GEOMAR in Kiel

Mittwoch, 9. Juni 2021 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Universitäten, Hochschulen, Akademien
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© Andreas Villwock/cc-by-sa-4.0

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Das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Eigenschreibweise: GEOMAR) ist eine der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung in Europa. Aufgabe des Instituts ist die Untersuchung der chemischen, physikalischen, biologischen und geologischen Prozesse im Ozean und ihre Wechselwirkung mit dem Meeresboden und der Atmosphäre. Die Meeresforschung in Kiel hat eine lange Tradition und schuf im späten 19. Jahrhundert international herausragende Grundlagen.

Im Jahr 1870 wurde auf Bitte des Deutschen Fischerei-Vereins mit Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums von Preußen die Preußische Kommission zur wissenschaftlichen Erforschung der deutschen Meere in Kiel gegründet. Sie errichtete zunächst eine Vielzahl von Beobachtungsstationen. Im Jahr 1883 begann ihr Mitglied Victor Hensen mit Forschungsfahrten durch die Kieler Bucht, die zum Verständnis des Planktons führten und die Biologische Ozeanographie schufen. Sie wurde ein Studiengang, getragen vom Institut für Meereskunde (IfM) und dem Forschungszentrum für marine Geowissenschaften (Geomar). Später wurde daraus eine Kooperation der Universität Kiel mit IFM-Geomar. Im Jahr 1902 gründet die Kommission das “Laboratorium für die internationale Meeresforschung”, in dem physikalische, chemische und biologische Untersuchungen betrieben wurden. Ihre hydrographische Abteilung wurde von dem Kieler Geographen Otto Krümmel geleitet. Bis 1938 diente der Reichsforschungsdampfer Poseidon der Fischereiforschung in der Nord- und Ostsee. Im Jahr 1937 wurde das Institut für Meereskunde Kiel als Universitätsinstitut von dem Zoologen Adolf Remane gegründet. Nach der Zerstörung des Instituts im Zweiten Weltkrieg wurde es unter Georg Wüst und Günter Dietrich wieder aufgebaut.

Im Juli 1987 gründete das Bundesland Schleswig-Holstein durch ein Gesetz die Stiftung für Marine Geowissenschaften (Geomar), eine Stiftung des öffentlichen Rechts zum Betrieb eines Forschungsinstituts. Standort wurde das Kieler Ostufer. Während sich das Institut für Meereskunde mit den physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen im Meer und der Wechselwirkung mit der Atmosphäre beschäftigte, standen bei Forschung des Geomar die geologischen, geophysikalischen und geochemischen Prozesse des Meeresbodens und der Interaktion mit der Wassersäule im Vordergrund.

Im Jahr 2004 wurde das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) gebildet aus der “Stiftung für Marine Geowissenschaften” (GEOMAR) und dem “Institut für Meereskunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel” (IfM). Es war wie das heutige Geomar eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit Sitz in Kiel. Seine Forschungsaktivitäten waren der anwendungsorientierten Grundlagenforschung der Ozeanografie, der Geologie und der Meteorologie zuzuordnen. Das Institut war eine rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts des Landes Schleswig-Holstein, Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) und ein An-Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 2012 wurde die Forschungseinrichtung in die Helmholtz-Gesellschaft überführt und heißt seitdem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Dadurch ist eine hauptsächliche Finanzierung durch den Bund (Anteil 90 %) gegeben.

Research vessels © Maike Nicolai/cc-by-sa-4.0 © Ichwarsnur/cc-by-sa-4.0 © Ichwarsnur/cc-by-sa-4.0 © Andreas Villwock/cc-by-sa-4.0
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Research vessels © Maike Nicolai/cc-by-sa-4.0
Das Institut gliederte sich in die vier zentralen Bereiche “Ozeanzirkulation und Klimadynamik”, “Marine Biogeochemie”, “Marine Ökologie” und “Dynamik des Ozeanbodens” sowie den Sonderforschungsbereich (SFB) der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den SFB 754 “Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean”. Es betreibt die Forschungsschiffe Alkor, Littorina sowie das Forschungsboot Polarfuchs und das einzige deutsche bemannte Forschungstauchschiff Jago. Zum Institut gehört eine eigene Pier für die Forschungsschiffe. Ferner betreibt das GEOMAR drei Tiefseeroboter: das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug ROV Kiel 6000 mit einer maximalen Tauchtiefe von 6000 Metern, das autonome Unterwasserfahrzeug AUV Abyss sowie seit Januar 2011 das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug ROV PHOCA mit einer maximalen Tauchtiefe von 3000 Metern. An das Institut angegliedert ist außerdem das öffentliche Aquarium mit Seehundebecken an der Kiellinie.

Neben der Lehre im Rahmen der Hochschulkooperation wurde am GEOMAR das Programm GAME (Global Approach By Modular Experiments) für Master-Studenten initiiert. Ziel des Programms ist die Untersuchung der Auswirkungen von Einflussfaktoren des sogenannten “Global Change” auf Ökosysteme in den Küstengebieten der Erde. Dazu werden jedes Jahr in über zehn Ländern weltweit parallel biologisch-ozeanographische Experimente oder Untersuchungen durchgeführt. Mit möglichst vergleichbaren Datensätzen sollen Aussagen zur globalen Entwicklung bestimmter maritimer Themenfelder gemacht werden. Martin Wahl baute das Programm zusammen mit den Forschungspartnern des GEOMAR auf. Es wird weitgehend durch Drittmittel von Sponsoren aus der Zivilgesellschaft und der maritimen Wirtschaft finanziert.

Geomar bildet in Kooperation mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Studenten im Bachelor-Studiengang “Physik des Erdsystems: Meteorologie – Ozeanographie – Geophysik” sowie in den Masterstudiengängen “Biological Oceanography” und “Climate Physics: Meteorology and Physical Oceanography” aus. Ferner werden Beiträge zu verschiedenen Studiengängen (Chemie, Geologie, Mineralogie und Geophysik) geleistet.

Lesen Sie mehr auf GEOMAR und Wikipedia GEOMAR (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes - Wetterbericht von wetter.com - Global Passport Power Rank - Democracy Index - GDP according to IMF, UN, and World Bank - Global Competitiveness Report - Corruption Perceptions Index - Press Freedom Index - World Justice Project - Rule of Law Index - UN Human Development Index - Global Peace Index - Travel & Tourism Competitiveness Index). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




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