Festung Königstein in Sachsen

01. Mai 2017 | Destination: | Allgemein, Haus des Monats, Paläste, Schlösser, Villen, Parks | No Comments »

Königstein Fortress © Fritz-Gerald Schröder

Königstein Fortress © Fritz-Gerald Schröder

Die Festung Königstein ist eine der größten Bergfestungen in Europa und liegt inmitten des Elbsandsteingebirges auf dem gleichnamigen Tafelberg oberhalb des Ortes Königstein am linken Ufer der Elbe im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (Sächsische Schweiz) in Sachsen. Das 9,5 Hektar große Felsplateau, das nach Scherbenfunden schon in der Bronzezeit 1100 v. Chr. besiedelt war, erhebt sich 240 Meter über die Elbe und zeugt mit über 50 teilweise 400 Jahre alten Bauten vom militärischen und zivilen Leben auf der Festung. Der Wallgang der Festung ist 1800 Meter lang und hat bis zu 42 Meter hohe Mauern und Sandstein-Steilwände. Im Zentrum der Anlage befindet sich der mit 152,5 Meter tiefste Brunnen Sachsens und zweittiefste Burgbrunnen Europas. Seit 1. Mai 2015 ist eine neue Dauerausstellung auf der Festung Königstein zu sehen. Unter dem Titel „In lapide regis – Auf dem Stein des Königs“ erzählt sie erstmals die fast 800-jährige Geschichte der Wehrfestung von den Anfängen im Mittelalter bis zur Gegenwart. Die Ausstellung im Torhaus und der Streichwehr umfasst 33 teils erstmals zugängliche Räume. Jährliche Veranstaltungshöhepunkte auf der Festung Königstein sind das Carcassonne-Fan-Treffen im Februar, das Historienspektakel „Die Schweden erobern den Königstein“ im Frühsommer (Anlass ist das Jahr 1639 als schwedische Truppen von Pirna über Königstein nach Böhmen zogen; 300 Uniformgruppen aus verschiedenen Bundesländern stellen auf der Wehrfestung mit etwa einhundert weißen Zelten ein historisches Feldlager dar), das Sport- und Outdoorevent „Festung Aktiv!“ im Sommer und der Historisch-romantische Weihnachtsmarkt im Advent.

Die Festung spielte eine bedeutende Rolle in der Geschichte Sachsens, wenn auch weniger durch militärische Ereignisse. Die sächsischen Herzöge und Kurfürsten nutzten die Festung vor allem als sicheren Hort in Kriegszeiten, als Jagd- und Lustschloss, aber auch als gefürchtetes Staatsgefängnis. Die tatsächliche militärische Bedeutung war eher gering, obwohl Generäle wie Johann Eberhard von Droste zu Zützen (1662–1726) sie kommandierten. So konnte Kurfürst Friedrich August II. im Siebenjährigen Krieg nur hilflos vom Königstein aus zusehen, wie gleich zu Beginn des Krieges im Jahr 1756 seine Armee zu Füßen des auf der anderen Elbseite liegenden Liliensteins vor der preußischen Armee kampflos kapitulierte. Kommandant der Festung war seit 1753 der kursächsische Generalleutnant Michael Lorenz von Pirch. Vor ihren Toren fand im August 1813 das Gefecht bei Krietzschwitz statt, eine wichtige Vorentscheidung der Schlacht bei Kulm und der Völkerschlacht bei Leipzig. Spätere Kommandanten waren die Generalleutnants Karl (1767–1838) und Konstantin von Nostitz-Drzewiecky (1786–1865). Im Oktober 1866 wurde Alexander von Rohrscheidt (1808–1881) zum Kommandanten der Festung ernannt. Die militärische Bedeutung ging mit der Entwicklung weitreichender Geschütze zum Ausgang des 19. Jahrhunderts verloren. Letzter Kommandant der Festung Königstein war bis 1913 der Oberstleutnant Heinicke. Die Festung hatte in Kriegszeiten die sächsischen Staatsreserven und geheimen Archivbestände aufzunehmen. 1756 und 1813 wurden auch die Dresdner Kunstschätze auf dem Königstein eingelagert. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden die ausgedehnten Kasematten der Festung für solche Zwecke verwendet. Die Festung wurde nie eingenommen, zu sehr hatte sie nach dem Ausbau durch Kurfürst Christian I. einen abschreckenden Ruf. Lediglich der Schornsteinfeger Sebastian Abratzky kletterte im Jahre 1848 die senkrechten Sandsteinmauern hoch. Den nach ihm benannten Abratzky-Kamin (Schwierigkeitsgrad IV nach der sächsischen Schwierigkeitsskala) kann man noch heute hochklettern. Da das Übersteigen der Mauer verboten ist, muss man unterhalb der abschließenden Mauer jedoch wieder abseilen.

 

Die Festung war bis 1922 das bekannteste Staatsgefängnis Sachsens. Während des Deutsch-Französischen Krieges und der beiden Weltkriege wurde die Festung auch als Kriegsgefangenenlager genutzt. 1939 bis 1945 waren polnische, französische, britische, holländische und amerikanische Kriegsgefangene interniert. Am Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm Frankreich das Kommando über die Festung. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Rote Armee die Festung als Lazarett. Von 1949 bis 1955 wurde sie als so genannter Jugendwerkhof zur Umerziehung straffälliger und nicht ins Bild der sozialistischen Gesellschaft passender Jugendlicher genutzt. Am 29. Mai 1955 übernahm das Ministerium für Kultur der DDR die Festung Königstein und erklärte sie zum Museum. In den folgenden Jahrzehnten konnten trotz großer organisatorischer Schwierigkeiten folgende Gebäude nutzbar gemacht werden: Altes Zeughaus, Neues Zeughaus, Brunnenhaus, Schatzhaus, Alte Kaserne, Georgenburg, Magdalenenburg, Friedrichsburg, Munitionsladesysteme der Batterien VII und VIII sowie die Kriegskasernen I und III. In den 1960er Jahren wurde von der DDR ein Kriegspulvermagazin, die Saalkasematte als Bunker für die Zivilverteidigung umgebaut: Notstromaggregat, Lüftung, Wasserwerk und gasdichte Türen wurden eingebaut. Der „Saal“ wurde baulich in Arbeitsräume unterteilt. In den Jahren 1967 bis 1970 wurde am Fuße des Zugangsweges ein für 42 Personen zugelassener Aufzug eingebaut. Dieser Aufzug hat zwei Zwischenstationen (Erlebnisrestaurant und Kasematten) und kann als Lastenfahrstuhl Fahrzeuge bis 4,5 Tonnen transportieren.

Seit 1991 ist die Festung Königstein Eigentum des Freistaates Sachsen und wird seitdem umfassend saniert. Im Jahr 2005 wurde an einer senkrechten Außenmauer der Festung ein zweiter Aufzug gebaut, der maximal 18 Passagiere in einer Panoramakabine eine Höhe von etwa 42 Meter überwinden lässt. An seinem Fuße befindet sich eine überdachte Wartezone. Für den Bau stellte das Land Sachsen 1,7 Millionen Euro zur Verfügung. Ostern 2006 nahm der Panoramaaufzug seinen Betrieb auf. Insgesamt wurden zwischen 1991 und 2010 durch den Freistaat Sachsen etwa 46 Millionen Euro in die Sanierung und den Ausbau der Festung Königstein investiert. Seit dem Jahr 2000 arbeitet das Museum als GmbH, seit 2003 mit Gemeinnützigkeitsstatus. Seit der Eröffnung kamen jährlich durchschnittlich eine halbe Million Besucher auf die Festung Königstein. Den Besuchern präsentiert sich die Festung als militärhistorisches Freilichtmuseum mit zahlreichen Interieur-, Dauer- und Sonderausstellungen. Unter anderem ist das Militärhistorische Museum der Bundeswehr Dresden in den beiden Zeughäusern mit militärgeschichtlichen Ausstellungen präsent.

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