Haus der Kulturen der Welt in Berlin

01. November 2016 | Destination: | Rubric: Berlin, Allgemein, Haus des Monats, Museen, Ausstellungen |

© flickr.com - holger doelle/cc-by-2.0

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Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) ist ein Ausstellungsort in Berlin für die internationalen zeitgenössischen Künste und ein Forum für aktuelle Entwicklungen und Diskurse. Es präsentiert künstlerische Produktionen aus aller Welt unter besonderer Berücksichtigung nichteuropäischer Kulturen und Gesellschaften. Das Haus der Kulturen der Welt hat seit seiner Gründung im März 1989 seinen Sitz in der ehemaligen Kongresshalle am Ufer der Spree im Großen Tiergarten und Regierungsviertel. Die Kongresshalle wurde als eine Ikone der architektonischen Moderne zu einem prominenten Symbol für die deutsch-amerikanische Allianz. Im Berliner Volksmund ist das Gebäude in Anlehnung an seine Form auch unter dem Namen “Schwangere Auster” bekannt.

Die Kongresshalle entstand als US-amerikanischer Beitrag zur Internationalen Bauausstellung Interbau 1957 und sollte die Freiheit des Gedankenaustauschs verkörpern. Neben Kulturveranstaltungen wurden auch politische und geschäftliche Tagungen abgehalten wie etwa Gewerkschaftskongresse. John F. Kennedy (1963) und Jimmy Carter (1978) hielten hier eine Rede, auch der Bundestag tagte hier mehrere Male, zuletzt am 7. April 1965. Dies verärgerte regelmäßig die DDR und die UdSSR, da sie West-Berlin nicht als Staatsgebiet der Bundesrepublik anerkannten, sodass sie an diesem Tag erstmals Militärmaschinen über West-Berlin und das Gebäude fliegen ließen. Danach verbaten die West-Alliierten der Bundesregierung, weitere Sitzungen in West-Berlin abzuhalten. Am 21. Mai 1980 stürzte das südliche Außendach wegen Materialermüdung aufgrund von Bau- und Planungsmängeln ein. Der Umbau und die Sanierung dauerten von 1984 bis 1987, und am 9. Mai 1987 wurde der Bau zur 750-Jahr-Feier Berlins wiedereröffnet.

Haus der Kulturen der Welt 2005 © flickr.com - Holger Doelle © Physio1961/cc-by-sa-4.0 © Ansgar Koreng/cc-by-sa-3.0-de © Farbkontrast/cc-by-3.0 © OTFW/cc-by-sa-3.0
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Haus der Kulturen der Welt 2005 © flickr.com - Holger Doelle
Das Haus der Kulturen der Welt gliedert sein Veranstaltungsprogramm in drei Themenbereiche:

  • Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft,
  • Bildende Kunst, Film, Medien und
  • Musik, Tanz, Performing Arts

Das Haus der Kulturen der Welt richtet nicht nur eigene Veranstaltungen aus, sondern stellt seine Räume und seine Infrastruktur auch externen Gastgebern zur Verfügung und kooperiert mit nationalen und internationalen Universitäten, Museen und anderen kulturellen Einrichtungen. Von Anfang an war das Gebäude ein “Propagandabau”, so sein Architekt Hugh Stubbins, und sollte für Redefreiheit und westliche Modernität werben. Unter Modernität wurde damals abstrakte, nicht-gegenständliche Kunst, atonale Musik und moderne Architektur als International Style verstanden. Von 1989 an sollte es dann zusätzlich zum deutsch-amerikanischen Schwerpunkt auch als Forum für nicht-westliche Kultur dienen, “eine Art Goethe-Institut mit umgekehrtem Vorzeichen.” Viele der Verantwortlichen hatten davor an Goethe-Instituten gearbeitet und brachten nun das, was sie im Ausland gesehen hatten, nach Berlin, etwa im Programm China Avantgarde. Doch der deutsche Standpunkt wurde nicht hinterfragt. Ab Mitte der 1990er Jahre organisierten nicht-europäische Kuratoren einen großen Teil des Programms. Nun begriff sich das Haus der Kulturen der Welt als Ort für “alle von der westlichen Kulturhegemonie an den Rand Gedrängten.” Doch auch dieses Vorgehen, “eine Art umgekehrter Eurozentrismus”, erwies sich als problematisch.

Unter Scherers Intendanz wurde das Haus seit 2006 “von einem Forum für die postkoloniale Welt zu einem Thinktank der Zeitgenossenschaft umgebaut – und zu einer der ambitioniertesten Kulturinstitutionen Deutschlands.” Sie “bewegt sich auf höchstem akademischem Niveau, ohne sich den akademischen Konventionen verpflichtet zu fühlen, sie zeigt Kunst, aber hat mit einem Museum nichts zu tun. Und sie kombiniert das eine mit dem anderen.” Das Programm des Hauses der Kulturen der Welt ist auf die einmalige architektonische Struktur des Gebäudes ausgerichtet: Ausstellungshalle, Konzertsaal, Theater, Konferenzraum, Produktionsstätte für Wissen und Erlebnisse, Ausflugsziel, Architekturdenkmal, Akademie und eine feste Radiostation, in der derzeit das Internetradio Reboot.fm residiert. Die hauseigene Reihe Labor Berlin förderte von Mai 2010 bis Januar 2013 Projekte internationaler Künstler in Berlin. Seit 2015 führt das Haus der Kulturen der Welt das Großprojekt Anthropozän jenseits der Grenzen von Fachdisziplinen mit einer Vielzahl von Formen und Medien durch: Ausstellungen, Konferenzen, Akademien, Workshops, Fotoprojekte, Installationen, Publikationen.

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