman Tourismus, lonelyplanet.com – Muscat, Muscat International Airport, Wikitravel Muscat und Wikipedia Maskat (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.






Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen: (Vor Nutzung der Button Datenschutzregelungen beachten)

Der Comer See

Der Comer See

[caption id="attachment_154242" align="aligncenter" width="590"] Villa d'Este © GhePeU[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Der Comer See, von den Einheimischen auch Lario genannt, ist 146 km² groß, 51 km lang und max. 4,2 km breit. Damit ist er nach dem Gardasee und dem Lago Maggiore gemessen an der Wasserfläche der drittgrößte See Italiens. Mit einer durch seine charakteristische Form bedingten Uferlinie von 170 km übertrifft er die beiden vorgenannten Seen in diesem Punkt. Bis zum Jahr 2006 glaubte man, die maximale Tiefe des Co...

[ read more ]

Themenwoche Abruzzen - Pescara

Themenwoche Abruzzen - Pescara

[caption id="attachment_153300" align="aligncenter" width="590"] Piazza Garibaldi © Freegiampi/cc-by-sa-2.5[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Pescara ist eine italienische Stadt in der Region der Abruzzen, 208 km östlich von Rom, mit 121.000 Einwohnern. Sie ist die Hauptstadt der Provinz Pescara. Pescara liegt an der Mündung des Flusses Pescara in die Adria. Bei alliierten Luftangriffen während des 2. Weltkriegs wurden große Teile der Stadt zerstört. Nach dem Krieg wurde Pescara in moderner Form wieder aufgebaut. Die Vest...

[ read more ]

Ankara, Keimzelle der modernen Türkei

Ankara, Keimzelle der modernen Türkei

[caption id="attachment_25080" align="aligncenter" width="590"] Turkish Parliament Building © T.C. Büyük Millet Meclisi[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Ankara ist seit 1923 die Hauptstadt der Türkei und der gleichnamigen Provinz Ankara. Die Stadt hat 4,6 Millionen Einwohner und ist damit nach Istanbul die zweitgrößte Stadt des Landes. Nach dem Untergang des Osmanischen Reichs wurde Ankara durch ein Gesetz vom 13. Oktober 1923 von den Republikanern und Befreiungskmpfern unter Kemal Atatürk wegen seiner Lage in Zentralan...

[ read more ]

Die Türkische Riviera

Die Türkische Riviera

[caption id="attachment_150829" align="aligncenter" width="590"] Harbour in Kalkan © Kitkatcrazy[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Türkische Riviera (auch die Türkisküste) ist ein populärer Name für die türkische Südküste. Die türkische Riviera umfasst insbesondere die Provinzen Muğla und Antalya. Wichtige Städte in dieser Region sind neben Antalya auch Alanya im Osten sowie die westlich gelegenen Städte Kemer und Kaş. Weitere international bekannten Orte an der Türkische Riviera sind Bodrum, Çeşme, Fethiye, Kalkan, Ku...

[ read more ]

Hotel Adlon in Berlin

Hotel Adlon in Berlin

[caption id="attachment_192214" align="aligncenter" width="590"] © Denis Apel/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Hotel Adlon Kempinski ist eines der luxuriösesten und bekanntesten Hotels in Deutschland. Es liegt in der Dorotheenstadt im Berliner Ortsteil Mitte am Boulevard Unter den Linden 77, unweit des Brandenburger Tors am Pariser Platz. Es wurde am 23. August 1997 eröffnet. Es folgt der Tradition des im Oktober 1907 eröffneten ursprünglichen Hotels Adlon, das 1945 ausbrannte und später bis auf einen Seitenflü...

[ read more ]

Schloss Amalienborg in Kopenhagen

Schloss Amalienborg in Kopenhagen

[caption id="attachment_169083" align="aligncenter" width="590"] Amalienborg Palace and Opera House Copenhagen in the background © flickr.com - Rob Deutscher/cc-by-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Schloss Amalienborg ist die Kopenhagener Stadtresidenz der dänischen Königin Margrethe II. Das Schloss befindet sich bis heute im Besitz der dänischen Königsfamilie, die Anwesenheit der Königin wird durch ihre Standarte symbolisiert. Ist die königliche Familie zugegen, findet jeden Tag um 12.00 Uhr die Wachablösung der Garden...

[ read more ]

Themenwoche Kastilien-La Mancha - Ciudad Real

Themenwoche Kastilien-La Mancha - Ciudad Real

[caption id="attachment_153321" align="aligncenter" width="590"] El Quijote Museum © Javier martin[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Ciudad Real (auf Deutsch: königliche Stadt, gegründet als Villa Real, auch Zumba Real genannt) ist eine spanische Stadt und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt liegt etwa 200 Kilometer südlich von Madrid und 628 Meter über dem Meeresspiegel und hat eine Fläche von 285 Quadratkilometern. Die Einwohner werden Ciudadrealeños genannt. Sie wohnen hauptsächlich in den vier Stadtteilen: Ciuda...

[ read more ]

Varosia auf Zypern

Varosia auf Zypern

[caption id="attachment_25798" align="aligncenter" width="590"] © Yolanda Demetriou/cc-by-sa-1.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Varosia (auch: Varoscha) ist eine Geisterstadt am Stadtrand von Famagusta im Osten der Insel Zypern. Rechtlich gehört das Gebiet zur Republik Zypern, die es dem Bezirk Famagusta zurechnet. Seit 1974 wird die Stadt jedoch von der Türkischen Republik Nordzypern (die bis heute nicht als solche international anerkannt ist) beherrscht und wird von dieser als Stadtteil von Gazimağusa im gleichnamigen Distrikt...

[ read more ]

Return to Top ▲Return to Top ▲
Clock tower © Zdravevski/cc-by-sa-3.0
Themenwoche Mazedonien – Bitola

Bitola (albanisch Manastir/Manastiri) ist mit fast 75.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Mazedoniens. Sie bildet ein administratives, wirtschaftliches, kulturelles und politisches...

Reconstructed Viking houses © Holger.Ellgaard/cc-by-sa-3.0
Birka, Schwedens erste Stadt

Birka und Hovgården liegen auf zwei benachbarten Inseln (Björkö und Adelsön) in Schwedens drittgrößtem See, dem Mälaren. Sie geben Zeugnis...

© Radica Pavleska/cc-by-sa-3.0
Themenwoche Mazedonien – Tetovo

Tetovo (albanisch: Tetova) ist eine Stadt im Nordwesten Mazedoniens nahe der Grenze zum Kosovo. Sie liegt am Fuße der Šar...

Schließen