Kulturforum Berlin

Mittwoch, 4. September 2019 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Berlin, Allgemein, Museen, Ausstellungen

Gemäldegalerie © Membeth

Gemäldegalerie © Membeth

Das Berliner Kulturforum liegt zwischen Landwehrkanal und Potsdamer Platz im Ortsteil Tiergarten des Bezirks Mitte und wird durch die Potsdamer Straße geteilt, die Teil der Bundesstraße 1 ist. Die Planungen zur Umgestaltung des Platzes und des umliegenden Bereichs werden in einer eigenen Planwerkstatt koordiniert.

Die Bebauung des ehemaligen gründerzeitlichen Villenviertels am südlichen Rand des Tiergartens war bereits unter den Nationalsozialisten im Rahmen der geplanten Umgestaltung Berlins zur “Welthauptstadt Germania” großflächig abgerissen worden. Weitere Zerstörungen brachte der Zweite Weltkrieg. Nach der Enttrümmerung verblieb isoliert die St.-Matthäus-Kirche am Matthäikirchplatz, 1844 bis 1846 als dreischiffiger Ziegelbau durch Friedrich August Stüler errichtet, 1959/1960 durch Jürgen Emmerich nach schweren Kriegsschäden im Außenbau wiederhergestellt und innen modern ausgebaut.

Der Wettbewerb “Hauptstadt Berlin” von 1958 führte zu der Überlegung, in West-Berlin am Rand des Tiergartens ein neues kulturelles Zentrum zu errichten. Es sollte zusammen mit dem historischen Zentrum im Ostteil der Stadt die Mitte eines künftigen Gesamt-Berlin bilden und Teil eines in Ost-West-Richtung verlaufenden “Kulturbandes” sein. 1959 entschied das West-Berliner Abgeordnetenhaus, den Neubau der Philharmonie an den südlichen Rand des Großen Tiergartens zu verlegen. Der siegreiche Wettbewerbsentwurf von Hans Scharoun, der sich zunächst auf einen Standort an der Bundesallee in Wilmersdorf bezog, wurde nicht grundsätzlich überarbeitet. Nur die Erschließung des 1963 fertiggestellten Gebäudes und die Einbettung der angegliederten Bauteile wurden der veränderten Situation angepasst. Scharoun verstand die Philharmonie als Teil einer landschaftlichen Stadtanlage mit locker gruppierter Bebauung und Begrünung, die Ausdruck eines “demokratischen Gemeinschaftsgefühls” sein sollte. Auf der Grundlage einer Ideenskizze Scharouns von 1971 entwarf dessen langjähriger Mitarbeiter Edgar Wisniewski 1979 den Kammermusiksaal der Philharmonie, der 1984–1987 ausgeführt wurde. Bereits 1979–1984 hatte Wisniewski nordöstlich neben der Philharmonie das Institut für Musikforschung mit dem Musikinstrumenten-Museum erbaut.

Zwischen 1965 und 1968 entstand unabhängig von Scharouns Planungen südlich gegenüber der Philharmonie die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe. Im Kontext seines siegreichen Entwurfs für die Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (1963/1964) entwarf Hans Scharoun eine landschaftliche Stadtvision für das Kulturforum: Vor den künftigen Museen an der Westseite sollte das Forum sich wie ein Tal zu einem in etwa mittig gelegenen Gästehaus des Senats absenken, um dann nach Osten durch die sanft aufwärts gestaffelte Architektur der Staatsbibliothek abgeschlossen zu werden. Durch den Bibliotheksbau sollte das Forum auch gegen den damals geplanten Stadtautobahnabschnitt Westtangente abgeschirmt werden, dessen Trasse an der Rückseite der Bibliothek verlaufen wäre. Ausgeführt wurde der Bau der Staatsbibliothek ab 1967. Nach Scharouns Tod 1972 führte Wisniewski die Arbeiten bis zur Fertigstellung 1977 (Eröffnung: 1978) weiter. Scharouns städtebauliches Konzept wurde nicht verwirklicht. Zudem änderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend durch den Wegfall der Stadtautobahnplanung und den mehrspurigen – das Areal zerschneidenden – Ausbau der Potsdamer Straße.

Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung © Coenen/cc-by-sa-3.0 Staatsbibliothek zu Berlin © Da flow/cc-by-sa-3.0 St. Matthäuskirche © panoramio.com - Immanuel Giel/cc-by-3.0 Relief Potsdamer Straße und Kulturforum © OTFW/cc-by-sa-3.0 Philharmonie und Kammermusiksaal © Raimond Spekking/cc-by-sa-3.0 Neue Nationalgalerie © Manfred Brückels/cc-by-sa-3.0 Musikinstrumentenmuseum © Andreas Praefcke/cc-by-3.0 Kupferstichkabinett © Manfred Brückels/cc-by-sa-3.0 Kunstgewerbemuseum © Marsupium Ibero-Amerikanisches Institut © panoramio.com - Immanuel Giel/cc-by-3.0 Gemäldegalerie © Membeth
<
>
Ibero-Amerikanisches Institut © panoramio.com - Immanuel Giel/cc-by-3.0
Da ein Wettbewerb 1965/1966, an dem sich 113 in- und ausländische Architekten beteiligten, ohne befriedigendes Ergebnis verlief, wurde 1966 Rolf Gutbrod mit den Planungen der Museen beauftragt. Sein Entwurf sah einzelne, um einen Hof gruppierte und durch einen zentralen Eingang erschlossene Baukörper vor, die nicht in Konkurrenz zu den Scharoun-Bauten treten sollten. Aufgrund starker Kritik an der Gesamtkonzeption und am 1985 fertiggestellten Kunstgewerbemuseum wurde die Planung gestoppt. In seinem siegreichen Beitrag zum internationalen Gutachterverfahren 1983 versuchte Hans Hollein, das Beziehungsgefüge durch weitere körperhafte Bauten und axiale Bezüge zu verdichten, sein Vorschlag wurde jedoch nicht umgesetzt.

Im Jahr 1987 fiel nach einem engeren Wettbewerb die Entscheidung für den Entwurf von Heinz Hilmer und Christoph Sattler zum Neubau der Gemäldegalerie, die 1992 bis 1998 ausgeführt wurde.

Durch die Bebauung des Areals am Potsdamer Platz nach der deutschen Wiedervereinigung (Städtebaulicher Wettbewerb 1991) steht das Kulturforum in einem völlig veränderten städtebaulichen Gesamtzusammenhang. Neuere Maßnahmen brachten eine Regulierung der mittleren Freifläche durch einen Baumhain in Quincunx-Pflanzung.

Das Kulturforum ist wiederholt als Negativbeispiel modernistischen Städtebaus beschrieben worden. Trotz bedeutender Einzelbauten wie der Neuen Nationalgalerie und der Philharmonie haben sich ein Platz- oder Forumscharakter und ein identitätsstiftendes Ortsbild nicht eingestellt. Dies wird der Weiträumigkeit, der Zerschneidung des Areals durch die Straßenführung, der Monofunktionalität, den fließenden Raumgrenzen sowie der Tatsache angelastet, dass die vorhandenen Gebäude einen motivisch-formalen Zusammenhang vermissen lassen.

Lesen Sie mehr auf Staatliche Museen zu Berlin – Kulturforum, berlin.de – Kulturforum, VisitBerlin.de – Kulturforum und Wikipedia Kulturforum (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes - Wetterbericht von wetter.com). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen: (Vor Nutzung der Button Datenschutzregelungen beachten)

Themenwoche Warschau - Museum der Geschichte der polnischen Juden

Themenwoche Warschau - Museum der Geschichte der polnischen Juden

[caption id="attachment_153875" align="aligncenter" width="590"] © Wojciech Kryński/cc-by-sa-3.0-pl[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Museum der Geschichte der polnischen Juden (poln. Muzeum Historii Żydów Polskich) in Warschau ist gegenüber dem Denkmal der Helden des Warschauer Ghettos errichtet worden. Der Grundstein wurde am 26. Juni 2007 gelegt. Das Museum wurde am 19. April 2013 mit einer Feier anlässlich des 70. Jahrestages des Beginns des Warschauer Ghettoaufstandes teileröffnet. Die komplette Fertigstellung und feier...

[ read more ]

Themenwoche Schlösser an der Loire - Schloss Chaumont-sur-Loire

Themenwoche Schlösser an der Loire - Schloss Chaumont-sur-Loire

[caption id="attachment_153155" align="aligncenter" width="590"] © Peter Dutton[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Schloss Chaumont liegt südlich der Stadt Blois in der französischen Gemeinde Chaumont-sur-Loire im Département Loir-et-Cher in der Region Centre. Auf einer steilen Böschung hoch über der Loire bildet es die Kulisse für das Dorf, dessen Häuser in einer langen Reihe das Flussufer säumen. Bereits im Mittelalter gab es hier eine Burganlage. Graf Odo I. von Blois hatte sie im 10. Jahrhundert erbaut, um Blois vor...

[ read more ]

Porträt: Der Maler, Bildhauer, Baumeister und Dichter Michelangelo

Porträt: Der Maler, Bildhauer, Baumeister und Dichter Michelangelo

[caption id="attachment_200672" align="aligncenter" width="510"] Michelangelo by Daniele da Volterra © Metropolitan Museum of Art - online collection[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Michelangelo Buonarroti, oft nur Michelangelo, war ein italienischer Maler, Bildhauer, Baumeister (Architekt) und Dichter. Er gilt als einer der bedeutendsten Künstler der italienischen Hochrenaissance und weit darüber hinaus. Michelangelo stammte aus einer angesehenen Bürgerfamilie in Florenz, die zur Partei der Guelfen gehörte. Er war der zweite So...

[ read more ]

Themenwoche Usbekistan - Buxoro

Themenwoche Usbekistan - Buxoro

[caption id="attachment_208725" align="aligncenter" width="590"] Poi Kalon Ensemble © flickr.com - Fulvio Spada/cc-by-sa-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Buxoro, im deutschen Sprachraum Buchara, ist eine der bedeutendsten Städte Usbekistans und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt liegt an einer der alten Seidenstraßen, hatte im Jahr 2008 ca. 235.500 Einwohner und ist heute eines der bedeutendsten Handels- und Industriezentren Zentralasiens. Der größte Teil der Einwohner der Stadt sind Tadschiken und sprechen als M...

[ read more ]

Saint-Étienne, die Hauptstadt des südfranzösischen Départements Loire

Saint-Étienne, die Hauptstadt des südfranzösischen Départements Loire

[caption id="attachment_160655" align="aligncenter" width="590"] Town Hall © Velvet[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Saint-Étienne ist die Hauptstadt des südfranzösischen Départements Loire und liegt südwestlich von Lyon im Zentralmassiv. Die 172.000 Einwohner der Stadt bezeichnen sich als Stéphanois. Saint-Étienne liegt am Fluss Furan, einem kleinen Nebenfluss der oberen Loire, zu Füßen des Mont Pilat (1.432 m). Anfang der 1990er Jahre wurde eine Fachhochschule für Ingenieure und ein zweites Institut universitaire ...

[ read more ]

Faro, Tor zur Algarve

Faro, Tor zur Algarve

[caption id="attachment_160488" align="aligncenter" width="525"] City Hall © Osvaldo Gago[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Faro ist eine Stadt im Süden Portugals (Algarve) mit etwa 42.000 Einwohnern (57.679 Einwohnern im Kreis) und zwei Universitäten. Die Stadt bildet sich aus den beiden Freguesias (Gemeinden) São Pedro und Sé. Faro ist das administrative Zentrum der Algarve. Bei Faro liegt der einzige Flughafen der Algarve, der Faro Airport. Die Segler-Marina Vilamoura liegt etwa 15 km westlich vom Flughafen. Vilamoura i...

[ read more ]

Themenwoche New York City - Die Upper East Side

Themenwoche New York City - Die Upper East Side

[caption id="attachment_168720" align="aligncenter" width="590"] Fifth Avenue © flickr.com - Alex Proimos/cc-by-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Upper East Side bezeichnet ein Stadtviertel im Nordosten Manhattans in New York City. Die Upper East Side erstreckt sich im Süden vom Plaza Hotel am Central Park in der 59th Street bis zum Ende der Museumsmeile in der 96th Street. Im Westen grenzt der Stadtteil an den Central Park, im Osten an den East River. Die Upper East Side gilt als das eleganteste und vornehmste Viertel New Yorks....

[ read more ]

Astana, Berlin in eurasischem Stil

Astana, Berlin in eurasischem Stil

[caption id="attachment_152781" align="aligncenter" width="590"] Ak Orda Presidential Palace © Amanante[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Astana (kasachisch und russisch Астана; wörtlich übersetzt Hauptstadt) ist seit 1997 die Hauptstadt Kasachstans. Die Einwohnerzahl beträgt 708.794. Astana liegt in einer großräumigen Steppenlandschaft im Übergangsbereich zwischen dem russisch geprägten Norden Kasachstans und dem extrem dünn besiedelten Landeszentrum am Fluss Ischim. Die älteren Stadtviertel liegen nördlich des Flusse...

[ read more ]

Return to Top ▲Return to Top ▲
© XenonX3
Deutsches Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum< (DSM) in Bremerhaven ist das nationale Schifffahrtsmuseum. Das Museum gehört als Leibniz-Institut für Maritime Geschichte zur Leibniz-Gemeinschaft....

Deutsches Museum in München - Fünfmast-Vollschiff Preußen Modell © Mattes
Die Preußen

Die Preußen (1902–1910) war ein deutsches Fünfmast-Vollschiff der Reederei F. Laeisz (FL). Sie gilt als das bekannteste Schiff, das nach...

Architect's rendering © Diller Scofidio + Renfro/cc-by-sa-3.0
The Shed in Manhattan

The Shed (Der Schuppen) ist ein Kulturzentrum im Bezirk Manhattan von New York. Es wurde im April 2019 eröffnet. Es...

Schließen