Themenwoche Jerusalem, Al-Quds und Die Heilige, viele Namen für eine der ältesten Städte der Welt

Samstag, 19. Oktober 2013 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Themenwochen, UNESCO-Welterbe, Union für das Mittelmeer

The Western Wall, the Dome of the Rock and al-Aqsa mosque © Sheepdog85/cc-by-sa-3.0-de

The Western Wall, the Dome of the Rock and al-Aqsa mosque © Sheepdog85/cc-by-sa-3.0-de

Jerusalem/al-Quds (“die Heilige”) ist eine Stadt in Israel und Palästina mit 800.000 Einwohnern, deren Status als solche in der Internationalen Gemeinschaft umstritten ist. Der Staat Israel beansprucht sie im sogenannten Jerusalemgesetz insgesamt als Hauptstadt (Die Zeit vom 19.12.2017: Jerusalem, unser Goldenes Kalb), während der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in mehreren Resolutionen die israelische Annexion Ostjerusalems verurteilt oder für nichtig erklärt hat (Resolution 478 des UN-Sicherheitsrates, Positionen der Internationalen Gemeinschaft und United States recognition of Jerusalem as capital of Israel), weshalb sich heute sämtliche internationalen Botschaften in Tel-Aviv befinden. Aufgrund der hohen Symbolkraft einer Rücksiedlung der Botschaften nach Jerusalem, hat die israelische Regierung regelmäßigen Gesprächsbedarf, der allerdings aus verschiedenen Gründen auf wenig Resonanz trifft. Die Nutzung Westjerusalems als Hauptstadt Israels wird von den Vereinten Nationen geduldet. Anerkannt ist der Status allerdings nicht, sodass de jure weiterhin Tel Aviv Israels Hauptstadt ist. Die Stadt ist insgesamt signifikanter Bestandteil des Nahost-Konflikts. Der UN-Teilungsplan sieht Jerusalem als gemeinsame israelische und palästinensische Hauptstadt vor, die zusammen mit Bethlehem im Westjordanland unter internationale Kontrolle gestellt werden soll, als ein Baustein auf dem Weg zu zwei gleichberechtigten, freien, gesellschaftlich und wirtschaftlich prosperierenden Staaten, die neben- und miteinander in friedlicher Koexistenz gedeihen können. Besonders erstaunlich an dem inzwischen Jahrzehnte andauernden “Hauptstadtstreit” ist, dass Jerusalem vor 1920 über Jahrhunderte eine Menge war, aber vor allem eine Ansiedlung ohne Hauptstadtfunktion. Insofern kann es also gar keinen “begründeten Anspruch” auf die Stadt geben. Erst mit dem britischen Völkerbundsmandats für Palästina wurde der Hauptsitz des Mandatsgebiets nach Jerusalem gelegt, sodass Jerusalem Hauptstadt des britischen Palästinas wurde. Wissenschaftlich belegbar ist dagegen, dass die Stadt schon seit einigen Tausend Jahren eine von mehreren spirituellen Zentren ist. Allerdings gab es in den Anfängen weder Christentum, Judentum noch den Islam.

Am 14. Mai 2018 ist die provisorische US-Botschaft in den Räumen des US-Generalkonsulats in Jerusalem eröffnet worden. Das Gebäude befindet sich im Stadtteil Arnona mittig auf der durch Jerusalem verlaufenden City Line als Teil der Grünen Linie und damit teilweise in dem Teil, der 1949 als Niemandsland definiert wurde. Auch wenn es sich hierbei um reine Symbolik handelte, zumal die Errichtung des neuen Botschaftsgebäudes noch Jahre dauern wird und bis dahin der weit überwiegende Teil der Botschaftsangehörigen auch weiterhin in Tel Aviv verbleiben darf, während lediglich der Botschafter und einige persönliche Mitarbeiter pendeln werden, sorgte bereits die reine Ankündigung für große Proteste auf Seiten der Palästinenser, in deren Folge die Israelis 58 Palästinenser (darunter auch Kinder) erschossen und weitere 2.500 verwundet haben (Der Spiegel vom 15.05.2018: Dutzende Tote im Gazastreifen: Macron verurteilt israelische Gewalt gegen Demonstranten).

In Westjerusalem befinden sich der Sitz des israelischen Präsidenten, die Knesset und das Oberste Gericht, die Hebräische Universität sowie die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. Ostjerusalem, das bedeutende religiöse Stätten des Christentum, Islam und des Judentum beherbergt, wird von den Palästinensern als Hauptstadt des künftigen Staates Palästina beansprucht (einige Palästinenser-Organisationen gehen deutlich weiter und beanspruchen Jerusalem insgesamt als Hauptstadt Palästinas. Allerdings lehnt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Art und Umfang dieser Forderung genauso ab, wie im umgekehrten Fall die Anspruchshaltung Israels). Ostjerusalem umfasst die Altstadt von Jerusalem und die östlich anschließenden Bezirke einschließlich des durch die Bibel zu Berühmtheit gekommenen Ölbergs. In Ostjerusalem liegen einige der heiligsten Stätten, darunter die Klagemauer (die westliche Stütz- und Begrenzungsmauer des Tempelbergs auf dem der Jerusalemer Tempel gestanden haben soll. Angenommen wird, dass die al-Aqsa-Moschee heute an der Stelle steht), der Tempelberg (Haram Al-Sharif) mit dem Felsendom (Qubbat As-Sakhrah) und der al-Aqsa-Moschee, und die Grabeskirche. Während der britischen Mandatszeit wurde ein Gesetz verabschiedet, nach dem alle Gebäude aus Jerusalem-Stein gebaut werden müssen, um den einzigartigen historischen und ästhetischen Charakter der Stadt zu bewahren. Zu dieser noch gültigen Bauverordnung kommt die Erschwernis zur Ansiedlung von Schwerindustrie im Stadtgebiet hinzu. Nur etwa 2,2% der Fläche von Jerusalem ist für “Industrie und Infrastruktur” ausgewiesen.

Mount of Olives © flickr.com - David Lisbona/cc-by-2.0 Old City walls and Mamilla Avenue at night, with the "City Line"/"Green Line" inbetween © Navot Miller/cc-by-sa-3.0 Temple Mount with Dome of the Rock - Aerial view © Godot13/cc-by-sa-3.0 The Western Wall, the Dome of the Rock and al-Aqsa mosque © Sheepdog85/cc-by-sa-3.0-de Yad Vashem - Hall of Names © David Shankbone/cc-by-sa-3.0 Knesset Building © flickr.com - Joshua Paquin/cc-by-2.0
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Old City walls and Mamilla Avenue at night, with the "City Line"/"Green Line" inbetween © Navot Miller/cc-by-sa-3.0
In Jerusalem begegnen sich viele Kulturen der Antike und Moderne. Die Altstadt wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und steht seither auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes. Die Stadt ist seit dem Mittelalter in das armenische Viertel im Südwesten, das christliche im Nordwesten, das jüdische im Südosten und das muslimische Viertel im Nordosten unterteilt und wird von einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden, fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben. Die Mauer umfasst mehrere Türme sowie ursprünglich sieben Tore, davon drei große und vier kleine, und wurde 1889 durch ein achtes ergänzt. Während ihrer langen Stadtgeschichte wurde Jerusalem zweimal zerstört, 23 Mal belagert, 52 Mal angegriffen, sowie 44 Mal erobert und zurückerobert. Die City Line, die aufgrund des von der UN mehrfach für nichtig erklärten Jerusalem-Gesetzes bis heute Bestand hat und Teil der Grünen Linie ist, verläuft direkt zwischen der westliche Altstadtmauer in Ostjerusalem und der Mamilla Mall in Westjerusalem.

Das wirtschaftliche Leben des israelischen Teils der Stadt basiert zum überwiegenden Teil auf ihrer religiösen Bedeutung sowie auf ihrer Funktion als Verwaltungszentrum (Sitz des Staatspräsidenten, der Knesset und des Obersten Gerichts Israels). Der Dienstleistungssektor ist dementsprechend gut ausgebaut. Viele Bewohner von Jerusalem sind in der staatlichen und städtischen Verwaltung sowie im Bildungswesen beschäftigt. Die Produktionsbetriebe sind vorwiegend in den äußeren Bezirken von Westjerusalem angesiedelt. Die Industriebetriebe der Stadt stellen unter anderem Glas-, Metall- und Lederwaren, Druckerzeugnisse, Schuhe und Zigaretten her. Der Spirituelle Tourismus ist jedoch der mit Abstand bedeutendste Wirtschaftsfaktor, der auch hier bisweilen andere Wege geht, als im Rest der Welt (Jerusalem-Syndrom). Zu den bekannten Bildungseinrichtungen in der Stadt gehören die 1918 eröffnete Hebräische Universität von Jerusalem, die 1959 gegründete Israel Arts and Science Academy, das Planetarium, das Zionistische Zentralarchiv, die Gulbenkian-Bibliothek und die Israelische Nationalbibliothek. In der Stadt befinden sich zahlreiche religiöse Lehr- und Forschungsinstitute. Dazu gehören unter anderem die 1890 eröffnete École Biblique et École Archéologique Française, das 1927 gegründete Päpstliche Bibelinstitut und das 1963 eröffnete Institut der Jüdischen Religion. In Ostjerusalem befinden sich nicht nur auch für die außerhalb der Stadt lebenden Palästinenser heilige Stätten (Al-Aqsa-Moschee, Grabeskirche), sondern auch historisch gewachsene zentrale Einrichtungen, die auch für die Bewohner des Westjordanlandes wichtige Anlaufstellen sind. Dazu gehören die sechs arabischen Spitäler. Einige dieser Spitäler haben Spezialisierungen, die im Gazastreifen und dem Westjordanand nicht verfügbar sind. Spezialbehandlungen sind oft nur im israelischen Hadassah am Skupusberg oder Ein Kerem möglich. Einige dieser Spitäler behandeln Personen mit Flüchtlingsstatus gratis, während sie in anderen Einrichtungen außerhalb der Stadt bezahlen müssen. Dringende Einlieferungen in diese Spitäler werden durch Kontrollen und Bewilligungen an der Grenze verzögert. Für ambulante Behandlungen ist jedes Mal ein Passierschein zu beantragen. Ärztliches Personal und Medizinstudenten von außerhalb benötigen Arbeitserlaubnis und Passierscheine. Seit 2008 ist es den Spitälern untersagt, wesentlich günstigere palästinensische Medikamente einzukaufen. Genehmigungen für Umbauarbeiten und Zubauten wurden nicht gewährt. Weitere palästinensische Institutionen sind das Palästinensische Nationaltheater, Orienthaus und mehrere Institute der al-Quds-Universität. Aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen entwickelt sich Ostjerusalem deutlich langsamer als Westjerusalem.

Hier finden Sie eine Übersicht aller Themenwochen.

Lesen Sie mehr auf Jewish News vom 12.03.2019: Jerusalem’s cable car: Moving in the wrong direction, Süddeutsche Zeitung vom 06.11.2019: Seilbahn in Jerusalem, LonelyPlanet.com – Israel and the Palestinian Territories – Jerusalem, Die Deutsche Kolonie in Palästina, Via Dolorosa, itraveljerusalem.com, Wikitravel Jerusalem, Wikivoyage Jerusalem und Wikipedia Jerusalem (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.

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