Earthship: Schöner, autark und nachhaltig wohnen im Recycling-Haus

01. März 2012 | Destination: | Rubric: Haus des Monats |

Earthship Zwolle © Erik Wannee

Earthship Zwolle © Erik Wannee

Alte Autoreifen, Glasflaschen, ein paar Balken und jede Menge Erde: So kann sich jeder, der ein paar kräftige Freunde hat zum Dumping-Preis ein Null-Energiehaus bauen und jeder kann sich ein Eigenheim leisten. Zudem gibt es nie wieder eine Strom-, Gas- oder Wasserrechnung. Wie das geht, wie schick, innovativ und nachhaltig so ein Haus ist, ein Einblick.

Der Erfinder der Earthship-Häuser, der «Erdschiffe», Mike Reynolds, bezeichnet die Earthship-Häuser als «radikal nachhaltig gebaute Häuser». Mit diesem über Jahrzehnte entwickelten und verfeinerten, nachhaltigen Bau-Stil trifft Reynolds den Nerv vieler. Wenn er sagt, dass er ein Haus baut, dass sich selbst beheizt, sein eigenes Wasser liefert und noch dazu sein eigenes Essen produziert, dazu keine teure Technologie nötig ist und es aus recyceltem Abfall und natürlichen Baumaterialien besteht, ist die steigende Zahl dieser Häuser weltweit verständlich.

Ein komfortables Haus aus Dingen die andere wegwerfen
Es scheint fast zu schön, um wahr zu sein: Günstig ein Haus bauen, das den Standards eines Passiv- oder Null-Energiehauses entspricht. Für wenig Geld noch dazu. Energie, Wasser und wohlige Wärme oder kühle Temperaturen im Sommer in jeder Klimazone. Autark von jedem Strom-, Gas- oder Öllieferant. Zusätzlich noch in unserem Klima etwa Ananas oder Bananen anbauen im eigenen Gewächshaus, nachhaltiger bauen geht es kaum.

Wände aus Autoreifen und Erde
Mike Reynolds ist ein Revolutionär der Nachhaltigkeit. Schon in den 70er Jahren machte sich der heute sehr erfolgreiche und geschätzte Erfinder und Konstrukteur auf, nach neuen Möglichkeiten zu suchen, um nachhaltig zu bauen. Das Haus besteht ausschließlich aus Materialien, die entweder überall auf der Welt im Überfluss vorhanden sind, nachhaltig erzeugt werden wie Holz oder durch den Hausbau nachhaltig recycelt werden. Weiterhin sollte das Earthship-Haus komplett auf natürliche Energiequellen zählen können und komplett autark sein. Schließlich solle jeder Mensch sich ein solches Haus ohne großen finanziellen Aufwand und ohne besondere Vorkenntnisse oder handwerkliches Geschick selbst bauen können.

Auf der Suche nach einem nachhaltigen und geeigneten Baustoff für die Wände stieß Mike Reynolds auf gebrauchte Autoreifen. Überall auf der Welt liegen Millionen von den fast nicht verrottenden Altreifen herum, mit denen nichts Vernünftiges mehr anzufangen ist. In Deutschland fallen jährlich alleine 650.000 Tonnen Altreifen an. Reynolds fand jedoch heraus, dass mit Erde gefüllte Autoreifen ganz hervorragende Dämmeigenschaften besitzen, eine hohe Stabilität für den Hausbau haben und nahezu unbrennbar sind. Das Haus wird zusätzlich teilweise unter die Erde gebaut beziehungsweise in einen künstlichen Wall integriert.

Vaulted Earthship entrance © Amzi Smith Rainwater harvesting system © Fred the Oyster Earthship Phoenix, Arizona, USA © earthship.net Earthship water system © KVDP Convection concepts within an Earthship © Amzi Smith Earthship Zwolle © Erik Wannee
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Convection concepts within an Earthship © Amzi Smith
Nachhaltig die Wärme der Erde nutzen
Earthship-Häuser nutzen, wie die Geothermie, die Wärme der Erde. Durch den künstlichen Hang sind die nachhaltig konstruierten Earthship-Häuser von drei Seiten teilweise mit Erde umschlossen. Dadurch entsteht im Sommer wie im Winter ein angenehmes Wohn-Klima. Bei Frost ändert sich die Temperatur der Erde – abgesehen von der direkten Oberfläche kaum. Nachhaltig Energiebedarf sparen, das ist das Ergebnis dieser simplen aber durchdachten Bauweise der Earthship-Häuser.

Die offene Hausseite ist dagegen komplett verglast und dient gleichermaßen als Heizung mittels Sonneneinstrahlung wie als Wintergarten. Hier kann Obst und Gemüse unter idealen Temperaturbedingungen angebaut werden. Soll die Sonneneinstrahlung und damit die Wärmewirkung reduziert werden, schaffen Jalousien Abhilfe. In sehr heißen Gegenden wird indes ein Kühlsystem integriert, in extrem kalten Gebieten ein Kaminofen, die günstige und umweltfreundliche Heizalternative.

Auch nachhaltig: Ein ausgeklügeltes, geschlossenes Wassersystem
Wasser wird in Earthship-Häusern gleich vierfach verwendet. Gesammeltes Regenwasser wird zunächst durch ein Filtersystem gereinigt, sodass es Trinkwasserqualität hat. Das Abwasser vom Duschen, Hände- oder Wäschewaschen wird durch die Wintergartenbeete grob gereinigt und das übrige, versickernde Wasser wird an die Toilettenspülung oder direkt in eine externe Bio-Kläranlage geleitet. Absolut zuverlässig gereinigt – wie in unseren großen Kläranlagen wird es wieder dem Kreislauf zugeführt. Da beispielsweise biologisch produziert Seife verwendet wird, bleiben keinerlei bedenklichen Stoffe zurück und kann auf Chemikalien verzichtet werden. Ein Wasseranschluss beziehungsweise eine eigene Trinkwasserquelle kann zusätzlich installiert werden.

Sonne und Wind sorgen für die nötige Energie
Photovoltaik und kleine Windräder sind die Energiequellen eines Earthships. Die gewonnene Energie kann in einem Batteriespeichersystem zum Abruf zwischengelagert werden. Die Verwendung von zusätzlich benötigtem Strom aus dem Stromnetz oder von einem Generator gespeist ist ebenfalls möglich.

Nachhaltig bauen mit ganzheitlichem Konzept
Nach jahrzehntelanger Erprobung sind die von Mike Reynolds entwickelten, Spar-Häuser überall auf der Welt baubar. Gerade in Katastrophengebieten oder armen Ländern kann eine Earthship-Haus zu einer neuen Wohnung werden. Bestes Beispiel: Nach dem verheerenden Wirbelsturm Katherina wurden aus den Trümmern viele Earthship-Häuser gebaut.

Seine Firma Earthship Biotecture schult interessierte Häuslebauer, aber auch DVDs und Bücher gibt es, die das Bauprinzip en detail erklären. In den USA wurden mittlerweile schon ganze Siedlungen in Earthship-Bauweise erstellt. Aber auch in Europa gibt es zahlreiche Earthships – Tendenz steigend. Nachhaltiger kann Bauen kaum sein. Es fragt sich nur: Gibt es in Deutschland hierfür eine Bauerlaubnis? Bis jetzt wurde zumindest noch kein Earthship-Haus deutschlandweit gebaut.

Lesen Sie den gesamten Artikel auf NachhaltigLeben.de. Lesen Sie mehr auf earthship.com und Wikipedia Earthship. Hier erfahren Sie mehr über Bilder und deren Verwendung. Damit Sie sich auf dem Laufenden halten können, bieten die meisten Stadt- oder Tourismus-Webseiten einen Newsletter-Service an und/oder unterhalten Facebook-Seiten/Twitter-Accounts. Zudem bieten mehr und mehr Orte, Tourismusorganisationen und Kultureinrichtungen zusätzlich Apps für SmartPhones und Tablets an, sodass Sie Ihren mobilen Fremdenführer immer dabei haben können.

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