Kapitol in Rom

Mittwoch, 21. Juli 2021 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Paläste, Schlösser, Villen, Parks
Lesedauer:  6 Minuten

Piazza del Campidoglio, on the top of Capitoline Hill, with the Palazzo Senatorio © Alvesgaspar/cc-by-sa-4.0

Piazza del Campidoglio, on the top of Capitoline Hill, with the Palazzo Senatorio © Alvesgaspar/cc-by-sa-4.0

Kapitol (italienisch: Campidoglio) ist die kurze Namensform des Kapitolinischen Hügels, des zweitkleinsten der klassischen sieben Hügel des antiken Rom. Der aus graugrünem Tuff bestehende Kapitolshügel liegt nordwestlich des Palatins und war in der Antike von diesem durch die sumpfige Niederung des Velabrum getrennt. Die beiden Kuppen des Hügels von etwa 1200 Metern Umfang, das eigentliche Capitolium im Süden und die arx im Norden, erreichen fast gleiche Höhe von 49 und 46 Metern über dem Meer, die zwischen ihnen befindliche Senke liegt auf 36 Metern über dem Meer. Zum campus Martius fällt der Hügel nach Nordwesten steil auf 12 Meter über dem Meer ab.

In der archaischen Zeit, also noch vor der Errichtung des Jupitertempels, hieß der Kapitolshügel laut Varro mons tarpeius, benannt nach dem Tarpejischen Felsen. In der Folgezeit wurden die beiden Kuppen zusammenfassend als arx et Capitolium bezeichnet, bevor die allgemeinere Bezeichnung mons Capitolinus für den Gesamthügel gebräuchlich wurde. Schließlich übertrugen die Römer auch das ursprünglich exklusiv für die südliche Kuppe gebrauchte Capitolium auf den Gesamthügel. Vom Forum Romanum kommend, erstieg man den Hügel über den als Fahrweg ausgebauten clivus Capitolinus, der seinen Weg vom Tiberiusbogen an der Nordwestecke der Basilika Julia um den Saturntempel herum zunächst zur Senke zwischen den Kuppen nahm. Von dort gelangte man über zwei Windungen bei 10% Steigung auf die Höhe des Capitolium, das man von Südwesten aus betrat. Auf den noch gut sichtbaren Fundamenten des Tabulariums steht heute der Senatorenpalast, das römische Rathaus. In der aufgeschütteten Senke befinden sich der von Michelangelo entworfene Kapitolsplatz mit einer Kopie der Reiterstatue Mark Aurels, der Konservatorenpalast und der Palazzo Nuovo (beide sind Teil des Kapitolinischen Museums).

Palazzo dei Conservatori © Radomil/cc-by-sa-3.0 Cordonata, the Dioscuri and the Palazzo Senatori © Jean-Pol GRANDMONT/cc-by-4.0 Piazza del Campidoglio © Socrammm/cc-by-sa-3.0 Piazza del Campidoglio, on the top of Capitoline Hill, with the Palazzo Senatorio © Alvesgaspar/cc-by-sa-4.0 Piazza del Campidoglio © Radomil/cc-by-sa-3.0 Capitoline Hill cordonata, leading from Via del Teatro di Marcello to Piazza del Campidoglio © Jean-Pol GRANDMONT/cc-by-sa-3.0
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Capitoline Hill cordonata, leading from Via del Teatro di Marcello to Piazza del Campidoglio © Jean-Pol GRANDMONT/cc-by-sa-3.0
Der Kapitolsplatz, wie wir ihn heute kennen, hat nichts mehr mit der Funktion und der daraus abgeleiteten Bedeutung des Kapitols als religiöses Machtzentrum zu tun. Der zwischen den zwei Hügelkuppen gelagerte Platz ist ein Beispiel für einen Platz, der nach neuzeitlichen, also nicht nach römisch-antiken Plänen gestaltet wurde. Die Neugestaltung des Platzes und der umliegenden Gebäude wurde von Michelangelo entworfen. Der Platz unterlag damit einem ganzheitlichen Entwurfskonzept, das den Beginn des Wiederaufstiegs der Stadt kennzeichnete. Nach dem „Sacco di Roma“ (1527) lag das Kapitol in Trümmern. Papst Paul III. aus dem Haus Farnese genierte sich anlässlich des Besuches von Kaiser Karl V. im Jahr 1536 über den Zustand des Platzes, weshalb er Michelangelo um eine Neugestaltung der Piazza bat. Michelangelo erlebte allerdings nur noch die Fertigstellung der Rampe (Cordonata).

Die Platzgestaltung und die Renovierung der Palazzi dei Conservatori und Senatori sowie der Bau des Palazzo Nuovo wurden nach seinen Plänen ausgeführt. Der Platz als solches wendet sich ab vom einstigen Zentrum der Stadt, dem Forum Romanum, das hinter dem Senatorenpalast liegt. Er wendet sich hin zum neuen Zentrum, dem Vatikan. Michelangelo plante einen öffentlichen Festsaal, der die Antike verherrlicht und deren Formensprache in der Anlage der Palazzi würdigt. Durch den Bau des Palazzo Nuovo schuf Michelangelo einen öffentlichen Raum, der zugleich offen und geschlossen wirkt. Die trapezförmige Anlage öffnet sich an beiden Seiten des Senatorenpalastes und leitet über zum Forum. In der Pflasterung befindet sich ein vielstrahliger Stern, das Universum, mit der Sonne und dem Kaiser in der Mitte. Michelangelo stellte damit das Selbstverständnis des antiken Rom dar: Caput mundi, Haupt der Welt, mit dem Kaiser als zentraler Figur. Dieses Selbstverständnis übernahmen die Päpste in der Renaissance. Das einmalige Reiterstandbild zeigt den größten Philosophen unter den Kaisern, Mark Aurel. Das Glück dieser einzigartigen erhaltenen Reiterstatue war eine Verwechselung. Im Mittelalter fielen alle der 22 anderen Reiterbildnisse der Metallgier zum Opfer. Diese Statue überlebte, weil man sie fälschlicherweise für ein Bildnis des ersten christlichen Kaisers Konstantin hielt. Auf dem Platz steht heute nur noch eine Kopie von Mark Aurels Reiterstandbild. Die Umweltverschmutzung hatte dem Original so sehr zugesetzt, dass man es in den 1980er Jahren entfernte und im Kapitolinischen Museum aufstellte. Am Original lassen sich noch Spuren der einstigen Vergoldung erkennen. Bis zur Neugestaltung des Kapitolsplatzes stand das Reiterstandbild vor dem Lateran. Der mit den Farnese-Lilien und einer Lobschrift auf den Kaiser versehene Sockel, auf dem das Reiterstandbild steht, ist eine Kreation Michelangelos, ebenso die Freitreppe zum Senatorenpalast. Am Fuß der Rampe des Senatorenpalastes platzierte er eine antike Statue in der Nische über dem Brunnen. Diese Plastik stellte einst Minerva dar, die in der Renaissance zur Göttin Roma umgestaltet wurde. Flankiert wird die Roma von zwei Statuen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., die den Nil (links) und den Tiber symbolisieren.

Lesen Sie mehr auf Wikipedia Kapitol (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes - Wetterbericht von wetter.com - Global Passport Power Rank - Democracy Index - GDP according to IMF, UN, and World Bank - Global Competitiveness Report - Corruption Perceptions Index - Press Freedom Index - World Justice Project - Rule of Law Index - UN Human Development Index - Global Peace Index - Travel & Tourism Competitiveness Index). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.






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