Marseille, Frankreichs älteste und zweitgrößte Stadt

03. Mai 2011 | Destination: | Rubric: Architektur, Europäische Union, Allgemein, Kulturhauptstadt Europas |

Corniche - Petit Nice © Jddmano

Corniche – Petit Nice © Jddmano

Marseille ist die wichtigste französische und eine bedeutende europäische Hafenstadt. Sie liegt am Golfe du Lion, einer Mittelmeerbucht. Die Stadt, deren Einwohner sich Marseillais nennen, ist Hauptstadt des Départements Bouches-du-Rhône in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Marseille ist mit 852.395 Einwohnern nach Paris die zweitgrößte Stadt Frankreichs. Das Ballungsgebiet Marseille hat, wenn man die unmittelbar angrenzenden Städte wie Allauch, Aubagne und Penne-sur-Huveaune hinzuzählt, ungefähr 1,35 Millionen Einwohner und ist damit nach Paris und Lyon die drittgrößte Agglomeration Frankreichs. Marseille ist Sitz eines Großmuftis und das Zentrum des Islam in Frankreich. Im 19. Jahrhundert wuchs Marseille zum bedeutendsten Hafen des französischen Kaiserreiches, vor allem auch dank der französischen Kolonialisierung in Afrika und Indochina. Die Entwicklung und Bedeutung des Hafens verstärkte sich noch mit dem Beginn der Industrialisierung und erst recht mit der Eröffnung des Sueskanals 1869. Am 9. Oktober 1934 fielen der jugoslawische König Alexander I. und der französische Außenminister Louis Barthou vor der Börse einem Mordanschlag zum Opfer.

In der Nachkriegszeit, auch in Frankreich Zeit eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs (trentes glorieuses) wuchs die Stadt unaufhörlich weiter, bis es dann Ende der 1970er Jahre zu erheblichen Problemen mit zunehmender Kriminalität, Verschmutzung und wachsendem Verkehr kam. Marseille verlor innerhalb von zehn Jahren 10 % seiner Bevölkerung durch Abwanderung, u. a. in die Vorstädte. Die Bürgermeister unternahmen in dieser Zeit große Anstrengungen, um der Kriminalität sowie der großen Zahl der illegalen Zuwanderer aus Nordafrika und dem Verfall der Stadt Herr zu werden. Seit den 90er Jahren wandelt sich das Bild der Stadt langsam, die Wirtschaft wächst wieder, neue Industrien siedeln sich an und die Stadt unternimmt große Anstrengungen, um das Stadtbild zu verschönern. Südlich des Stadtkerns befindet sich die von Henri-Jacques Espérandieu im neobyzantinischen Stil entworfene Notre-Dame de la Garde, an der Stelle einer mittelalterlichen Wallfahrtskapelle in den Jahren 1853 bis 1864 erbaut. Sie befindet sich auf einem 147 m hohen Kalkfelsen und ist neben dem vor dem Hafen liegenden Château d’If das Wahrzeichen von Marseille. “La Bonne Mère”, wie sie im Volksmund genannt wird, birgt eine monumentale Sammlung an Votivbildern. Von den Aussichtsplattformen hat man einen spektakulären Blick über die Stadt.

Opéra de Marseille © Philippe Alès/cc-by-sa-3.0 Notre Dame de la Garde © Benh LIEU SONG/cc-by-sa-3.0 Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée (MuCEM) © flickr.com - Sébastien Bertrand/cc-by-2.0 Entrance to the Old Port, flanked by Fort Saint-Jean and Fort Saint-Nicolas © Chensiyuan/cc-by-sa-4.0 Château d'If © Philippe Alès/cc-by-sa-3.0 Chapel of la Vieille Charité © Vincent Abbey of St. Victor and the basilica of Notre Dame de la Garde © flickr.com - Maxim Massalitin/cc-by-sa-3.0 Marseille © Olivier Cleynen/cc-by-sa-4.0 Port of Marseille © Niels1974 Stade Vélodrome in Marseille © Hombrey/cc-by-sa-4.0 Corniche - Petit Nice © Jddmano Château d'If and Marseille waterfront © Wpopp/cc-by-sa-3.0 Château d'If © Philippe Alès/cc-by-sa-3.0 Château d'If and neighboring offshore islands, seen from Marseille © ChrisO/cc-by-sa-3.0
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Musée des Civilisations de l'Europe et de la Méditerranée (MuCEM) © flickr.com - Sébastien Bertrand/cc-by-2.0
Der im Zentrum gelegene Alte Hafen Vieux Port bzw. am Quai des Belges gelegene Fischmarkt ist entgegen Berichten von Reisebüros und Journalisten nicht der zentrale Treffpunkt der Stadt; es sei denn, man bewertet die Tatsache als entscheidend, dass von dort aus die (kleinen, also alltäglich versorgenden oder Ausflügler transportierenden) Schiffe zu den Inseln, den Îles d’Frioul hinausfahren, also nach Château d’If oder die durch einen Deich (Digue Berry) miteinander verbundenen, zwischen einem kleinen Hafen gelegenen Île Ratonneau und Île Pomègues sowie vorbei an den Calanques ins etwa fünfzehn Kilometer entfernte Cassis (Bouches-du-Rhône) mit Europas höchster Klippe. Hier findet zwar tatsächlich und täglich ein Treffen zwischen Hausfrauen und Fischern bzw. deren Fisch verkaufenden Frauen insofern statt, als die einen einkaufen und die anderen verkaufen (vor allem an Samstagen, da an Wochenenden in der Familie gegessen wird). Die Marseillais kaufen ihren Fisch sonst lieber im Supermarkt (frisch aus dem Atlantik oder sonst woher, möglicherweise am Markt, an dem längst nicht mehr nur die örtlichen Araber einkaufen, in der Rue Longue des Capucins, wo es nahezu alles und höchst preiswert gibt) oder aber die Meeresfrüchte (Muscheln, Schnecken usw.) bei Toinou am Cours Saint-Louis. Unweit des Vieux Port, etwa zur Mitte der Strecke zum Cours Saint-Louis hin, leicht schräg gegenüber der Place du Général de Gaulle (ein paar Meter von der Stadtinformation Office du Tourisme) befindet sich auch die Börse (Palais de la Bourse), wo das Musée de la Marine et de l’Économie de Marseille untergebracht ist. Beim Musée des Docks Romains ist die Stelle, wo sich die Hafenanlagen aus dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung befanden, und das Musée d’Histoire de Marseille wurde um einige Überreste des antiken Hafens herum angelegt.

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