Dormitio-Abtei in Jerusalem

Freitag, 01. Juni 2018 - 11:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Union für das Mittelmeer

© Tango7174/cc-by-sa-4.0

© Tango7174/cc-by-sa-4.0

Die Dormitio-Abtei ist eine deutschsprachige Benediktinerabtei auf dem Berg Zion in Jerusalem, unmittelbar außerhalb der Altstadt in Ostjerusalem. Der Name leitet sich vom Patrozinium der Entschlafung der seligen Jungfrau Maria ab. Abteikirche ist die Dormitio-Basilika. Von 1998 bis 2006 trug die Dormitio-Abtei in Anlehnung an die 415 an dieser Stelle erbaute byzantinische Kirche Hagia Sion den Namen Hagia Maria Sion. Aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums kehrte die Gemeinschaft 2006 wieder zum Patrozinium Dormitio zurück.

Während seiner Palästinareise im Jahre 1898 übernahm Kaiser Wilhelm II. anlässlich der Einweihung der evangelischen Erlöserkirche zu Jerusalem das für 120.000 Reichsmark erworbene Grundstück auf dem Berg Zion von Sultan Abdülhamid II. und übergab es dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande. Historie und Bestimmung der Dormitio beschreibt Wilhelm II. in seinem Werk “Ereignisse und Gestalten“. Nach der Jerusalemer Ortstradition soll an dieser Stelle in der Nachbarschaft des Abendmahlssaals die Gottesmutter Maria entschlafen sein (von lat. Dormitio, “Entschlafung”). Bereits 1899 traf der Architekt und Diözesanbaumeister der Diözese Köln Heinrich Renard (1868–1928) in Jerusalem ein. Zunächst erkundete er das Gelände und fand Überreste der byzantinischen Hagia Sion sowie weiterer Kirchen. Die Bauleitung übernahm der vor Ort ansässige und zur pietistischen Tempelgesellschaft gehörende Architekt Theodor Sandel. Der Grundstein zur Abtei und Basilika wurde am 7. Oktober 1900 gelegt. In nur zehn Jahren wurde der Bau der Basilika und der Abtei vollendet. Am 10. April 1910 wurde die Basilika vom lateinischen Patriarchen geweiht. Die Kirche und die Klostergebäude befinden sich im Besitz des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, der die Bauten unterhält.

© flickr.com - Jorge Láscar/cc-by-2.0 © Tango7174/cc-by-sa-4.0 © flickr.com - techromancy/cc-by-sa-2.0 © NetanelG/cc-by-sa-3.0 © Wilson44691
<
>
© flickr.com - techromancy/cc-by-sa-2.0
Bereits 1906 wurden die ersten Mönche der Erzabtei Beuron nach Jerusalem entsandt. 1918 bis 1921 wurden die Mönche zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf dem Sion interniert. Durch Erlass Papst Pius’ XI. vom 15. August 1926 wurde das Kloster, das zur Beuroner Kongregation gehörte, zur Abtei erhoben. 1939 bis 1945 erfolgte die zweite Internierung der deutschen Mönche. Infolge des Palästinakriegs kam es zur dritten Internierung. Die Abtei liegt im Niemandsland zwischen Israel und Jordanien. Im Jahre 1951 wurde die Abtei von der Beuroner Kongregation abgelöst und der direkten Verwaltung des Abtprimas mit Sitz in Rom unterstellt. 1967, während des Sechstagekrieges, lag die Abtei im Feuer der Kriegsparteien. Seit 1973 besteht ein deutschsprachiges und ökumenisches Studienprogramm, das Theologische Studienjahr Jerusalem, in Verbindung mit der Abtei. 1979 wählte die Gemeinschaft auf dem Sion zum ersten Mal selbst ihren Abt, den Prior von Chevetogne in Belgien, Nikolaus Egender. Die Abtei hat seit 1939 eine Niederlassung in Tabgha am See Genezareth; diese ist seit 2003 ein abhängiges Priorat und betreut die ebenfalls dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande gehörende Brotvermehrungskirche in Tabgha. Eine weitere kleine Niederlassung, das “Haus Jerusalem”, bestand zwischen Advent 2003 und Mai 2013 in Hildesheim. Seit dem 1. Mai 2011 ist an der Dormitio auch das Jerusalemer Institut der Görres-Gesellschaft (JIGG) angesiedelt. Seit September 2012 gehört die Abtei zur Kongregation von der Verkündigung der seligen Jungfrau Maria (Congregatio Annuntiationis B.M.V.) des Benediktinerordens, wie unter anderem auch die Abtei St. Matthias in Trier, das Priorat auf der Huysburg, die belgischen Abteien Maredsous, Keizersberg (Löwen) und Sint Andries (Zevenkerken, Brügge) sowie die Abtei Glenstal in Irland.

Die Anlage wurde entsprechend der lokalen Jerusalemer Bautradition gestaltet. Es finden sich verschiedenste stilistische Einflüsse, so unter anderem Elemente aus Romanik, Renaissance und aus der orientalischen Architektur. Die Ausmalung besorgten Jan Verkade und Hermann Huber. Die Dormitio-Kirche ist ein Rundbau mit mehreren Nischen, in denen sich Nebenaltäre befinden, und einem Choranbau mit einer zweimanualigen Chororgel aus der deutschen Werkstatt Oberlinger in Windesheim. Über zwei Wendeltreppen erreicht man sowohl die Krypta, die Stätte Maria Heimgang, als auch die Orgelempore mit einer großen dreimanualigen Oberlinger-Orgel und die Galerie. Von hier sind zwei weitere der insgesamt vier Diagonaltürme der Kirche erreichbar. Aus Rücksicht auf das damals noch muslimische Heiligtum des Davidsgrabs (Nebi Da’ud), in dessen Obergeschoss sich der Abendmahlssaal befindet, wurde der Glockenturm so weit zurückversetzt, dass sein Schatten das Grab nicht berührt. So ist der Glockenturm auch nicht direkt von der Kirche aus begehbar.

Lesen Sie mehr auf Dormitio-Abtei und Wikipedia Dormitio-Abtei (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.



Das könnte Sie auch interessieren:

Schloss Grafenegg in Niederösterreich

Schloss Grafenegg in Niederösterreich

[caption id="attachment_23800" align="alignleft" width="590"] © Zairon/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Schloss Grafenegg liegt in Niederösterreich südlich des Ortes Grafenegg und rund 14 km östlich von Krems. Es gehört mit Burg Kreuzenstein und Schloss Anif bei Salzburg zu den bedeutendsten Schlossbauten des romantischen Historismus in Österreich. Der Umbau durch Leopold und Hugo Ernst im 19. Jahrhundert ging zwar im Allgemeinen schonend mit der vorhandenen Bausubstanz um, verlieh dem Schloss aber durch Hin...

Böblingen in Baden-Württemberg

Böblingen in Baden-Württemberg

[caption id="attachment_150803" align="aligncenter" width="590"] City Square © Jessica Kemper[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Böblingen ist eine Kreisstadt im zentralen Baden-Württemberg, etwa 20 Kilometer südwestlich von Stuttgart. Böblingen ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Böblingen. Zusammen mit Sindelfingen bildet sie ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Böblingen liegt am Nordostrand des Oberen Gäus, auf und an einem steilen Hügel, der ein Ausläufer des Schönbuchs ist. Der nördliche Schwarzwald i...

Themenwoche Neukaledonien - Pouembout

Themenwoche Neukaledonien - Pouembout

[caption id="attachment_150820" align="aligncenter" width="453"] Traditional architecture © Torbenbrinker/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Pouembout ist eine Gemeinde in der Nordprovinz. Sie liegt 258 km nordwestlich von Nouméa auf der Hauptinsel Grande Terre und umfasst ebenfalls einige kleine Inseln vor der Küste der Hauptinsel. Die höchste Erhebung ist das Massif de Kopeto mit 1134 m. Pouembout entstand - wie zahlreiche andere Ortschaften Neukaledoniens - aus einem Straflager, das 1883 angelegt wurde. Da di...

Porträt: Reeder und Eisenbahnunternehmer Cornelius Vanderbilt

Porträt: Reeder und Eisenbahnunternehmer Cornelius Vanderbilt

[caption id="attachment_169452" align="aligncenter" width="590"] Cornelius Vanderbilt, the railroad tycoon, by J. C. Buttre[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Cornelius Vanderbilt war einer der erfolgreichsten und reichsten Unternehmer der Vereinigten Staaten und der Begründer der Vanderbilt-Familie. Der Name Vanderbilt steht zusammen mit den Namen Andrew Carnegie, John D. Rockefeller und J. P. Morgan für den Beginn einer wirtschaftlichen Blütezeit in den USA, des Gilded Age. Vanderbilt war zunächst als Reeder erfolgreich und späte...

Corona del Mar in Newport Beach

Corona del Mar in Newport Beach

[caption id="attachment_164421" align="aligncenter" width="590"] © Zereshk[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen lassen"]Corona del Mar (Krone des Meeres) ist ein Stadtteil von Newport Beach im US-Bundesstaat Kalifornien. Der Ort wurde 1923 eingemeindet. Zu den Hauptanziehungspunkten in Corona del Mar zählen die von Klippen umgebenen Strände an der Küste des Pazifischen Ozeans. Die Straßen und Häuser schmiegen sich an die sanft ansteigenden Hügel, Parkanlagen und Palmen zieren das Erscheinungsbild des Orts. Corona del Mar breitet sic...

Themenwoche Belgien - Charleroi in der Wallonie

Themenwoche Belgien - Charleroi in der Wallonie

[caption id="attachment_160795" align="aligncenter" width="590"] Charles II Square on market day © Jean-Marie Hoornaert[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Charleroi ist eine Stadt in der Provinz Hennegau in der Wallonischen Region Belgiens und Hauptstadt des gleichnamigen Arrondissements. Mit 203.464 Einwohnern ist Charleroi die drittgrößte Gemeinde Belgiens und die größte Gemeinde der Wallonie. Die Einwohner Charlerois werden Carolorégiens oder Carolos genannt. Der Belfried von Charleroi ist Teil des UNESCO-Welterbes Belf...

Return to Top ▲Return to Top ▲
© Andreas Praefcke/cc-by-3.0
Deutsche Oper Berlin

Die Deutsche Oper Berlin ist das größte der drei Opernhäuser in Berlin. Das Gebäude Bismarckstraße 34–37 in Charlottenburg wurde 1961...

Mammoth statue © panoramio.com - Annette Teng/cc-by-3.0
Mammoth Lakes in Kalifornien

Mammoth Lakes ist eine Stadt im Mono County in Kalifornien mit etwa 8.000 Einwohnern. Sie liegt im Tal des Mammoth...

Caracas East © Schiskin
Themenwoche Venezuela – Caracas

Caracas ist die Hauptstadt und größte Stadt Venezuelas. Sie gilt als Kultur- und Wirtschaftszentrum des Landes. Ab 1930 bescherte der...

Schließen