Die Villa Wahnfried in Bayreuth

Samstag, 28. November 2015 - 13:00 (CET/MEZ) Berlin | Author/Destination:
Category/Kategorie: Allgemein, Museen, Ausstellungen, Paläste, Schlösser, Villen, Parks

© Dickbauch~commonswiki/cc-by-sa-3.0

© Dickbauch~commonswiki/cc-by-sa-3.0

Die Villa Wahnfried (auch: Haus Wahnfried) am Rande des Bayreuther Hofgartens ist das ehemalige Wohnhaus Richard Wagners (1813–1883). Der Name der Villa wird durch den Spruch, der auf ihrer Vorderseite eingraviert ist, verständlich:

“Hier wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt.”
– Richard Wagner

Nach einem Tagebucheintrag Cosima Wagners vom 4. Mai 1874 stand der hessische Ort Wanfried bei Eschwege Pate für die Benennung des Hauses:

“… in Hessen gäbe es einen Ort Wahnfried, es habe ihn (Wagner) so mystisch berührt, diese Zusammensetzung der beiden Worte, und wie das Gedicht von Goethe, was nur zu dem Weisen gesprochen sei, so würde nur der Sinnige ahnen, was wir darunter verstehen.”
– Cosima Wagner in Die Tagebücher

Die Außenmauern des dreitraktigen Gebäudes bestehen ortstypisch aus Sandsteinquadern mit Ziegelmauerwerk innen. Bemerkenswert bei der Innengestaltung der Räume ist – entgegen allen zeitgenössischen Vorwürfen von Verschwendungssucht – Wagners ausdrückliche Absage an jeden Luxus vor allem bei der Materialwahl. Der Grundriss des Hauses mit Keller, Erd-, Ober- und Zwischengeschoss auf einer Grundfläche von rund 21×17 Metern ist eine Reminiszenz an die oberitalienischen Renaissance-Villen im Stil Andrea Palladios, ebenso die Disposition der Fassaden und die Rotunden-Apsis, welche den Wohn- und Bibliotheksraum (“Saal”) zur südlichen Gartenseite hin abschließt.

Das Erdgeschoss von Wahnfried besteht aus zwei großen, repräsentativen Räumen, der Halle und dem großen Saal. Im Saal sind die originale Bibliothek Richard Wagners, bestehend aus ca. 2500 Handeinbänden des Bayreuther Buchbinders Christian Senfft in rekonstruierten Regalschränken, und der Konzertflügel Centennial D von 1876 aufgestellt, ein Geschenk von William Steinway an Wagner anlässlich der Eröffnung des Festspielhauses. Dieser Flügel wird für Konzerte spielbereit gehalten; trotz seines Alters ist dies aufgrund seiner modernen Konstruktion problemlos möglich. Wagners Schwiegervater Franz Liszt gefiel dieser Flügel außerordentlich – Liszt bekam ebenso einen Konzertflügel Centennial D. Kleinere, seitlich angrenzende Räume waren ursprünglich Speisezimmer, der Salon Cosimas und Gästezimmer. Über eine einfache Holztreppe vom Foyer aus sind die Privaträume und die Galerie über der Halle zugänglich und miteinander verbunden: die früheren Kinderzimmer sowie Richards und Cosimas Schlaf- und sein Arbeitszimmer. Gearbeitet hat Richard Wagner aber auch im großen Saal im Erdgeschoss, der allgemein als Wohnzimmer diente.

Richard Wagner's Steinway grand piano © JosefLehmkuhl/cc-by-sa-3.0 Siegfriedhaus © Bayreuth2009/cc-by-3.0 © JosefLehmkuhl © Dickbauch~commonswiki/cc-by-sa-3.0 © Dickbauch~commonswiki/cc-by-sa-3.0
<
>
Richard Wagner's Steinway grand piano © JosefLehmkuhl/cc-by-sa-3.0
Zwischen den beiden Stockwerken befindet sich noch ein niedrigeres, mit Bade- und Ankleidezimmern. Dieses Zwischengeschoss bedeckt ca. ein Viertel der Grundfläche (Salon und Halle sind mit ihrer größeren Raumhöhe “durchgehend”). Es ist architektonisch dadurch “versteckt”, dass es von innen durch die oben erwähnte Haupttreppe nicht erschlossen wird und keine Fenster zu Vorder- und Rückseite besitzt. Zugänglich ist es durch die zwei durchgehenden Nebentreppen sowie von oben durch einzelne Treppen aus den jeweiligen Schlaf- und Kinderzimmern. Sämtliche Fenster im Zwischengeschoss liegen an den – durch die Lage weniger beachteten – Flanken des Hauses. Die Wirtschaftsräume befanden sich allesamt im Untergeschoss.

1894 ließ sich Siegfried Wagner das östliche Nebengebäude in der Art einer kleinen Villa in italianisierendem Neurenaissance-Stil zum eigenen Wohnhaus umbauen, das 1932 von Hans Reissinger um einen Flachbau an der Nordseite erweitert und durch einen Verbindungstrakt an der Südwestseite mit Wahnfried verbunden wurde. Nach Siegfried Wagners Tod am 4. August 1930 diente es seiner Witwe Winifred als Gästehaus, unter anderem für Arturo Toscanini (1931) und Richard Strauss (1933/34). 1957 bezog Winifred Wagner das Siegfried-Wagner-Haus und bewohnte es bis zu ihrem Tod im Jahr 1980. Heute befinden sich dort die Verwaltungsräume von Richard-Wagner-Archiv und -Bibliothek.

Von 1972 bis 1976 wurden Haus und Park in der ursprünglichen Form wiederhergestellt. Seit 1976 ist darin das Richard-Wagner-Museum mit einer ständigen Ausstellung über Richard Wagner und die Bayreuther Festspiele beheimatet. Angegliedert sind ein Nationalarchiv und die Forschungsstätte der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth. Ab 2012 wurde das Museum erweitert und umgestaltet, im Juli 2015 nach einer dreijährigen Schließung wiedereröffnet. Es umfasst das Haus Wahnfried, das Siegfried-Wagner-Haus und einen vom Berliner Architektenbüro Volker Staab erbauten Neubau.

Lesen Sie mehr auf Richard Wagner Museum und Wikipedia Villa Wahnfried (Sicher Reisen - Die Reiseapp des Auswärtigen Amtes). Fotos von Wikimedia Commons. Wenn Sie eine Anregung, Kritik oder einen Hinweis zu dem Beitrag haben, freuen wir uns auf Ihre E-Mail an kommentar@wingsch.net. Nennen Sie dazu im Betreff bitte die Überschrift des Blogbeitrags, auf den sich Ihre E-Mail bezieht.




Das könnte Sie auch interessieren:

Diesen Beitrag teilen: (Vor Nutzung der Button Datenschutzregelungen beachten)

Opéra Garnier in Paris

Opéra Garnier in Paris

[caption id="attachment_169105" align="aligncenter" width="590"] Palais Garnier © flickr.com - Peter Rivera/cc-by-2.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Opéra Garnier, auch Palais Garnier genannt, ist eines der zwei Pariser Opernhäuser, die der staatlichen Institution Opéra National de Paris unterstehen. Die Opéra Garnier wurde 1875 eröffnet und steht am rechten Seineufer im 9. Arrondissement. Ihren Namen verdankt sie ihrem Erbauer Charles Garnier. Seit der Eröffnung der Opéra Bastille im Jahre 1989 wird die Opéra Garnier h...

[ read more/mehr lesen ]

Die Eremitage in Sankt Petersburg

Die Eremitage in Sankt Petersburg

[caption id="attachment_25947" align="aligncenter" width="590"] Winter Palace at night © Robert Breuer/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die von Katharina der Großen begründete Eremitage liegt in der Stadt Sankt Petersburg an der Newa und ist heute eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. In mehr als 350 Sälen, darunter dem Winterpalais, sind über 60.000 Exponate ausgestellt. Im Archiv befinden sich fast drei Millionen Objekte, unter anderem archäologische Exponate sowie die neben dem Louvre und de...

[ read more/mehr lesen ]

Das Kunstareal in München

Das Kunstareal in München

[caption id="attachment_24774" align="aligncenter" width="590"] Kunstareal © Maximilian Dörrbecker/cc-by-sa-2.5[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Das Kunstareal München ist ein Museumsviertel in der Maxvorstadt in München. Obwohl das Museumsviertel als solches historisch gewachsen ist, wird der Begriff Kunstareal erst seit der Entstehung der Pinakothek der Moderne und des Museum Brandhorst verwendet. Auch einige naturwissenschaftliche Museen des Staates befinden sich in unmittelbarer Nähe, so das Paläontologische Museum, ...

[ read more/mehr lesen ]

Aschkelon im Südbezirk Israels

Aschkelon im Südbezirk Israels

[caption id="attachment_152014" align="aligncenter" width="590"] Askelon Beach © Alexey Goral/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Aschkelon ist eine Stadt im Südbezirk Israels. Sie liegt nördlich von Gaza-Stadt. In der Nähe der antiken Stadt befand sich seit 1832 die arabische Siedlung al-Majdal. Seit 1948 bestand ein Auffanglager für jüdische Neueinwanderer. 1955 wurde das vormals arabische al-Majdal eingemeindet. Um Aschkelon zu fördern, erhielt es den Status einer Entwicklungsstadt. Das Zentrum des heutigen...

[ read more/mehr lesen ]

Deutsches Historisches Museum in Berlin

Deutsches Historisches Museum in Berlin

[caption id="attachment_162404" align="aligncenter" width="590"] Armory Unter den Linden © VollwertBIT/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Die Stiftung Deutsches Historisches Museum (DHM) ist eine Stiftung sowie ein Museum für deutsche Geschichte in Berlin und versteht sich als Ort der "Aufklärung und Verständigung über die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Europäern". Es ist eines der am häufigsten besuchten Museen Berlins. Das Museum befindet sich im Zeughaus Berlin Unter den Linden in Berlin-Mitte und in dem ...

[ read more/mehr lesen ]

Der Tourismus in New Orleans - Segen und Fluch zugleich

Der Tourismus in New Orleans - Segen und Fluch zugleich

[caption id="attachment_2250" align="aligncenter" width="590" caption="New Orleans Montage - From top left: A typical New Orleans mansion off St. Charles Avenue, a streetcar passing by Loyola University and Tulane University, the skyline of the Central Business District, Jackson Square, and a view of Royal Street in the French Quarter. © Gonk/Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0"][/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Wie in vielen anderen Orten auch, gilt in New Orleans der Tourismus als wichtige Einnahmequelle für die Region. Ni...

[ read more/mehr lesen ]

Cagliari auf Sardinien

Cagliari auf Sardinien

[caption id="attachment_154223" align="aligncenter" width="590"] Flamingoes at Cagliari © Stefano Marrocu/cc-by-sa-3.0[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Cagliari ist die größte Stadt Sardiniens, Hauptstadt der Autonomen Region Sardinien in Italien sowie Hauptstadt der Provinz Cagliari. Die Stadt selbst hat 154.019 Einwohner (Stand 31. Dezember 2013), Agglomeration etwa 470.000, und liegt im Süden der Insel, am Ufer des nach ihr benannten Golfes. Die Hafenstadt verfügt über eine Universität. Die Altstadt von Cagliari wird Castell...

[ read more/mehr lesen ]

Røros in Norwegen

Røros in Norwegen

[caption id="attachment_150888" align="aligncenter" width="590"] © Hogne[/caption][responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Diesen Beitrag vorlesen"]Røros ist eine Bergstadt in der gleichnamigen Kommune (Gemeinde) im mittelnorwegischen Verwaltungsbezirk Sør-Trøndelag nahe der Grenze zu Schweden. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde hier Kupfererz abgebaut, was das Aussehen der Stadt sehr geprägt hat. Die noch großteils erhaltene alte Bausubstanz hat Røros eine Eintragung auf der World Heritage List der UNESCO eingebracht. ...

[ read more/mehr lesen ]

Return to Top ▲Return to Top ▲
© Sanseiya/cc-by-sa-3.0
Themenwoche Elsass – Colmar

Colmar ist nach Straßburg und Mülhausen die drittgrößte Stadt im Elsass und Hauptstadt des Département Haut-Rhin. Colmar zählte sie 67.000...

Cruising near Pserimos © kallerna/cc-by-sa-3.0
Kalymnos in der südlichen Ägäis

Die griechische Insel Kalymnos bildet zusammen mit Telendos, Pserimos und einigen kleinen unbewohnten Inseln eine Gemeinde in der Region Südliche...

Old town hall on Place de la Réunion © Wladyslaw/cc-by-sa-3.0-de
Themenwoche Elsass – Mülhausen

Mülhausen ist eine Stadt im Osten Frankreichs. Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur des Arrondissements Mulhouse im Département Haut-Rhin. Das...

Schließen