Themenwoche Ostjerusalem – Die Klage- oder Buraqmauer

Mittwoch, 07. November 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Union für das Mittelmeer

Men's and women's prayer area © Daniel Case/cc-by-sa-3.0

Men’s and women’s prayer area © Daniel Case/cc-by-sa-3.0

Die Klagemauer/Buraqmauer (umgangssprachlich nur Kotel (Mauer) genannt) in der Altstadt von Ostjerusalem ist eine religiöse Stätte des Judentums. Viele der mächtigen Steinblöcke, aus denen die Mauer erbaut ist, bestehen aus dem Jerusalemer Meleke-Kalkstein, der einst am nördlichen Stadtrand gewonnen wurde.

Die Klagemauer ist die westliche Stützmauer des Plateaus des zweiten Jerusalemer Tempels, der sich auf dem Plateau befand. Ungefähr ein Drittel der Mauer wurde von Römern abgetragen und etwa ein Drittel befindet sich unter der Erdoberfläche. Die Mauer ist nicht – wie häufig angenommen – eine Mauer des Tempels selbst (siehe auch Tempelberg). Der unter Salomo gebaute erste Tempel war bereits 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört worden. Nach der Besetzung Jerusalems (die heutige Altstadt Ostjerusalems war zu der Zeit das gesamte Jerusalem) durch die Perser konnte an derselben Stelle um 515 v. Chr. ein schlichterer (der zweite) Tempel neu gebaut werden. Nach allgemeiner Auffassung wurde dieser von König Herodes dem Großen ab 20 v. Chr. prachtvoll ausgebaut. Jüngste archäologische Ausgrabungen haben unter dem südlichen Teil der Mauer Münzen zu Tage gefördert, die aus der Zeit lange nach Herodes’ Tod stammen. Die Klagemauer wurde unter Herodes Agrippa II., dem Urenkel Herodes’, vollendet (Regentschaft 50–70 n. Chr.), was sich mit der Darstellung bei Flavius Josephus deckt. Der Tempel und gesamt Jerusalem wurde von den Römern im Jahre 70 n. Chr. während des Jüdischen Krieges zerstört, sodass der Ort für über 60 Jahre unbewohnbar wurde. Am Ort des eigentlichen Tempels auf dem Tempelberg erheben sich heute die Al-Aqsa-Moschee und der Felsendom, die Jerusalem zur drittheiligsten Stadt des Islam machen.

In der englischen Mandatszeit kam es, wie im ganzen Land, wiederholt zu Überfällen auf Juden durch arabischer Bewohner Jerusalems; der Gebetsort wurde mehrmals entweiht. Vom Israelischen Unabhängigkeitskrieg (Palästinakrieg) 1948 bis zur israelischen Einnahme der Altstadt Jerusalems im Jahre 1967 im Zuge des Sechstagekrieges wurde das Gebiet von Jordanien kontrolliert, den Juden wurde der Zutritt zum Kotel entgegen dem Waffenstillstandsabkommen verwehrt. Nach dem Krieg wurden der Teil der Klagemauer, der heute sichtbar ist (57 Meter), und ein großer Platz davor freigelegt. Dazu wurde das marokkanische Viertel der Jerusalemer Altstadt abgerissen. Wie eine 2009 im Zeppelin Museum in Friedrichshafen entdeckte Luftaufnahme aus dem Jahr 1931 zeigt, wurde dabei unter anderem der oberirdische Teil einer Moschee zerstört, die möglicherweise bis in das 12. Jahrhundert zurückgeführt werden kann.

'Women of the Wall' women detained for wearing prayer shawl © מיכל פטל/cc-by-3.0 © flickr.com - Alistair/cc-by-sa-2.0 © flickr.com - xiquinhosilva/cc-by-2.0 © flickr.com - xiquinhosilva/cc-by-2.0 Men's and women's prayer area © Antonina Reshef/cc-by-sa-3.0 Western Wall and Dome of the Rock © Berthold Werner Pope Francis at the Western Wall © Israel Police/cc-by-sa-3.0 Men's and women's prayer area © Daniel Case/cc-by-sa-3.0
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'Women of the Wall' women detained for wearing prayer shawl © מיכל פטל/cc-by-3.0
Der Platz vor der Klagemauer ist täglich rund um die Uhr geöffnet. Der Zugang ist kostenlos und über drei Eingänge möglich:

Um auf den Platz zu gelangen, sind Sicherheitskontrollen zu passieren, die mit Metalldetektoren erfolgen. Männer sollen beim Betreten des abgetrennten Bereiches unmittelbar an der Mauer eine Kopfbedeckung, jedoch nicht zwingend eine Kippa tragen. Von allen Besuchern wird eine angemessene Kleidung erwartet. An der Rampe vor dem Zugang für den männlichen Bereich werden kostenlos Kippot aus weißem Stoff verteilt. Sie werden von der staatlichen Western Wall Heritage Foundation angefertigt. Die Gebetsbereiche sind nach Geschlechtern getrennt: für Männer links und Frauen rechts. Im Sommer 2013 wurde rechts neben der Marokkanerbrücke eine Plattform für gemeinsames Gebet eingerichtet. Über diese Brücke betreten Nicht-Muslime zu den erlaubten Zeiten durch das Marokkanertor den Tempelberg. Liberale und konservative Juden sehen Männer und Frauen als gleichberechtigt an. Deshalb fordern sie einen gemeinsamen Zugang und dahinter einen gemischten Bereich – und für orthodoxe Juden Bereiche für Männer und Frauen. Nachdem der Streit darüber beendet ist, erfolgen die Bauarbeiten dazu im Jahr 2018.

Die Klagemauer ist heute einer der meistbesuchten Orte in Jerusalem. Der Platz dient als Veranstaltungsort für religiöse oder militärische Zeremonien. Im Juli 2018 hat sein ein etwa 100 kg schwerer Stein aus der Mauer gelöst und ist auf den Teil der Western Wall Plaza gestürzt der für Gebete für Frauen vorgesehen ist. Verletzt wurde niemand. Die anschließende Untersuchung der Mauer durch einen Archäologen führte zu der Einschätzung, dass der gesamte Platz vor der Mauer für die Öffentlichkeit gesperrt werden sollte (Times of Israel vom 23.07.2018: Archaeologist says entire Western Wall is ‘danger zone,’ public should stay away).

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

Lesen Sie mehr auf Women of the Wall, IsraelMagazin.de – Westmauer und Wikipedia Klagemauer (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



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